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KersD!öer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger Dr den Kreis hersfelS

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Bucbdri.^-i-.i

Nr. 2

Montag, den 4. Januar 1932

82. Jahrgang

Mißglückte Gtreithehe im Ruhrgebiet

Parole -er Kommunistischen Gewerkschaftsopposttion von der Mehrheit der Bergarbeiter nicht befolgt

Lenkt Frankreich ein?

Der unhaltbare Standpunkt in der Reparationsfrage.

Paris, 4. Januar.

Die französische Presse hat bekanntlich noch vor kurzem täglich immer wieder erklärt, die Verhandlungen über die eingefrorenen Kredite hätten nichts zu tun mit den Ver­handlungen über die Reparationszahlungen. Auch Minister­präsident L a v a l hat ähnliche Erklärungen abgegeben.

Es überraschte daher einigermaßen, datz man am Sonn­abend lesen konnte, die französische Regierung könnte sich über den Zeitpunkt in L a u s a n n e erst dann be­sprechen, wenn die in Berlin tagenden Bankiers einig geworden wären.

Demnach erkennt die französische Presse also doch eine Beziehung zwischen den kurzfristigen deutschen Verpflichtun­gen und den Reparationszahlungen an und muß, wenn auch stillschweigend zugeben, daß sie bei der Behandlung des Reparationsproblems «jnen Standpunkt vertreten hat, den sie jetzt aufgeben muß.

England hegt Bedenken gegen Verschiebung der Reparationskonferenz.

London. In hiesigen politischen Kreisen hegt man ernste t Bedenken gegen eine Verschiebung der Lausanner Repara- tionskonferenz vom 18. auf den 20. Januar, die von Frank- z reich propagiert wird. Man befürchtet, daß dadurch der Er­folg sowohl der Reparationskonferenz als auch der Weltab- rüstMIskonferenz, die für den 2. Februar angefetzt ist, in

1 Frage gestellt werde. Nach Ansicht maßgebender Persönlich-

- keilen der englischen Oeffentlichkeit müßte ei D Ich zögerung im Beginn_der Laulanne^Konsererr "r" '»ung x ^siruffungskonferenz i'

lung zur Folge haben. Auch sei es in solche

/daß Reparations- und Abrüstungskonferenz zu gleichen Zeit­punkten abgehalten und daher ihre endgültigen Beschlüsse verschoben werden.

nuar

Wie verlautet, soll der britischen Regierung sogar ein näherer Zeitpunkt als der von ihr vorgeschlagene 18. Januar ür den Beginn der Lausanner Reparationskonferenz vorg«- chwebt haben.

Der englisch-indische Konflikt

Die Antwort des Vizekönigs an Gandhi.

Reu Delhi, 4. Januar.

Der Vizekönig erwiderte auf das ausführliche Tele­gramm Gandhis vom 1. Januar, er und die Regierung be­dauerten, daß der Ausschuß des Nationalkongresses die Be­schlüsse gefaßt habe, die für den Fall, daß gewisse Bedingun­gen nicht erfüllt werden, die Wiederaufnahme des Feldzuges des zivilen Ungehorsams vorsehen. Keine Regierung könne zulassen, daß man ihr Bindungen durch eine Drohung auf- zwinge. Er und die Regierung müßten Gandhi und den Nationalkongreß für alle Folgen verantwortlich machen, die sich aus der vom Nationalkongreß beabsichtigten Aktion ergeben könnten. Die Regierung werde alle Maß­nahmen ergreifen, um diese Aktion zu bekämpfen.

Gandhi erklärte in B o m b a y, der Vizekönig habe in seiner Antwort gewissermaßen die Türe schroff vor ihm zu- geschlagen, indem er für die von Gandhi erbetene Unter­redung Bedingungen stellte, die kein Mensch, der Selbst­achtung besitze, habe annehmen können.

Gandhi ist verhaftet

London. Die Lage in Indien scheint immer kritischer zu werden. Die Blätter kommen mit ihren Ansichten darin überein, daß Indien am Vorabend großer Entscheidungen stehe.

Reuter berichtet aus Bombay, Gandhis Verhaftung stehe unmittelbar bevor und man erwarte, daß der Kongreß jeden Augenblick Dr ungesetzlich erklärt werde. Man glaube auch, daß jede finanzielle Unterstützung des Kongresses ver- boten werde.

Gandhi erklärte dem Reuterkorrespondenten am Sonn- tag früh um 2 Uhr, er erwarte jede Minute, verhaftet zu werden. Er erklärte weiter, betrübt zu sein, daß der Vize- könig ihm das Telegramm gesandt hat. Gandhi widmete sich früh seinen täglichen Gebeten. Räch Verrichtung der Mor. genandacht meinte er:Vielleicht ist dieses unser letzter Morgen des Gebetes".

Wie verlautet, sollte Gandhi Sonntag gegen Mitternacht etwa 70 Meilen nördlich von Bombay verhaftet werden. Die Festnahme konnte nicht erfolgen, weil Gandhi seine für die Sonnlagnacht vorgesehene Abreise nach Ahmedabad in letzter Stunde aufschob. Die Polizei soll aver neue Maßnahmen für eine Verhaftung des indischen Freiheitskämpfers in Er- wägung gezogen haben.

*

Räch den um Mitternacht eingetroffenen letzten Met« düngen ist Gandhi bereits verhaftet worden.

Aar eigener Kraft

Eine Reujahrsbekrachkung Minister Groeners.

Reichswehrminister Groener, beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsinnenministers, ver­öffentlicht zu Beginn des neuen Jahres einen längeren Ar­tikel, in welchem er u. a. sagt:

Das Schicksal Deutschlands liegt in unserer Hand. Die Wendung, die wir erhoffen, wird nicht durch irgendwelche Wunder herbeigeführt werden. Die großen Entscheidungen, die in diesem Jahre über Deutschlands Zukunft fallen wer­den, hängen in höchstem Maße davon ab, ob sich das deutsche Volk Illusionen hingibt oder den nüchternen Sinn für das Notwendige und Erreichbare behält.

Vor zwei Illusionen möchte ich vor allem warnen. Es gibt keine Palenlösung, die uns von der Rok der Gegen­wart befreien könnte. Keine Regierung, von welcher Seite sie auch kommen sollte, kann dem einzelnen die Sorge um seine wirtschaftliche Existenz abnehmen. Es gibt auch keine Lösung der unendlich schwierigen außenpolitischen Fragen, die nicht auf der eigenen Kraft Deutschlands beruht. Wer Hilfe und Rettung vom Ausland erwartet, die wir uns nicht selbst errungen haben, gibt sich ebenso Illusionen hin wie der, der glaubt, man könne das deutsche Volk vom Welt­geschehen abschlietzen.

Der Wehrmacht, der Polizei und der Beamtenschaft fallt im neuen Jahre die besondere Aufgabe zu, den inneren Bestand des Staates so zu sichern, daß sich die Kräfte, die für die schweren außenpolitischen Entscheidungen eingesetzt werden müssen, frei entfalten können. Zu dieser Entfaltung der Kräfte gehört aber vor allem auch der Wille, nicht in alle Gebiete, auf denen wir zusammenarbeiten müssen, par=

s t müßte eins weitere 9Vr« ^cme:e, au, veuen wir zuiummenarvenen laufen, par-

^r i^'^rj^ ?^' der religiösen Erhebung und kulturellen Weiterentwicklung I es in solchem Falle möglich Bolkes d enen sollen ^iwrtmiwiuiunä

gskonferenz zu gleichen Zeit- -uorres Dienen «ollen.

X, ' - VV.. u , V. Till«« HVAnÄhn« in ^^^t4^s^r^»> InnA^i^A^ M« «k»^ Ak^h^

Dir brauchen in Deutschland Menschen, die ihre Kräfte nicht in innerem Parteistreit verbrauchen, sondern sie voll für die großen Schicksalsfragen der Ration einsetzen können. Wenn ich für das deutsche Volk an dieser Jahreswende einen Wunsch habe, dann ist es der, daß es die Ausdauer besitze, den Kampf um seine Freiheit durchzuhalten, dessen Sieg auf Arbeit und Opfern beruht.

In diesem Sinne wende ich mich zum neuen Jahre auch an die Jugend. Gegenüber der werbenden -Kraft be­geisternder Ideale muß der Staat euch immer wieder mah­nen, den Sinn für die ernste Wirklichkeit nicht zu verlieren. Das ist in Zeiten der Not die undankbarere Aufgabe. Aber wer von der Verantwortung um Deutschlands Zukunft er­füllt ist, weiß, daß es nicht in erster Linie die Aufgabe des Staates ist, zu werben, sondern zu erziehen. Erziehung zur Ehrfurcht vor Gott, zur Achtung vor der selbstlosen Ar­beit an der Nation, zum Gehorsam gegenüber Führern und Gesetzen, zur Liebe zum Vaterlande. Erziehung zu harten Kämpfern im täglichen Leben und in den Schicksalsstunden des Vaterlandes.

Entscheidangsjahr 1932

Treviranus über die Aufgaben des neuen Jahres.

Reichsminister Treviranus hat mehreren nordischen Blättern auf eine Neujahrsrundfrage folgende Antwort zu­gehen lassen: Auf ihre Frage nach den Wünschen, die ich für das neue Jahr in bezug auf Deutschland, Europa und die Welt habe, läßt sich nur eine Antwort geben: Die In­teressengemeinschaft der Völker der Erde ist unbeschadet aller nationalen Bedürfnisse und Ansprüche allmählich so stark geworden, daß ein politisch und wirtschaftlich krankes Volk wie ein Ansteckungsherd sich den anderen mitteilt und daß deshalb die politische und wirtschaftliche Gesundung Deutschlands in allererster Linie eine Vorbedingung für die politische und wirtschaftliche Gesundung der anderen Länder Europas ist, wie das auch im Baseler Gutachten betont und anerkannt wird.

Die unheilvolle Wirkung der künstlichen Reuordnung Europas, die durch den Verfailler Vertrag geschaffen wurde, und die den organischen Lebensbedingungen unseres Konti­nents widerspricht, läßt in Verbindung mit den unerfüll­baren Kriegsschuldenforderungen weder Deutschland noch Europa, selbst nicht den amerikanischen und den asiatischen Kontinent zur Ruhe kommen.

Eine wirtschaWeindliche Entwicklung, die sich in einer immer stärkeren^Wchließung der einzelnen Länder vom internationalen Wirtschaftsverkehr zeigt, führt zur Verküm­merung der Lebensmöglichkeiten und damit zur wachsenden Verelendung von Millionen arbeitswilliger Menschen. Jede internationale Konferenz endet immer wieder mit der Be­tonung, daß eine großzügige Zusammenarbeit zwischen den Völkern durchaus erforderlich ist. Das einzige, das Ver­stand und Herz für das Jahr 1932 wünschen lassen, ist, daß diese Erkenntnis sich auch auf den bevorstehenden Konfe­renzen zur Regelung der Reparationsfrage und der Ab- rüftungsfrage endlich durchsetzen wird.

wir stehen in der Entscheidungsstunde um das Schicksal unserer europäischen Sioiliiation. Die iunae Generation re­

voltiert gegen Verpflichtungen, die ihr moralisch unberech- ligt und materiell untragbar erscheinen. Diese Stimmen sollte man nicht überhören, denn sie werden sich immer wieder und immer eindringlicher erheben. Friede und Wohlfahrt oder Lhaos das neue Jahr bringt die un­ausweichliche Entscheidung!

Wiederbeginn der politischen Arbeit

Fortschreitende Stillhalleverhandlungen.

Die politische Ruhepause, die für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verfügt worden ist, ging am Sonntag zu Ende. Reichskanzler Brüning kehrte nach Ber- [in. zurück. Die Minister Dietrich und Groener sind zur Zeit noch von Berlin abwesend. Vizekanzler Dietrich wird am 6. Januar anläßlich des demokratischenDreikönigsta- ges" in Stuttgart eine Red« halten.

Die Berliner Stillhalleverhandlungen, die die Weih- nachlskage über ausgeseh worden sind, wurden bereits am 28. Dezember wiederaufgenommen. Sie werden angesichts der nahenden Tribulkonferenz mit allem Rachdruck fortge­setzt, da nach einmütiger Ansicht bis dahin ein Ergebnis er­zielt werden muß. Es ist zu hoffen, daß auch in dieser Frage im Interesse einer Beruhigung und Besserung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse und mit Rücksicht auf die bevorstehenden Tributverhandlungen eine Endlösung her­beigeführt wird.

Erfolglose tommnailtische Setze

Wilde Teilskreiks im Ruhrbergbau.

Die auf Gruno der Rstverorbmmg nunmehr in Kraft getretene 10prozentige Lohnkürzung für die Bergarbeiter des Ruhrbergbaues wurde von radikaler Seile dazu benutzt, einen wilden Streik anzuzetteln, der aber bisher nur in zwei Schachtanlagen befolgt wird, und zwar van den Schachkan- lagenBergmannsglück" in Gelsenkirchen-Buer undRhein­preußen" am Riederrhein. Auf der Zeche Bergmannsglück streiken von 630 Mann der Morgenschicht 374.

Auf der ZecheVrassert" in M a r l wurden zwei Kom­munisten festgenommen, weil sie zum Streik aufforderten und den Betriebsführer bedrohten. In Disteln wurden ar­beitswillige Bergleute mehrfach belästigt. Die Polizei säu­berte unter Anwendung des Gummiknüppels die Straßen.

Von der großangelegten Aktion, die die Kommunisten im rheinisch-westfälischen Industriegebiet einleiten wollten, ist bis zur Stunde nichts zu spüren.

In Weste rh o lt versuchten mehrere Bergarbeiter, in den Waschkauen zum Streik aufzufordern. Sie wurden fristlos entlassen. Dasselbe geschah in Mark auf der Zech« Brassert.

In G l a d b e ck sind die Zugangsstraßen zu den Zechen mit Glasscherben bestreut worden, anscheinend um die Be­reifung der Fahrräder der arbeitswilligen Bergleute zu be­schädigen.

Auf den Straßen in Buer bildeten sich verschiedene Sprechchöre, die zum Streik aufforderten. Beim Erscheinen der Polizei flüchteten jedoch die Kommunisten.

In Gelsenkirchen wurde in einer Straße der Stadt ein mehrere Zentner schwerer Findling auf die Straßenbahngleise gelegt. Der Stein wurde jedoch recht­zeitig bemerkt, so daß weiteres Unheil verhütet wurde.

In M ü l h e i m wurden etwa 100 Personen festgenom- men, die versucht hakten, teilweise unter Anwendung von Gewalt, Arbeitswillige am Betreten der Arbeitsstätten zu verhindern. Bei den Festgenommenen wurden Flugblätter, Stich- und Hiebwaffen usw. vorgefunden.

Stratzenuuruhen im Ruhrgebiet

M. d. R. Frank verhaftet.

Gelsenkirchen. Sie Polizei löste eine von den Kommu­nisten einberufen« Versammlung auf, die der Behörde zur Irreführung als geschlossene Belegschaftsversammlung der Bergarbeiter angemeldet worden war. Bier Versammlungs­leiter, darunter der kommunistische Reichstagsabgeordnet« Walter Frank aus Berlin, wurden festgenommen.

In Mark kam es zu S t r a ß e n u n r u h e n, als kom­munistische Elemente die Lichtleitungen zerstörten und die Straßenlaternen «inschlugen. Mehrere kommunistische Sprechchöre, die zum Streik aufforderten, bewegten sich durch die Straßen. Sie Polizei griff ein und stellte die Ruh« wieder her.

Preissenkung für Stickstoffe

Berlin. Das Stickstoffsyndikat gibt bekannt, daß die Preise für stickstoffhaltig« Düngemittel auf Grund der Not­verordnung um durchschnittlich zehn Prozent gesenkt werden mit Ausnahme der Preise für Kaliftickstoff, deren Festsetzung noch nicht erfolgen konnte. Sie Frist dafür ist bis zum 10. Januar verlängert worden, jedoch wird eine Rückwirkung für alle Bezüge ab 1. Januar 1932 erfolgen.

Sie bereits im August 1931 durchgeführte Preisermäßl«. guna von durchschnittlich etwa fünf Prozent ist in die neuen, Ereile eingerechnet worden, i