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Hersf-rl-er Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Mtlichrr Mnzeiger Dr den Kreis Hersfelö

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDJV.

Nr. 10

Mittwnch, den 13. Januar 1932

82. Jahrgang

Nunmehr

Nach der ablehnenden Antwort Hitlers

Das Ball wählt Hindenburg

Nachdem die Bemühungen Brünings gescheitert sind, wird es sich nun darum handeln, eine Wiederwahl Hinden- burgs durch Volkswahl vorzubereiten. Man steht in inter­essierten Kreisen aus dem Standpunkt, daß hierzu Bemü­hungen amtlicher Stellen unangebracht seien und alle wei­teren Maßnahmen aus dem Volke selbst kommen müßten. Es wird darum mit der Bildung eines Ausschusses für die Vorbereitung der Wahl gerechnet, wie er bereits bei der ersten Wahl hindenburgs bestanden hat.

Hugenberg au Brüning

Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Gs- heimrat Dr. H u g e n b e r g , hat dem Reichskanzler als Stellungnahme der Deutschnationalen auf die Aktion zur Verlängerung der Amtszeit Hindenburgs folgendes Schrei­ben übermittelt:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutschnationale Volkspartei zu Ihrem Vorschläge der parlamentarischen Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg, stelle. Sie, Herr Reichskanzler, konnten diese Frage nicht aufgerollt haben, wenn Sie dabei nicht des Ein­verständnisses des Zentrums und der SPD. sicher gewesen wären. Es find dies die Parteien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsidenten auf das schärfste bekämpft haben. Mit dem Rückhalt dieser Parteien treten Sie jetzt an uns heran, die wir einst diese Wahl angeregt und durchgeführt haben. Sie begrün­den Ihr Vorgehen mit der außenpolitischen Notwendigkeit einer Stärkung der Stabilität der deutschen Regierungsgewalt Gleichzeitig schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfind­lich durch die zähe Aufrechterhaltung einer Regierung im

Sie begründen die Notwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wirkung einer einheitlichen Der- trauenskundgebung für den Herrn Reichspräsidenten. Dem­gegenüber sind wir der Auffassung, daß die außenpolitische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktritt der jetzigen Regierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Willen des deutschen Volkes dem Auslande gegenüber glaubhaften Ausdruck zu geben. Sie, Herr Reichskanzler, erstreben die Wiederwahl auf dem Wege der Beschlußfassung des Parlaments. Nach der Verfassung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Volke aus. Dies Recht auf den Reichstag zu übertragen, liegt um so weniger Anlaß vor, als der Reichstag der wahren Volksmeinung nicht mehr entspricht.

Als die alten Anhänger des uns nach wie vor verehrungs- würdigen Generalfeldmarschalls glauben wir zu der Bemer­kung berechtigt zu sein, daß die Art seiner Hineinziehung in parteimäßige und parlamentarische Erörterungen der verfas­sungsrechtlichen Stellung und dem hohen Ansehen nicht gerecht wird, das der Herr Reichspräsident im deutschen Volke genießt. Diese Tatsache wird durch die öffentliche Behandlung der An­gelegenheit bedauerlich verstärkt. Der parlamentarische Wahl­akt würde als eine Vertrauenskundgebung weniger für den Herrn Reichspräsidenten als für die von uns bekämpfte Politik und insbesondere Außenpolitik der jetzigen Reichsregierung wirken.

Unter diesen Umständen muß ich Ihnen nunmehr endgültig mitteilen, daß eine Billigung oder Unterstützung Ihres Vor­gehens von uns nicht in Frage kommen kann.

Mit vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr ergebener gez. Hugenberg.

Hitlers Absage

Berlin, 13. Januar.

Der Führer der Nationalsozialistischen Partei, Adolf Hitler, hat gestern an den Reichskanzler Dr. B r ü n i n g ein Schreiben gerichtet, in dem er dem Reichskanzler mik- teilt, daß die NSDAP. bei aller Verehruna für die Person des Reichspräsidenten nicht in der Lage sei, dem Vorschlag einer parlamentarischen Verlängerung der Amtsdauer Hin­denburgs zu unterstützen. Er. Hitler, lehne daher namens der nationalsozialistischen Bewegung die Zustimmung ab.

Die verfassungsrechtlichen, außen- und innenpolitischen sowie moralischen Gründe", so heißt es in dem Brief weiter, die uns zu dieser Stellungnahme bewegen, werde ich Ihnen, sehr geehrter Herr Reichskanzler, in einer eingehenden Dar­legung umgehend zustellen."

Hitlers Brief wurde gestern abend dem Reichskanzler durch Hauptmann G o e r i n g persönlich überreicht.

Thälmann Kandidiert

Berlin, 13. Januar.

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei hat beschlossen, bei den Reichspräsidentenwahlen in jedem Falle als eigenen Kandidaten den Vorsitzenden der Partei Ernst Thälmann aufzustellen. Begründet wird dieser Ent­schluß damit, daß die Partei die Präsidentschaftswahlen nicht als parlamentarische, sondern als außerparlamentarische Aufgabe und als einen Bestandteil des in ihrem Programm festgelegten Klassenkampfes ansieht.

Volkswahl Hindenburgs

und Hugenbergs ersuchte Hindenburg den Kanzler, seine Bemühungen zu beenden

zahien

Dietrich über die Notwendigkeit einer Endlösung.

Berlin, 13. Januar

Der Reichsfinanzminister und Vizekanzler Dr. Dietrich erläuterte in einer Unterredung mit dem Vertreter der United Preß" den deutschen Standpunkt in der Tributfrage am Vorabend der Lausanner Konferenz.

Dietrich erklärte, Deutschland sei der Meinung, daß die Zollpolitik aller Länder die Erfüllung des Doungplanes un- möglich gemacht habe. Denn Deutschland nicht zahlen könne, so handle es sich hierbei nicht um eine Böswilligkeit Deutsch- lands, sondern um eine finanzielle und wirtschaftliche Un­möglichkeit. Dazu komme, daß Deutschland seine privaten Schulden zurückzahlen müsse und entschlossen sei, sich diesen Verpflichtungen, obwohl gegenwärtig eine Stockung einge­treten sei, nicht zu entziehen. Wenn die Zollschranken in der ganzen Welt fallen würden, dann könne Deutschland seinen Außenhandel um mehrere Milliarden ausdehnen und damit eine neue Lage in bezug auf seine Zahlungsfähigkeit her­beiführen.

Deutschland glaube, daß die sich unter dem Druck der Re­parationen immer mehr verschärfende Weltkrise die Repa- rationsgläubiger zu einer Endlösung führen werde. Daher werde alles aufgeboten werden müssen, die Konferenz so lange tagen zu lassen, bis die endgültige Lösung erreicht sei Der Baseler Bericht habe bestätigt, daß die Voraussetzungen, von denen die Verfasser des Poungplanes ausgegangen seien, nicht eingetroffen seien.

Reichsminister Dietrich betonte dann auch im Hinblick auf die Erklärungen des RÄchSkanzlers zur Tribukfrage, daß der Reichskanzler nicht von Deutschlands Nichkwollen, son­dern von seinem Nichkkönnen spreche. Weitere Skeuererhö- hungen seien für Deutschland unmöglich, und es könne auch aus den Steuerquellen nicht mehr herausgepreßt werden.

Zur Veranschaulichung der Tatsache, daß die Steuer­schraube nicht weiter angezogen werden könne, führte Dr. Dietrich Daten über den Rückgang der Erträgnisse aus der Bier- und Branntweinsteuer an. Die Branntweinmonopol­abgabe habe 1931 21,8 Millionen Mark (10 o. H.) weniger als 1930 erbracht, während die Erträgnisse der Biersteuer in den letzten acht Monaten des Jahres 1931 um 71,7 Milli­onen Mark, d H. um volle 21 v. H. geringer gewesen seien als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres.

In der Unterredung wurde dann auch dieReichsprä - sidentenwahl berührt. Dietrich erklärte, daß für sie Entwicklung in Deutschland die Reichspräsidentenwahl ent­scheidend sei, und daß die späteren Wahlen in Preußen da­gegen an Bedeutung zurückständen. Sollte Herr von Hinden­burg wiedergewählt werden, so sei für Deutschland d'e Sicherheit für eine völlige Legalität des Regierungssystems gegeben, gleichgültig auf welche Weise die Wiederwahl in die Wege geleitet werde. Komme es zu einem Wahlgang zwischen anderen Kandidaten, in dem Reichspräsident von Hindenburg nicht kandidieren sollte, dann werde das Schick­sal des deutschen Volkes erst recht vom Ausgang des Wahl­kampfes, der sehr heftig geführt werden würde, abhängen. Siegten die Gemäßigten, so sei der nationalsozialistische Spuk verflogen, unterlägen sie aber, so seien die Folgen unabsehbar.

Frankreich wußte Bescheid Brüning hak Poncet vor Rumbold informiert.

Paris, 13. Januar.

Es stellt sich nunmehr vollkommen einwandfrei heraus, daß die französische Oefsentlichkeit in der Beurteilung der Erklärung des Reichskanzlers von falschen Voraussetzungen ausgeht, wenn sie von einer einseitigen Informierung des englischen Botschafters spricht. Tatsache ist vielmehr, daß der französische Botschafter Francois-Poncet vor seiner Abreise nach Paris durch den Reichskanzler in völlig gleichlautender Weise unterrichtet worden war und dem Ministerpräsidenten Laval darüber Bericht erstattet hat. Die Unterredung Bru- ning mit Francois-Poncet lag dabei zeitlich vor der Bespre­chung mit dem britischen Botschafter.

Merkwürdigerweise ist diese Klarstellung der Dinge bisher nicht in die französische Presse gedrungen. Der fran­zösischen Regierung hätte es ein leichtes sein können, die französische Presse, die immer noch von einerUmgehung Frankreichs" und von einemabgekarteten Spiel mit Eng­land" spricht, richtig zu informieren. Der deutsche Botschaf­ter von Hoesch hat inzwischen Gelegenheit genommen, den französischen Ministerpräsidenten noch einmal über den deut­schen Standpunkt zu unterrichten, der kurz zusammengefaßt so formuliert wird, daß die Reichsregierung auf Grund des Baseler Berichtes eine das Vertrauen wiederherstellende Endlösung anstrebt und nicht gewillt ist, Zahlungsverpflich­tungen zu übernehmen, deren Einhaltung ihr unmöglich sei.

Ministerpräsident Laval hat demgegenüber erklärt, daß die französische Regierung einen anderen Standpunkt per-

trete. jm Hinblick auf Sie Kabinettskrise hat er sich jedoch eine offizielle Stellungnahme Vorbehalten.

Eine längere Aussprache zwischen dem Botschafter von Hoesch und Francois-Poncet hat gleichfalls stattgefunden.

Fünfjähriges Moratorium?

Vor einem englisch-französischen Schritt in Amerika.

Washington, 13. Januar

Wie in gutunterrichteten Kreisen verlautet, bereiten England und Frankreich einen gemeinsamen Schritt bei den Vereinigten Staaten in der Schuldenfrage vor. Die beiden Mächte beabsichtigen angeblich, infolge der Erklärung Brü­nings über die Unmöglichkeit weiterer deutscher Tributzah­lungen ein fünfjähriges Moratorium zu beantragen. Man erwartet, daß die endgültige Form dieses Antrages in Lau­sanne ausgearbeitet werden wird.

FeWellnng von Tatsachen"

London, 13. Januar

Das englische Kabinett bat es derTimes" zufolge ab- gelehnt, aus der Erklärung Brünings über die Tributfrage, eine Drohung oder ein Ultimatum herauszulesen. Die Erklä­rung gebe nach Auffassung des Kabinetts lediglich die An­sichten der deutschen Regierung über die Lage wieder. wie sie durch den Baseler Bericht aufgedeckt worden sei. Das englische Kabinett sei weiter der Meinung daß es im Au­genblick nichts in der Frage zu tun habe, ob Dr. Brüning den richtigen Zeitpunkt für feine Erklärung gewählt habe. Somit entfalle jetzt die Notwendigkeit, der Erklärung beizu- stimmen oder sie zu verurteilen. Die Gelegenheit hierzu werde erst in Lausanne kommen.

Mussolinis Meinung

Die Zeilen für Tribukskreichung reif."

Rom, 13. Januar.

Unter der UeberschriftEs ist Zeit, die tragische Rech­nung des Krieges zu schließen", veröffentlicht derPopolo d'Jtalia" einen Artikel, der zweifellos von Mussolini stammt. Der 2Irtifel kommt zu der Forderung, daß, wenn die Kon­ferenz von Lausanne den Knoten nicht lösen könne, es besser wäre, sie gar nicht einzuberufen. Denn man sollte endlich einmal mit der kostspieligen und gefährlichen Manie der Konferenzen Schluß machen. Die Tatsachen und nicht die Doktrinen oder Sympathien forderten die radikale Lösung. Tatsachen feien die Feststellungen und Beschlüsse des bera­tenden Komitees von Basel.

Deutschland", heißt es weiter in dem Artikel,hat schon allerhand bezahlt und ist heute unfähig, weiterzuzahlen. Die deutsche Krise ist zur Weltkrise erweitert. Sie hat auch die­jenigen nicht verschont, die geglaubt haben, sich retten zu kön­nen; wir meinen Frankreich. Eine Besserung ist nicht ab- zusehen. Es ist absolut notwendig, daß die wirtschaftliche Lage noch innerhalb 1932 sich bessert, denn es erscheint aus­geschlossen, - die Menschheit einen Winter 1932/33, der noch schwerer sein würde als der jetzige, ertragen könnte, ohne daß es zu Ordnungsstörungen von unvorherfehbarer Tragweite käme."

Es wird dann die innere Unlogik der interalliierten Schulden gekennzeichnet und ebenso ihre Unwirtschaftlich- keit.

Die Zeiten sind reif", so schließt der Artikel,für alle seit heute, für uns Faschisten seit zehn Jahren."

Zeugen der deutschen wlrtschaftsnot.

Unabsehbare Reihen leerer Cisenbabnwagaons stehen seit Wochen auf toten Geleisen tm Ruhrgebiet.