Hersfelöer Tageblatt
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smn»«« ^. «>8. Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 11
Donnerstag, den 14. Januar 1932
82. Jahrgang
Volksbegehren für Hindenburg?
Während die Nationalsozialisten den Rücktritt Brünings als Voraussetzung für die Wiederwahl Hindenburgs bezeichnen, hat der Iungdeutsche Orden ein Volksbegehren für Amtsverlängerung eingereicht
Volksbegehren über Amtsverlängerung
Vom Jungdeutschen Orden eingereicht.
Berlin, 14. Januar.
Die Iungdeutsche Bewegung hat soeben beim Reichsinnenminister einen Antrag auf Zulassung eines Volksbe- gel>rens über die Amtsverlängerung Hindenburgs einge- reicht. Diesem Antrag soll sich auch die ^olksnationale Reichsvereinigung angeschlossen haben. In einem Aufruf avpelliert der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, Arthur Mahraun, an die anderen Verbände und Bünde, sich diesem Volksbegehren anzuschließen.
Mahrauns Aufruf zur Amtsverlängerung Hindenburgs lautet: Der Reichspräsident von Hindenburg hat seine Bereitwilligkeit erklärt, das Amt des Reichspräsidenten in der schicksalsschweren gegenwärtigen Zeit weiter zu führen, falls eine entsprechende Mehrheit des Reichstages ihre Zustimmung geben würde. Der Versuch, eine solche Mehrheit zustande zu bringen, ist gescheitert. In der Erörterung einer Volkswahl Hindenburgs treten die Gegensätze der Parteien bereits erneüt in den Vordergrund, und es liegt die große Gefahr vor, daß ein neuer Streit darüber entbrennt, wessen Kandidat der Reichspräsident von Hindenburg ist. Es liegt ferner die Gefahr vor, daß zum mindesten ein kommunistischer Gegenkandidat aufgestellt wird. Es ist unbedingt notwendig, die Einheit zu erhalten, welche das deutsche Volk trotz der vorhandenen Gegensätze in seinem Glauben an Hindenburg besitzt.
Die Iungdeutsche Bewegung hat daher bei der zuständigen Stelle die Zulassung eines Volksbegehrens auf Volksentscheid über folgendes Gesetz beantragt: „Unter Außerkraftsetzung entgegenstehender Bestimmungen der Reichs- verfasfung, msvefonvere oer «cm« 4mää ÄUiuöife Amtsdauer des Herrn Reichspräsidenten von Beneckendorf und Hindenburg um weitere sieben Jahre verlängert."
Die Jungdeutsche Bewegung ruft alle Deutschen auf, alle Sonderinteressen zurückzustellen, und an der Durchführung dieses Volksbegehrens sowie des nachfolgenden Volksentscheides mitzuarbeiten."
Bemühungen um die Wiederwahl
In einer geschäftsführenden Vorstandssitzung der Deutschen Staatspartei wurde die Kandidatur Hindenburgs einmütig gebilligt. Es kam zum Ausdruck, daß der Reichspräsident von Hindenburg es abgelehnt habe, als Kandidat einer bestimmten Parteinchtung aufgestellt zu werden. Die Staatspartei vertrete daher die Meinung, daß alles geschehen müsse, um durch die Nominierung Hindenburgs als Volkskandidaten auch der Sozialdemokratie die Zustimmung zu ermöglichen.
Der Termin für die Reichspräsidentenwahl ist vom Reichstag festzusehen, der zu diesem Zweck unter Umständen noch vor dem 23. Februar zusammentreten müßte. Die Reichsregierung wird dem Reichstag einen Termin für die Präsidentenwahl in Vorschlag bringen. Im Reichsinnenministerium wartet man mit dem Vorschlag des Termins jedoch noch, bis die Frage der Kandidatur einigermaßen geklärt erscheint.
Falls -Indeadar, gehl...
Bemerkenswert ist noch, daß auch für den Fall eines endgültigen Scheiterns der Kandidatur Hindenburg in po- lltlsch-parlamentarischen Kreisen bereits Besprechungen über die Frage der Reichspräsidentenwahl stattgefunden haben. Für diesen Fall werden zunächst einmal als Namen für die Reichspräfidenten-Kandidiatur vor allem Dr. Gehler und Dr. Groener genannt. *
Kampfansage FriSs an Brüning
Bei einer nationalsozialistischen Kundgebung in der All- gäuer Tierzuchthalle in München, an der etwa 2000 Personen teilnahmen, sprach der ehemalige thüringische Staats- minister Dr. F r i ck über das Thema „Der Weg zur Freiheit". Im Rahmen seiner Ausführungen beschäftigte sich der Redner auch mit der Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten von Hindenburg und führte dabei nach dem Bericht eines Nachrichtenbüros u. a. aus: Beim nächsten Zusammentritt des Reichstages würden die Nationalsozialisten drei Anträge einbringen: Mißtrauen gegen ben Reichskan-ller Dr. Brüning und das Reichskabinett, Auflösung des Reichstages und Aufhebung der Notverordnungen vom 8. Dezember.
Sollte aber Reichskanzler Brüning noch einmal von diesem Reichstag gestützt werden, dann gebe es nur eine Gelegenheit für die Nationalsozialisten, um der Diktatur ein Ende zu bereiten, und das fei der Tag der Reichspräsiden- tenwahl. Das Maß werde voll, wenn nicht nach Lausanne vom deutschen Volke selbst das Ende Brünings herbeige- führk werde. Man bleibe den Nationalsozialisten mit nationalen Kandidaturen vom Leibe, von denen sie schon so große Enttäuschungen erlebt hätten. „Für Leute", erklärte der Redner im Wortlaut weiter, „die nur mit dem Herzen bei uns sind und sich nicht zu uns bekennen, bedanken wir uns. Dann wählen wir einen Mann aus unseren Reihen, auf den wir uns verlassen können. Das für den Fall, daß das Kabinett Brüning nicht vorher verschwindet. wenn die nationale Opposition an die Regierung tritt, kann man Ar wohl anders verfahren.
In einer nationalsozialistischen Versammlung, die in Kempten stattfand, hatte erst Minister a. D. Dr. Frick die Antwort auf die Frage gegeben, ob eine Wiederwahl Hindenburgs durch eine Volkswahl, auf eine sehr breite Front gestützt, zustande kommen werde. Dr. Frick führte aus:
Auch bei einer etwaigen Volkswahl würden die Na- ttonalfozialisten jedenfalls keinen Finger rühren, um den Reichskanzler Dr. Brüning nicht noch weiter zu unterstützen. Wenn das Kabinett bis zur Reichspräsidentenwahl nicht verschwunden sei, würden die Nationalsozialisten aus ihren Reihen einen Mann aufstellen, auf den sie sich unbedingt v erlassen könnten.
Die Vorgeschichte
Die Pressestelle der Nationalsozialistischen Partei gibt eine Darstellung der Berliner Besprechungen über die Wiederwahl des Reichspräsidenten, in der es heißt:
General Groener schlug für den 7. Januar eine neue Aussprache mit dem Reichskanzler und Hitler vor. Sofort nach Abschluß dieser ersten Unterredung hielt der Führer eine Besprechung mit den Herren seines engeren Stabes ab und teilte ihnen feine Auffassung mit, daß aus verfassungsrechtlichen und politischen Gründen der Vorschlag des Reichskanzlers abgelehnt werden müßte, daß aber der Reichspräsident selbst unter feinen Umständen dadurch bloßgestellt werden dürfe. Eine Zusammenkunft, die am Nachmittag desselben Tages im Reichswehrministerium mit dem Reichskanzler und dem Reichsinnenminister stattfand, ergab keine neuen Momente.
5n einer Besprechung am Freitagvormittag faßte Hitler seine Auffassung nochmals dahin zusammen, daß die durch Brüning vorgeschlagene parlamentarische Aktion nach jeder Richtung hin unmöglich und deshalb abzulehnen sei, daß die stellt werden solle und daß unter gar keinen Umständen durch die Art der Erledigung die Aktion des Reichskanzlers Brüning das persönliche Ansehen des Generalfeldmarschalls von Hindenburg verletzt werden dürfe. Hitler versuchte am Sonntag einen Weg zu finden, der einerseits ohne Schädigung des Ansehens der Person des Reichspräsidenten, andererseits unter Berücksichtigung der Interessen der nationalsozialistischen Bewegung aus der Situation herausführen könnte. Am Montag, 11. Januar, wurde in Besprechungen, die teils Hauptmann Goering, teils Hitler mit Staatssekretär Meißner hatten, die Denkschrift an den Generalfeldmarschall fertiggestellt. Eine neue Unterredung mit Geheimrat Hugenberg ergab, daß der Führer der Deutschnationalen Volkspartei die Ablehnung auch durch die Deutschnationalen endgültig bestätigte.
Beruhigungspause
Besprechungen über die Wiederwakst des Reichspräsidenten.
Berlin. 14. Januar. *
Gestern Nachmittag haben in parlamentarischen Kreisen Besprechungen darüber stattgefunden, wie die Wiederwahl des Reichspräsidenten von Hindenburg am zweckmäßigsten e i n z u l e i t e n sei. Es scheint, daß man es zunächst für das Richtige hält, die Dinge nicht zu überstürzen, sondern vorerst eine Beruhigungspause einzulegen. Dabei ist es selbstverständlich, daß die W i e d e r a u f st e l l u n g des Reichspräsidenten von Hindenburg unter allen Umständen kommen wird, nur dürfte nach der Auffassung der beteiligten Kreise die ganze Frage in einer viel ruhigeren und würdigeren Form gelöst werden, wenn man einige Zeit ins Land gehen läßt.
Der Termin, bis zu dem die Neuwahl des Reichspräsidenten vollzogen werden muß, steht fest. Er läßt für die Vorbereitungen genügend Zeit, so daß man inzwischen auch übersehen kann, ob die Nominierung aus dem Parlament oder auch in anderer Form durch einen mehr unpolitischen Volksausschuß der beste Weg zur Erreichung des Zieles ist. Politische Kreise rechnen übrigens nicht damit, daß das Volksbegehren des Jungdeutschen Ordens zur Auswirkung kommt, schon deshalb nicht, weil bis zur Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen die V o l k s w a h l bereits durchgeführt sein wird.
Neues Kabinett Laval?
Paris, 14. Januar.
Laval will drei Ministerien übernehmen.
Der Präsident der Republik hat Laval mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt.
*
In einer Auslassung der Agentur Havas wird erklärt, daß Laval sich bemühe, im großen und ganzen das Kabinett wieder zu bilden, dessen Vorsitz er bisher deführt hat. Die Lösung der Minifterkrise müsse namentlich wegen der bevorstehenden außenpolitischen Aufgaben rasch erfolgen und aus diesem Grunde wolle Laval sich darauf beschränken, das Innenministerium und das Kriegsministerium neu zu besetzen. Laval selbst dürfte, nachdem Senator Paul B o n - c o u r das ihm angebotene Außenministerium geestrn abend abgelehnt hat, nunmehr außer der Ministerpräsidentschaft und dem Innenministerium, das er in seinem früheren Kabinett inn« hatte, auch noch das Außenministerium übernehmen.
Der französische Kreditörult auf die Lausanner Konferenz.
Paris, 14. Januar
Wie das führende Pariser Wirtschaftsblatt „Agence Economique et Financier«" zu berichten weiß, wird sich der Verwaltungsrat der Bank von Frankreich mit der Frage der Erneuerung bezw. der Verlängerung der Kredite an die Reichsbank befassen. Gleichzeitig seien diesbezügliche Verhandlungen zwischen der Bank von Frankreich, der Bank von England und der Federal Reserve Bank eingeleitet worden.
Obgleich das endgültige Ergebnis dieser Besprechungen erst Ende Januar vorliegen werde, sei man in maßgebenden französischen Kreisen angeblich schon jetzt der Meinung, daß sich sowohl die britische wie auch die amerikanische Zentralnotenbank dem Standpunkte Frankreichs anschließen würden. (? D. Red.) Auf jeden Fall scheine die Bank von Frankreich nur geneigt zu sein, die Möglichkeit einer Verlängerung der Kredite um vier Wochen zu prüfen. Die weiteren Schritte würden in hohem Maße von der Lausanner Konferenz abhängig kein ,
Verzögerter Konferenzbeginn?
London, 14. Januar.
Wie Reuter in amtlichen Kreisen erfährt, würde es die englische Regierung nicht überraschen, wenn durch die Mi- nisterkrise in Frankreich eine Verschiebung der Laus an- ner Konferenz notwendig werden (orte. Die englische Regierung setzt jedoch in der Zwischenzeit ihre Vorbereitun- oen für eine Konferenz zu dem ursprünglichen Datum des
Kleinere Ratenzahlungen Oesterreichs
Wien, 14. Januar.
Die Oesterreichische Nationalbank hat, Blättermeldungen zufolge, den Auslandsgläubigern vorgefchlagon, die bisherige Tilgungsrate für Auslandsschulden von 15 auf 5 Prozent herabzusetzen. Bisher soll nur das amerikanische Gläubigerkomitee diesem Vorschlag zugestimmt haben. Es handelt sich um einen Gesamtbetrag von 32 Millionen Dollar, von dem jedoch bisher acht Millionen abgetragen wurden.
Das Defizit im USA-Haushalt
Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen.
Washington. Finanzminister Mellon unterbreitete gestern dem Finanzausschuß des Repräsentantenhauses das Steuererhöhungsprogramm der Regierung, das sich den Ausgleich des Staatshaushaltes für das Ende des Etatsjahres 1934 zum Ziele setzt. Mellon erklärte, es sei in der gegenwärtigen Notzeit unbedingt notwendig, die Einnahmen zu erhöhen, um die laufenden Ausgaben zu decken und den Kredit der Regierung ungefe wächt zu erhalten, dies sei ein unerläßlicher Schritt zur Gesundung des amerikanischen Wirtschaftslebens. In diesem Jahre rechne er mit einem Defizit von 2123, im nächsten Jahre von 1417 Millionen Dollar. Er könne jedenfalls die Notwendigkeit der Sparsamkeit nicht genug betonen, denn ohne wirkliche Einschränkungen der Ausgaben sei es unmöglich, das Budget auszugleichen.
Ein weiterer Mazedonier-Mord
Wien, 14. Januar
Wie aus Sofia gemeldet wird, ist im Zentrum der Stadt abermals ein politischer Mord verübt worden. Der ehemalige Polizist Zlatanow schoß den bekannten Mazedonier und Anhänger der Protogeristengruppe, Potkol, nieder. Der Mörder wurde verhaftet. Bei seiner Vernehmung erklärte er, den Mord ausgeführt zu haben, weil er dazu einen gedruckten Befehl erhalten hätte.
Der rusfilch-rumänische Gegensatz keine Anerkennung des Status quo in Besiarabien.
Bukarest,-14. Januar.
Wie verlautet, ist die Regierung im Besitze der Antwort, die die Sowjetdelegation den rumänischen Unterhändlern in Riga zur Frage der territorialen Klausel erteilt hat, die in den rumänisch-russischen Nichtangriffspakt ausgenommen werden soll. Die Sowjets lehnen, wie es heißt, die Aufnahme einer Formel ab, die für Rußland die Anerkennung des siatus quo in Besiarabien bedeuten würde.
Wie die Blätter melden, beabsichtigte Kriegsminister Stephanescu, der gegenwärtig auch das Innenministerium > leitet, den Ausnahmezustand an der besiarabischen Grenze, der bisher in einer Grenzzone von 10 Kilometer bestand, auf eine Zone von 20 Kilometer auszudehnen, wobei auch dje Städte in den Ausnahmezustand einbezogen würden, Gegen diesen Plan haben sich einige Minister, wie auch die gesamte Presse »W PaMsiMsschied ausgesprochen.