tzersfel-er Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für ven Kreis Hersfelö
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Nr. 15
Dienstag, den 1g. Januar 1932
82. Jahrgang
Die Widerstände gegen Lausanne
Der Zeitpunkt des Zusammentritts noch immer unentschieden
Gleiche Sicherheit
Von Oberst a. D. H o f f m e i st e r.
„In der Abrüstungsfrage darf Deutschland sein gutes Recht nicht vorenthalten werden. Unser Anspruch auf gleiche Sicherheit ist so klar, daß er nicht bestritten werden kann."
Mit diesen Worten hat Reichspräsident von Hindenburg in seiner letzten Neujahrsansprache klar und eindeutig den deutschen Standpunkt festgelegt, wie er auf der bevorstehenden Abrüstungskonferenz zur Geltung gebracht werden muß. Denn es kann nicht oft genug betont werden, daß Deutschland die Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Diktats genau durchgeführt hat.
Sicherlich hat der moralische und rechtliche Anspruch des deutschen Volkes auf die Abrüstung der anderen, wie ihn das Versailler Diktat verbürgt, es mitbestimmend ermöglicht, daß die Herabsetzung unseres Heeres auf 100 000 Mann seinerzeit von dem deutschen Heere selbst sowie von der Masse des deutschen Volkes hingenommen wurde.
Seit jener Zeit sind 12 Jahre vergangen. Aus der Abrüstung der anderen ist nichts geworden. Im Gegenteil! Waffenstarrend umringen Deutschlands ehemalige Gegner das entwaffnete Reich. Die aus dem Zusammenbruch der Mittelmächte und Rußlands neuentstandenen Staaten — die Tschechoslowakei und Polen — haben mit französischer Hilfe sich eine Rüstung zugelegt, die weder ihrem Bedürfnis nach Sicherheit noch den Verpflichtungen des Versailler Diktats zur Abrüstung entspricht.
Sehen wir uns einmal diese Zahlen an, in denen sich die ungeheure Waffenrüstung unserer Nachbarn ausdrllckt. Da sind zunächst die Zahlen, die die Stärke der stehenden Heere angeven. Zählen wir diese Frieden stärken der uns umgebenden Mächte zusammen, so erhalten wir folgendes
Belgien 66 000 Mann
Frankreich - 651 000 „
Italien 388 000 „
Tschechoslowakei 140 000 „
Polen 300 000 „
1 545 000 Mann
alle Nachbarn zusammen — 1 500 000 Mann Deutschland = 100 000 Mann.
Das sind aber nur die Friedensstärken. Alle unsere Nachbarn haben sich aber durch Einführung der allgemeinen Wehrpflicht bezw. deren Beibehaltung eine derartige Masse ausgebildeterReserven geschaffen, daß die Kriegsstärken mit ihren durch die Friedensschule der Wehrpflicht gegangenen Soldaten in die vielen Millionen gehen. Im einzelnen seien die Kriegsstärken hier einmal zusammengefaßt aufgeführt:
Belgien 600 000 Mann
Frankreich 4 500 000 „
Italien 3 500 000 „
Tschechoslowakei 1 300 000 „
Polen 3 200 000 „
13 100 000 Mann
alle Nachbarn zusammen also rund 13 000 000 Mann Deutschland = 100 000 Mann.
Diesen ungeheuren ausgebildeten Massen gegenüber hat Deutschland im Frieden und im Kriege nur sein Reichsheer mit 100 000 Mann entgegenzustellen, eine Lage, die noch gefahrdrohender dadurch wird, daß sich die Gegner auf drei Fronten verteilen, im Westen Belgien und Frankreich, im Süden Italien und die Tschechoslowakei, im Osten Polen. Deutschlands Sicherheit ist von drei Fronten bedroht.
Während Deutschland jedes Gewehr und jedes Geschütz, jede Maschinenwaffe und jeder Minenwerfer zahlenmäßig vorgeschrieben und ihm jede wirklich neuzeitliche Waffe verboten ist, besonders schwere Artillerie, Kriegsflugzeuge und Tanks, haben sich unsere Nachbarn mit allen modernen Waffen, die nach den Erfahrungen des Weltkrieges konstruiert sind, derartig ausgerüstet, daß die schon rein zahlenmäßige Ueberlegenheit an ausgebildeten Soldaten dadurch noch um das Vielfache gesteigert wird. Lassen wir auch diese Zahlen sprechen. Es besaßen an:
leichten Geschützen
schweren Geschützen
Belgien
588
271
Frankreich
1400
1200
Italien
1500
800
Tschechoslowakei
864
412
Polen
1693
420
alle Nachbarn
6045
3103
Deutschland
288
22
bie noch dazu ortsfest eingebaut sind.
Kampfwagen (Tanks)
Kriegsflugzeuge
Belgien
65
234
Frankreich
1500
2500
Italien
150
1000
Tschechoslowakei Polen
100
320
600
1000
alle Nachbarn zus.
2185
5334
Deutschland
——
Dem Deutschen Reiche hat man nicht nur jede moderne Bewaffnung untersagt, sondern man hat auch die Rüstungsindustrie bei der Entwaffnung durch Zerschlagung der Maschinen und Zerstörung der Waffenfabriken so lahmgelegt, daß hier Millionen von Werten sinnlos verschleudert worden sind, obgleich die Maschinen sehr wohl für die Friedensindustrie des Landes hätten nutzbar gemacht werden können. Darüber hinaus aber hat man dem Deutschen Reiche genau vorgeschrieben, in welchen Fabriken die wenigen Waffen, die es führen darf, hergestellt werden müssen. Abgesehen von der beabsichtigten geringen Leistungsfähigkeit dieser Werke, die von der interalliierten Kontrollkommission entsprechend ausgewählt worden sind, muß Deutschland mangels jeder Konkurrenz naturgemäß für die Herstellung von Waffen und Munition erheblich höhere Preise zahlen, als es bei der Belieferung durch mehrere Berke möglich wäre.
Deutschland sieht der bevorstehenden Abrüstungskonferenz mit dem festen Willen entgegen, endlich die Abrüstung auch der anderen Mächte in Gang zu bringen. Die bestehende Ungleichheit zwischen dem entwaffneten Deutschland und feinen waffenstarrenden Nachbarn bedeutet eine Bedrohung dieses im Herzen Europas gelegenen Staates, die nicht mehr lange ertragen werden kann. Es ist eine alte Erfahrung der Geschichte, daß nichts so sehr zum Kriege reizt wie ein schwacher Nachbar. In letzter Stunde hat der Völkerbund Gelegenheit, bei der Abrüstungskonferenz in Genf diesen drohenden Gefahrenherd zu beseitigen, der eines Tages wieder die ganze Weithin Brand setzen könnte. Deutschland muß, so oder so, die Sicherheit erhalten, auf die es wie jeder andere Staat Anspruch hat und die allein eine ruhige politische Entwicklung Deutschlands, Europas und der ganzen Welt gewährleistet.
—
Abzeichenverbot avsModen
Berlin, 19. Januar.
Auf Grund des Artikels 48 Abfatz 2 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet:
Vom Inkrafttreten dieser Verordnung ab gilt das im 8. Teil Kapitel 2 der 4. Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens vom 8. Dezember 1931 ausgesprochene Verbot des Tragens von Abzeichen nicht mehr für Radeln, Rosetten und ähnliche kleinere Abzeichen in der Form und Größe, wie sie bisher bei politischen Vereinigungen üblicherweise getragen wurden.
Die Verordnung des Reichspräsidenten über die Aufhebung des Verbotes des Tragens von Abzeichen tritt vom heutigen Dienstag ab in Kraft.
Reichsgründungsfeier des Kyffhäuserbundes
In Anwesenheit des Reichswehrministers Groener und des Generalfeldmarschalls von Mackenfen und hoher Offiziere fand die Reichsgründungsfeier des Deutschen Reichs-Krieger- bundes „Kyffhäuser" anläßlich der 61. Wiederkehr des Reichsgründungstages im Berliner Sportpalast statt. Bild unten: Uebersicht über die Festveranstaltung. Bild oben: Links Reichswehr- und Innenminister Groener, rechts General von Hage.
Um die Tributlouferenr
Wird Frankreich den 25. Januar innehalten?
Berlin, 19. Januar.
Die französische Regierung hat in Berlin offiziell noch nicht mitteilen lassen, daß sie den 25. Januar als Termin für den Beginn der Lausanner Konferenz annimmt. In Berliner unterrichteten Kreisen ist man der Auffassung, daß Laval zunächst das Ende der Kammeraussprache bzw. das Abstimmungsergebnis abwarten will, bevor er sich endgültig äußert. Deutscherseits wird der 25. Januar nach wie vor als ein Zeitpunkt bezeichnet, der von allen Beteiligten inne- gehalten werden könne. Räch einer Pariser Rachricht soll Ministerpräsident Laval allerdings beabsichtigen, in seiner Erklärung vor der Kammer die Frage aufzuwerfen, ob die Lausanner Konferenz verschoben werden soll.
Pertinax wendet sich im „Echo de Paris" erneut gegen die Absicht, die Lausanner Konferenz auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Er betont in diesem Zusammenhang, oaß die Zeit gegen Frankreich arbeite und daß eine Vertagung der Konferenz dazu führen würde, die Tribute endgültig zu begraben. Wenn man betone, daß die zur Verfügung stehende Zeit dazu benutzt werden könne, die gegenseitigen Auffassungen einander anzugleichen, so vergesse man, daß inzwischen die Abrüstungskonferenz tagen werde, die neue Meinungsverschiedenheiten mit sich bringe und damit eine ruhige Beurteilung der internationalen Fragen vereiteln werde. Auf der Lausanner Konferenz werde Frankreichs Wille, die Tributzahlungen aufrechtzuerhalten, Gelegenheit haben, vor der Oeffentlichkeit zur Sprache zu kommen, wenn man infolge der deutschen Anregungen und denjenigen der Gläubiger, die Deutschland unterstützten, vor dem Abbruch der Verhandlungen stände.
London, 19. Januar.
Das Kabinett tritt heute zusammen, um die Politik Großbritanniens auf der Lausanner Konferenz zu erörtern. In der Frage, ob die Lausanner Konferenz am 25. Januar zusammentreten wird, scheint noch kein Fortschritt erzielt i worden zu sein. Die Ungewißheit über das Schicksal der ' Konferenz trägt keineswegs zur Beruhigung maßgebender Kreise hinsichtlich der nötigen kommenden Entscheidungen auf finanziellem und wirtschaftlichem Gebiete bei, vor allem, weil die Formel, aus deren Grundlage die Beteiligung aller in Betracht kommenden Staaten an der Lausanner Konferenz gewährleistet werden könnte, noch nicht gefunden zu sein scheint.
Die Vorbesprechungen Beneduees
Rom, 19. Januar.
Der Vorsitzende des Baseler Sachverständigenausschus- ses, Beneduce, der in der letzten Woche im Auftrag der italienischen Regierung in Paris und London Vorbesprechungen mit französischen und englischen Sachverständigen über die Reparationsfrage hatte, ist gestern nach Rom zurückgekehrt. Eine Vorbesprechung mit deutschen Sachverständigen scheint nach Auskunft von unterrichteter italienischer Seite mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit nicht mehr in Frage zu komlnen. *
Die römische Presse unterstreicht wieder die Notwendigkeit einer radikalen L ö s u n g des Reparationspro- blems. Aus dem wirtschaftlichen und finanziellen Zustand der Gegenwart könne man nicht herauskommen ohne die Streichung der unsinnigen Kriegsschulden und Reparationen. Die italienische These wolle endlich Schluß machen mit den diplomatischen Nachkriegsmethoden.
Erneute Unterredung Hoesch-Laval
Paris, 19. Januar.
Der deutsche Botschafter v o n H o e s ch hatte gestern erneut eine Unterhaltung mit Ministerpräsident Laval, die der Vorbereitung der Lausanner Konferenz diente.
Gegen Rüstungsfreiheit
Ein französischer Militär zur Abrüstungsfrage.
Paris, 19. Januar.
Der Vorsitzende des Heeresausschusses der Kammer, Abgeordneter Oberstleutnant F a b r y, der neben Paul-Boncour als Mitglied der französischen Delegation bei der Abrüstungskonferenz genannt wird, erklärt im „Temps" zur Abrüstungsfrage: Wenn das Ergebnis der Genfer Beratungen die Rüstungsfreiheit fein sollte, würden die Nationen binnen kurzem zwischen dem Bankrott oder dem K r i e g zu wählen haben. , .
Der Versailler Vertrag hat die Rüstungsfrei- Heil weder für die Mitgliedstaaten des Völkerbundes zulassen wollen, die sich verpflichteten, ihre Rüstungen auf ein vereinbartes Mindestmaß herabzusetzen, noch namentlich für Deutschland und seine Verbündeten, deren in den Verträgen fesigelegkes Militärstatut den ruhenden Pol und das Der- gleichselement des derart definierten Systems darstellt. Die Abrüstungskonferenz müsse an diesem Programm und an diesem System festhalten. „