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Reisfelder Kreisblatt

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Nr. 17

Donnerstag, den 21. Januar 1032

82. Jahrgang

Deutschland fordert Entlösung

Englischer Borschlag aus Verlängerung des Moratoriums um ein Jahr von der Regierung abgelehnt

Vom Kreislauf der Wirtschaft

Von Hans W. K l u t h , früherer Rittergutsbesitzer.

Wo stehen wir heute? Die Weltordnung ist entschieden falsch; wer wollte dies leugnen? Das heißt, sie war ur­sprünglich richtig, nur wir selbst haben sie in falsche Bah­nen geleitet. Die Höhe der Kultur erst hat es uns ermög­licht, die naturgegebene Weltordnung in das Gegenteil um- zuwandeln. in eine ungeheure Unordnung auf der ganzen Welt, unter der jeder einzelne stark leidet, eine kleine Ober­schicht der menschlichen Bevölkerung ausgenommen.

Aber: Alles fließt; ein uraltes Wort. Diesen natür­lichen Kreislauf aller Dinge soll man nicht stören, sonst gibl es Stauungen und Ueberflutungen. Nun, wir arbeiten, die ganze Menschheit arbeitet fieberhaft produziert und ver­treibt Waren, unaufhörlich. Aber sie versteht es nicht, trotz der Fortschritte der Technik, diese Massen von Waren rich­tig zu verteilen Wir haben nun endlich einen ,Bund der Völker", wir haben internationale Organisationen und völkerverbindenden Verkehr, und wir haben eine Höhe der Kultur erreicht, auf die wir um so mehr stolz sind, als sie immer mehr Bedürfnisse in uns wach werden läßt Diese dauernd steigenden Bedürfnisse zu befriedigen, macht unser Wirtschaftsleben aus. Wir steigern aber immer noch mehr Produktion und Handel Daher leiden wir an einem Ueberfluß auf fast allen Gebieten, besonders an Lebens­mitteln, und trotzdem hungern Millionen Menschen auf der Erde Der Kreislauf ist nicht geschlosien, er ist stellenweise unterbrochen und mit Gewalt behindert

Da weitaus der größte Teil der Erde nur agrarisch genutzt werden kann, dazu noch nicht annähernd genügend ausgenutzt wird, kann unsere Erde das Vielfache seiner jetzi­gen Bewohner ernähren. Die Welt ist so eingerichtet, daß eine Uebervölkerung sobald nicht eintreten wird. Und trotz- "^^~^?"'T~^ stellenweise davon. Das spartanische

Prinzip der Auslese der Tüchtigen und der Ausrottung oec Schwächlinge besorgt, wie der Hecht im Karpfenteich und der Fuchs im Revier bei uns Kulturmenschen der Konkur­renzkampf und der übersteigerte Egoismus einzelner. Denn wir find in der Kultur schon so weit, daß unsere Wissen­schaft den Krankheiten und Epidemien einfach verbietet, die natürliche Auslese und die Vernichtung alles Schwächlichen zu besorgen, wie es ihre Aufgabe ist.

Eingriffe in den Kreislauf der Dinge rächen sich immer und verschärfen den Kampf ums Dasein. Kampf muß sein; er ist überall, auch in der friedlichen Tier- und Pflanzen­welt. Er wird niemals aufhören und darf niemals auf­hören. Schlagen die Völker nicht immer wieder an einem anderen Ende lustig aufeinander los, sobald sie an diesem Ende aufgehört haben? Ewiger Frieden wäre allgemeiner Untergang. Aber dieser Kampf müßte ein menschlicher sein.

Daher können wir Landwirte beruhigt sein. Trotz der allgemeinen Überproduktion an Lebensmitteln wird man uns immer brauchen, denn man ist auf uns angewiesen Man muß doch zurück zum Schutze der eigenen Landwirt­schaft. notgedrungen, wenn man nicht sehenden Auges selbst in den Abgrund gehen will.Hat der Bauer Geld, hat es die ganze Welt."

Aber es wäre wohl falsch, würden wir in Deutschland danach streben, darüber hinauszugehen und, was durchaus möglich ist, ebenfalls ein agrarisches Ausfuhrland zu wer­den. Auf dem Gebiet der tierischen Produktion könnten wir unter Umständen Abgeber werden. Ueberlassen wir jedoch den Export ruhig der Industrie zur Beschäftigung der eingeengten Bevölkerung. Wozu die Konkurrenz auf dem internationalen Lebensmittelmarkt noch verschärfen, die schon jetzt sehr oft nur Preise zulüßt, die die Produktions­kosten nicht mehr decken. Wozu Ausfuhr von Dingen, die nicht gesucht werden, die also mit Verlust verbunden ist. Regeln wir lieber zunächst dieSicherungdereigenen Ernährung, denn daran haben wir noch genug zu tun Dazu gehört neben der Vermehrung aber auch die 93er« billigung der Erzeugung. Viele unserer landwirtschaftlichen Produktionsmittel, wie die Arbeitstiere, Maschinen und Ge- bäude, auch teilweise die landwirtschaftlichen Arbeiter lie- gen im Gegensatz zur Industrie mindestens eine Hälfte des Jahres ungenutzt still und verteuern das einzelne Produkt wesentlich. Wir haben einen Stab ausgezeichneter Gelehr­ter und Praktiker auf allen Gebieten, Institute und Staats­mittel zur Verfügung. Diese sollen unsere Wegweiser sein, wie wir Landwirte auch im Winter oder sonst in stiller Zeit unsere ruhenden Produktionsmittel nutzbringend be­schäftigen und damit Werte schaffen können. Mögen Chemi­ker und Erfinder durch Preisausschreiben angespornt daran arbeiten, uns zu zeigen, was wir außer Lebensmitteln, deren Erzeugung ja stets an die Jahreszeit gebunden ist, vielleicht noch an Jndustrieprodukten zwischendurch herstellen können. Hier muß noch mehr Arbeitsgelegenheit. Veredelungsarbeit, gefunden werden.

Unsere Landwirtschaft braucht die Staatsmittel nicht, die man ihr jetzt zeitweise zur Stützung zuwendet, und die ja doch der andere Teil der Bevölkerung zahlen muß, wenn ihr die Möglichkeiten gelassen werden, die sie selbst hat Allzuoft ist darüber schon von berufener Seite geschrieben und gesprochen worden. Nur die richtige Zollpoli - t i k kann dies schaffen. Wir können es uns nicht leisten, zur

Aufrechterhaltung der Preise einfach den Ueberfluß zu ver­nichten (Kartoffeln, Schweine), wie es die Amerikaner machen, die ihren Weizen oder Kaffee verheizen oder ins Wasser versenken. Besonders dann nicht, wenn wir an anderen Dingen empfindlichen Mangel leiden.

Völker, die sich nicht selbst ernähren können müssen entweder eine große, internationale Macht besitzen, oder sie müssen sich in die Abhängigkeit anderer begehen. Daraus ergibt sich für uns, daß wir den Kreislauf der Ernährung auch innerhalb unserer Grenzen nicht behindern dürfen. Daraus ergibt sich weiter, daß wir bald wieder eine blühende Landwirtschaft haben müssen, wenn wir alle, wenn auch unsere hochentwickelte Industrie mit ihrer dichten Bevölke­rung leben und gedeihen will. Die immer wieder perio- denweise in unserer Geschichte wiederkehrenden Zeiten der Vernachlässigung unserer eigenen Landwirtschaft, also die wiederholten, schlechten Erfahrungen, sollten uns allmählich klug gemacht haben. Nun, ich glaube auch, daß der ge­gebene Kreislauf jetzt wieder geschlossen wird. Die Periode des Hungerns der Nahrungsmittelerzeuger selbst ist vor­über.

Deutschland bleibt fest

Zwischenlösung von der Re^rAng abgelehnk.

Berlin, 21. Januar.

Der englische Botschafter in Berlin. Sir Horace Rumbold, hat im Auftrage feiner Regierung bei der Reichsregierung sondiert, ob Deutschland mit einer Verlängerung des Hoooer-Moratoriums um ein Jahr einverstanden sein würde. Reichskanzler Dr. Brüning hat in ablehnendem Ginne geantwortet.

AngefidjltJTW TMfUche, daß bis zum Ablauf des gegen­wärtigen Hoover-Morakoriums noch etwa 5 Monate ver­streichen werden, also ein Zeitraum, der bei einigem guten Willen groß genug ist, um zu der so dringend notwendigen Endregelung zu gelangen, ist es selbstverständlich, daß die englische Anregung in Berlin keinen Anklang gefunden hat. Eine hinauszögerung der Endlösung ist angesichts der kata­strophalen Wirtschaftslage gleichbedeutend mit einer Ver­längerung der allgemeinen Ungewißheit, die auch die Gegen­seite als den Hauptstörungsfaktor bezeichnet.

Ueber den Meinungsaustausch zwischen ParisLon­don und zwischen LondonBerlin sagt die LondonerTi­mes", daß die Reichsregierung mit einer bloßen Verlänge- rung des Hoovermorakoriums nicht einverstanden fei. Sie wünsche, daß die Konferenz stattfinde. Sollte es trotzdem zu einer Verlängerung des Zahlungsaufschubs kommen, so verlange die Reichsregierung andere Bedingungen als die jetzigen. Außerdem müsse die Konferenz noch vor dem 1. Juli stattfinden. Die englische Regierung sei noch immer für die Abhaltung der Konferenz.

Lausanne verschoben!

London, 21. Januar.

Das Foreign Office veröffentlicht ein Kommunique, in dem es heißt:

Die Verhandlungen zwischen den an der Lausanner Kon­ferenz hauptsächlich interessierten Regierungen sind noch nicht beendet. Es liegt auf der Hand, daß die Konferenz nicht schon am 25. Januar, dem provisorisch festgesetzten Datum, eröffnet werden kann. Weitere Verhandlungen finden ge- genwärtig statt. Die britische Regierung hofft, daß binnen wenigen Tagen eine befriedigende Vereinbarung über das einzuschlagende Verfahren zustande kommt.

Der Führer der Opposition im Unterhaus, Lans - b u r y, setzte sich gestern in einer Rede wieder dringend für allgemeine Abschaffung der Kriegsschulden und Reparatio­nen ein. Die Welt, so sagte er, werde niemals ins Gleich­gewicht kommen, so lange Kriegsschulden und Reparationen nicht ein für allemal ausgelöscht find.

*

Die Bischöfe der Kirche von England und die Führer der Freien Kirche haben durch den Rat christlicher Geistlicher für soziale Fragen einen dringenden Ap- pell erlassen, in dem sie die Christen in England und ande­ren Ländern auffordern, all ihren Einfluß für die Auf­hebung der Reparationszahlungen und inter­nationalen Kriegsschulden geltend zu machen.

Finnisch-russischer Nichtangriffspakt

Helsingfors, 21. Januar.

Die Verhandlungen über einen finnisch-russischen Nicht­angriffspakt sind abgeschlossen. Der Vertrag wird heut» unterzeichnet werden.

Stimson geht statt Dawes nach Genf.

An Stelle von General Dawes, der zum Vorsitzenden der neuen Aufbau-Gesellschaft ernannt worden ist, die die Auf­gabe hat, den Hooverschen Sanierungsplan für die ameri­kanische Wirtschaft durchzuführen. wird der Staatssekretär des Aeußeren Stimson die Führung der amerikanischen De­legation bei der Abrüstungskonfenrenz übernehmen. Unser Bild zeigt Staatssekretär Stimson.

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Keine verbindliche Stellungnahme.

Washington, 21. Januar.

Das Staatsdepartement hat den amerikanischen Bot. schafter in Paris, Edge, ermächtigt, Laval milzukeilen, daß die Vereinigten Staaten augenblicklich eine verbindliche Stellungnahme zur Frage einer Verlängerung des Schulden- moratoriums ablehnten. Die Initiative müsse von den europäischen Staaten ausgehen, die unter sich eine Eini­gung erzielen und dann wieder an Amerika herantreken sollten.

Sowohl die demokratischen als auch die republikanischen Parteiführer im Abgeordnetenhaus gaben Erklärungen ab, in denen sie sich erneut gegen eine Verlängerung des Mo­ratoriums aussprachen.

Die Havas-Agentur verbreitet eine Washingtoner Mel­dung, in der es heißt, wenn man in amtlichen amerika­nischen Kreisen weiteren amerikanischen Zugeständnissen auch nicht direkt die Tür verschließen wolle, so sei man doch der Auffassung, daß die europäischen Staaten ganz ohne Rücksicht auf Amerika diejenigen Maßnahmen ergreifen müßten, die zur Wiederherstellung des Vertrauens geeignet seien, bevor ein Antrag auf Verlängerung des Hoover- Jahres auch nur die geringsten Aussichten habe, vom Kon­greß angenommen zu werden.

Jn der Schuldenfrage herrsche die Auffassung, daß die meisten der Schuldnerstaaten Amerikas, und Frankreich an der Spitze, sehr wohl in der Lage seien, ihren Verpflichtun­gen nachzukommen, wenn sie ihre Rüstungsausgaben ein­schränken.

Was die geplante sechsmonatige Verlängerung des Mo­ratoriums anbelangt, bedauert man in Washington die Hin- ausschiebung der Lausanner Konferenz, man dürfte aber der Verlängerung, wenn die europäischen Schuldner formell darum nachsüchen sollten, keinen ernsthaften Widerstand bereiten, da ja bis 15. Dezember 1932 keine Zahlungen der Alliierten fällig sind. Man betont jedoch, daß eine etwaige Hoffnung Frankreichs, durch einen Aufschub der Repara- tionsfrage den Kongreß bezüglich der Reduzierung der fran­zösischen Schulden milder zu stimmen, sich als trügerisch erweisen dürfte; denn während der Wahlkampagne im Herbst werde jeder Kandidat den Wählern und Steuerzah­lern gerade die Versicherung abgeben, daß man dem ame­rikanische Volk, daß unter der gegenwärtigen Not so schwer leide, nicht noch alle Kosten des Weltkrieges auf« bürden werde.

*

Wie in Wallstreet mitgeteilt, sind die Vorbereitungen für die Absendung von 25 Millionen Dollar Gold von New Park nach Paris beendet, die in zwei Teilen in dieser Woche erfolgen soll, Die beiden Sendungen bilden einen Teil der von Frankreich abgerufenen Beträge, die sich auf rund 125 Millionen Dollar belaufen und in zehn Gruppen versandt werden sollen. Sie werden die Goldbestände der Vereinigten Staaten nicht in Mitleidenschaft ziehen, da sie nur das hier für französische Rechnung aufbewahrte und auf Abruf lieferbare Gold betreffen.