Hersftlöer Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in tzersfelb, Mitglied des VDJB.
Nr. 24
Freitag, den 29. Januar 1932
82. Jahrgang
Gstkonflitt auf dem Höhepunkt
Japan beginnt mit der Besetzung von Schanghai — Amerika erwägt einschneidende Gegenmaßnahmen
Ergebnis der Woche
Die Ursache alles Uebels.
Im ersten Gesang der Odyssee läßt Homer den Gottvater Zeus sich im Rate der Götter bitter darüber beklagen, daß die Menschen törichterweise immer die Götter dafür verantwortlich machen, wenn ihnen ein Uebel zustößt. Nicht die Götter sind an solchen Uebeln schuld, denn sie haben alleweise eingerichtet. Aber die Menschen verschulden ihr Uebel selbst, das aus Uebeltaten der Menschen entsteht. Also sollten auch die Vorsitzenden der kommenden Konferenzen die sich mit den Tributen und der Abrüstung beschäftigen, ihren zum Rat versammelten Kollegen ins Gewissen reden. Es ist nicht eine von den übernatürlichen Mächten herabgeschickte Wirtschaftskrise, an der die Völker leiden. Sondern Menschen, die Völker und ihre verantwortlichen Vertreter, haben Uebles getan, und zwar — sagen wir es klar und offen — durch die Verträge, welche den Krieg 1919 beenden sollten. Der Krieg droht nicht aus irgendwelchen imaginären Ursachen, sondern weil eben wiederum Menschen, die Völker und ihre verantwortlichen Vertreter, in jenen Verträgen üble Zustände geschaffen haben, die zum Uebel aus- schlagen müssen. Weil sie üble Zustände schufen, die wegen der widernatürlichen Grenzziehungen böse Folgen nach sich ziehen müssen, haben sie nicht nach den weisen göttlichen Vorschriften gehandelt und sind darum dumm. Die Uebel, die 1919 ihren Anfang nahmen, müssen erst aus der Welt geschafft werden, dann werden die Wirtschaftskrise und die Feindschaften zwischen den Völkern schon verschwinden.
Pfänderpolitik taucht wieder auf.
Das Eigenartige unserer Zeit ist die Tatsache, daß alle Welt die Ursache alles Uebels kennt und auch die Möglich- 4^1, es zu wenigen. Aver einer stellt sich dem entgegen: Frankreich gibt von seinen „Reparationsrechten" nichts auf. Bisher sprach man auch in Frankreich nur von einer Wiedergutmachung der Kriegsschäden; jetzt, da der Nachweis erbracht ist, daß Frankreich diese Schäden schon überbezahlt bekommen hat, sucht man nach einer neuen Tributbegründung. Es soll verhindert werden, daß Deutschland seine volle Wirtschaftskraft und vor allem seine volle Wirtschaftsmacht wiedererlangt. Es soll auf die Dauer tributpflichtig bleiben. Zahlen, die man früher über den Umfang der französischen Kriegsschäden angegeben hat, sollen plötzlich nicht mehr wahr sein. Man operiert deshalb wieder mit phantastischen Zahlenskalen, um „beweisen" zu können, „daß Deutschland zahlen muß". Noch nicht offiziell, aber von zuständiger Seite zweifelsfrei veranlaßt, tauchen in der französischen Oeffentlichkeit plötzlich allerlei Pfandpläne auf. Um zu verhindern, daß die Deutsche Reichsbahn durch Streichung der Tribute weniger belastet erscheint als die Eisenbahnen der Hauptgläubigerländer, soll die Reichsbahn mit einer Art Pfandhypothek belegt werden. Ferner spricht man in der französischen Presse von einer Pfandergreifung im Saargebiet. Der Versuch Frankreichs, sich mit England über ein gemeinsames Vorgehen in der Tributfrage zu verständigen, ist gescheitert. Eng- land hat offenbar wenig Neigung, sich an einer neuen Gewaltpolitik gegen Deutschland zu beteiligen. Deshalb ist die angekündigte Zusammenkunft Laoals und MaeDonalds bis auf weiteres aufgeschoben worden. Immer allgemeiner wird aber die Verstimmung gegen Frankreich. In einem italienischen Blatt wird sehr dringlich gefordert, „allein zu handeln", indem man Frankreich isoliert. D§s wäre die einzige Lösung, um einen vollständigen und nicht wiedergutzumachenden Zusammenbruch zu verhindern. Die Re- parationskonferenz in Lausanne hat Frankreich zu verhindern vermocht. Jetzt schwebt alles in der Luft. Die gehässige Kammerrede Laoals macht es auch beinahe unmöglich, einen Ausgleich zwischen der deutschen und der französischen Reparationsauffassung zu finden.
Keine moralische Grundlage für weitere Tribute.
Im „Svenska Dagbladet" nimmt der bekannte schwedische Nationalökonom Prof. Gustav C a s s e l zu der Frage einer späteren Zahlungsfähigkeit Deutschlands Stellung. Er erklärt darin u. a., daß Frankreich und seine Verbündeten das Recht verwirkt hätten, von Deutschland irgendwelche Tribute zu fordern. „Die Tributforderungen und die Un» Willigkeit der Forderungsländer, die deutscherseits notwendigen Ausfuhrüberschüsse aufzunehmen, hätten Deutschland un- geheuren Schaden zugefügt. Dadurch hätten sie die „Heiligkeit eingegangener Verpflichtungen" selbst angetastet, da formelles Recht durch materielles Unrecht zerbrochen wurde." Prof. Cassel gibt also die im ganzen deutschen Volke verbreitete Auffassung richtig wieder, daß Deutschland nicht zahlen kann, weil die Gläubigerländer die Voraussetzungen hierfür zerstört haben. Wer mit offenen Augen die Verhältnisse in Deutschland betrachtet, der muß zu der Ueberzeugung kommen, daß die Verelenduyg s ch e n Volkes einen Grad erreicht hat, d
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s ch e n Volkes einen Grad erreicht hat, den weiter zu verschärfen, von unberechenbarsten Folgen sein müßte. Was jetzt in Deutschland geschieht, um das Lohn- und Preisniveau gleichsam diktatorisch herabzusetzen, ist kein natürlicher wirtschaftlicher Zustand mehr, sondern ein Ausnahmezustand, der sich auf die Dauer nicht aufrechterhalten läßt. In Verbindung mit der Aufrichtung neuer Zollmauern gegen
deutsche Waren ist das deutsche Arbeitslosenheer weiter angestiegen. Weite Volkskreise werden bereits von einer bedenklichen Verzweiflung ergriffen und damit ein Gärungsprozeß ausgelöst, der durch weitere Radikalisierung der Massen die sichtbarsten Auswirkungen zeigt. In dem soeben abgeschlossenen Stillhalteabkommen erklären alle beteiligten Sachverständigen, daß an sich ungeheure Wiederaufbaukräfte in der deutschen Wirtschaft vorhanden sind, nur muß man Möglichkeiten schaffen, damit sich diese Kräfte zum Besten der ganzen Menschheit entfalten können.
Volkswahl für Hindenburg.
Daß trotz all dieser die Volksleidenschaften aufpeitschenden äußeren Druckmahnahmen das deutsche Volk dennoch seine Fassung und seine Ueberlegung behält, beweist das Ergebnis der in aller Stille geführten Verhandlungen über die Präsidentenwahl. Der erste Aufruf zu dieser Volkswahl ist bereits erschienen, und in diesen Tagen rechnet man mit dem Hervortreten jenes Organisationsausschusses, der die Ueberbrückung aller Volksschichten zugunsten einer auf dem Wege der Volkswahl auszufprechenden Verlängerung der Amtszeit Hindenburgs vollenden soll. Es scheinen' sich, nachdem sich die politischen Parteien verständnisvoll zurückgezogen haben, keinerlei grundsätzliche Schwierigkeiten zu ergeben, um diese Hindenburg-Wahl ohne störende Gegen- kandidaturen aus dem bürgerlichen Lager zur Durchführung zu bringen. Das würde zur Stärkung des deutschen Freiheitswillens zweifellos für die bevorstehenden internationalen Auseinandersetzungen von großer Bedeutung sein.
„Rei«-Fro«t" der Ratio«
Eine Erklärung Duesierbergs.
Hage. 29. Januar
Der zweite Bundesführer des Stahlhelm, Oberstleutnant a. D. D u e st e r b e r g, übergibt der Oeffentlichkeit folgende Erklärung:
„Unter der Ueberschrift „Der Mann ohne Rechte" kritisiert der „Völkische Beobachter" vom 24. und 25. Januar meine zustimmenden Ausführungen zu dem „Nein" des Reichskanzlers Brüning hinsichtlich weiterer Tributzahlungen. Dabei versucht der „Völkische Beobachter" zu behaup-. ten, ich hätte erklärt, „daß, wenn Dr. Brüning fest bei seinem ■ „Nein" in der Frage der Tribute bleibe, das ganze nationale Deutschland sich hinter ihn stellen würde."
„In Wirklichkeit habe ich erklärt: „Wenn der Reichskanzler das „Nein" ausspricht, dann würde endlich der erste Schritt zu einer erfolgreichen Außenpolitik getan sein. Hinter dieses Nein würde sich die gesamte Nation stellen müssen." Ich habe damit also eine „Nein-Front" der gesamten Nation gefordert, nicht aber etwa verlangt, daß sich — wie der „Völkische Beobachter" es auffälligerweise darzustellen versucht — das ganze Volk hinter die Person des jetzt amtierenden ReichskanAers stellen solle. Zu der Zeit, als ich die Unterstützung des vom Kabinettschef auszufprechenden „Nein" öffentlich auch von den nationalen Kreisen Deutschlands forderte, war für den Monat Januar und zwar zunächst für den 18., dann für den 25. in Lausanne die Tn- butkonferenz angesetzt. Deutschland stanh also vor einer entscheidenden Tagung, deren Verlauf die ganze deutsche Zukunft zu beeinflussen in der Lage war. Mit einem Kabinettswechsel war nicht mehr zu rechnen. Zur Vertretung Deutschlands kam also der augenblickliche Reichskanzler in Betracht, und dieser hatte sich nach den vorliegenden Meldungen zu einem „Nein" entschlossen, also zu der Haltung, die die nationalen Kreise seit 1918 fordern. Warum Herr Brüning diese Haltung einnahm, steht nicht zur Aussprache, desgleichen nicht, welcher Partei er angehört.
Das ist eben der Unterschied zwischen Staats- und Parteipolitik. Wir im Stahlhelm, die im Geist der alten Front, die manchem Kritiker unseres Tuns unbekannt ist, nicht einer Person, nicht einer Partei, sondern nur Deutschland dienen, erlauben uns als alte deutsche Soldaten zu diesen lebenswichtigen Entscheidungen in aller Bescheidenheit auch unsere Ansicht zu äußern.
„Ich habe sechs Monate an den.Waffenskillstandsver- Handlungen in Span teilgenommen und kann also über diese Dinge etwas aus eigener Anschauung sagen. Ich weiß, wie die Haltung und der Erfolg einer deutschen Abordnung, die mit übermächtigen Gegnern zu verhandeln hat, wesentlich abhängig ist von dem sichtbaren nationalen Lebenswillen des dahinter stehenden Volkes. Ich habe erlebt, wie die damalige Revolutionsregierung und die öffentliche Meinung der Heimat uns in den Rücken fielen. Sollen die nationalen Kreise die gleiche kurzsichtige, selbstmörderische Haltung aus Personen. oder Parteihaß einnehmen? Jede neue Regierung übernimmt die Erbschaft der Vorgängerin. Soll die vorliegende an und für sich schon furchtbare Erbschaft noch mehr durch eigene Schuld belastet werden? Wie uys im November 1918 die Stimmung der Massen nicht einen Augenblick abhielt, im alten Preußengeist unsere vaterländische Pflicht zu erfüllen, so auch heute. Belehrungen über nationales Pflichtgefühl, das wir als Frontsoldaten seit 1914 oft genug durch die Tat unter schwersten Opfern an Gut und Blut be- miefen haben, lehnen wir mit aller Entschiedenheit ab."
„Eesahrzuftand" in Schanghai Bombenwurf gegen das japanische Konsulat.
Schanghai, 29. Januar
Gegen das japanische Konsulat wurde eine Bombe geworfen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt und nur ganz geringer Materialschaden angerichtet. Aber die bei den Einwohnern herrschende Nervosität ist durch den Vorfall noch gesteigert worden.
Wie verlautet, hat der Gemeinderat der internationalen Niederlassung beschlossen, den Gefahrzustand zu erklären. Brigade-General George Fleming wird den Oberbefehl über die internationalen Streitkräfte der Niederlassung übernehmen, nachdem der rangältere japanische Admiral auf sein Vorrecht verzichtet hat.
Der japanische Kreuzer Dubari und zwölf japanische Zerstörer trafen bei Tagesanbruch hier ein und landeten 500 Seesoldaten. Man erwartet die Landung von weiteren 500 Seesoldaten, wodurch die japanischen Marinestreitkräfte in Schanghai eine Stärke von ungefähr 3000 Mann erreichen würden. Die internationale Niederlassung verfügt weiter über 2070 britische und 1200 amerikanische Seesoldaten sowie 1000 französische Kolonialsoldaten.
Der japanische Generalkonsul in Schanghai, Murai, hat die japanischen Konsulate in Nanking, Futschau Wuhu und Kanton angewiesen, allen Japanern zu empfehlen, das Land zu verlassen, da die politische Lage in China sehr unsicher fei. Die japanische Regierung könne bei ernstlichen Schwierigkeiten vielleicht nicht in der Lage sein, für den Schutz ihrer Staatsangehörigen Sorge zu tragen.
Japanisches Ultimatum angenommen
Die Japaner tohen ijk .Antwort der chinesischen Behörden in Schanghai auf das Ultimatum des japanischen Admirals als befriedigend angenommen.
Das japanische Ministerium des Auswärtigen erklärt, die Befürchtungen, daß die Maßnahmen der Japaner in die internationale Konzession in Schanghai übergreifen würden, seien vollkommen unbegründet.
Japan besetzt Schanghai
Schanghai, 29. Januar.
Trotz der Annahme der japanischen Forderungen durch die Chinesen hat der Oberbefehlshaber der japanischen Marinekräfte beschlossen, die an die internationale Konzession grenzende chinesische Stadt Schapei zu besehen. Er »erlangt weiter die Beseitigung aller Verteidigungsanlagen, die die Chinesen vor einiger Zeit an dieser Skelle^rrichtet haben. An der Grenze der internationalen Konzession sind zwischen Japanern und Chinesen Kämpfe im Gange.
Weiter wird gemeldet, daß die Japaner auch auf Char- bin vorrücken.
Die neue chinesische Regierung ist gebildet. Ministerpräsident ist Wangtschinwai, Außenminister Lowenkau.
Schapei wird bombardiert
Schanghai, 29. Januar.
Japanische Marineinfanterie im Panzerkraftwagen ist abends in die chinesische Stadt Schapei eingedrungen. Im Hangkau-Bezirk, der von japanischen Marinetruppen und Panzerkraftwagen vollständig besetzt ist, hört man Gewehr- und Maschinengewehrfeuer.
Der japanische Befehlshaber hat Befehl erteilt, den Stadtteil Schapei mit Fliegerbomben zu belegen.
Der Befehl des javanischen Oberkommandierenden, Schapei mit Bomben zu belegen, wurde um 4.25 Uhr früh («10 Uhr abends MEZ.) gegeben. Die Bevölkerung — Schapei zählt eine halbe Million Einwohner — hat sich in ihren Wohnungen verbarrikadiert. In den Straßen wird noch mit Maschinengewehren geschossen.
Um 1.30 Uhr früh hatten die Japaner den größten Teil von Schapei besetzt. Die Chinesen leisten hartnäckigen Widerstand und weichen nach der internationalen Konzession zurück. Dreizehn japanische Verwundete sind in die Lazarette ge» bracht worden. Die chinesischen Verluste sollen schwer sein. Etwa 50 Chinesen sind gefangen genommen worden.
Ein japanischer Panzerwagen versuchte, durch die Konzession vorzudringen, mußt« aber umkehren, da britische Freiwillige ihm die Durchfahrt nicht gestatteten.
Greift Amerika ein?
Manila, 29. Januar.
vier hier liegende amerikanische Zerstörer haben Befehl erhalten, alle Vorbereitungen zu treffen, um nach SchanGal auszulaufen.
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Gut unterrichtete Kreise erklären, die Vereinigten Staaten würden in der Angelegenheit Schanghai nicht allein han- deln, sondern das Staatsdepartement würde zunächst abwarten, bis der Standpunkt Großbritanniens bekannt ist.