Hersfelöer Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdrucker«! in tzersfelb, Mitglied des VDJV.
Nr. 26
Montag, den 1. Februar 1932
SSSSSMSSSSSSSSSSUSSSSS«
82. Jahrgang
China beschließt Krieg!
Aus Nanking wird gemeldet, daß die chinesische Regierung die Kriegserklärung an Japan beschlossen habe
Offener Krieg?
London, 31. Januar.
Wie Reuter aus Schanghai meldet, beschloß die chinesische Nationalregierung, Japan den Krieg zu erklären.
Der Entschluß der Regierung, Japan den krieg zu erklären, wird, wie man annimmt, alsbald in die Tal umge- setzt werden.
Die Meldung des halbamtlichen englischen Büros ist bisher noch unbestätigt. Russische Nachrichten besagen, man erkläre in Nanking, daß bisher lediglich der ehemalige chinesische Außenminister Dr. Tschen ein Telegramm an Wang- sinwei gesandt habe, in dem dieser aufgefordert wird, die Kriegserklärung an Japan innerhab von 48 Stunden abzu- geben, wenn die japanische Regierung ihre Truppen aus der Mandschurei und Schanghai nicht zurückziehk.
In Londoner politischen Kreisen ist man der Auffassung, daß der Beschluß der chinesischen Regierung, Japan den Krieg zu erklären, wenn er sich bestätigen sollte, möglicherweise nur den Zweck verfolgt, die Völkerbundsmaschinerie in Gang zu setzen.
An japanischer zuständiger Stelle wird erklärt, daß eine offizielle Nachricht über einen Beschluß der chinesischen Regierung, Japan den Krieg zu erklären, weder beim Auswärtigen Amt noch bei den japanischen diplomatischen Vertretungen in China vorliege. Das Auswärtige Amt hat feinen Geschäftsträger in China beauftragt, festzustellen, ob die Nachricht den Tatsachen entspricht.
TWanglaischets Kampfansage
_ Tschiangkaischek richtet« an die Konsuln der fremden Machte in «cyangya, ein Telegramm,mm oem er jugi; „v* mehr wir ertragen, desto angriffslustiger werden die Japaner. China ist in Gefahr. Wer vaterländisch empfindet, kann die Bedrückung durch die Japaner nicht länger ertragen.
Der Augenblick ist gekommen, da die Regierung und ihre Armeen sich erheben müssen, um die Ehre der Nation und das Dasein des chinesischen Volkes zu verteidigen. Wir wollen uns lieber schlagen und Opfer bringen, als uns vor den Japanern beugen, die das Recht verletzt und den Welt- frieden gebrochen haben."
Eine neue Komplilmion
Wie Reuter aus Schanghai meldet, hat Tschiangkaischek bei den Konsularvertretern der auswärtigen Mächte in Schanghai Protest dagegen erhoben, daß das internationale Konzessionsgebiet rechtswidrig von den Japanern als Stützpunkt für militärische Operationen auf chinesischem Gebiet habe benutzt werden dürfen.
Tschiangkaischek erklärte, dies könne zur Folge haben, daß er genötigt sein werde, den japanischen Teil des Lon- zessionsgebietes mit Granaten zu belegen, und er müsse jede Verantwortung für die Folgen ablehnen.
Stiopei ein Scheiterhaufen
Schapei brennt an allen Lcken. Die Flammen schlagen 20 bis 30 Meter hoch in die Luft, und der Lärm, den das Feuer verursacht, ist auf große Entfernung zu hören. Schanghai wird durch diese grausige Illumination tageshell erleuchtet, und keine Blinute vergeht, in der nicht das nerven- aufpeilschende Geknatter der Maschinengewehre zu hören wäre. Um 5.30 Uhr früh hatte Schapei das Aussehen eines riesigen, flammenden Scheiterhaufens. Es hat den Anschein, als ob das Feuer sich langsam der internationalen Niederlassung nähert.
Im Laufe der nächtlichen Kämpfe sind auf japanischer Seite angeblich elf Mann getötet, 62 schwer und 26 leicht verletzt worden: doch rechnet man damit, daß die Verlust- liffer tatsächlich wesentlich höher sein wird. Die chinesischen Verluste bei den nächtlichen Kämpfen werden auf zweihundert Mann geschützt. Ein japanisches Flugzeug ist abgeschossen worden.
I Kein offizieller Krieg
London. Preß Association erführt von hoher amtlicher Stelle, daß bisher noch keine amtliche Bestätigung einer Kriegserklärung vorliege. Die chinesische Regierung habe lediglich beschlossen, daß weiteren feindseligen Aktionen der Japaner Widerstand entgegengesetzt werden müßte.
China hofft auf den Völkerbund
Genf. Der chinesische Vertreter im Völkerbundsrat hat den Ratsmitgliedern eine neue Note über die Vorgänge in Schanghai zugeben lassen, in der es heißt: Der japanische Versuch, Schanghai zu überfallen und zu besitzen, ist wiederum eine Verletzung -der Satzung und der Entschließungen des Völkerbundes, des Kellogg-Paktes und Neun-MächteDertrages. China hat langmütig japanische AüsrisfshgnMngM, bis sich irmmr weiter ausdebnen. «•
duldet. Der Angriff auf Schanghai gefährdet die Hauptstadt Nanking. China ersucht hiermit den Völkerbund, rasche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um weitere japanische Angriffshandlungen zu vermeiden. China behält sich das Recht vor, angemessenen Ersatz der von Japan angerichteten Schäden Zu verlangen.
Im übrigen wird in Genfer chinesischen Kreisen das Gerücht über eine bevorstehende oder auch nur beabsichtigte Kriegserklärung Chinas ganz entschieden in Abrede gestellt. Eine Kriegserklärung wäre, wird weiter betont, ein schwerer politischer Fehler, durch den sich China vor der ganzen Welt ins Unrecht setzen würde. Tschiangkaischek bereite eine Proklamation an das chinesische Volk vor, in der er zur Besonnenheit auffordert und unter Hinweis auf das Vertragstreue Verhalten Chinas von den Mächten verlangt, daß diese sich ihrerseits an die übernommenen Verpflichtungen halten.
Neutrale Zone in China?
London. Am Sonntag herrschte in Downing Street fieberhafte Tätigkeit. Bezeichnend ist, daß auch der amerikanische Geschäftsträger mehrfach den Premierminister besuchte. Nach einer amtlichen Mitteilung fand in Downing Street eine Sitzung statt, an der u. a. der Premierminister, der Schatzkanzler, der Staatssekretär des Auswärtigen, der Erste Lord der Admiralität und der Chef des Reichsgeneralstabs teilnahmen. Die Situation in Schanghai und die militärische Lage wurden erwoaen und beschlossen, außer den bereits in Schanghai befindlichen drei Bataillonen ein Kriegs- schiff von Honkong zu entsenden, das ein Bataillon Infanterie und eine Batterie Artillerie führt.
Auf einer Sitzung, die in S ch a n g h a i unter dem Vorsitz des britischen Generalkonsuls stattfand, und auf der der amerikanische Generalkonsul, der japanische und der chinesische Befehlshaber anwesend waren, wurde vorgeschlagen, eine neutrale Zone Zwischen den chinesischen und japanischen Truppen zu schaffen, die von den Truppen der neutralen Mächte besetzt werden soll. Der britische Generalkonsul ist ken sollen, wenn die neutrale Zone geschaffen werden kann, und daß die amerikanische Regierung ersucht wird, ein« gleiche Aktion zu unternehmen. Die britische Regierung dringt auch in die japanische und die chinesische Regierung, den Plan einer neutralen Zone anzunehmen.
Der Wortführer des Auswärtigen Amtes erklärte, daß Japan die Ernennung einer Völkerbundskommission zur Untersuchung der Vorgänge in Schanghai begrüßen würde, wenn sich diese von der wahren Lage durch Augenschein überzeugen wolle. Japan fei jedoch nicht imstande, Empfehlungen der Kommission als bindend anzusehen. Wenn China seine Truppenverstärkungen nicht auf eine sichere Entfernung zurückziehe, so bedeute dies nicht nur für die Lage der japanischen Marinekräfte, sondern auch für die internationale Zone selbst die größte Gefahr.
Friedenskonferenz erfolglos
Schanghai. Die von dem britischen und dem amerikanischen Generalkonsul zwischen dem japanischen Admiral Syiosawa und dem chinesischen Oberbefehlshaber vereinbarte Friedenskonferenz fand am Sonntag vormittag und im Laufe des Nachmittags im britischen Konsulat statt. 17 javanische Flugzeuge kreuzten während der Besprechung über der Stadt. Die Konferenz wurde schließlich nach etwa dreistündiger Dauer
ergebnislos abgebrochen.
Einige Teilnehmer der Konferenz berichteten, daß die Vormittagsverhandlungen zunächst einen hoffnungsvollen Verlauf nahmen. Während der Nachmittagssitzung seien jedoch alle Vorschläge aus dem einen oder anderen Grunde und ^eaen verschiedener Einwendungen der einen oder anderen Seite wieder verworfen worden. Mit einem Wiederzusam- Eritt könne man erst wieder rechnen, wenn die japani- Behörden hier von Tokio neue Weisungen erhalten n.
Der Kampf entbrennt
Chinesen zurückgeschlagen.
Schanghai. Gegen Abend hat in der Nähe des britischen Konsulats in der Umgebung des Hospitals auf der Nordseite der Suffchubucht ein Kampf begonnen.
*
Nach einer Meldung der Agentur Rengo griffen etwa 3000 Mann des Generals Tingtschao am Sonntag vormittag eine Station in der Nähe von Charbin an, die von den Ja- panern in stundenlangem Kampfe verteidigt wurde. Die Chinesen wurden zurückgeschlagen und muhten etwa 400 Tote zurücklassen. Auf japanischer Seite wurden etwa 21 Mann getötet.
China rüstet fieberhaft
Regierungssitz in honanfu?
Nanking, 1. Februar.
Ein endloser Zug chinesischer Soldaten marschiert von der Provinz Honon nmh Nanking, um den Kampf gegen die Japaner WNWÄML Mr Ksntop sind Flugzeuge ent-
fandt worven. Die besten Truppen Tschiangkaischeks versammeln sich in Nanking als Hauptquartier; sie sind kriegerisch gestimmt. Alle Telegramme aus China nach London werden der dortigen Zensur unterworfen.
Im Kampf um den Tschapei-Distrikt sollen bis jetzt 600 Chinesen getötet und 400 verwundet worden sein, die meisten durch Fliegerbomben.
Im Konzessionsgebiet nahmen amerikanische Marineschützen einen Trupp Japaner fest, die schwer bewaffnet waren. — Deutsche Staatsangchörige und ihr Eigentum sind in Schanghai nicht zu Schaden gekommen.
Nach Associadet Vreh wurde der Sitz der nationalen Regierung von Nanking nach Honanfu verlegt.
Schanghai beruhigt?
Schanghai. Die B r ä n d e in Schapei sind erloschen. Der Schaden wird auf eine Million Pfund Sterling geschätzt. Die Japaner haben völlige Kontrolle über das Hongkew- Viertel der internationalen Niederlassung vom Sutschuklub nach Norden. Bewaffnete japanische Reservepolizisten hielten Motorradfahrer und Fußgänger on, töteten einen Chinesen und verwundeten zwei Ausländer. Amerikanische Marinesoldaten nahmen 27 solcher Polizisten fest.
Zwölf Personen, unter ihnen ein junger Portugiese, wurden in der internationalen Niederlassung durch Streifschüsse verwundet.
Amerika und England protestieren
Die Flotten halten sich bereit.
New Port, 1. Februar.
Amerika und England haben bei Japan formellen Protest gegen die Besetzung Schanghais eingelegt. Amerika betont, daß trotz gegenteiligen Versprechens der japanischen Behörden die internationale Niederlassung als Operationsbasis gegen China benutzt werde. Auch England hat durch den britischen Botschafter in Tokio daraus aufmerksam machen basis verwerte und das Leben und (Eigentum der bnnfchen Untertanen gefährde. Japan solle sobald als möglich die normalen Verhältnisse wieder herstellen. Der japanische Außenminister versicherte, es werde alles möglich« getan werden. Die Konzession werde nicht als Angriffsbasis dienen.
Der in Batavia liegende englische Panzerkreuzer „Kent", auf dem sich der Oberbefehlshaber der englischen China- flotte befindet, erhielt Anweisung, sofort nach China in
See zu gehen.
Der amerikanische Generalkonsul in Nanking ersuchte um Entsendung weiterer Torpedobootzerstörer für Nanking und Wuhu.
Nach einer Meldung der Associated Preß aus Washington erklärte Admiral Pratt, die ganze asiatische Flotte habe Befehl erhalten, bei der Fortschaffung oder zum Schutze amerikanischer Staatsbürger in China mitzuwirken.
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Lissabon. Ein gegenwärtig in Macao liegender portugiesischer Kreuzer hat Befehl erhalten, sich zum Auslaufen nach dem Fernen Osten bereit zu machen.
Wer greift ein?
Paris. Der sozialistische „Populaire" erläßt einen Aufruf an die Arbeiterschaft der gesamten Welt, die Regierungen der Großmächte sofort zum Eingreifen zu zwingen, um die Einstellung der Feindseligkeiten in Ostasien, die Zurücknahme der japanischen Truppen und eine schiedsgerichtliche Regelung des Konfliktes herbeizuführen.
Moskaus Politik „friedlich"
Moskau. Bei der Eröffnung der 17. Kommunistischen Parteikonferenz führte der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, M o l o t o f f, aus, Rußlands Außenpolitik verfolge nur friedliche Ziele. Die Ereignisse im Fernen Osten fordern von Rußland
Wachsamkeit und Bereitschaft.
Molotoff sprach dann von angeblichen Plänen der Weißgardisten, den Fernen Osten von der Sowjetunion loszulosen und einen „Pufferstaat" mit ausländischer Unterstützung zu schaffen. An solchen Gefahren könne die Sowjetunion nicht vorübergehen und noch weniger passiver Zuschauer bleiben.
Stimme der Vernunft
Franzose schlägt Rückgabe der Kolonien an Deutschland vor.
Paris. In der „Döpeche de Toulouse" veröffentlicht der Direktor dieses Blattes einen Artikel, in dem er der französischen Oeffentlichkeit den sehr bemerkenswerten Vorschlag unterbreitet, dem Völkerbund das Mandat Frankreichs über Kamerun und Togo zurückzugeben, damit es Deutschland übertragen werde. Direktor Huc-«rspricht sich von diesem Schritt einen wesentlichen Fortschritt in der Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich. Zum Schluß nertritt Huc den Standpunkt, daß durch die Rückgabe der Kolonien Kamerun und Togo die deutschen Forderungen in dieser Hinsicht wesentlich abgeschwächt werden würden.