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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Reisfeld

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Druck und Verlag von Lubwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDZV.

Nr. 51

Dienstag, den 1. März 1932

82. Jahrgang

Dämmerung im Jemen Osten

Nach geringen militSrischen Erfolgen und schweren Opfern erklärt sich Japan zu Verhandlungen bereit

Brechens Slaatssinnaren

Große Schwierigkeiten beim Etaksausgleich.

Berlin, 1. März.

Die preußische Skaaksregierung hat den Haushaltsplan für 1932 veröffentlicht. Die Haushaltspläne und Berech­nungen Preußens waren bis zum Beginn des Rechnungs­jahres 1930 im Endergebnis ausgeglichen. Das Rechnungs­jahr 1930 hat mit einem Fehlbetrag von 204 Millionen RM. abgeschlossen. Das Rechnungsjahr 1931 schließt voraussicht­lich mit einem Fehlbetrag von 245 Millionen RM.

Die Ursache des ungünstigen Abschlusses des ordentlichen Haushalts in den Rechnungsjahren 1930 und 1931 liegt bar« in»,,daß die Deckungsmittel sich in größerem Umfange ver- suKchtert haben, als es gelang, den Zuschußbedarf der Ho- heitsverwaltungen zu vermindern. Im Rechnungsjahre 1932 müssen sich diese Schwierigkeiten infolge des beschleunigten Rückganges der Deckungsmittel verstärken. Der Ausfall des reinen Staatsanteils an Ueberweisungssteuern gegenüber dem Haushalt 1930 wird 258,4 Millionen RM. betragen. Die Betriebe werden mit 31.9 Millionen RM. hinter dem Vorjahre Zurückbleiben. Die preußischen Steuern und Ab­gaben werden einen Ausfall von 60,8 Millionen RM. auf« weisen, nämlich 16,7 Millionen RM. bei der Hauszinssteuer, l 35 Millionen RM. bei der Grundvermögenssteuer, sechs Millionen RM. bei der Stempelsteuer,'2,7 Millionen RM. S bei den Verwaltungsgebühren und übrig-': kleines Posten. Die übrigen Einnahmen der allgemeinen Finanzverwaltung sind um 27,6 Millionen RM. geringer zu schätzen. Hinzu tritt der Rückgang der Einnahmen bei den Hshettsverwaltungen (l mit 26,3 Millionen RM. Die Einnahmeseite verschlechtert ______, sich daher um 402,7 Millionen RM. Die Ausgabeseite ver- hiechtert^ftch zwangsläufig um 75,9 MNüsnsn RM

Die Gefamtverfchlechlerung des Haushalts 1932 gegen- über 1931 beträgt 478,6 Millionen RM.

Auf Seiten der bisher zur Verfügung stehenden Einnahmen bat sich dieser Ausfall nur in ganz geringfugiaem Maße aus- gleichen lassen, die Deckung des Restes von 476,6 Millionen Reichsmark mußte daher auf der Ausgabeseite versucht wer­den. Die durch die zweite und dritte preußische Notverord­nung bei den persönlichen Ausgaben erzielten Ersparnisse er­bringen 207,2 Millionen RM., die bei den sächlichen Aus­gaben 74,4 Millionen RM., insgesamt ergibt sich hiernach eine Ersparnis von 281,9 Millionen RM. Weiter sind die Bauunterhaltungsfonds weiter ermäßigt worden. Hieraus ergibt sich eine weitere Ersparnis von 15 Millionen RM. Darüber hinaus sind schließlich noch weitere sehr starke Sach- abstriche vorgenommen worden, die eine Nettoverbesserung von 92,1 Millionen RM. gebracht haben. Insgesamt be­tragen daher die Gesamtersparnisse 389 Millionen RM. Hiervon sind bereits 10,4 Millionen RM. bei den Ueber- schüssen der Betriebsverwaltungen und 2 Millionen RM. bei der Senkung der Einnahmen berücksichtigt, es verbleiben mithin für die Deckung 389 minus 12,4 gleich 376,6 Mil­lionen RM. Die Deckung des noch bleibenden Fehlbetra­ges von 100 Millionen RM. muß durch Erhöhung der Einnahmen erfolgen. Zwischen der Reichsregierung und der Staatsregierung wurden Verhandlungen über eine Aus­gleichszahlung aus Reichsmitteln eingeleitet. Diese Ver­handlungen stehen vor dem Abschluß.

Aufruf der Deutschen Bolkspartei

zur Wahl Hindenburgs.

Reichsausschuß und Parteivorstand der Deutschen Volks- partei erlassen zur Reichspräsidentenwahl einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt:

Wiederum aus höchster vaterländischer Pflicht stellt sich Hindenburg auf den Ruf von Millionen der besten Deut­schen aus allen Kreisen für eine neue Wahlperiode zur Ver­fügung. Für die Deutsche Volkspartei, die ihn fd>on 1925 mit auf den Schild gehoben, gibt es keine andere Parole als die unbedingte Treue und Gefolgschaft. Sein Besserer, kein Würdigerer kann das höchste Vertrauensamt des Volkes bekleiden als der ruhmreiche Heerführer, den heute das ein­mütige Urteil des Volkes den Vater des Vaterlandes nennt.

Die Deutsche Volkspartei erstrebt als Gegengewicht gegen die demokratische Parlamentsherrschaft eine Stärkung der Macht des Reichspräsidenten. Wer dem Reichspräsiden­ten Bedingungen für die Führung seines Amtes vorschreiben will, schwächt seine verfassungsmäßige Stellung und zieht ihn in die Niederungen des Parteikampfes hinab. Die Deutsch« Volkspartei fetzt ihre ganze Kraft ein, um seine Wiederwahl zu erreichen als ein Symbol der Zusammen- fassung der Kräfte für die Sicherung des inneren und äuße­ren Wiederaufstieges der deutschen Nation."

8,3 Millionen Arbeitslose in Amerika

New Port. Der Präsident der amerikanischen Labour Party, William Green, veranschlagt die Zahl der Arbeits­losen in den Vereinigten Städten am 1. Februar auf 8,3 Millionen.

Die Bier- und Brotpreisfrage

Goerdeler berichtet dem Kabinett.

Berlin. Der Reichskommissar für Preisüberwachung Dr. Goerdeler, äußerte sich im Rundfunk über die noch zu lösenden Aufgaben der Preisüberwachung. Im Vorder- gründ des Interesses stehe zur Zeit dieBierpreisfrag« und die durch den Bierstreik in Berlin und Hamburg geschaf­fene Lage. Der Reichskommiss x bestritt entschieden, daß auch nur auf einem Gebiete ein Steuerstreik zu einem Erfolg führen könne. Man müsse bedenken, daß die Biersteuer­erträge zu nichts anderem als zur Erhaltung der Arbeitslosen verwendet würden.

Auch die Erhöhung des Butterpreises gebe zu Be­sorgnissen Anlaß, doch bestehe hier begründete Hoffnung auj eins rückläufig« Preisbewegung. Zur Brotpreisfrage erklärte Dr. Goerdeler, es sei für ihn nicht möglich, die Rog­genpreise zu beeinflussen, weil u. a. sonst der künftige Roggen- anbau überhaupt gefährdet sein würde. Durch entsprechend« Maßnahmen der Reichsregierung sei es aber gelungen, Ein­fluß auf eine vernünftige und ruhige Gestaltung der Roggen- und Roggenmehlpreise zu gewinnen, der zu Entspannungen führen müsse.

Im großen und ganzen sei eine Senkung des Index um 7 bis 9 Prozent erreicht worden, und das sei ein Erfolg, wie er seit der Inflation noch niemals in so kurzer Zeit zu ver­zeichnen war.

Dr. Goerdeler wies im Verlaufe seiner Ausführungen darauf hin, daß mit einer weiteren Senkung der Postgebüh­ren nicht gerechnet werden könne. Für die gebundenen Preise halte er weitere Senkungen für notwendig.

Dr. Goerdeler berichtete in der Montaasitzung des Reichs­kabinetts über die Brotpreisfrage. Er schilderte die von ihm durch Stabilisierung des Brotpreises getroffenen Maß­nahmen und legte seinen bekannten Standpunkt gegenüber "einer neuen Brotpreisevhöhung d-r Da« Kabinett faßte keine Beschlüsse.

Am auch Lichtktreik? Zenkralstreikleikung in Berlin gebildet.

Berlin, 1. März.

Der Vorstand des Reichskartells des selbständigen Mit­telstandes faßte in der Frage eines Lichtstreikes, d. h. der Einstellung der Schaufensterbeleuchtung, eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Die Beschluß­fassung über den Eintritt in einen Lichtstreik ist Sache der örtlichen Organisationen. Das Reichskartell wird für alle in den Lichtstreik getretenen Orte eine Zentralstreikleitung bilden. Die Richtlinien sollen jeweils um die örtlichen Erfahrungen ergänzt werden.

Es sollen sofort Verhandlungen mit der Regierung aus­genommen werden mit dem Ziel der Senkung der Werk­gebühren der öffentlichen Tarif« und aller öffentlichen Ab­gaben, an di« sich bisher die Regierung und der Preiskom­missar nicht heranwagten.

Verlängerung des Aedislontlredits

Berlin, 1. März.

Die seit längerer Zeit geführten Verhandlungen über eine Verlängerung des 100-Willionen-Dollar.Rediskonkkre- dikes an die Reichsbank, der zuletzt bekanntlich um einen Monat verlängert worden war, dürften Mitte der Woche zu Ende geführt werden.

Dabei handelt es sich um die Verlängerung des Kredits auf drei Monate bis zum Mai d. I. Deutschland soll inner- halb dieser Frist 10 Prozent des Kredits zurückzahlen.

Die Wache zieht wieder durchs Brandenburger Tor.

Die Berliner Wachtruppe wird von jetzt an wieder an allen Sonntagen durchs Brandenburger Tor ziehen, um die alte Tradition wieder zu bewahren. U. B. z. die Wachtruppe am Bragdenburger Tor von Tausenden begleitet.

Der 5. Kandidat

Velriebsanwalt Winker.

Berlin, 1. März.

Als fünfter Kandidat für die Wahl des Reichspräsiden­ten ist der Betriebsanwalt Adolf Gustav Winter aus Groß- jena bei Raumburg, der sich gegenwärtig in der Bautzener Landesstrafanstalt befindet, aufgestellt worden.

Adolf Gustav Winter ist der Mann der rotgestempelten Tausendmarkschein«, der die Rettung Deutschlands durch eine Bank- und Börsenreform verkündet. Die notwendigen Un« terschriften, und zwar 35 000, sind für ihn beigebrachi wor­den. Die Unterschriften sind vor allem in Hamburg, Mün­chen und in Sachsen gesammelt worden.

Soouer an Hindenburg

Berlin, 1. März

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat auf die Glückwünsche des Reichspräsidenten zur Feier von Washingtons zweihundertstem Geburtstage mit nach­stehendem Telegramm geantwortet:.Ew. Exz. gütigen Be­weis der Verehrung von Washingtons Andenken zum zwei- hundertsten Geburtstage des Gründers seines Landes habe ich dankbarst erhalten. Gern benutze ich diese Gelegenheit, um Ew. Exz. und durch Sie der Reichsregierung und dem deutschen Volk namens der Regierung und des Volkes der Vereinigten Staaten sowie in meinem eigenen Namen Ge- gengrüße und gute Wünsche zu senden, gez. Herbert ! Hoover."

Folaeufchwerer Zufammeuftoh

Nationalsozialist von einem Polizeibeamten erschossen.

Hamburg, 1 März

Zu einem,folgenschweren Zusammenstoß zwischen Na­tionalsozialisten und einem Polizsibeamten kam es in der Nacht in der Borgfelder Straße. Wie der Polizeibericht mel­det, fand dort ein Polizeibeamter einen am Boden liegen­den Mann, der von einem über ihm stehenden Mann schwer mißhandelt wurde. Der Täter griff auch den Polizeibeam­ten an und fand dabei Unterstützung durch Personen, die teilweise das Abzeichen der NSDAP trugen. Der Beamte wurde zu Boden gerissen, getreten und geschlagen.

Obwohl der Beamte in höchster Notwehr schoß, ließ der erste Hauptangreifer nicht von ihm ab, so daß der Beamte, immer noch am Boden liegend, einen zweiten Schuh abge­ben muhte, der den Täter traf. Dieser, der 24jährige Kenry Kobert, Angehöriger der NSDAp, erlitt eine schwere Bauchverletzung, an der er bald nach seiner Einlieferung in ein Krankenhaus starb. Weitere Polizeibeamte nahmen sieben Personen fest.

Deutsche Abwehmahuahmen

Einführung eine» Obertarifes.

Berlin, 1. März

Die Reichsregierung hat die Einführung eines Ober­tarifes beschlossen. Der Oberrarif gilt für Waren, die aus Ländern stammen, mit denen das Deutsche Reich nicht in einem handelsvertraglichen Verhältnis steht oder welche die deutschen Waren ungünstiger behandeln als die Waren eines dritten Landes. Die Länder, auf deren Boden- und Ge­werbeerzeugnisse der Obertarif anzuwenden ist, werden durch besondere Verordnung bestimmt.

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Wahlsieg der Heimattreuen

Straßburg, 1. März

In Straßburg fand ein« Ersatzwahl für ein kürzlich verstorbenes Mitglied des unterelsäffischen Generalrates (Bezirkstag) statt. Vor wenigen Monaten haben die auto« nomistischen Parteien im unterelsäffischen Generalrat die Mehrheit erobert: 17 Stimmen der Heimattreuen, zwei Unabhängige, den Heimattreuen nahestehend, 16 Vertreter der französischen Richtung. Durch den Tod eines Heimat­treuen Kommunisten, also eines Vertreters der elsaß lothrin­gischen Arbeiter- und Bauernpartei, war diese Mehrheit in Frage gestellt. Bei der Ersatzwahl siegte nun der Heimat­treue Mourer mit 3690 Stimmen über den Sozialisten Koeßler, der 3153 Stimmen erhielt. _

Volksparteiler werden deutschnational

Berlin. Der seit einigen Sagen eingeteitete Uebertritt einiger Vorstandsmitglieder des Wahlkreises II (Potsdam) der Deutschen Volkspartei unter Führung des Stadtverord­neten F a l z zu den Deutschnationalen ist erfolgt. Falz hatte die Sitzung des Reichsausschusses der Partei verlassen, weil er die Hindenburg-Parole ablehnte.

Frankreichs Marine-Etat bewilligt

paris. Die Kammer hak das Budget der französischen Kriegsmarine verabschiedet. j