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HersMerTaaeblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis hersfelü

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.

Nr. 52

Mittwoch, den 2. März 1932

82. Jahrgang

Großmacht zweiter Klasse?

Frankreich widersetzt sich in Gens hartnäckig, Deutschlands Gleichberechtigung anzuerkennen

BeMoben...

Die grundsätzliche Frage der deutschen Gleichberechtigung.

Genf, 2. März.

Tardieu hat kurz vor seiner Abreise nach Genf der Presse einige Mitteilungen über seine letzten Verhandlungen gemacht. Er betonte, daß er sich mit dem Botschafter Na- dolny offen über die schwebenden Fragen unterhalten habe. Die Unterredung sei in durchaus freundlichem Geiste ver- iaufen.

Die grundsätzlichen Schwierigkeiten beständen jedoch weiter. Auf keiner Seite bestehe die Absicht, die Lage weiter zu verschärfen. Die großen grundsätzlichen Fragen der Ab­rüstung. die mit dem Artikel 1 des Abkommensentwurfes Zusammenhängen, würden gleich zu Beginn der jetzt ein- setzenden sachlichen Verhandlungen auf den Abschluß der Konferenz verschoben werden. Ulan wolle die mit diesem Artikel zusammenhängenden Schwierigkeiten erst am Ende der Konferenz beraten.

Die sachlichen Verhandlungen würden daher zunächst mit dem Kapitel 2 des Abkommensentwurfes über die her- ubfttzung der effektiven Truppenbestände beginnen. Dieses Kapitel berühre die internationalen Fragen, so daß hierbei die «icherheitsfrage und die französischen Vorschläge behan­delt werden würden. Bis zum Abschluß der am Donnerstag beginnenden außerordentlichen Vollversammlung des Völ­kerbundes würden keinerlei bedeutungsvolle Verhandlungen mehr stattfinden. Tardieu erklärte, er nehme an, daß die grundsätzlichen Erörterungen voraussichtlich erst nach der Osterpause einsetzen würden.

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Von deutscher Seite wird zu den bevorstehenden Ver­handlungen im politischen Ausschuß der grundsätzliche Standpunkt uneingeschränkt aufrechterhalten, daß die Mit­arbeit der deutschen Regierung an der Abrüstungskonferenz nur unter der selbstverständlichen Voraussetzung der voll­ständigen Gleichberechtigung Deutschlands in der Abrü- stungsfrage möglich sei und daß jede Regelung der Abrü- stungsfrage in gleicher Weise für sämtliche Mächte gelten muß.

Von unterrichteter Seite wird erklärt, der deutsche An­spruch auf Gleichberechtigung sei kein Diskussionsgegenstand in dem Sinne, daß die deutsche Delegation etwas abhandeln lassen könnte: die Gleichberechtigung sei vielmehr die Vor­aussetzung für die Teilnahme Deutschlands an der Konferenz. Eine Diskussion werde aber darüber notwendig sein, da diese Gleichberechtigung in dem Konoentionsentwurf, so wie er ist, nicht bestehe. Das Ziel sei namentlich die Beseitigung des Artikels 53, der die unterschiedliche Behandlung Deutsch­lands festlegen will.

Saris:Legierung unnachgiebig"

Pertiuax betont imEcho de Paris", daß es sehr zwei­felhaft sei, ob man gerade in der Gleichberechtigungsfrage zu einer Verständigung gelange. Tardieu habe im Ver­laufe der Unterredung auch nicht versäumt, Nadolny dar­auf aufmerksam zu machen, daß die französische Regierung gerade in dieser Frage unnachgiebig bleiben würde.

Nichts desloweniger werde man wohl ober übel in ab- lesbarer Zeit vor ber Alternative stehen, entweder die deutsche Zustimmung zu den Spezialklauseln der Abrüstung mit einer Schwächung der französischen Armee zu bezahlen oder aber die Stärkung des französischen Heeres zu betreiben und auf der anderen Seite Deutschland gewisse militärische Zugeständnisse zu machen.

Wirtschaftskrieg Polens gegen Danrig Kontingentverhandlungen abgebrochen.

Danzig, 2. März.

Die Danzig-polnischen Kontingentverhandlungen, die an 20. Januar begonnen hatten, find wegen unannehmbarer politischer Forderungen Polens ergebnislos abge­brochen worden. Wie von amtlicher Danziger Stelle hier­zu u. a. mitgeteilt wird, hat sich die Danziger Abordnung bis zum äußersten bemüht, den polnischen Wünschen nach Möglichkeit Rechnung zu tragen. Das Entgegenkommen Danzigs ist von Polen damit beantwortet worden, daß es ganz unannehmbare Forderungen stellte, durch die die wenigen Rechte, die Danzig nach dem Wortlaut der Ver­träge besitzt, noch vermindert oder aufgehoben würden.

Während der Verhandlungen habe bie polnische Regie­rung ihre Danzig schwer schädigenden Maßnahmen so ver­schärft, daß heule nur noch von einem regelrechten Wirt­schaftskrieg Polens gegen Danzig gesprochen werden könne. Polen habe nicht weniger als die Aufgabe jeglichen Ligen- rechts bezüglich der Danziger Handels- und Jndustriekontin- gente gefordert, was zur Folge haben würde, daß polnische Organe die Entwicklung der Danziger Wirtschaft nach ihren volitischen Wünschen gestalten könnten. Das wäre das Ende der wirtschaftlichen Selbständigkeit Danzigs.

Noch kein Memeldireltorivm Wehrheilsparteien gegen Landesrat Simmat.

Wemel, 2. März.

Die Fraktionen der Landwirtschaftspartei und der Dolkspartei haben nach einer gemeinsamen Sitzung dem vom Gouverneur zum Präsidenten des Memeldirektoriums er­nannten Landesrat Simmat das nachstehende Schreiben überreicht:Sie haben in der Unterredung, die Sie mit Vertretern der Mehrheitsparteien über die Ernennung der Landesdirektoren hatten, darauf bestanden, daß neben zwei Vertretern der Mehrheitsparteien (Waschkies und Luttkus) Landesrat Tolischus oder ein anderer Herr Ihrer Wahl als Landesdirektor in das Direktorium eintritt. Sie haben dabei zum Ausdruck gebracht, daß bei einer Abstimmung im Direktorium bei Stimmengleichheit Sie mit Ihrer Stimme den Ausschlag gäben

Bei einer solchen Zusammensetzung des Direktoriums würde die Vertretung der Mehreilsparleien bedeutungslos sein, da sie bei einkretenden Unstimmigkeiten überstimmt würde. Wir können ein solches Direktorium nicht als Di­rektorium ansehen, da es nicht nach parlamentarischen Grundsätzen gebildet wurde^Die Herren Waschkies und Luttkus haben uns erklärt, bah sie es ablehnen, in ein solches Direktorium einzutreten.

Aus der ersten mit Ihnen geführten Rücksprache war noch nicht zu übersehen, ob eine Ausgleichung der Ansich­ten herbeizuführen möglich wäre. Darüber könnte nur eine weitere Aussprache mit den Vertretern der Minderheits- partei Klarheit schaffen."

Ungestörte Lage in Finnland Friedliche Beilegung der Krise?

Nach den in Reval vorliegenden Meldungen ist die Lage in Finnland noch immer ungeklärt. Die Regierung hat erst drei Tage nach dem Beginn der Zusammenziehung der Lappo-Anhänger bei Mäntsälä den verstärkten Schutzzu­stand verhängt. Es laufen Nachrichten ein, wonach die Mo­bilisierung der Lappo-Truppen nicht so glatt vor sich gehe, wie erwartet wurde. Auch sollen einzelne bewaffnete Lappo- Trupps den Heimweg angetreten haben, nachdem bekannt wurde, daß die Regierung einen bewaffneten Widerstand plane.

Starke Truppenmassen sind bei Helsingfors zusammen­gezogen, um jeden Vormarsch auf die Hauptstadt unmöglich zu machen. Vor der Stadt findet eine scharfe Waffenkon- trolle statt. Die Regierung will auf keinen Fall den Forde­rungen der Lappoleute nachgeben, die letzten Endes auf den Rücktritt der Regierung hinauslaufen. Es besteht noch im­mer die Hoffnung, daß die Schwierigkeiten ohne Blutver- gießen auf dem Wege von Verhandlungen gelöst werden kön­nen. Auch der Führer der Lappo-Leute, General Walle- nius, erklärte einem Revaler Pressevertreter, er hoffe, daß die Krise friedlich beigelegt werden könne. Das ganze Land sympathisiere mit der Bewegung zur Beseitigung des Marxismus. Ganz Finnland fei von dem dringenden Wunsche beseelt, an der Spitze des Staates eine wirklich vaterländische Regierung zu sehen.

Das freisinnige BlattHelsingin Sanomat" bezeichnet die Lappo-Mobilisierung als mißglückt. Dem gleichen Blatt zufolge hat die Regierung Haftbefehle gegen Kosola, Wal- lenius und andere Lappo-Führer erlassen.

3m Garten der Villa des Oberkommandierenden der finnischen Armee, General Sihvo, sind fünf Männer uer- haftet worden, die allem Anschein nach der Lappo-Bewegung angeboren und einen Anschlag auf General Sihvo ausfüh­ren wollten.

Finnlands Präsident an die Schutzkorps

Helsingfors. Der Staatspräsident hat eine Proklamation an die Schutzkorps gerichtet, in der alle Mitglieder der Schutzkorps aufgefordert werden, unverzüglich in ihre Heimat i zurückzukehren und nur den Befehlen der eigenen Führer zu gehorchen.

Die Schutzkorps erklärten, sie wären bereit, alle Aktionen bewaffneter Volkshaufen zu verhindern.

Umbildung des Kabinetts.

Zwei Mitglieder des finnischen Kabinetts, der Sozial- minister Kilpeläinen und der stellvertretende Innenminister Solja, sind 3urii(f getreten.

MeMstontfreMt verlängert

Berlin, 2. März.

Die Verhandlungen über die Erneuerung des Redis konkkrediks der Reichsbank haben, wie verlautet, zu dem Er­gebnis geführt, daß der Kredit (100 Millionen Dollar) für drei Monate auf der Basis einer Rückzahlung von 10 Pro put innerhalb dieser Frist verlängert bleibt.

Hitler zu seiner Kandidatur

Hamburg. Vor etwa 12 000 Menschen erklärte Adolf Hitler: Es gehe i n 13. März um den Neubau Deutsch­lands und nicht um Hindenburg: er verehre den Feldmar­schall, aber er stehe gegen ihn im Wahlkampf, weil sich Zen­trum und Sozialdemokratie hinter diesen Mann stellten. Ohne Hindenburgs Kandidatur würde er, Hitler, nie als Kan­didat für die Reichspräsidentenschaft ausgetreten sein. Stelle ihn das Schicksal an die Spitze bes Reiches, dann sei gewiß, daß sein Kampf nicht zu Ende sei..Wir werden", betonte Hitler,das BibelwortAuge um Auge, Zahn um Zahn" so in die Weimarer Verfassung emzufüoen wissen, daß niemand an unserer Legalität zweifeln kann."

Hugenberg erwidert Brüning

Eine Kundgebung der DRAP.

Essen. In einer Kundgebung der Deutschnationalen Volkspartei sprach Geheimrat hugenberg über seine Po­litik. Das Ziel der Deutschnationalen sei der Sturz des ge­genwärtigen Regierungssystems. Durch die Aufstellung Hin- denburos versuche dieses System, für sich systemfeindliche nationale Stimmen einzufangen. Die Ursache der deutschen Not sei die sozialistisch-marxistische Politik, die auch den Noung-Plan verschuldet habe.

hugenberg streifte auch innenpolitische Fragen und er­widerte auf die Behauptung des Kanzlers, die DNBP. habe es im letzten Sommer in der Hand gehabt, die Macht zu er­obern, der Reichskanzler habe den Deutschnationalen gegen­über niemals den Versuch gemacht, sein Kabinett nach rechts zu orientieren oder zu erweitern. Das habe Dr. Brüning in einer Unterredung mit ihm, Hugenberg, selbst zugegeben.

Austritte aus der DPP.

Die Parteileitung erklärt.

Berlin. Der Wahlkreis Westfalen-Süd hat durch seinen Vorsitzenden Hembeck den Austritt der südwestfälischen Orga­nisation aus der Deutschen Volkspartei erklären lassen.

Die Parteileitung der Deutschen Volkspartei teilt dazu mit, die Erklärung Hembecks sei weder rechtlich begründet, noch moralisch vertretbar. Es stehe fest, daß die übergroß« Mehrheit des Wahlkreises einen solchenVerrat an ihrer alten Partei" ablehne.

ReichslandbLnd gegen Hindenburg

Der Bundesvorstand des Reichslandbundes nahm eine Entschließung an, in der fesigestellt wird, die nationale Oppo­sition habe die Proklamation Hindenburgs durch die Par­teien des Weimarer Systems mit der Herausstellung ihrer Vorkämpfer Hitler und Dueslerberg beantwortet. Der Reichs­tandbund stehe im Lager der nationalen Opposition. Er werde seine Stimme nicht für hindenburg einsetzen.

Der Kampf für den einen der beiden Kandidaten der nationalen Opposition dürfe nicht zum Kampf gegen den anderen werden. Der gemeinsame Kampf richte sichgegen die Herrschaft der verderblichen Kräfte, die für die Irrwege unserer bisherigen gesamtstaatlichen und Wirtschaftspolitik verantwortlich sind".

Die Handhabung ber Vreffenotoerordnung

Aus dem Reichsinnenministerium und der preußischen Staatsregierung wird mitgeteilt, daß Reichsregierung und Preußenregierung auf dem Standpunkt stehen, während des Wahlkampfes die Pressenotverordnung möglichst milde zu handhaben. Allerdings ist man an zuständiger Stelle der Auffassung, daß bei verleumderischen Angriffen und ver­ächtlich machenden Aeußerungen aufs schärfste durchgegriffen werden muß.

Froat der christlichen Arbeiterichast gegen Rationalismus und Kommunismus.

Köln, 2. März. Vom Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften wird mitgeteilt:

Angesichts der offenbaren Gefahr, die von den radikalen Bewegungen, Rationalismus und Kommunismus, für bie Ordnung in Wirtschaft und Staat ausgeht, hat nunmehr auch die christliche Arbeiterschaft im Bezirk Westdeutschland ihre freiwillige Bereitschaft zum Schuhe der Ordnung formuliert.

In dieser Bereitschaft der christlichen Arbeiterschaft in der Volksfront stehen die Gewerkschaften, Arbeitervereine und Gesellenvereine Schulter an Schulter zur Abwehr jedes aewaltsamen Angriffes auf die verfassungsmäßige Ordnung. Me Verbindung mit der weiteren Gliederung her christlichen Arbeiterbewegung sowie den anderen verfassungstreuen Kreisen ist ausgenommen. Die gesamte christliche Arbeiter­schaft ist aufgefordert, sich in die betrieblichen und örtlichen Bereits durften der Volksfront einzugliedern.

Dampfer gesunken 23 Tote

Peking, 2. März. Räch einer Meldung aus Tschifu ist ein japanischer Dampfer, der nach Sachalin unterwegs war, im Taifun untergegangen. 23 Matrosen sind ertrunken.