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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher /Inzeiger Dr ven Kreis hersfelö

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDJB.

Nr. SS

Dienstag, den 22. März 1932

82. Jahrgang

Goethes 100. Todestag

Hindenburg:Schicksalhaft verbundene deutsche Kultur- und Volksgemeinschaft"

Donauplau und EeldsaS

Das Recht der moralischen Führung".

Paris, 21. März.

Die Pariser Presse veröffentlicht eine anscheinend von amtlicher Seite stammende Erklärung "der die französisch­englischen Donaubund-Verhandlungen, in der es u. a. heißt daß die englische Regierung noch nicht auf die französischen Vorschläge geantwortet habe, da der englische Ministerrat erst am Mittwoch dazu Stellung nehmen werde. Die bis­herigen Verhandlungen, die auf diplomatischem Wege ge­pflogen worden feien, ließen jedoch hoffen, daß die Frag« in einem für Frankreich günstigen Sinne geregelt werde

In einem Punkt würden die französischen und englischen Interessenten bestimmt übereinstimmen: Frankreich und England seien zurzeit die einzigen Länder, die über die not­wendigen Mittel verfügten, um den Donaustaaten den wirt­schaftlichen und finanziellen Wiederaufbau zu ermöglichen. Diese Tatsache allein gebe ihnen das Recht der moralischen Führung bei der Organisierung des Donaubundes. Es gehe nicht an, daß französisches und englisches Kapital lediglich dazu diene, die deutschen und italienischen Handelsbeziehun­gen mit den Donaustaaten zu fördern und auf diese Weise die Wiederaufrichtung des alten Mitteleuropa oder den Zu­sammenschluß des ehemaligen Dreibundes zu begünstigen.

Der südslawische Außenminister Marinkowitsch kehrte aus Genf nach Belgrad zurück und gab bemerkenswerte Er­klärungen über den von Tardieu geplanten Donaubund ab. Der Minister bemerkte einleitend, daß sich die ganze Frage augenblicklich noch im Stadium der Erkundigungen befinde, da der französische Vorschlag den Regierungen der Donau­staaten noch nicht einmal amtlich mitgeteilt sei. Diese

Vorverhandlungen hätten bis jetzt keine Einigung ;wi- i^"7 AAMnMMWiM........ -..... .............------ bracht.

Einige von diesen Mächten stünden nämlich auf dem Stand­punkt, daß Frankreichs Finanzhilfe zuerst für Oesterreich und Ungarn herbeigeführt werden solle. Es sei jedoch ausgeschlos- |en, daß die französische Regierung Kredithilfe für Wien und Budapest in Erwägung ziehen könnte, solange in wirt­schaftlicher Hinsicht im Donaubecken nicht ein bißchen Ord­nung gemacht worden sei. Es handele sich zuerst um die Wiederherstellung des Vertrauens, denn sonst könnte es ge- fd^en, daß in einigen Monaten auch die neuen Kredite wieder einfrieren würden.

Deutschland als Prügelknabe Frankreichs Flottenvorschlag an Italien.

London, 22. März.

Der diplomatische Mitarbeiter desDaily Telegraph" erfährt, daß die Zustimmung der italienischen Regierung zu der neuen, von Paris entworfenen Formel für ein ita­lienisch-französisches Flottenabkommen keineswegs ohne wei­teres zu erwarten sei. Italien würde sich wahrscheinlich mit der vorgeschlagenen gleichen Stärke der beiderseitigen im Mittelmeer stationierten Seestreitkräfte und auch mit zusätzlichen besonderen Kolonial-Geschwadern für den Schutz der französischen Kolonien im Pazifischen Ozean und in an­deren Gegenden einverstanden erklären, vorausgesetzt, daß diese Flottenteile nicht aus neuesten und modernsten Schiffstypen bestehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde Italien aber Einwendungen gegen die Forderung Frank­reichs nach Sondergeschwadern im Atlantik und in der Nord­see erheben, die mindestens ebenso stark sein sollen wie die Flotte, die Deutschland im Versailler Vertrag erlaubt wor­den ist; denn es würde Frankreich leicht sein, diese Ge­schwader einschließlich der neuen Schiffe, die als Antwort auf die neuen deutschen Panzerschiffe gebaut werden, nach dem Mittelmeer zu werfen, so daß dann die italienische Flotte zahlenmäßig unterlegen wäre.

*

Aus dem erwähnten neuen Flottenvorschlag Frankreichs und den daran geknüpften Betrachtungen ergibt sich mit aller Deutlichkeit, warum Frankreich vor einiger Zeit so lärmend den Bau der Panzerschiffe derDeutschland"-Klasse als beängstigendeGefahr" verkündet hat; diese ganze, sach­lich vollkommen fehlgehende Propaganda richtet sich im Grunde gar nicht so sehr gegen Deutschland und seinen ge­ringfügigen Kriegsschiffbau, sondern ist vielmehr Mittel zum Zweck, die französische Stellung in den Flottenverhand langen mit Italien zu verbessern.

»rittlings neuer Wahlseidzug

Berlin, 22. März.

Reichskanzler Dr. Brüning wird zur Vorbereitung des zweiten Präsidentschaftswahlganges eine Reife durch eine große Reihe von Städten unternehmen, in denen er für die Wiederwahl Hindenburgs sprechen wird. Dr. Brü- ning wird am 4. April in Stuttgart, am 5. in Karlsruhe, am 6. in Erfurt, am 7. in Hamburg, am 8. in Stettin und am 9. in Königsberg reden.

Eine Osterbotschaft des Reichspräsidenten oder eine neue Rundfunkrede sind nicht vorgesehen.

Hindenburg zum Eoethejahr

Ein Schreiben an den Weimarer Goethe-Ausschuh.

Weimar, 22. März.

Reichspräsident von Hindenburg hat an den Vorsitzenden des Goethe-Ausschusses in Weimar, Staats- minister a. D. Dr. h. c. L e u t h e u f s e r, zur Goethege­denkfeier das folgende Schreiben gerichtet:

Sehr geehrter Herr Staatsministerl Es ist mir ein Bedürfnis, auch Ihnen als Vorsitzenden des Weimarer Goethe-Ausschusses und durch Sie der Bevölkerung der Stadt Weimar mein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck zu brin­gen, daß es mir durch die politische Lage unmöglich gewor­den ist, der Einladung der thüringischen Regierung zur ; Goethe-Jahrhundertfeier persönlich zu folgen und den Kranz des deutschen Volkes am Sarge des großen deutschen Dichters selbst niederzulegen.

Meine Wünsche begleiten nicht nur den äußeren fest­lichen Verlauf dieser Feier. Möge der 22. März in unserem Volke den selbstzerfleischenden Streit der Meinungen zurück- treten lassen vor dem Gefühl einer schicksalhaft verbundenen deutschen Kultur- und Volksgemeinschaft, und möge dieser Tag alle Deutschen in und außerhalb der Reichsgrenzen zu­sammenführen in der Erinneruna an eine große Vergangen­heit, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, für die wir allen Gewalten zum Trotz über die Rot der Gegenwart hin­aus Reich und Volk und auch die deutsche Kunst erhalten wollen. Mit freundlichen Grüßen gez. von Hindenburg."

Goethe-Gedenkausstellung

In Anwesenheit des Reichsinnenministers Dr. Groener ' als Vertreter der Reichsregierung wurde die Gedenkausstel- I lung aus Goethes Kunstbesitz eröffnet. Die Ausstellung stellt | aitsgeroäi^ * 1000' bisher H gazinierten^^mmel^? stücken, sind bisher noch niemals gezeigt worden. Sie um­fassen die alten deutschen Meister, Franzosen, Niederländer und besonders Italiener. Insgesamt geben sie einen Ueber- blick in Goethes Liebe und Verständnis für die Aeußerungen der bildenden Kunst aller Epochen. Ursprünglich bestand die Absicht, gleichzeitig den'Anbau des Goethe-Nationalmu- seums einzuweihen. Dieser Plan ist an den Zeitverhält­nissen gescheitert. Er soll aber baldigst durchgeführt wer­den, weil er eine kulturelle Notwendigkeit darstelle. Nur so wird es möglich sein, getreu den testamentarischen Be­stimmungen Goethes, sein Erde in vollem Umfang der All­gemeinheit zugänglich zu machen.

Eine Goethe-Medaille des Reichspräsidenten.

Anläßlich der Goethe-Jahrhundertfeier ist eine Medaille ge­prägt worden, die der Reichspräsident im Goethe-Jahre 1932 für Verdienste um Kunst und Wissenschaft verleihen wird. Diese Medaille wird an einem Bande auf der Brust getragen.

Der Reichskanzler in Weimar

Weimar. Als Vertreter der Reichsregierung traf am Montag abend der Reichskanzler Dr. B r ü n i n g in Beglei­tung des Staatssekretärs Dr. Pünder, mit dem fahrplan­mäßigen Schnellzug von Berlin kommend, um 23.13 Uhr in Weimar ein.

Der Kanzler wurde am Bahnhof von einem Vertreter der Zentrumspartei und katholischen Verbänden durch ein Blumengebinde herzlich willkommen geheißen. Oberbürger­meister Dr. Mueller vertrat die Stadt Weimar. Der Emp­fang vollzog sich ohne jede weitere Förmlichkeit. Beim Verlassen des Bahnhofs wurden Dr. Brüning Ovationen dargebracht, in die sich auch einige Zwischenrufe, wieNot­verordnung", usw. mischten, die aber wohl mehr humoristisch gemeint waren.

SAP.-Parteitag in Berlin

Berlin. Der Parteioorstand der Sozialistischen Arbeiter­partei beschloß, den am Karfreitag beginnenden Parteitag von Plauen nach Berlin zu verlegen. Die Verlegung er­folgte im Hinblick auf den Osterfrieden, der die Durchfüh­rung der vorgesehenen Werbe- und Versammlungskampagne unmöglich macht. Der Parteitag dauert bis Ostermontag.

Die Fiaaazaot her Gemeinden

Sofortige Hilfsmaßnahmen gefordert.

Berlin, 22. März.

Die Lage der Gemeindefinanzen im neuen Haushalts­jahr bildete den Gegenstand einer Pressebesprechung, zu der die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Deutscher Städtetag, Deutscher Landkreistag, Reichsstädte- bund und Deutscher Landgemeindetag eingeladen hatte. Präsident Dr. Mulert gab einen Ueberblick über die finan­zielle Lage der Gemeinden und betonte, daß die Gemeinden hinsichtlich des neuen am 1. April beginnenden Haushalts­jahres 1932 sich in einer äußerst schwierigen Lage befänden.

Bei der überwiegenden Mehrzahl der Gemeinden und Gemeindeverbände sei ein Ausgleich des neuen Haushalts­planes überhaupt nicht möglich, vor allem deshalb, weil der Finanzausgleich in den letzten Iahren von Reich und Län- dern immer mehr zum Rachteil der Gemeinden verändert worden fei. Insbesondere aber drohten die ins unermeßliche steigenden gemeindlichen Wohlfahrtsaufwendungen für die Erwerbslosenfürsorge, zu einer Katastrophe zu führen.

Zu ihrer Abwendung müsse vor allem die Vereinheit­lichung der Erwerbslosenbetreuung gefördert werden. Sei dies zum 1. April noch nicht durchzuführen, so müßten so­fortige vorläufige Hilfsmaßnahmen getroffen werden, und zwar durch Weitergewährung der bisherigen Reichshilfe für die Gemeinden in mindestens der bisherigen Höhe von 250 Millionen Reichsmark, ferner sofortige Abstovpung der neuen Zugänge zur Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge, sowie gleichfalls als vorläufige Zwischenlösung die Rllcküber- Weisung von gemeindlichen Wohlfahrtserwerbslofen an die Krisenfürsorge. Würden diese Forderungen nicht erfüllt, so bliebe nur der Ausweg, die Bürgersteuer das ganze Jahr weiterzuerheben. Aber alle diese vorläufigen Hilfsmah- W^Ml'UW M WMck'MWMM» fürsorge nicht aufhalten.

RSDAP. klagt gegen Preußen Erlaß einer einstweiligen Verfügung.

München, 22. März.

Rechtsanwalt Dr. Hans Frank II hat namens des Füh­rers der NSDAP., Adolf Hitler, einer Meldung der Natio­nalsozialistischen Parteikorrespondenz zufolge, beim Staats- gerichtshof für das Deutsche Reich Klage mit dem Ziele ein­gereicht, den Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen den Freistaat Preußen, vertreten durch das Staatsministerium und den preußischen Innenminister Seoering, zu erwirken. Die Kläger beantragen, daß durch Urteil des Staatsgerichts­hofs für Recht erkannt wird.

1. Die Anordnung des preußischen Innenministers vom 17. 3. auf Vornahme von Durchsuchungen und Beschlag­nahme von urkundlichem Material bei der RSDAP. in Preußen, sowie deren Ausführung verstößt gegen Artikel 125 und 124; 2. das Verbot der Beteiligung unmittelbarer und mittelbarer Staats- sowie Kommunalbeamter in Preu­ßen an der RSDAP. ist mit Artikel 130 bis 132 der Reichs­verfassung unvereinbar; 3. die preußische Regierung ist ver­pflichtet, die in 1. und 2. erwähnten Anordnungen und Verfügungen unverzüglich nach Zustellung des Urteils mit rückwirkender Kraft aufzuheben sowie alle auf Grund der­artiger Anordnungen getroffenen Maßnahmen, insbesondere Dienstentlassungen und Eröffnung von Dienststrafverfahren, unverzüglich aufzuheben oder rückgängig zu machen.

In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die von der preußischen Staatsregierung immer wieder gegen die NSDAP. eingeleiteten Maßnahmen auf der Behaup­tung basierten, die NSDAP. verfolge ihre Ziele auf illega­lem Wege. Es wird darauf hingewiesen, daß alle Versuche, die Legalität der NSDAP. oder ihrer Führer rechtswirk- sam anzuzweifeln, an der einwandfrei grundsätzlich erhärte­ten und organisatorisch gesicherten, beweisbaren Legalität des Vorgehens der NSDAP. und ihrer Führer scheitern mußten.

Klaus heim Präsidentschaftskandidat

Celle, 22. März

Es sind Bestrebungen im Gange, für den Zeiten Wahlgang zur Reichspräsidentenwahl den durch die Bom- benlegerprozesse bekannt gewordenen holsteinischen Landvolk- führer Claus Heim als Kandidaten aufzustellen.

Claus Heim, der wegen der Bombenlegeraffäre im Zuchthaus zu Teile eine längere Freiheitsstrafe verbüßt, hat bereits feine Zustimmung zur Aufstellung erteilt. .

Hoover ehrt Robert Koch

Washington. Zur 50. Wiederkehr des Tages, an dem Robert Koch den Tuberkel-Bazillus entdeckte, erließ Prä­sident H o o v e r eine längere Kundgebung. Er zeichnete Die Verdienste Kochs um die medizinische Wissenschaft und um die Menschheit mit warmen Worten. Die ganze amerlka- nilche Nation, in der die Todesfälle von Tuberkulose seit 1882 auf den vierten Teil gesunken seien, wird aufgefor­dert, am 24. März das Andenken Kochs gebührend zu ehren.