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Hersfel-er Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis hersfelö

Nr. 76 Freitag, den L April 1932

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.35 ReichS-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für HerSfeld 1.10 ReichS-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 ReichS-Mark.

Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdrucker«! in HerSfeld, Mitglied deS VDJV.

82. Jahrgang

Drei Kandidaten im zweiten Wahlgang

Hindenburg, Hitler und Thalmann Prastdentschastskandidaten Winter hat verzichtet Klaus Heim nicht wählbar

Ergebnis der Woche

Mehr Licht!"

fit. kr. Die offiziellen Feiern zu Ehren Goethes fint vorüber. Die ganze Welt, soweit Ehrfurcht vor der Schaf fenskraft menschlichen Geistes herrscht, gedachte des beut schen Geisteshelden, der vor 100 Jahren die Augen schloß Die Welt, soweit sie hören will, hörte noch einmal ein hohe- Lied von einer weltumfassenden Geisteskraft des deutscher Volkes, dessen höchste Verkörperung in der Gestalt Goethe- zum Ausdruck kam. Nur mit tiefem Bedauern muß es uns alle, die wir als Deutsche doch eins sind mit dem ge> waltigen Geiste Goethes, erfüllen, daß auch diese Gedenk- tage nicht vorübergehen konnten, ohne daß von der einer und anderen Seite die Gelegenheit benutzt wurde, ben deutschen Parteigeist des Zwiespalts das Wort zu geben Mag es fromme Mythe sein, die dem sterbenden Goeth« die Worte:Mehr Licht!" in den Mund legte. Sicher würde dieser klardenkende Mann dem Deutschen unserer Zeit nichts heißer gewünscht haben als: Mehr Licht in den Wirrwarr von Ideen, die unser ganzes Volkstum mehr aus; einandertreiben, als es zu einem unwiderstehlichen Kraft" quell zusammendrängen. Mehr Licht in dem Kampf bet Ideen unserer Tage würde das politische Lied nicht mehr als ein so garstiges Lied, wie es imFaust" genannt wird erscheinen lassen, sondern als das Hohe Lied des deutscher Volkstums im Ringen um seine Existenz, im Ringen um seine Stellung als wertvollster Bestandteil des Menschen- geschlechts auf Erden. Es genügt nicht, Goethe nur zr feiern und feine Werke als Lektüre der Schule zu schätzen wir sollten öfter nach seinen Werken greifen und gerabs nach denen seiner Jugend. Eine Welt geht darin auf, eins deutsche Welt. Bedenken wir, daß in Goethes Jugend der deutsche _9ebanEe in der Welt fast nöllio versunken war junge Goethe und seine Freunde, allen voran Herder, weck" ten ihn wieder auf. Der ungeheure Erfolg seinesGöt von Berlichingen" bewies, daß der junge Goethe mit dieser deutschesten aller Gestalten der großen Sehnsucht der Mem schen deutschen Blutes das Symbol geschaffen. DiesenUr götz" muß man lesen. Hier pulst das junge Blut, hier weht der heiße Atem der deutschen Freiheit, hier grollt bei Zorn über alles, was der deutschen Einheit und Einigten widerstrebt. Hier schwärmt die Melancholie um Deutsch" lands Zerrissenheit und Ohnmacht. Gebt den politischer Gewalten der damaligen Zeit die Namen unserer heutiger und ihr habt ein Zeitdrama, wie kein besseres geschaffer werden kann. Es geht auch heute um Deutschlands Ein­heit und Freiheit, im Innern und nach außen.

Die Augen auf!

Ja, es geht heute mehr denn je um Deutschlands Be­freiung von unerhörtem Druck, womit andere, fremde Mächte unsere Willens- und Geisteskraft niederhalten, um uns vergehen zu lassen Es sind nicht lokale Fälle, keine Zufälle, daß heute das Deutschtum in Litauen und in bei Tschechoslowakei vor neue Kämpfe um seine Existenz und politische Geltung gestellt ist. Das sind nur Begleitersck;ei- nungen in dem Kampfe, in dem das ganze Deutschland heute steht. Die französischen Donaupläne gehen wie in früheren Jahrhunderten auch heute darauf hinaus, das Deutschtum aus der Welt zu verdrängen, die Gebiete, wo es seine Arbeitskraft entfalten kann, mit französischen Inter­essen zu belegen. Das Manöver Tardieus, sich mit Eng­land gesondert zu einigen und dann erst Deutschland und das mit ihm hier gleicherweise interessierte Italien hinzu- zuziehen, gibt uns noch einmal den Beweis, wie schon so vieles! daß Frankreich nicht abläßt und nicht ablassen wird, zu versuchen, Deutschlands Kraft für immer zu läh- men. Tardieu achtet weder Englands Empfindlichkeit noch Deutschlands Interessen; er will nur eines: den alten Do­naustaat ohne Habsburg aber unter französischer Fuchtel. Wie Polen an der Ostflanke Deutschlands, als feindlicher Nachbar, so soll dieses Donaugebilde den Süden und Süd- osten Deutschlands bedrohen und uns das Lebenslicht rau­ben. Tardieu hat sich für feine Pläne die Heit der deut­schen inneren Wirren ausgesucht, um sein feines Plänchen anzubringen. Hier geht es um Deutschlands Zukunft, und wir sollten uns endlich einmal der Gefahr bewußt wer­den, m der wir schweben und vor der uns nur innere Fe­stigkeit bewahren kann. Unsere Politiker müssen aber auch erkennen, daß die Bewegung, die augenblicklich bis ins tiefste unser Volk aufwühlt, einem elementaren Gefühl für die Gefahr entspringt, in der wir als Volk und Staat stehen. Mehr Licht in dieser Erkenntnis könnte uns über manche Verworrenheit hinwegbringen.

Vor allem Selbstdisziplin!

Nehmen wir uns ein Vorbild an den Engländern. Sie sind auch nicht auf Rosen gebettet. Die politische Geschäf­tigkeit der Franzosen zwackt auch sie. Noch machen sie gute Miene zum bösen Spiel. Der Streit mit Irland und In­dien dient keineswegs dazu, die Stellung Englands in der Weltpolitik zu stärken. Im vorigen Herbst stand England vor einer katastrophalen Lage, als das Pfund um 30 Pro­zent fiel. Es stand schlimm um England. Welche Disziplin zeigten aber die Engländer! Kurzerhand flog der Partei­geist raus aus den Köpfen; ein alles überwindendes Be­

wußtsein der nationalen Zusammengehörigkeit umschloß sämtliche großen politischen Gruppen, für die es nichts an= beres mehr gab als: Rettung Englands. Diese vorbildliche Einigkeit und Geschlossenheit des englischen Volkes brächte sofort das Vertrauen der Welt zu seiner Stärke wieder Wenn nicht alles täuscht, können wir damit rechnen, daß London in kurzem wieder der erste Finanzplatz der Well sein wird. Schon fließt das Geld wieder vertrauensvoll nach England, wo es sich sicher fühlt. Vor allem fließt zur Zeit das amerikanische Geld nach England. Diesmal aus der Flucht vor den Zugriffen der eigenen Regierung. Denn nunmehr erscheint auch das Finanzwesen der Vereinigten Staaten recht erheblich notleidend. Alle Hoffnungen aus baldige Erlösung von dem Uebel der Tribute sind geschwun­den. Ohne Beseitigung, und zwar restlose Beseitigung, die­ses Uebels kann die Wirtschaft der Welt nicht mehr in Gang kommen. Amerika hat mit dem Hoover-Feierjah: die Initiative ergriffen und wartete auf die Endlösung. Da sich noch nicht einmal der Schimmer eines Morgenrots zeigt, muß Amerika sich selbst helfen. Die Steuerschraube soll auch dort erheblich in Bewegung gesetzt werden, um das Defizit von zwei Milliarden Dollar zu decken. Sie Folge: Panik in der schon so schwer erschütterten Jndustrie- und Finanzwelt. Ihr nächster Rettungsweg: Flucht ins Ausland, nach England. So wälzt sich die Not über alle Völker hin. Nur jene können sich aus dem allgemeinen Zusamyrenbruch erheben, die eine Selbstdisziplin aufbringen wie England, alles Jnnerpolitische hintanstellen und einzig und allein dafür sorgen, daß ihr Staat besteht, und zwar mit Ehre besteht.

Vom Wahlkampf

Berlin, 1. April.

Der Reichsminister des Innern hat auf die Beschwerde der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei in der Angelegenheit der Verteilung nationalsozalistischer Zeitungen in vervielfachter Auflage folgende telegraphische Antwort gegeben und sie den Landesregierungen mit der Bitte um | entsprechende Veranlassung mitgeteilt:

Von der NSDAP. in die Wege geleitete Verbreitung von Propagandanummern der nationalsozialistischen Presse in inhaltlich beschränktem Umfange, aber in verdreifachter bis verzehnfachter Auflage ist versuchte Umgehung der Ver­ordnungen des Reichspräsidenten vom 28. März 1931 und 17. März 1932, da solche Nummern als Flugblätter anzu- sehen sind. Flugblatt ist ein durch Schrift ober Druck oder dergleichen vervielfältigtes Erzeugnis, das geeignet und be­stimmt ist, leicht und weit verbreitet zu werden. Dazu ge­hört geringer Umfang, Unentgeltlichkeit ober geringer Preis, große Auflage und die sich aus der Gestaltung des Blattes ergebende Eigenschaft, daß es als Flugblatt gedacht und be­stimmt ist. Auch einzelne Nummern einer periodischen Druckschrift können Flugblätter sein, wenn sie nach Art eines solchen zum Beispiel als Propagandanummern hergestellt und verbreitet werden, insbesondere wenn sie von vornher­ein in Art eines Flugblattes zur selbständigen Weiterver- breitung bestimmt und eingerichtet sind. Dies entspricht höchstrichterlicher Rechtsprechung, vgl. Bayerisches Oberstes Landesgericht 1. Juli 1926 in Bayerische Verwaltungsblätter 1926 Seite 413. Vorgehen gegen derartige Umgehungsver- suche ist daher nicht zu beanstanden."

Siadenburg-Hitler-Thölmmn

Winter verzichtet auf den zweiten Wahlgang.

Nach den Bestimmungen des Gesetzes über die Wahi des Reichspräsidenten sind die Wahlvorschläge spätestens am zehnten Tage vor der Wahl beim Reichswahlleiter einzu- reichen. Da der zweite Wahlgang auf den 10. April ange- fetzt ist, so ist die Frist für Einreichung der Vorschläge mit Donnerstag, dem 31. März, nachts 12 Uhr abgelaufen.

Bisher sind beim Reichswahlleiter nur drei Kandidaten angemeldet worden, und zwar Reichspräsident von Hin denburg durch den Hindenburg-Ausschuß, der kommunistisch« Kandidat Thälmann durch den Reichstagsabgeordneten Torgler und der Führer der Nationalsozialisten, Hitler, durch den Hauptmann Goering. Winter hat aus der Strafansiall Bautzen dem Reichswahlleiter mikgekeilk, daß er beim zwei­ten Wahlgang auf feine Kandidatur verzichten wolle. Der weitere genannte Kandidat Klaus heim ist nicht wählbar.

Das Wahlgeschäft wird also dadurch, daß auf dem amt­lichen Stimmzettel nur die genannten drei Kandidaten ver­zeichnet sind, sehr vereinfacht werden. Der Reichswahlleiter wird nach Ablauf der Frist den Kreiswahlleitern die Kan­didaten in der amtlichen Reihenfolge mitteilen, damit die notwendigen Stimmzetlel gedruckt werden können. An der ersten Stelle steht diesmal Reichspräsident von Hindenburg an der zweiten Stell« steht Hitler und an der dritten Thäl- mann.___

Wahlbündnisse der Mitteloarleiea

Für die Wahl in Preußen und Bayern.

Berlin, 1. April.

Die Wirtschaftspartei hat jetzt für die bayerischer Landtags wählen ein Wahlbündnis mit der Deutscher Volkspartei abgeschlossen. Beide Parteien werden für bis bayerischen Landtagswahlen gemeinsam Listen aufstellen. Man nimmt an, daß sie zur Erweiterung dieses Wahlbünd­nisses die Verhandlungen mit der Staatspartei und dem Christlich-Sozialen Volksdienst fortführen. Das bayerisch« Wahlrecht macht die Verwertung der Reststimmen von der Erlangung eines Grundmandates abhängig, das wiederum nur gewährt wird, wenn der aus der jeweiligen Wahlbetei­ligung errechnete Faktor erreicht wurde.

Die Deutsche Volkspartei hat ein Wahlbündnis für die Preußenwahlen mit der Volksrechtspartei für Auf­wertung abgeschlossen. Den bisherigen Vertretern der Volks- rechtspartei im Preußischen Landtag Abgg. Pohl und Gras von Posadowsky-Wehner wurden aussichtsreiche Plätze aus be- Landesliste der Deutschen Volkspartei reserviert.

Hugenberg will abrechnen

Landvolk undSammlung der Rechten".

Berlin. Geheimrat Hugenberg hat seinen Vor­schlag, die bürgerlich-national« Rechte bei den Preußenwah- len auf der Landesliste der Deuffchnationalen zu vereinigen, in einem zweiten Artikel kommentiert und erläutert.

Bemerkenswert ist hierbei so kommentieren die Landvolknachrichten" die angekündigt« Abrechnung mit dem Nationalsozialismus und die Schärfe, mit der sich Ge­heimrat Hugenberg sachlich von feinen ehemaligen Harz- burger Freunden absetzt. Hugenberg geht so wert, daß er jWW-vvn einemneuen ^ai^uma m yeN*^*#am«i J»iUi- schen Arbeit" spricht und damit offen zugibt, daß

die alte Harzburger Front endgültig begraben ist. Dr. Hugenberg dürfte inzwischen eingesehen haben, daß der ursprüngliche Weg, den er beschritten hat, zu keinem Ziel führen konnte. Er stellt deshalb jetzt die Abrechnung mit dem Nationalsozialismus voran und kündigt bei der Ge­legenheit Enthüllungen über die Vorgänge innerhalb der Harzburger Front an, die zweifellos zur Klärung der politi« Verhältnisse auf der Rechten beitragen dürften.

Ein« Möglichkeit, daß der Vorschlag Dr. Hugenberg« noch während der Preußenwahl irgendwelche konkreten For­men annehmen könnte, sehen die Landvolknachrichten jedoch

noch in keiner Weise. >

Vorsichtige tzmrhaNMrong

Berlin, 1. April.

Amtlich wird mitgeteilt: Die Haushaltsführung des Reichs für die Zeit vom 1. April 1932 bis 30. Juni 1932 ist durch Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. März 1932 dahin geregelt worden, daß die persönlichen Ausgaben im Rahmen des Haushaltsplanes 1931 geleistet werden dür­fen, und daß im übrigen, von einzelnen Ausnahmen abge­sehen, in diesem Vierteljahr nur bis zu einem Fünftel der für 1931 bewilligten Beträge ausgegeben werden darf. Als Reichszuschuß an die Gemeinden für die Erleichterung der Wohlfahrtslasten ist ein Betrag von 75 Millionen Reichs­mark vorgesehen.

Notverordnungen der SL^r-Aegierung

Gemeindehaushalte unter Kontrolle.

Saarbrücken, 1. April.

Die Regierungskommission hat die seit langer Zeit an­gekündigten Gesetzentwürfe über die Finanzen der Gemein­den und Gemeindeverbände und über die Aufnahme von Anleihen und Darlehen durch Gemeinden und Gemeindever­bände durch Notverordnung in Kraft gesetzt. Die wichtigste Bestimmung der ersten Verordnung diktiert eine Senkung aller GemeindeUmlagen über 150 v. ß. Damit unterliegen praktisch die Haushaltspläne sämtlicher Gemeinden des Saargebietes der Zustimmung der Regierungskommission.

Die Regierung will die Notverordnungen in nächster Zeit durch reguläre Verordnungen ersetzen, wenn der Lan- Desrat fein Gutachten erstattet haben wird. Das von dem zuständigen Ausschuß des Landesrates erstattete Gutachten hat die Regierungskommission unberücksichigt gelassen. D«r Landesrat und mit ihm die große Mehrheit der Saarbeoöl- kerung lehnen die beiden Verordnungen ab.

Frauenwahlrecht in Frankreich aber erst nach 1933.

Paris. Die Kammer hat mit 446 gegen 60 Stimmen einen Antrag des Wahlrechtsausschusses angenommen, der den Frauen das allgemeine Wahlrecht für die Wahlen nach 1933 gewährt. _ *