Einzelbild herunterladen
 

^ersfel-er Tageblatt

Anzeigenpreis: Die einspaltige 45 mm breite Petitzeile 15 Pfg., die Reklamezeile (90 mm breit) 50 Pfg. (Grundschrift Korpus). Bei Wiederholungen wird entsprechender Preis-Nachlaß gewährt. % Für die Schriftlettung verantwortlich: Franz Funk in tzersfeld Fernsprecher Nr. 608.

Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezöge» 1.35 ReichS'Mark, ausschließlich Bestellgeld, für tzersfeld 1.10 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mack.

Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckeret in Hersfeld, Mitglied des VDJB.

Nr. 77 (Erstes Blatt) Sonnabend, den 2. April 1932 - 82. Jahrgang

Vor Beendigung des Osterfriedens

Die Vorbereitungen für die zweite ReichsprSsidentenwahl und die Länderwahlen in vollem Bang

Seltsam und Evangelium

Evangelischer Reichselterntag in Potsdam.

Potsdam, 2. April.

Auf dem Evangelischen Reichselterntag- in Potsdam hielt der Präsident der Hamburgischen Synode, Hauptpastor D> Dr. Schöffe!, den Hauptvortrag überDeutsches Volkstum und evangelische Schule".

Der Redner vertrat die Auffassung, daß nicht Wirt­schaftskräfte sondern die geistigen Mächte die Führung be­halten würden. Die vergangenen Jahrhunderte seien allzu einseitig vom Individualismus beherrscht gewesen und hät­ten darüber den Blick für die objektiven Mächte des Lebens verloren. Eine neue Zeit sei angebrochen, die wieder für das Objektive Verständnis zeige. Es gelte, die beiden Mächte des Volkstums und des Evangeliums wieder neu zu ent­decken. Wie das gesamte kulturelle Leben, so müsse auch die Schule der Zukunft von diesen beiden Faktoren bestimmt sein. Der deutsche Mensch und der evangelische Mensch seien für die Elternschaft, wie sie im Reichselternbund zusammen­gefaßt sei, das Ideal der Erziehung und der Bildung.

Der Redner grenzte dann den Bereich des Volkstums und des Evangeliums gegeneinander ab. Das Evangelium fei über alles bloß religiöse Empfinden hinaus objektiver Willensausdruck Gottes, es sei weder arisch noch indisch, noch jüdisch, sondern eine Offenbarung Gottes. Das Volks­tum gehöre zwar auch zur göttlichen Schöpfungsordnung, aber es sei, wie alles, was der Mensch besitzt, in Gefahr, sündig zu werden. Das geschehe, wenn das Volkstum den Anspruch der Absolutheit und ausschließlichen Geltung er­hebt.

Deutschlands handelsvoWche Lage

-Die Industrie fordert Aenderung der Levtsenvenurtschastung

Berlin, 2. April.

Der Reichsverband der Deutschen Industrie gibt über die Tagung seiner Handelspolitischen Kommission, die unter dem Vorsitz von Staatssekretär Dr. von Simson stattfand, eine Mitteilung aus. in der es heißt:

Eine eingehende Aussprache über die Probleme, die sich aus der Rückwirkung der deutschen Deoisenlage auf die Handelspolitik ergeben, wurde durch ein Referat von Ge­heimrat Kastl eingeleitet. Es bestand Uebereinstimmung darüber, daß die Abnahme des deutschen Ausfuhrüberschusses durch die Absperrungsmaßnahmen des Auslandes zwangs­läufig zu einer Verschärfung der Devisen-Situation führen muß, wenn der Dienst für unsere Auslandsverschuldung aufrechterhalten und die Ernährung der Bevölkerung sowie die Belieferung der Industrie mit den notwendigen aus­ländischen Rohstoffen sichergestellt werden soll.

9<ngefid)ts dieser Lage wird es für unerläßlich gehalten, jeden nur möglichen Versuch zu unternehmen, der geeignet ist, zu Devisen-Ersparnissen zu gelangen, ohne dabei die deutsche Ausfuhr, deren weitere Förderung unter allen Um­ständen für notwendig gehalten wird, zu beeinträchtigen. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Handelspolitischen Kommission vertrat den Standpunkt, daß das gegenwärtige System der Devisenbewirtschaftung diesen Bedürfnissen nicht gerecht wird. Es wurde eine Verbesserung der Devisenbe­wirtschaftung im Sinne einer erweiterten Berücksichtigung volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte verlangt mit dem Ziel einer bevorzugten Zuteilung von Devisen für die Einfuhr notwendiger Lebensmittel, Rohstoffe und gewisser unent­behrlicher Halbfabrikate.

Die Handelspolitische Komission steht auf dem Stand­punkt, daß sobald als möglich eine Aenderung der bisheri­gen Devisenbewirtschaftung durchgeführt werden muß, um rechtzeitig den obenerwähnten Erfordernissen gerecht wer­den zu können. Sie vertrat im übrigen die Auffassung, daß alle Pläne in der Richtung einer Autarkie ebenso scharf wie etwa damit verbundene Währungsexpecimente abzulehnen find.

Auslorache Groeuer-Kiicheuthal

Zusammenkunft in Bad Harzburg.

Braunschweig, 2. April.

Der braunschweigische Finanzminister Dr. Küchenthal traf am Freitagnachmittag mit Reichsinnenminister Groener in Bad Harzburg zusammen. Anläßlich der Goethe-Feiern in Weimar. an denen auch Minister Dr. Küchenthal leil- nahm, wurde von ihm der Wunsch geäußert, dem Reichs- tnnenminister einmal ein sachliches Bild der tatsächlichen Lage in Braunschweig zu geben.

Da Minister Groener zurzeit zu Besuch bei Genera! Wild in Blankenburg am Harz weilt, wurde dieser Besuch zu einer Besprechung mit Minister Küchenthal in Harzburg benutzt.

Ueber den verlauf der Aussprache zwischen Groener und Küchenthal wird eine amtliche Mitteilung ausgegeben, in der es heißt:Beide Minister haben in vollster Offenheit die politischen Fragen besprochen, die in letzter Zeit das Land Braunschweig berührt haben, und dabei festgestellt, daß sie |$ in vollster Uebereinstimmung befindet».

Vom Wahlkampf

Stimmabgabe derZeppelin"- Besatzung

Zum ersten Male wird das Seemanns-Wahloerfahrer auch in der Luftschiffahrt angewendet. Der Besatzung des Graf Zeppelin" wird am 3. April, vor dem Start zur zweiten Südamerikafahrt. Gelegenheit gegeben, im Luft­schiffhafen Friedrichshafen abzustimmen. Die Stimmen wer­den am 10. April mit den Stimmen eines allgemeinen Stimmbezirks in Friedrichshafen ausgezählt.

Hindenburg bezieht keine Vffizrers-Penfion

In Ostpreußen werden Wahlausstreuungen verbreitet wonach der Reichspräsident von Hindenburg neben seinem Diensteinkommen von gegenwärtig 37 800 RM. im Jahl eine Pension als Generalfeldmarschall beziehen soll. Dieß Nachricht ist völlig frei erfunden. Selbstverständlich erhält der Reichspräsident nur sein Diensteinkommen und feine Offiziers-Pension.

Stellungnahme der Wirtschaftspakte!

Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei nahm Stellung zur kommenden Reichspräsidentenwahl am 10. April. Die Wirtschaftspartei wird sich nach wie vor geschlos­sen für die Arbeit zur erfolgreichen Durchführung der Wie- derw.hl des Reichspräsidenten von Hindenburg einsetzen.

Ein neuer Artikel Hugenbergs

Der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenberg ver­öffentlicht einen weiteren Artikel, in dem er sich erneut mit dem Verhältnis der Deutschnationalen Volkspartei zu den die Aufgabe her bevorstehenden Landtaoswahlen, einerseits dem geeinten nationalen Deutschland die Macht in den Län­dern insbesondere in Preußen zu erobern, andererseitsne­ben sage 200 Nationalsozialisten, sage 100 Deutschnationale zu setzen". Es komme nicht darauf an, den Nationalsozia­listen Stimmen abzunehmen, sondern darauf, die Herrschaft der nationalen Front in richtiger Zusammensetzung zu schaffen. Hugenberg bezeichnet das Eintreten für Hitler im zweiten Wahlgange als eine zwecklose Demonstration. Er habe sich monatelang bemüht, die Einigkeit in der Harz- burger Front zu erhalten, aber ehrlicherweise müsse er sagen, daß sie heute nicht mehr bestehe. Es gehe nicht an, daß nunmehr alle diejenigen Angst vor der nationalen Bewe­gung bekommen, die zwar ihren Sieg wollen, nicht aber Sozialismus und eine unüberlegte Politik. Dafür bedürfe es einer Zusammenfassung aller Kräfte.

Matzregelung im Stahlhelm

Das Bundesamt des Stahlhelm teilt mit:Die natio­nalsozialistische Presse veröffentlicht einen Aufruf für Adols Hitler, der auch vom Herzog Karl Eduard von Koburg un­terzeichnet ist. Der Inhalt dieses Aufrufes widerspricht der volitischen Stellungnahme der Stahlhelmführung. Seine Unterzeichnung durch den Herzog von Koburg ist geeignet, die einheitliche Politik des Stahlhelm zu ffähigen. Die Bundesführer haben die nötigen Schritte eingeleitet."

Vropagaudaseldrug Hitlers

Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz veröffent­licht Einzelheiten über die Vorbereitung zur Propaganda für den zweiten Gang zur Reichspräsioentenwahl. Am kommenden Sonntag, mittags 12 Uhr, sei der Burgfriede beendet. In der gleichen Minute werde Adolf Hitler bereits vor eine Massenversammlung treten. Es ist beab­sichtigt, daß er während der ganzen noch verbleibenden Woche dauernd unterwegs ist und täglich an etwa drei bis vier verschiedenen Stellen spricht. Nach nationalsozialisti­scher Berechnung sollen auf diese Art etwa eine Million Versammlungsbesucher Gelegenheit haben, ihn persönlich zu hören.

Die Parteikorrespondenz, die von einem gigantischen Plan spricht, derin der Großzügigkeit der Idee und dem Maß zu bewältigender Arbeit in der Geschichte parlamen­tarischer und anderer Wahlen nicht seinesgleichen" habe, kündigt weiter an, daß die Parteizeitungen während dieser Zeit in vervierfachter und verzehnfachter Auflage erschei­nen sollen, der Völkische Beobachter sogar in Millionenauf- lage.

Versehentliche Eröffnung des Wahtlampses

Am Freitag früh erschienen an den Anschlagsäulen in Berlin Werbeplakate der Nationalsozialistischen Arbeiterpar­tei für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl. [ Die Plakate wurden bald darauf von Polizeibeamten und auch von Beauftragten der Berliner Anschlag- und Reklame­wesen G. m. b. H. (Berek) wieder entfernt. Nach Aus­kunft des Berliner Nachrichtenamtes ist das Anschlagen der Plakate auf ein Mißverständnis der ausführenden Stellen zurückzuführen. Die Entfernung der W-n ! Plakate wurde vom Polizeipräsidium veranlaßt. da während des Osterburg- friedens das Anschlagen von Wahlplakaten verboten ist.

Ausnahme« vom Demo«ltratioa;oerbot

Versammlungen und Umzüge unser freiem Himmel.

Berlin, 2. April.

DerAmtliche Preußische Pressedienst" teilt folgende Anordnung des preußischen Innenministers betreffend Aus­nahmen von dem Verbot von Versammlungen und Um­zügen unter freiem Himmel vom 30. 3. 1932 mit, die mit dem 1. April in Kraft getreten ist:

In Abweichung von der Bestimmung des Abs. 4 der Anordnung betreffend das Verbot von Versammlungen und Umzügen unter freiem Himmel vom 31. 10. 1931 (Preuß. Gesetzsammlung S. 225, MBl. f. d. i. V., S. 1125) ermäch- tige ich die Regierungspräsidenten, für die Stadt Berlin den Polizeipräsidenten, in der Zeit vom 3. April 1932 12 Uhr mittags bis zum 9. April 1932 auch für politische Versamm­lungen und Umzüge unter freiem Himmel auf spätestens 24 Stunden vorher gestellte schriftliche Anträge Ausnahmen zu zulassen, sofern der friedliche und ungefährliche Ablauf bet Versammlung gewährleistet erscheint und sonstige Bedenken gegen die Abhaltung der Versammlung nicht bestehen. Meh­rere gleichzeitige Versammlungen verschiedener Organisatio­nen am gleichen Ort sind nur zu gestalten, wenn die Sicher­heit gegeben ist, daß die Versammlungen sich räumlich in keiner Weise berühren. Die Anordnung tritt mit dem Tage der Verkündung in Kraft."

Das Ergebnis der Mitten gegen die SA. Veröffentlichung Anfang nächster Woche.

Berlin. 2. April.

Das preußische Innenministerium wird über das Er­gebnis der Sßrujiutg des *jMtaänat>mien natumgijozlaitfti- ' scheu Materials voraussichtlich nächster Woche Mitteilung machen. Es bleibt also dabei, daß das Material selbst der Oeffentlichkeit nicht übergeben wird. Minister Severing be­absichtigt bei dieser Gelegenheit, auf den Brief des Reichs­innenministers Groener einzugehen, der den Anlaß zur Haussuchung gegeben hat. Er dürfte feststellen, daß entgegen Aeußerungen anderer amtlicher Stellen die Veröffentlichung des Untersuchungsergebnisses von Preußen selbständig, d. h. also ohne vorhergehendes Einvernehmen mit dem Reichs­innenministerium erfolgen wird. Das beschlagnahmte Ma­terial ist dem Reichsinnenministerium bisher auch nicht zu­gänglich gemacht worden.

Im Reichsinnenministerium wird gleichfalls erklärt, daß die bevorstehende Bekanntgabe des Untersuchungser­gebnisses einen selbständigen Schritt des preußischen Innen­ministers darstelle und daß irgendwelche Verbindung zwi­schen dem Reich und Preußen in dieser Frage nicht her­gestellt worden sei.

Wie Simaitis Memel regieren will

Weitere Lehrerentlassungen. Landtagswahl nach litauischem Wahlgesetz.

Kowno. Direktor Simaitis, der sich hier aufhält, erklärte zu den Vorgängen im Memelgebiet, bei der Entlas­sung der 21 Lehrer im Memelgebiet werde es nicht bleiben; man werde auch bei der Ernennung von Beamten so ver­fahren, daß mir Personen eingestellt werden, die die li­tauische Sprache beherrschen. Simaitis meinte zu den Wahlen, sie würden zeigen, daß die memelländische Bevöl­kerung mit der Politik der bisherigen Mehrheitsparteien nicht einverstanden sei. Die Landtagswahlen würden nach dem allen parlamentarischen Sejmwahlgesetz Litauens er­folgen. Es wäre aber vorgesehen, den § 76 über die Man­datsverteilung neu zu interpretieren. Außerdem werde man das Listenwahlsystem abschaffen.

Hierzu ist zu bemerken: Nach Artikel 29 des Memel- statutes werden die wohlerworbenen Rechte aller Beamten und Angestellten, die am 1. Januar 1923 im Memelgebiet angestellt waren, von den Behörden des Memelgebietes an­erkannt. An keiner Stelle des Memelstatuts wird die Kennt­nis der litauischen Sprache als Vorbedingung für die Ein­stellung von Beamten festgesetzt.

Bisher hat sich noch kein Anhaltspunkt dafür ergeben, daß die memelländische Bevölkerung mit der bisherigen Politik der Mehrheitsparteien nicht einverstanden ist. Aus den Ausführungen des Herrn Simaitis scheint aber heroor- zugehen, daß Maßnahmen getroffen werden sollen, die eine normale Durchführung der Abstimmung beeinträchtigen werden.

Hinsichtlich der Bezugnahme auf Artikel 76 des litaui­schen Sejmwahlgesetzes ist zu bemerken, daß zwar Artikel 11 des Memelstatuts seine Anwendung zuläßt, daß aber an­dererseits Artikel 10 des Statuts ausdrücklich vorsieht, daß die Abstimmung inallgemeiner, gleicher, direkter und ge­heimer Wahl" stattzufinden hat. Bereits anläßlich der Land- tagswahlen im Herbst 1930 sind Versuche der litauischen Organe, den Wählerkreis zugunsten der litauischen Bevölk«- rungselemente zu verschieben, durch Eingreifen des Völker­bundes verhindert worden.

------------------------ j