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Hersfriöer Tageblatt

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Nr. 19

Dienstag, den 5. April 1932

82. Jahrgang

Kein englisch-französisches Dorabkommen

Pariser Quertreibereien in London erfolglos Donaukonserenz Auftakt für Inangriffnahme der Weltprobleme

Stint taereininngen

Die englisch-französische Aussprache

London, 5. April.

Am Montagvormittag begannen in der Amtswohnung des englischen Ministerpräsidenten die offiziellen englisch-fran- zösischen Besprechungen über die wirtschaftliche Lage in Europa. An ihnen nahmen französischerseits Ministerprä­sident Tardieu und Finanzminister Flandin sowie die Sach­verständigen der französischen Abordnung teil.

Von der englischen Seite waren erschienen MacDonald, der den Vorsitz führte, ferner Außenminister Sir John Si­mon, Schatzkanzler Neoille Chamberlain, Handelsminister Runciman, der Unterstaatssekretär im Foreign Office, Van- sittard, der Wirtschaftsberater der englischen Regierung, Sir Frederic Leith-Roß sowie mehrere Sachverständige des Schatzamtes. Die Besprechungen begannen mit der Erörte­rung der Donaufrage und dauerten den ganzen Tag an

Der französische Ministerpräsident Tardieu reiste am Montagabend 10.30 Uhr über Dünkirchen nach Paris zu­rück, während Finanzminister Flandin zur Teilnahme an der Viermächtekonferenz in London bleibt.

Ein Vorschlag an Amerika?

Die Stimmung in französischen Kreisen ist nicht allzu hoffnungsvoll. Der Gedanke, daß es zu festen Vereinbarun­gen zwischen Tardieu und MacDonald kommen könnte, ist ziemlich aufgegeben worden. Aus englischer Quelle verlau­tet, daß MacDonald seinen Plan mit Rücksicht auf Amerika angelegt hat, um späterhin mit einem arnncmaeleaüm-VLL-. >^^un Amerika zum Wiederaufbau Europas herankreten zu können und damit Einfluß auf die amerikanische Stim­mung in der Schuldenfrage zu gewinnen.

Sonderabmachungen ausgeschlossen

Bezugnehmend auf die bevorstehende Londoner Donau- konferenz versichern die leitenden Stellen der englischen Po- Jitif, daß das Donauproblem eine Frage darstelle, die allen beteiligten Mächten gemeinsam sei. Man könne die ruhige Gewißheit haben, daß vor dem Zusammentritt dieser Kon­ferenz keine Sonderabmachungen zustande kämen und daß auch keine Entwürfe für feste Verträge vorhanden seien. Jede der beteiligten Mächte habe völlig freie Hand und könne die Aufmerksamkeit auf die Punkte lenken, die ihr jeweilig an­gebracht erschienen. Aber auch während der kommenden Konferenztage werde sich Gelegenheit bieten, mit den Ver­tretern der anderen Mächte Fragen zu besprechen, die über das Donauproblem hinausgehen und sich mit der allgemei­nen Lage in Europa befaßten.

Abreise der deutschen Delegierten

Die Mitglieder der deutschen Delegation auf der Lon­doner Konferenz, Staatssekretär von Bülow, Ministerial­direktor Dr. Posse und Geheimrat Wiehl, hatten am Diens­tagnachmittag in Karlsruhe eine Zusammenkunft mit Reichs­kanzler Brüning, in der die deutsche Haltung auf der Lon­doner Konferenz erörtert wurde. Von Karlsruhe aus wer­den die deutschen Delegierten sofort die Weiterreise nack London antreten.

Übereinstimmung in London

Ueberraschend glatter Konferenzverlauf.

London, 5. April.

MacDonald erklärte gestern Pressevertretern über seine Besprechungen mit Tardieu:

Wir sind entschlossen, bei der Vier-Mächte-Konferenz unbedingt auf den Abschluß eines Abkommens hinzuarbeiten. Wir sind vollkommen überzeugt, daß eine Uebereinfunft möglich ist, die alle Interessen umfaßt. Ich hoffe, daß die Vier-Wächte-Konferenz, die, woran ich ein wenig zweifle, hoffentlich schon am Donnerstag beendigt werden kann, als das eine Große die Schaffung wirklichen Vertrauens zwi­schen den vier Wächten bringen wird, so daß wir in Ein­tracht und vom besten Willen beseelt, daran gehen können, ein Problem nach dem anderen in Angriff zu nehmen.

Ergänzend erfährt Reuter, der Premierminister sei der Ansicht, die Lage in Europa dränge mit aller Macht zu einem Uebereinkommen und beide Regierungschefs feien ge- willt, eine solche Uebereinkunft durchzusetzen. Jedermann sei überrascht gewesen, daß es gelang, schon in einem Tage alles zu erledigen. Man hoffe, . diese neue Methode werde sich durchsetzen und weitere Konferenzen solcher Art zwischen den anderen interessierten Mächten nach sich ziehen.

Tardieu erklärte nach seiner Rückkehr zum Hyde- park-Hotel im Anschluß an das von ihm ausgegebene Kom­munique, seine lange Unterredung mit WacDonald fei ob­jektiv und herzlich verlaufen.

Der französische Ministerpräsident Tardieu hat am Wontag um 22.30 Uhr in London die Rückreise nach Paris angetreten.

Europa, hilf Dir selbst!

Der amerikanische Standpunkt in der Schuldenfrage.

Washington, 5. April.

Angesichts des starken Interesses, das Stimsons Entsendung nach Genf in amerikanischen Blättern heroor- gerufen hat, wurde im Staatsdepartement die Stellung­nahme der Vereinigten Staaten zur europäischen Schulden­frage nochmals dahin präzisiert, daß der nächste Schritt von Europa kommen müsse. Zunächst müsse sich Europa unter­einander einig werden und als Beweis seines ehrlichen Wil­lens eine Readjustierung der finanziellen Probleme be­schließen. Amerika verfolge die Konferenzen in London mit großem Jntresse, könne aber weder in London noch in Lausanne aus den skizzierten Gründen sich aktiv be­teiligen.

Brüning spricht in Karlsruhe

Karlsruhe, 5. April.

Reichskanzler Dr. Brüning begann am Montag in Badens Landeshauptstadt seinen bereits vor längerer Zeit festgelegten Redefeldzug. Der Reichskanzler skizzierte vor 6000 Zuhörern die Bedeutung des zweiten Wahlganges, dabei anknüpfend an seine letzte Rede vor dem ersten Wahl­gang in Breslau, in der er ausgeführt hatte:Die Wochen, die vergehen werden zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang, sind Wochen schwersten Geschehens, in denen aber durch die Schuld eines Teils des deutschen Volkes die Reichs- regierung außenpolitisch nicht so ver^andlunassäbia wie - «b WWWM wäre. 2-a^oas deutsche Volk, so fuhr Brü­ning fort, nun noch drei weitere Wochen in den Wahlkamps gezogen werde, sei ein trübes Zeichen für den Teil, der die Kampagne herbeigesührt habe.

So lange wir die jetzige politische Stabilität in Deutsch­land nicht sichern können, so wird es durch die immerwäh­renden politischen Unruhen keine Erholung der Wirtschaft geben und wird die Ankurbelung der Wirtschaft auf sich warten lassen.

Reichskanzler Dr. Brüning beschäftigte sich sodann ein- gehend mit der nationalsozialistischen Bewe­gung. Diese habe keineswegs die Absicht, produktiv mit» zuarbeiten. Als Beispiel seien Hessen und andere Staaten anzuführen, in denen die Nationalsozialisten zur Macht ge­langt seien. Hitler habe vor dem ersten Wahlgang einem amerikanischen Korrespondenten ein Interview gewährt, in dem er mit der starken, absoluten Mehrheit schon im ersten Wahlgang rechnet«, dabei habe er auch ausgeführt, daß es nicht feine Absicht sei, die Notverordnungen sofort aufzu- heben. Im Gegenteil, er müsse wohl neueNotverord- nu n g e n machen. Wenn auch Hitler für den Fall seiner Reichspräsidentenschaft sozusagen sein Alibi schon vorher ge­geben habe, so bleibe doch das eine bestehen, daß der Na­tionalsozialismus das erstrebe, was in diesem Jahre histori­scher Entscheidung für das Schicksal des deutschen Volkes das allergefährlichste sei. Denn, so fuhr Brüning fort:

Die großen Dinge, die langsam herangereisi sind in der Außenpolitik und die wir zum Teil bewußt herbeiführen konnten, diese Dinge sind nur dann zu vollem Erfolg zu bringen, wenn es gelingt, das System der vergangenen zwei Jahre, das System der jetzigen Regierung, durchzu- halten, niemals dem Volke demagogische Versprechungen zu machen, sondern die Wahrheit zu sagen. Die Reichsregierung hat dem Auslande bewiesen, daß sie selbst bei sechs Millio­nen Arbeitslosen das Volk ruhig über den schwersten aller Winker bat hinwegbringen können. Das ist eine Leistung, die dem deutschen Volke in der Welt ein Prestige unter Füh­rung des jetzigen Reichspräsidenten geschaffen hat, das keine andere in der Lage sein wird tu schaffen. Ohne Vertrauen hak eine Regierung seinen Kredit, und alles, was wir heule in Deutschland wirtschaftlich gerettet haben, in dem Augen­blick, wo alles zusammenzustürzen drohte, das ist nicht auf­gebaut auf Privatkredit, sondern einzig und allein auf die Tatsache, daß diese Regierung es verstanden hat, in der un­geheuren Rot den Etat von Reich, Ländern und Gemeinden zu sichern und dadurch allein die deutsche Währung stabil zu erhalten.

Wenn wir etwa den Sirenenklängen gefolgt wären und hätten ein Federgeld geschaffen, oder die Wark an das eng­lische Pfund im Herbst angehängt, dann würden wir aller­dings für den Augenblick an einigen schweren Wahnahmen vorbeigekommen sein, in einer späteren Stunde hätten wir an Opfern und Entbehrungen aber das Wehrfache dem deut- schen Volke auferlegen müssen, und ein Volk, das einmal weiß, was am Ende einer nicht stabilen Währung steht, sollte Leuten, die sich überhaupt weigern, einmal öffentlich zu erklären, was sie alles tun würden, wenn sie an die Wacht kämen, von vornherein den Laufpaß geben.

Reichspräsident von Hindenburg muß am näch­sten Sonntag einen starken Stimmenzuwachs haben, damit in den Auseinandersetzungen und Verhandlungen der näch­sten Wochen eine starke Reichsregierung dasteht, die in den kommenden Monaten in V mdlungen mit dem Ausland die Grundlagen außenpolitischer Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung endgültig erreicht kann."

Blutiger Wahlkamul

Ein SA.-Wann gelötet 17 verletzt.

Lhemnitz, 5. April

Bei Wittweida wurden auf mehrere SA.-Leule, die vo« einer Lhemnitzer Kundgebung zurückkehrten, von Sommu nisten planmäßig Einzelüberfälle verübt. Dabei erhielt de 22jährige SA.-Wann Max Beulich einen Rückenstich, an den er alsbald verschied. Außerdem wurden 17 Mann durd Schuß- und Stichwunden verletzt.

Zusammenstöße in Alton«

Nach Schluß eines von den Nationalsozialisten veran talteten Werbeumzuges kam es in Altona an sechs ver chiedenen Stellen der Stadt zu schweren Schlägereien zwi chen Nationalsozialisten und Reichsbannerleuten. Es sind wie die Polizei mitteilt, ein Schwerverletzter und eine groß, Anzahl Leichtverletzter zu verzeichnen. Insgesamt erfolgtet 50 Sistierungen.

. . . und in Kiel

Anläßlich eines Umzuges der Eisernen Front kam ei in Kielan mehreren Stellen zu Zusammenstößen mit Na tionalsozialisten. Die Polizei teilt dazu mit, daß die Na tionalsozialisten versucht hätten, nichtgenehmigte Umzüge zi veranstalten. Ein Polizeibeamter, der sich von Nationalso zialisten bedroht fühlt«, gab mehrere Schreckschüsse ab, wor­auf die Nationalsozialisten flüchteten. Es wurden etwa 6< Personen festgenommen. Mehrere Personen erlitten Ver­letzungen.

56 ZWangsgestellungen in Berlin einer Schlägerei.

muntren und Mafionassöfiatisten entwickelte, mürben vor der Polizei fünf Nationalsozialisten und ein Kommunisi zwangsgestellt. Die Zahl der innerhalb der letzten 24 Stun> den von der Politischen Polizei zwangsgestellten Personen hat sich damit auf 56 erhöht, darunter 32 Kommunisten uni 22 Nationalsozialisten.

Dillgeldey an hugenberg

Gegenvorschlag der Deutschen Voltspartei.

Berlin, 5. April.

In einem Offenen Brief an den deutschnationalen Parteiführer Dr. Hugenberg schreibt der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Dingeldey, u. a.:

Weder die Deutschnational« Partei noch die Deutsche Volkspartei haben zu befürchten, daß im bevorstehenden Wahlkampf wesentliche Teile ihrer Stimmen dadurch oer» lorengehen, daß von ihnen nicht genügend Mandate in den Wahlkreisen erobert werden. Zur Erreichung des Gesamt- zieles aller bürgerlichen Kreise aber kann nicht die Rücksicht auf die eigenen Parteiinteressen entscheidend sein, sondern die Ueberlegung: Welcher Weg kann unter Wahrung völ­liger Gleichberechtigung und unter Verzicht auf jedes ver- letzende Prestigebedürfnis die Erfassung aller nationalen bürgerlichen Stimmen sicherstellen? Ich mache folgenden Vorschlag:

1. Die Deukschnalionale Volks parke! und die Deutsche Volks- parkei erklären sich bereit, an folgender Abmachung teilzunehmen: Die in Betracht kommenden Parteien stellen in den Wahlkreisen eigene Listen auf. Die Wahlkreislisten werden in den Wahl­kreisen untereinander verbunden; die Reststimmen gehen auf eine gemeinschaftliche preußische Landesliste.

2. Für die Aufstellung der gemeinschaftlichen Landesliste kann unter Verzicht auf kleinliche Parleivorteile kein anderer Ausgangspunkt gefunden werden als das Stärkeverhältnis, wie es sich nach dem Ergebnis der Reichstag-wahlen vom Septem­ber 1930 darstellt.

3. Für den Fall Ihres Einverständnisses, das mir mit Rück­sicht auf die drängende Jett auch telephonisch übermittelt werden könnte, erkläre ich mich bereit, sofort eine Zusammenkunft der Führer aller in Frage kommenden bürgerlichen Gruppen ein- zuberufen.

Käme es zu einer solchen Abmachung auf Grund mei­ner Vorschläge, die bei gutem Willen und bei genügender Großzügigkeit auf allen Seiten auch jetzt noch erreichbar ist, so würde die politische Schlagkraft des nationalen Bürger­tums bei der Gestaltung der Dinge in Preußen und dar­über hinaus zu dem erhofften Erfolge führen. Meine Freunde würden sich für ein solches Zusammenwirken auf breiter Front unter Verzicht auf parteipolitische Geltungs­bedürfnisse gern bereitstellen. Dagegen sind wir der Mei­nung, daß Wahlabmachungen auf engerer Grundlage, die nur einen Teil des nationalen Bürgertums erfassen, einen Erfolg in dem erstrebten Sinn« nicht verbürgen können." Deutschnationals Absage an Dingeldey

Berlin, 5. April.

Der von dem Reichstagsabaoordneten Dr. Dingeldey in feinem offenen Brief an Hugenberg gemachte Vorschiag, bei den Preußenwahlen eine Verbindung der Listen der DVP. und der DNMP. einzugehen und die Reststimmen auf eine gemeinschaftliche preußische Lande»! ist« gehen zu lassen, ist von deutschnationaler Seite glatt abgelebnt worden, und zwar mit der Begründung, daß e» angesichts der bevorste­henden Entscheidung zu spät sei