Hersfelöer Tageblatt
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entsprechender Preis-Rachlaß gewährt. S Für die r W
Schriftleitung verantwortlich: Franz Funk in tzersfelb z Ä
s«** Nr. 608 Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDJB.
Nr. 80
Mittwoch, den 6. April 1032
82. Jahrgang
Großmächte am Konferenztisch
In London begann die Aussprache der Vertreter Deutschlands, Italiens, Englands und Frankreichs
Das SA-Material
Bericht des preußischen Innenministers.
Berlin, 6. April
Der preußische Minister des Innern verö
Der preußische Minister des Innern veröffentlicht ein« Mitteilung über das bei der Haussuchungsaktion bei bei NSDAP. beschlagnahmte Material. In dieser Mitteilunc heißt es:
Die Nationalsozialisten entfalten nach einheitlichen genauen Richtlinien in ihrem sogenannten Nachrichtendienst eine
Spitzeltätigkeit
wie sie nicht umfangreicher gedacht werden kann. Sau Schwergewicht dieser Tätigteit liegt bei den „Referenten 1c" der Untergruppen (Gaustürme), denen besonders bestellte Nachrichtenwarte bei den Standarten (Regimentern der SA.) und Sturmbannen (Bataillonen) als Hilfsorgan« zur Verfügung stehen. Nach einem Befehl dieser Abteilung 1c der Untergruppe (Division) Ostmark in Frankfurt an bei Ober vom 2. Februar 1932 hat sich das Nachrichtenwesen auf jede Tätigkeit befreundeter oder sympathisierender Verbände, auf die Tätigkeit des Staates und seiner sämtlichen Organe wie Regierung, Polizei, Reichswehr sowie auch bh Tätigkeit der Gegner zu erstrecken. Dabei spielt die
Ausspähung
der Polizei, namentlich der Schutzpolizei, eine Hauptrolle 3ii Berlin, Köln, Hamborn, Obsrhausen, Essen. Wuppertal Altona, Harburg-Wilhelmsburg zum Beispiel sind genaue bis ins einzelne gehende Aufstellungen über Stärke, Gliederung, Ausrüstung und Bewaffnung der Polizei, über Nomen, Anschriften und politische Einstellung von Offizieren und Beamten der Schutzpolizei, auch der Politischen Polize ^Ujd so weiter gefunden worden, die nach übereinstimmend " geg Heberten Fragebogen aufgestellt sind. Von zentraler Parteistelle wird monatlich der „Nachrichtendienst" in verschiedenen Unterteilen, ruw Lettulel ..In!«r^atiw: ^i-.
Stillschweigen zu bewahren und den Dienstort nicht zu verraten." Bei der Durchsuchung eines nationalsozialistischen Büros am 17. März 1932 in Berlin wurden Skizzen über die Lagerung von
Bahnschutzwaffen
auf dem Gelände des Potsdamer Güterbahnhofs am Schö- neberger Ufer in Berlin gefunden, die durch genaue Beschreibung der Möglichkeiten, wie man dieser Waffen habhaft werden könne, ergänzt wurden. Es folgt eine viele Seiten lange, bis in die kleinsten Einzelheiten sich ver- iefende Ausarbeitung über den
Generalmobilmachungsplan
jür die lebenswichtigen technischen Betriebe der Stadt Wiesbaden. Der Plan regelt die militärische Besetzung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke sowie der Verkehrsbetriebe und die Sicherung und Inbetriebnahme unter besonderer Leitung der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisa- tion. Von Bedeutung ist auch die gegebenenfalls geplante Unbrauchbarmachung gewisser Wasserzuleitungen durch Abschalten oder Zusatz von Anilinfarben zur Beunruhigung streikender Arbeiter.
Graf Lzernin f.
oder „Information
tem" herausgegeben. Die Polizei erfreut sich i Jet Aufmerksamkeit des nationalsozialistische
indes nicht nur
oer Aufmerksamkeit des nationalsozialistischen Nachrichten- ^Ätenstes, mitunter wird sogar nach kommunistischem Vorbild ^ offene
Zerfetzungsarbeit
betrieben. Auch hierfür werden verschiedene Beweisstücke angeführt. In einer in Hannover gefundenen Aufzeichnung -über den Hergang einer Führerbesprechung werden als meldepflichtige Gegenstände bezeichnet: 1. Bahnschutz, Panzerzüge, Bahnfunkanlagen, 2. Postfernleitungen, Postfunkanlagen. 3. Flughäfen. 4. Flußübergänge über Elbe und Weser. Als Nachrichtenmittel werden in einem in Stettin
Protest der NSDAP.
München, 6. April. '
Namens der Reichsleitung der NSDAP. hat Rechtsanwalt Dr. Frank II an den Reichspräsidenten, den Reichsinnenminister und den Oberreichsanwalt Protesttelegramme gerichtet.
In dem Telegramm an den Reichspräsidenten von Hin- denburg wird schärfstens Protest erhoben gegen die „Herabwürdigung der NSDAP.", die in dem Vorwurf erblickt werden müsse, das bei der Seoermgaktion beschlagnahmtes Material enthalte Anhaltspunktc^für hoch- _unb landesver- räterlsche Handlungen nationalfox.alMfcher Führer. Rechts- MMSWWWMMMWMIN^ch^MSWMWWWWWlMM Schritte ergreifen werde. - \ ”
Den Reichsinnenminister Groener fordert die NSDAP. auf, die Schließung der Geschäftsstelle der SA. und SS., Gau Berlin, von Reichs wegen sofort aufzuheben.
Schließlich wird der Oberreichsanwalt gebeten, dem Versuch entgegenzutreten, für die größte politische Bewegung des deutschen Volkes beleidigende Behauptungen unter Berufung auf den Oberreichsanwalt aufzustellen.
ehemalige Außenminister Oesterreich-Ungarns, der in den Iahten 1916 bis 1917 im Amt war, ist im 60. Lebensjahr an einem Schlaganfall plötzlich gestorben.
Der
Hitler spricht in Königsberg
Königsberg. Wolf Hitler sprach gestern in Königsberg über die Verteidigung der deutschen Ostens: Sie Nationalsozialisten wollten die Hüter dieser Grenzen sein, müßten aber die Gewähr haben, daß sie mit Blut erkauft, nicht verkauft werden. Käme es auf die NSDAP. an, so würden heute in Deutschland die Regimenter, Bataillone und Divisionen auf Friedensstand stehen. Wenn in Deutschland die
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eutschland bie Regimenter, Bataillone und Dwi- . Friedensstand stehen. Wenn in Deutschland die NSDAP. herrsche, gebe es keinen Bürgerkrieg und die Zersplitterung werde ein Ende nehmen. Sie Parier fei Iowa.»
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anderen Parteien die Köpfe, sie habe die stärkeren Bataillone. Die Nationalsozialisten würden siegen, wenn nicht heute und nicht morgen, bann in einem ober zwei Jahren.
aufgefundenen Plan aufgezählt: 1. Meldegänger, Meldereiter, Kraftradfahrer und Kraftwagen; 2. Leucht- und Signalmittel; 3. Brieftauben; 4. Meldehunde; 5. Blinkverbindungen; 6. Fernsprechverbindungen und 7. Funkverbindungen. Schon seit geraumer Zeit ist ein über das ganze Reich
gen. Schon seit sich erstreckender
Maßnahmen gegen die SA?
Erklärungen Severings vor der Presse.
Berlin, 6. April.
Im Anschluß an die Uebergabe des Berichtes über das Ergebnis der Untersuchung des bei der NSDAP. beschlagnahmten Materials gab der preußische Innenminister Seve-
Relaisdienst
festgestellt worden, der die Verbindung mit sämtlichen wichtigen Führerstellen für die Reichsleitung sichern soll. Die Leitung liegt in der Hand des bei der Obersten SA.-Füh- rung eingesetzten „Inspektors der Motorstürme und -Staffeln", der die Ingangsetzung des Relaisdienstes jeweils durch ein besonderes geheimes Stichwort anordnet. Das zuletzt bekanntgewordene Stichwort lautete bezeichnenderweise „Großmutter gestorben, Max". Die Ausbildung im Blinken, die „mit aller Macht vorzi
ken, die „mit aller Macht vorzunehtklen ist, wird in einer am 5. März 1932 von der Untergruppe Nordmark erlassenen Anweisung behandelt. Ueber die Herstellung und Inbetriebnahme von Kurzwellensendern ist verschiedenes bekanntgeworden. Neuerdings ist der Aufstellung besonderer
st, wird in einer am
ring vor der deutschen Presse eine längere Erklärung ab. Seoering bezeichnete die in dem Bericht wiedergegebenen Schriftstücke und Dokumente lediglich als „Kostproben". Das ganze Material würde Bände füllen. Sie Vorbereitungen der Nationalsozialisten hätten mit der Beobachtung und Bespitzelung nicht nur der Polizei sondern aller behördlichen Organe begonnen. Sie hätten die Waffenlager der staatlichen Machtmittel erkundet, um sie zum Zugreifen bereit zu finden. Systematisch feien die SA.-Leute mit Bekleidungs- gegenständen und Proviant ausgerüstet worden, und es fei Sorge dafür getroffen worden, daß Waffen zur Hand seien und daß Mannschaften zur Verfügung standen, die die Waffen der Reichswehr und der Polizei bedienen konnten.
Seoering bezeichnete die in
leibungs«
Spezialformationen
Gewicht beigelegt. Pioniere und Minenwerfer sowie ehemalige Flieger werden auf Anfordern der höheren SA.- Einheiten namhaft gemacht. Es folgen in der Mitteilung des preußischen Innenministeriums Meldungen einzelner Stürme an die vorgeordneten Sturmbanne, in denen Leute für die Stoßtrupps, als MG.-Schützen und als Tank-Fahrer vor dem Ter-
benannt werden. Auffälliaerweise sind kurz vi min für den ersten Wahlgang der Reichsprä noch eine Reihe anderer 211 die auf beschleunigte Einkleidung, auf der SÄ., auf Beschaffung von Eisernen
Reichspräsidentenwahl nordnungen getroffen worden, sidunq, auf Verproviantierung , _ , _fernen Rationen und auf
Vorbereitung von Massenquartieren gerichtet sind. Sodann werden die vorgesehenen drei Alarmstufen für die SA. und der Dienst am Wahltag behandelt, für den angeordnet wird: Die Stürme haben sich
am 13. März 1932
Das gesamte Material sei dem Oberreichsanwalt zugeleitet worden, der nach Auffassung des Ministers das Strafverfahren einleiten werde. Auch der Reichswehrminister lege Wert darauf, die Untersuchung zu beschleunigen. Ueber Die innenpolitischen Folgen wollte Seoering sich noch nicht äußern, er erklärte aber, die Regierung werde es sich unter keinen Umständen gefallen lassen, daß unter dem Deckmantel politischer Erziehung Rüstungen für eine Privatarmee betrieben würden, die innenpolitisch zu einer großen, Gefahr geworden sei und auch außenpolitisch eine Gefahr zu werden drohe. Wil der gemütlichen Existenz der Sturm-Abteilungen und Schutz-Staffeln, so schloß Seoering seine Ausführungen, ist es vorbei. Die Dinge, die ich als preußischer Innenminister hier gezeigt habe, sind keine Spezialität Preußens, fon- dern haben sich in fast allen deutschen Ländern gezeigt. In der Beurteilung des Materials seien sich die Regierungen
Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Baden und Hassen — um nur diese zu nennen — völlig einig und sie seien durchaus geneigt, die entsprechenden Folgerungen zu ziehen.
Zusammenbruch oder Aufstieg
Brüning mahnt zum Einsatz aller Kräfte. ^Wz ,e Stuttgart, 6. April. H Reichskanzler Dr. Brüning setzte am Dienstag aSent seinen in Karlsruhe begonnenen Redefeldzug in Stuttgari in der von rund 10 000 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthalle fort. „Mit Schaudern," so erklärte der Kanzler, „muß man feststellen, in welch fortschreitender Gemeinheit und Gewalttätigkeit die Agitation sich von Tag zu Tag entwickelt. Aber diese Form des Wahlkampfes wird vielen Kreisen, die heute noch irr« gehen, für immer die Augen öffnen. Die städtische Bevölkerung ist gegenüber den Lockungen der Nationalsozialisten viel skeptischer geworden. Aber auf dem Lande finden sie immer noch viele Gläubige. Um die Landwirtschaft zu retten, haben wir in den vergangenen zwei Jahren den Preis für Weizen auf die doppelt« Höhe heraufgebracht. Aber alle Maßnahmen haben ihr« Grenzen in der sinkenden Konsumkraft. Sie üandwirtsck»st muß auch Verständnis für die Notlage der städtischen Bevölkerung haben.
Die Reichsregierung will durch gemeinsame Opfer artet die Grundlage schaffen, um zu dem Ziel in der Revara- tions- und Abrüstungsfragezu gelangen, das wir alle als elementares Recht des deutschen Volkes beanspruchen. Die eingeleiteten Auseinandersetzungen in der Außenpolitik haben nur Erfolg, wenn die Politik der vergangenen zwei Jahre unter allen Umständen schärfstens durch- gehalten wird. Aller Erfolg hängt von dem Kredit des Reiches ab, und dieser Kredit hängt davon ab, daß es der Reichsregierung gelingt, gemeinsam mit den Länderregie- rungen und den Stadtverwaltungen den Etat auszuglei- chen und das Vertrauen des In- und Auslandes in die st a - bile Währung zu erhalten.
Wenn die Rationalfozialisten einmal an die Wacht kom- nien sollten und versuchen wurden, auch nur zehn Prozent ihrer Verheißungen zu verwirklichen, dann würde in 14 Tagen die Reichsmark ins Uferlose hinabgeraffelt sein. Das System der gegenwärtigen Regierung ist Klarheit un
von
wie folgt auszurüsten: Verpflegung für 31 liches Schuhzeug, Dienstanzug verpackt (i nung), Tornister oder Rucksäcke (Schlafdecke), Handtuch, Seife und was dazugehört. Am 12. März 1932 war der Polizei in Berlin eine Mappe mit Schriftstücken in die Hände gefallen, in der Verpflichtungsscheine zweier SA.- Leute gefunden wurden, die handschriftlich auegefertigt waren und folgenden Inhalt aufwiesen: „Ich verpflichte Wich, über den Dienst am 12. März 1932 gegen jedermann
zwei Tage, ordent- in tadelloser Ord-
Waffensunde bei Kommunisten
Köln, 6. April.
In einem Buchladen, der als Verkehrslokal und Aufenthaltsraum für Angehörige der KPD. bekannt ist, fand eine überraschende Durchsuchung statt. Hierbei wurden vierzig Kommunisten festgenommen. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten einen Trommelrevoloer mit fünf Schuß Muni- tiW und inzgesaMt 65 Hieb- und Stichwaffen. " ''”"'
Wahrheit.
Die Ursachen der gegenwärtigen Not sind keineswegs im November 1918 entstanden, sondern sie reichen viel weiter in die Vorkriegszeit zurück. Alles, was man tun kann in den kommenden Monaten, ist der unermüdliche Versuch, zu verhindern, daß das deutsche Volk völlig durch eine gewifsen- lose Agitation auseinander gerissen wird, und .zwar 100 Meter vor dem Ziel, was den seelischen Zusammenbruch be- H i n d « n b u r g ist der Mann, unter dessen Fahne sich die Menschen in Deutschland wieder zusammenfinden können. Ich rümpfe für Hindenburg niH nur 1 innerster sachlicher Ueberlegung.
wenn sie in den nächsten acht Tagen alle mit mit die letzten Kräfte einsehen in der Agitation und in der Aufklärung, dann haben Sie nicht nur jetzt das Vaterland gerettet, sondern Sie haben auch die Grundlagen gelegt für das Glück und für die Freiheil kommender Generationen.
deuten würde.
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