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yersfel-er Tageblatt

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Nr. 84

Montag, den n. April 1932

82. Jahrgang

von Hinbenburg wieder Reichspräsident

Ruhiger Wahlverlauf im

Das Ergebnis im Reich.

Berlin, 11. April.

Nach der Schlußzählung des WTB. um 22 40 Uhr stellt sich das Endergebnis der Reichs­präsidentenwahl folgendermaßen darr Hindenburg . IS35S642 (13. März 18 654 244) Hitler . . . 13 417 460 11341 119)

Thälmann . . 3 706383 4 982 870)

Jngefamt abgegebene Stimmen 36 491 689

(13 März 37 657 >99) *

Reichspräsident von Hindenburg ist im zweiten Wahl- gang^ mit absoluter Mehrheit wieder zum Präsidenten des Deutschen Reiches gewählt worden. Er konnte auf sich 19 367 688 Stimmen vereinigen. Seine Gegenkandidaten erhielten zusammen 17 125 501 Stimmen, wovon 13 419 603 auf Hitler und 3 705 898 auf Thälmann entfallen.

Ueber den durchschnittlichen Zuwachs hinaus hat Hin­denburg Stimmen gewonen in Ostpreußen, Potsdam I, Frankfurt a. d. O., Pommern, Liegnitz, Oppeln, Thüringen, Osthannover, Riederbayern, Chemnitz-Zwickau, Württem­berg und Mecklenburg. Der Zuwachs Hitlers ist besonders stark in Berlin, Potsdam I und II, Pommern, Thüringen und Dresden-Bautzen, das heißt in großen Städten, wo die Agitation in den letzten Wochen besonders heftig war. Das sind auch mit wenigen Ausnahmen die Gebiete, wo die mei­sten Duefterberg-Stimmen zur Verfügung standen.

Daß auch Hitler einen Stimmenzuwachs erreicht hat, war vorauszufehen, nachdem sich Me Reihe prominenter -jSjrijjjjei|ij^^ nir Ritter eingesetzt

hatte. Das erklärt aber nicht allein die Vermehrung der Hitler-Stimmen um reichlich zwei Millionen; da Thäl­mann gleichzeitig über 1,1 Millionen Stimmen verloren hat, kann man zu der Annahme gelangen, daß ein Teil der Kommunisten wegen der Aussichtslosigkeit der Kandidatur ihres Führers ihre Stimme dem nationalsozialistischen Kan­didaten zugewendet hat.

Der Wahltag ist im allgemeinen sehr ruhig verlaufen. Zu blutigen Ausschreitungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten kam es in Hamburg, wobei eine Person getötet, und mehrere verletzt wurden. In Soldin (Neu­mark) ist es zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen der Eisernen Front und Nationalsozialisten gekommen, wobei mehrere Personen sowie zwei Polizeibeamte mehr oder min« der schwer verletzt wurden.

Aus Mitteldeutschland lasten Meldungen von größeren Zwischenfällen nicht vor. Lediglich in Eisfeld (Thür.) kam es während eines Propaganda-Umzuges der NSDAP. am Sonntag nachmittag zu einer Schlägerei zwischen Teilneh­mern des Umzuges und Strahenpassanten. Es gab einige Leichtverletzte und einen Schwerverletzten.

Fast überall machte sich gegenüber dem ersten Wahlgang eine gewisse Wahlmüdigkeit bemerkbar, deren Ursache in verschiedenen Gründen zu suchen ist. Gang im Gegensatz zu der äußerst intensiven Propaganda-tätigkeit in den letzten Tagen vor der Wahl bot der Wahltag sebst fast allenthalben das gewohnt« Bild eines normalen Sonntags.

Reiche Geringere Beteiligung als beim ersten Wahlgang

Stuttgart (Stadt): 157 399; 51546; 27 343.

Leipzig (Wahlkreis 29): 449 085; 296 207; 121614 Düsseldorf (Stadt): 151996; 76 796; 51190.

Pfalz (Wahlkreis 27): 287 166; 219 777; 41683.

Frankfurt Oder (Wahlkreis 5): 442 301; 420 891; 57 389. Riederbayern (Wahlkreis 25): 501581; 158 400- ----- Oppeln (Wahlkreis 9): 403 263; 213 747; 69 532.

Köln-Aachen (Wahlreis 20): 817 559; 224 204; 132 876.

33 786.

München: 287 405; 108 992; 41 430.

Vresden (Stadt): 246 436; 144 080; 35 902.

Sommern (Wahlkreis 6): 395 696; 510 655; 64 519.

Der Reichskanzler wählt.

Aus Hessen:

hessen-Rassau (Wahlkr. 19): 760 061; 582 834- 112 539 Hessen-Darmstadk (Wahlkr. 83): 434 630; 813 429- . (Stadt): 53 583 ; 43 986 ; 7758.

gaffet (^.^3); 291552; 276 096 ; 47 356. ?^sEadt (Stadt: 32 066; 22 140 ; 4096. 0bsrhessen,(Provinz^ 84 868; 104 047; 8016

Eschwege (Stadt): 3321; 3171; 981.

Yomberg (Stadt): 1002; 1084; 26. Hofgeismar (Kreis): 10162; 11541; 889.

Kreis der Eber: 3772 ; 7259; 147.

Aus Mitteldeutschland:

Magdeburg (Wahlkreis 10): 491 195 (471 107); (350 958); 81 293 (107 435).

Merseberg (Wahlkreis 11): 309 867 (286 780); (273 410); 165189 (201514).

Magdeburg (Stadt): 112 037 ; 62 734; 17 713.

Halle (Stadt): 44 642; 51 448; 26 219.

Merseburg (Stadt): 8365; 6085 ; 3143.

Sangerhausen (Kreis): 15 776; 17 976; 6793.

Raumburg (Stadt): 6246; 9653; 1487.

Raumburg (Land): 2434; 5417; 591.

Zeitz (Land): 11558; 7955; 3041.

Saalkreis: 14155; 17 678; 18 278.

Mansfelder Seekreis: 16 192; 16 673; 11 285.

Wittenberg (Stadt): 6130; 6347; 2092.

Torgau (Land): 8803; 18148; 5712.

Querfurt (Kreis):

Lisleben (Stadt):

12 563; 19 494; 6071. 4838; 6378^ .2478.

S^itemm auf Ar. Luther

Der Reichsbankpräsidenk unverletzt. Ein Thüringer unter den Attentätern.

Berlin, 10. April.

Auf den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther wurde Sonnabend, 21 Uhr, ein Revolverattentat ausgeführt. Als er sich vom Potsdamer Bahnhof nach Basel begeben wollte, gab ein elegant gekleideter Herr einen Schuß auf ihn ab, der den Ärmel von Dr. Luthers Reiseanzug durchschlug, den Reichsbankpräsidenten aber nur geringfügig verletzte. Auf der Polizei wurde einer der Attentäter als der 59jährige, in Buenos Aires geborene Dr. Max Roosen festgestellt. Er ist seit zwei Jahren nach London abgemeldet, betätigte sich als Rechtskonsulent und Volkswirkschaftlex und gilt in feinen Bekanntenkreisen alsguter Finanzbeamter". Der zweite Verhaftete, der den Schuß abgab, ist der 34jährige Rationalökonom und Mitarbeiter von Dr. Roosen, Werner Kertscher, der in köstih (Landkr. Altenburg) wohnt. Beide gehörten eine Zeit lang der RSDAP. an, sind aber politischer Meinungsverschiedenheiten wegen aus der Par­tei ausgetreten. Gleich nach den ersten Vernehmungen wurde bekannt, daß beide Täter

Anhänger der sogenannten Schwundgeldtheorie (nach Silvio Gesell) sind, die in ihrem fanatischen Glauben an diese Lehre den Wahrer der deuffchen Währungspolitik beseitigen wollten. Beide Täter haben im Oktober v. I. eine

Reichsbankpräsident Dr. Luther.

Die Schupo genügt ihrer Staatsbürgerpflicht.

Ergebnisse aus dem Reich:

' Die Reihenfolge der Ziffern bedeutet: Hindenburg, Hitler, Thälmann.

Duisburg-Hamborn: 115 938: 67 818; 38152.

Mühlheim-Ruhr: 36 625 ; 27 346; 8732.

Düsseldorf-West (Wahlkr. 23): 575 275; 299 303; 125 521.

Altona (Stadt): 77 075; 52 080; 19 639.

Hagen (Stadt): 41874; 26 388; 16 061.

Braunschlveig (Stadt): 53167; 44 709; 7487.

Görlitz (Stadt): 35146; 23 076; 2727.

ÜWöU Wi 26 0121 22 ISO; 5638* _ I

Klage gegen den Reichsbankprästdenten Dr. Luther und das gesamte Direktorium der Reichsbank wegen Wechsel­reiterei, Anstiftung zum Betrug, Banknotenbetrug, Hoch­verrat, verschleierter Buchführung, Schädigung des deuffchen Volksvermögens usw. eingereicht. Dieses Verfahren wurde aber von der Staatsanwaltschaft des Landgerichts I Berlin eingestellt. Um ihrem Unwillen Ausdruck zu geben, haben die beiden Kläger wahrscheinlich nun diese Tat begangen, womit sie gleichzeitig die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen wollten.

Nach Zeugenaussagen sollen außer diesen beiden Atten­tätern, von denen Dr. Luther einen festgehalten hatte, noch Ci weitere Personen beteiligt sein. Während die eine ent- inten ist, war die andere in den Baseler Zug gesprungen Wd mitgefahren. AuF diesem Grunde wgrve der FenvO-

70 378.

413 518

361 748

Zug in Magdeburg durchsucht, eine verdächtige Person aber anscheinend nicht ermittelt. Die Wunde, die der R«ichs-

bankpräsident dävontru timeter langer Streifst Luther hat deshalb am

ist ein ungefährlicher, vier Zen- 3 unterhalb des Oberarms. Dr. ein« Reif« nicht unterbrochen.

Reichsbankpräsident Dr. Luther in Basel.

Basel, 11. April.

Reichsbankpräsident Dr. Luther wurde bei seinem Eintreffen in Basel zu dem mißglückten Attentat beglück­wünscht. Er zeigte sich außerordentlich aufgeräumt und hat die Fahrt gut überstanden. Dr. Luther begab sich gleich nach der Ankunft in Basel zu einem Arzt, um die Wunde neu verbinden zu lassen, worauf er mit den Herren seiner Be­gleitung nach dem benachbarten Lörrach zur Wahl ge. fahren ist.

' Der Reichspräsident hat an den Reichsbankprästdenten Luther folgendes Telegramm gerichtet:

Ich beglückwünsche Sie herzlichst, daß Si« dem verabscheuungswürdigen Anschlag« heil entronnen sind.

Freundlichen Gruß von Hindenburg."

Der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich hat von Frank­furt aus dem Reichsbankprästdenten ein herzliches Glück­wunschtelegramm zum Mißlingen des Attentats gesandt.

Selbstanzeige der Täter

Berlin, 10. April.

Die beiden Attentärer Kertscher und Dr. Roosen haben auf der Polizeiwache nachstehende schriftliche Selbst- an,zeige abgegeben, die Dr. Roosen im Dienstraum des Fahr­dienstleiters geschrieben hat:

Selbstanzeigel"

Wir, Dr. Max Rochen, Hamburg, Alsteralacis 10, und Werner Kertscher, E tz d o r f (b. Eisenberg in Thür.) domizilierend, geben hiermit zu politischem Protokoll, daß wir am 9. April 1932, abends 8.50 Uhr, auf Bahn­steig A, den Dr. Hans Luther, Präsident der Reichsbank, angeschossen haben. Dem ordentlichen Richter und dem deutsästn Volke, in dessen Namen er Recht spricht, werden wir über diese Tat Rechenschaft ablegen. Wir wünschen die Eröffnung des Hauptverfahrens und be­antragen unter Ablehnung des Schn«llv«rfahrens di« gerichtliche Voruntersuchung.

Berlin, 9. April 1932.

Dr. Max Roosen zugl. i. B. Werner Kertscher".

Über die Motive der Tat verweigern die Täter di« Aussage.

Der Anschlag stellt sich immer mehr als eine Tat von Fanatikern heraus, deren Urheber jedenfalls Roosen ist. Die beiden Festgenommenen werden am Montag der Staats­anwaltschaft übergeben. Zur Zeit wird noch das Alibi des »ypothekenvermittler Walter r. Rochen nachgeprüft.

Sekretärs von Dr. Roc i)ein und des Sohnes