Hersfel-erTageblatt
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Femspcechec Nr «08. /imtlicfcr Anzeiger für den Kreis Hersfelö in tzersfedd.^Mttglleb^d^B^D^^^^E^
Nr. 85
Dienstag, den 12. April 1932
82. Jahrgang
Der Kampf um Preußen
Sofort nach der Reichsprüsidentenwahl hat die Agitation für die Landtagswahlen eingesetzt
Nach her Wahl
Der Kampf um die Reichspräsidentschaft hat das er- wartete Ende gefunden. Paul von Hindenburg, der greife Heerführer, wird auch weiterhin die Geschicke des deutschen Volkes leiten. Mit absoluter Mehrheit wurde der bald Fünfundachtzigjährige zum zweiten Mo' -- - - Reiches gestellt. Der Ausgang der R
Funtundachtzigjährigs zum zweiten Male an die Spitze des Reiches gestellt. Der Ausgang der Reichspräsidentenwahl wird niemanden überraschen, es sei denn, daß man die Macht des Kommunismus überschätzt hätte. Thälmanns Gefolgschaft ist binnen weniger Wochen um ein gutes Viertel zusammengefchrumpft, und den Moskauer Weltbeglückern wird das Ergebnis des 10 April bestimmt noch weniger behagen als das vom 13 März. Thälmann büßte über Millionen Stimmen ein. In allen Wahlkreisen hat der Kommunismus stark an Boden verloren.
Nachdem der Schwarz-Weiß-Rote Kampfblock zum zweiten Wahlgang keinen Kandidaten mehr aufgestellt hatte konnte auf der einen Seite Hindenburg seine Anhänger- schar um über 700 000 vermehren und Adolf Hitler einen Zuwachs von über zwei Millionen verbuchen. Man darf also annehmen, daß der größte Teil der Duesterberg-Wäh- ler für Hitler gestimmt hat und ein großer Teil der Kommunisten der Parole ihrer Führer nicht mehr folgte. Thälmann erhielt nur noch 10,2 Prozent der insgesamt abgegebenen Stimmen (gegenüber 13,2 Prozent beim ersten Wahlgang). Ihm gegenüber erzielte Hindenburg 53 (49,6) und Hitler 36.8 (30.1) Prozent.
Von Wahlmüdigkeit war am Sonntag wenig zu bemerken. Die Wahlbeteiligung betrug immerhin noch etwa 83,2 Prozent gegenüber 86,2 Prozent beim ersten Wahl-
gang, ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz), wenn man in Rei gangs des ersten Wahlgangs die zweite Kraftprobe als
überflüssig erschien. Es hat nicht an einflußreichen Kräften gefehlt, die versuchten, dem durch die politischen Kämpfe zerrissenen deutschen Volke diese zweite Nervenbelastung zu ersparen. Diese Absicht ließ sich nicht mehr verwirklichen, und so mußte noch einmal der Stimmzettel entscheiden.
Das Ergebnis ist klar und deutlich. Die große Mehrheit der Wähler hat sich für den großen Soldaten und Staatsbürger entschieden. Sie vertrauten ihr und des gesamten Vaterlandes Geschick dem Manne an, der einst in ernstester Stunde, vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt, der Retter des Vaterlandes wurde. Die vielen Millionen deutscher Frauen und Männer bauen auch in diesen unsäglich schweren Wochen und Monaten auf ihn, hoffend, daß es ihm möglich sein werde, Deutschlands Geschick endlich zum Besseren zu wenden.
vom
vierzehn
Darum wäre es verfehlt, aus dem Wahlergebnis
10. April auf den Ausgang der Länderwahlen in vie, . Tagen schließen zu wollen. Die Reichspräsidentenwahl war trotz aller ins Treffen geführten politischen Gesichtspunkte schließlich doch eine Persönlichkeitswahl. Nur die Parole Hindenburg hat es vermocht, einander widerstrebendste politische Gruppen zu vereinigen. Am 24. April wird es keine Hindenburgfront mehr geben. Der übernächste Sonntag wird die Frage nach dem augenblicklichen Kräfteverhältnis der politischen Parteien beantworten. Die nächsten vierzehn Tage werden noch einmal dem größten Teil des deutschen Volkes eine ungeheuer starke Nervenprobe auferlegen, und ein Kampf „aller gegen alle" wird die politische Leidenschaft aufs höchste peitschen. Wir wollen hoffen, daß dieser Kräfte- aufwand nicht unnütz vertan wird und wünschen, daß eine Klärung zum Besten des Volksganzen die Frucht sein möge.
So eindeutig Hindenburgs Enderfolg ist, so unbestritten ist es auf der anderen Seite auch, daß der Nationalsozialismus weitere, und zwar ganz erhebliche Fortschritte- verzeichnen darf. Es wird niemandem mehr einfallen, die Hitler-Bewegung mit einer geringschätzigen Handbewegung abzutun. Die 13 417 460 Deutschen, die Hitler ihre Stimmen gaben, müssen als bedeutender Machtfaktor gewertet werden. Die gewaltige Zahl ist Ausdruck der Not und Verzweiflung, des seelischen Leidens, das in unerträglichem Maße seit Beendigung des großen Krieges das deutsche Volk heimgesucht hat. Ausdruck aber auch des Willens zum Aufstieg. Es gilt, diese starken, vorwärtstreibenden Kräfte dem Staate nutzbar zu machen. Es gilt, sie einzusetzen in dem großen Ringen um die endliche Befreiung Deutschlands von den schmachvollen Fesseln, die ihm in Versailles auferlegt worden sind.
In diesen Tagen beginnt der außenpolitische Entschei- dungskampf. Unsere Gegner von gestern werden sich Rechenschaft darüber ablegen müssen, daß der Leidenskelch des deutschen Volkes übervoll ist. Das Ausland muß heute erkennen, daß gegen das deutsche Volk der Frieden in Europa niemals gesichert werden kann. Die Tributempfänger sollten wissen, daß es in den großen außenpolitischen Schicksalsfragen Deutschlands weder eine H ndenburg-Front noch eine Hitler-Bewegung gibt, sondern eine Schicklalsge- meinschaft der erdrückenden Mehrheit des gesamten deutschen Volkes. Darum müssen die kommenden Konferenzen unzweideutige und endgültige Lösungen bringen.
Die Zeit der verheißungsvollen Entschließungen ist end- gültig vorbei. Jetzt gibt es nur noch «in Entweder-Oder.
hindenburg an das deutsche Ball
Labt nun den Hader ruhen!
Reichspräsident von Hindenburg erläßt aus Anlaß seiner Wiederwahl folgende Kundgebung an das deutsche Volk:
„Mit Dank für das mir von dem deutschen Volk erneut bekundete Vertrauen und mit dem Gelöbnis, auch weiterhin mit meiner ganzen Kraft dem Vaterlande und dem deutschen Volke zu dienen, nehme ich die auf mich gefallene Wieder- wohl zum Reichspräsidenten an. Getreu meinem Eide werde ich mein Amt weiterführen im Geiste der lleberparkeilichkeik und der Gerechtigkeit mit dem festen Willen, unserem Vaterland zur Freiheit und Gleichberechtigung nach außen, zur Einigung und zum Aufstieg im Innern zu verhelfen. An alle deutschen Männer und Frauen aber, an diejenigen, welche mir ihre Stimme gaben, wie an die, welche mich nicht gewählt haben, richte ich die Mahnung: Laßt nun den Hader ruhen und schließet die Reihen! So wie schon einmal bei meinem Amtsantritt vor sieben Jahren fordere ich auch heute unser ganzes deutsches Volk zur Mitarbeit auf. Die Zusam- menfassung aller Kräfte ist notwendig, um der Wirrnisse und Röte unserer Zeit Herr zu werden. Nur wenn wir zusammenstehen, sind wir starr genug, um unser Schicksal zu meistern. Darum: In Einigkeit vorwärts mit Gott!
Berlin, den 11. April 1932. gez. von Hindenburg."
Miklas an Hludeuburg
Der österreichische Bundespräsident Miklas hat an den Reichspräsidenten von Hindenburs nackftebenbes Mearomm
Ich bitte Euer Exzellenz zu der Wiederwahl zum Rei präsidenlen, durch welche das unerschütterliche Vertrauen, i die große Mehrheit des deutschen Volkes in Ihre ehrfurchtgeble- kende Person fehl, zu neuerlichem Ausdruck gelangte, meine aufrichtigsten und wärmsten Glückwünsche entgegennehmen zu wollen. 2hit diesen verbinde ich den tiefempfundenen Wunsch für Ihr persönliches Wohlergehen und für eine glücklichere Zukunft des deutschen Volkes."
Brüning bestätigt
Reichskanzler Dr. Brüning bot der Gepflogenheit entsprechend dem Reichspräsidenten die Demission des Kabinetts an. Reichspräsident von Hindenburg ersuchte den Kanzler, von seiner Demission abzusehen.
Hitlers Dank
Adolf Hitler hat folgende Kundgebung erlassen: „Nationalsozialisten! Nationalsozialistinnen! Parteigenossen und Parteigenossinnen! Eine große und schwere Schlacht habt ihr geschlagen. Ich wußt«, daß eure Treue unerschüttert ist. Dennoch muß ich euch für den unerhörten Glauben, eure Opferwilligkeit und euren Fleiß danken. Trotz aller Unter- drückungen und Verfolgungen hat eure Bewegung durch euch einen neuen großen Sieg errungen, der sie berechtigt, sich als Bannerträgerin der nationalen Freiheit und damit der nationalen Zukunft zu fühlen. Morgen beginnt der neue Kampf. Ich weiß, ihr werdet auch in Zukunft des deutschen Volkes beste Garde sein. Am 24. April werden wir uns abermals mit unseren Gegnern messen, und einmal muß und wird der Tag kommen, an dem wir unsere Fahnen zum letzten Sieg tragen, gez. Adolf Hitler."
Ein Interview
Der Sonderkorrespondent des „Daily Expreß" in München meldet, Hitler habe ihm in einem Interview über das Wahlergebnis erklärt: Es sei ein großer Sieg. Hitler habe seine Stimmenzahl um mehr als 2 Millionen erhöht Dies sei eine noch niemals dagewesene Leistung, und ei habe sie vollbracht trotz des Bannes, der gegen seine Rundfunkaufrufe gerichtet wurde. Bei den letzten Reichstagswahlen 1930 habe er 6 406 397 Stimmen erhalten, jetzt mehr als 13 Millionen. Er führe diesen Erfolg auf die Tatsache zurück, daß er trotz seines scheinbaren Rückschlags im ersten Wahlgang nicht kapituliert habe. Hitler fügte hinzu, jetzt werd« er seine Bemühungen den Landtagswahlen in Bayern und Preußen zuwenden. Auf die Frage, auf welchen Umstand er das erhebliche Sinken der kommunistischen Stimmen zurückführe, erwiderte Hitler, er glaube, daß Moskau der KPD. Befehl gegeben habe, für Hindenburg zu stimmen. Dies würde die Zunahme der für Hindenburg abgegebenen Stimmen und die Annahme der kommunistischen Stimmen erklären, die alle beide ungefähr eine Million ausmachen. Er selbst sei fest überzeugt, daß keine Kommunisten für ihn gestimmt hätten.
Echo im Ausland
3n Wien
Die Wiener Presse gibt im allgemeinen ihrer Freude über die Wiederwahl Higdenburgs Ausdruck Md stellt mit
besonderer Genugtuung fest, daß er auch weit mehr als die absolute Mehrheit erhalten hat. Der an sich größere Stimmen« Zuwachs Hitlers sei zweifellos bemerkenswert, doch seien ihm wohl nach dem Verzicht Düsterbergs hauptsächlich die Stimmen der Deutschnationalen und des Stahlhelm zugefallen.
In Polen
„Kurjer Poranny", ein Blatt, das sich zum Regierungs- lager zählt, meist vor allem auf die Tatsache hin, daß Hitler 13.4 Millionen Stimmen erhalten hat. Es unterliege keinem Zweifel, so führt die Zeitung aus, daß der Einfluß Hitlers auf die Reichsregierung in irgendeiner Form zum Ausdruck kommen werde. Vielleicht werde es sogar notwendig sein, Hitler in die Regierung aufzunehmen, um Deutschlands innere Ruhe zu sichern. „Kurjer Warszawski" glaubt, daß der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten nicht nur durch die Deutschnationalen, sondern auch durch kommunistische Stimmen erklärt werden müsse.
In Paris
Die Pariser Blätter besprechen sehr eingehend das Ergebnis der Präsidentenwahl und verbergen dabei nichi ihre Enttäuschung und Ueberraschung über den Stimmenzu- j wachs Hitlers. Das „Echo d e Paris" schreibt, daß das i Wahlergebnis die starke Macht der nationalsozialistischen Bewegung beweise. Kein Mensch könne heute bei einiger Ueber- legung auf eine Befriedung Deutschlands hoffen. Der letzte pazifistische Schleier, mit dem sich Stresemann umgeben habe, um in England und in Frankreich Dumme zu suchen, sei nunmehr endgültig zerrissen. Das „I o u r n a 1" zieht aus dem Wahlergebnis den Schluß, daß Hitler mehr denn je ein Mann bleibe, mit dem man rechnen müsse. Wenn die
den \ Aufgabe der deutschen Republikaner darin bestehe, sich zu
^,, Wahlergebnis eine weitere Komplizierung der innerpoli- tie- tischen Lage. Auch die linksgerichteten Blätter unterstreichen
den Stimmenzuwachs Hitlers, der für die kommende Preußenwahl keine günstigen Aussichten fü' die Regierung Braun-Severing eröffne. Der sozialistische „P o p u l a i r e' schreibt den Erfolg Hitlers der Unterstützung zu, die er von monarchistischer und kommunistischer Seite erhalten habe.
3n London
Die Stellungnahme der englischen Presse zu dem Ergeb- nis der Präsidentenwahl in Deutschland geht einheitlich dahin, daß die Wiederwahl Hindenburgs begrüßt und die ver- mehrte Zahl der Hitlerstimmen als ein bemerkenswertes Vorzeichen für die Preußenwahlen angesehen wird. Es spreche viel für die angeborene Stetigkeit des deutschen Volkes, meint „Morningpo st", daß es fest und treu zu Hindenburg gestanden habe Die Unterstützung jedoch, die Hitler gewonnen habe, zeige, daß man mit ihm in Zukunft rechnen müsse; bis zu welchem Grade, das werde wesentlich von dem Erfolg der europäischen Staatsmänner bei der Behandlung der schwierigen europäischen Fragen abhängen.
3n New Dort
Die amerikanischen Blätter nehmen in Leitartikeln zu dem Ergebnis der Reichspräsidentenwahl Stellung. In der „New York Times" wird erklärt, daß nicht einmal Bismarcks Entlassung mit solcher Spannung erwartet wor- den sei wie das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl. Der Wahlausgang sei als Beweis für die Festigkeit der deutschen Republik zu begrüßen. Das Blatt weist jedoch gleichzeitig
Das Blatt weist jedoch gleichzeitig Gerald Tribune" auf den
mit der „N e w
großen Zuwachs der nationalsozialistischen Stimmen hm. Das letztere Blatt schreibt, erst die Preußenwahlen würden ein klares Bild der Parteien ohne Beeinflussung durch Hindenburgs Volkstümlichkeit abgeben.
Memelkonflikt vor Hanger Cour
Haag, 12. April.
Die Regierungen von Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan haben am Montag durch Vermittlung ihrer Gesandtschaften den Memelkonflikt Km Gegenstand einer Klage beim Ständigen Internationalen Gerichtshof gegen die litauische Regierung gemacht, da die Meinungsverschiedenheiten mit Litauen über die Auslegung der zwischen den fünf Regierungen am 8. Mai 1924 in Bans abgeschlossenen Me- mel-Konvention weder durch Intervention des Völkerbunds- rates noch durch Verhandlungen zwischen den fünf Mächten beigelegt werden konnten.
Kowno. Für die Wahl zum Memellänbischen Landtag sind 25 Kandidatenlisten mit rund 400 Kandidaten vorgesehen.
Eine Konferenz gegen die Krise
Washington, 12. April.
Präsident Hoover bereitet mit den Kongreß- und Wirtschaftsführern eine wichtige Konferenz vor, die zur Aufstellung eines Programms zur Besserung der Wirtschaftslage und zu vereinten Maßnahmen gegen ungünstige Einflüsse
dienen soll.
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