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HersMer Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis H ersfelü

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in tzersfelb, Mitglied deS VDJV.

Nr. 92

Mittwoch, den 20. April 1932

82. Jahrgang

Drohende Gewitterwolke im Fernen Osten

Gegensatze in der Mandschurei Russische Besorgnisse Diplomatische Demarche oder militärische Demonstration?

Die Drähte über uns

Fast durch alle Gaue unseres deutschen Vaterlandes spannen sich lange Leitungsdrähte an hohen Leitungsmasten über die Felder und durch die Wälder.Vorsicht, Hoch­spannung!" kann man immer wieder lesen. Und jeder Schuljunge wird einem auf die Frage, was das bedeutet, antworten können, daß die Masten und die Drähte zu den elektrischen Ueberlandzentralen gehören, die die geheimnis­vollen Ströme für Licht und Kraft selbst in die entfernte­sten Dörfer bringen.

Diese Versorgung mit Elektrizität ist eine Angelegenheit, die ungemein nützlich ist, wie wohl jeder schon einmal er­fahren hat. Sie kann aber nicht von einem einzelnen be­sorgt werden, sondern nur von großen Werken mit unge­heuren Maschinen und sehr vielem Kapital. Die Anfänge wlcher Einrichtungen sind denn auch in den meisten Ländern von Privatgesellschaften erfolgt, die die kostspieligen An­lagen schufen in Erwartung entsprechender Gewinne. So entstanden in Deutschland zum Beispiel die ersten Gasanstalten und Eisenbahnen auch durch englische Kapitalgesellschaften. Erst im Laufe vieler Jahre sind zu­nächst die städtischen Gasanstalten in städtischen Besitz über­nommen und die Eisenbahnen unter Vismarcks Führung in b«n Besitz des Staates. Man ging dabei von der sehr zu­treffenden Ansicht aus, daß solche Monopolbetriebe, die die Allgemeinheit versorgen, in erster Linie auch der Allgemein­heit gehören und unter ihrer Kontrolle stehen müßen. Eisen­bahnen kann man nicht willkürlich bauen. Eine freie Kon­kurrenz ist dabei ausgeschlossen, schon weil sich die Bahn­strecken naturgemäß über das Gelände von unzähligen Ge­meinden, Dörfern und Grundbesitzern erstrecken müssen Bei Städten nicht ieder Privatgesellschaft gestatten, abwechselnd mit ihren Konkurrenten die Straßen aufzureißen und mög­licherweise verschiedene Rohre in das gleiche Haus zu legen um den Einwohnern aus verschiedenen Anstalten verschiede­nes Gas zu liefern. Das leuchtet jedem ein, der nur ein wenig darüber nachdenkt. Deshalb haben vielfach die Städte ihre Gasversorgung selbst in die Hand genommen.

Ganz ähnlich liegt es mit der Elektrizitätsversorgung über weite Strecken. Mit ihrer Ausdehnung auf immer größere Teile des Landes wurde auch ihre öffentliche Rege­lung zur Pflicht. Im Jahre 1918 hatte der Staat Preußen noch zwei kleine Elektrizitätswerke mit einer Gesamtleistung von 6000 Kilowatt im Betrieb. Seitdem aber hat sich der Staat systematisch auch in die Elektrowirtschaft eingeschoben Zusammen mit den in wirtschaftlichem Verbände mit ihm stehenden öffentlichen Körperschaften verfügt er heute in Form einer besonderen Gesellschaft, derPreußischen Elek- trizitäts-Aktiengesellschaft" (Preag), die ein Aktienkapital von 155 Millionen besitzt, über einen sehr erheblichen Teil der deutschen Elektrizitätsversorgung. Die Preag ist außer­dem an anderen Elektrizitätsunternehmungen mit 110 Mil­lionen Mark beteiligt. Die eigenen Werke der Preag be­sitzen heute schon eine Leistungsfähigkeit von 150 000 Kilo­watt. Das Stromverteilungsgebiet dieser Gesellschaft und der mit ihr arbeitenden Gesellschaften reicht von der däni­schen Grenze bis an den Main, von der holländischen Grenze bis nach Mecklenburg und im Süden von Oberhessen bis nach Thüringen. Die Preag versorgt den Hauptteil der Provin- zen Hessen-Nassau und Hannover, die nördlichen Bezirke der Provinz Westfalen, Teile der Länder Oldenburg, Hamburg, Bremen, Lübeck, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Braun­schweig und Thüringen.

Insgesamt waren in Preußen 1929 nicht weniger als 600 Elektrizitätswerke mit einer Leistungsfähigkeit von 7,55 Millionen Kilowatt vorhanden. Davon befanden sich in öf­fentlicher Hand 347 Werke, weiter bestanden 104 gemischt­wirtschaftliche Werke; der Rest befand sich noch im Privat­besitz. Mindestens 80 Prozent der Elektrizitätserzeuger be­finden sich heute also direkt oder indirekt in öffentlicher Be­wirtschaftung. Hierbei spielen die kommunalen Elektrizitäts- werke eine besondere Rolle. Sie sind größtenteils in derIn­teressengemeinschaft kommunaler Elektrizitätswerke" (Ike) zusammengefaßt. Die Zahl der Mitgliedswerke der Ike be­trug Ende 1928 150; ihr Versorgungsgebiet umfaßte nahezu 112 000 Quadratkilometer mit mehr als 45 Millionen Ein­wohnern. Das Versorgungsgebiet aller kommunalen Elek­trizitätswerke beträgt 180 000' Quadratkilometer mit 6 0 Mil­lionen Einwohnern.

Aus den wenigen Angaben, die hier gemacht werden konnten, ist deutlich zu ersehen, daß die magischen Drähte über unseren Häuptern eine hohe wirtschaftliche Bedeutung haben nicht nur für den einzelnen, der sich in sein Häuschen Licht oder an seine Maschine Strom führen läßt, sondern auch für die Allgemeinheit, die für uns im Staate zusam­mengefaßt ist Die Wirtschaft der öffentlichen Hand wird zwar oft angegriffen, besonders aus den Kreisen der wirt­schaftlichen Konkurrenz. Aber sie ist, wie das Beispiel von Eisenbahn, Gas und Elektrizität zeigt, vielfach notwendig und, auf die Länge gesehen, auch höchst nützlich. Ein Staat, der seine Aufgabe richtig erfaßt, kann auf Einfluß auf solche Monopolbetriebe gar nicht verzichten. In Deutschland hat man das bereits in Vorkriegszeiten erkannt und danach ge- hanbaltz, . _____ -

Die Methoden der Abrüstung

Die Entschließung in Genf angenommen.

Genf, 20. April.

Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde di< von einem Redaktionskomitee ausgearbeitete Entschließung über die etappenweise Abrüstung und die Notwendigkeit eines ersten entscheidenden Schrittes zur Herabsetzung bei Rüstungen auf den niedrigsten Stand einstimmig angenom­men.

Die kurze Aussprache, die der Annahme vorausging, zeigte, daß die großen Gegensätze über Art und Maß der Abrüstung weiterbestehen.

Titulescu, dem die Vertreter Perstens und Jugoslawiens zu- stimmten, erklärte, er wolle, daß die Erwähnung des Arti­kels 8 nicht nur formale Bedeutung habe. Der Vorsitzende Henderson schnitt die weitere Diskussion ab, indem er die Entschließung zur Abstimmung stellte.

Die Abstimmung hatte ein mit Heilerkcit aufgenomme­nes Nachspiel, als Litwinow erklärte, er habe für die Enl- fchließung, nicht für die Auslegung Tikulescus gestimmt und Titulescu umgekehrt erklärte, daß er sich nur in scheinbarer Uebereinstimmung mit Litwinow befinde.

Erörterung der Rüstungskiterien

Es folgte die Behandlung der Frage der Rüstungskrite- rien. Hierzu lag ein Entschueßungsentwurf der spanischen norwegischen, schwedischen und tschechoslowakischen Delega­tion vor, der sich im wesentlichen daraus beschränkte. den MÜMWSMMMMWDM WlBlMBlIi holen. Der italienische Außenminister Grands legte einen Gesetzentwurf vor, in dem auf Artikel 8 lediglich als Richtlinie Bezug genommen im übrigen die Entschlossenheit ausgesprochen wird, die Prü­fung über die Anwendbarkeit dieser Maßstäbe und Um­stände für die Rüstungsherabsetzung sofort auf praktischem Wege aufzunehmen, um in kürzester Frist die erste entschei­dende Etappe der Abrüstungen auf den möglichst tiefen Stand herbeizuführen.

Der deutsche Delegierte Botschafter Radolny erklärte, es handele sich in diesem Stadium der Verhandlungen nicht mehr darum, den Artikel 8 zu zitieren, sondern darum, ihn praktisch anzuwenden. Deshalb ziehe die deutsche Delega­tion den italienischen Vorschlag vor, der die Bereitschaft zum entschlossenen Fortschreiken auf der heute festgelegten grund­sätzlichen Linie ausspreche.

Der französische Delegierte Paul-Boncour machte schließ­lich den Vermittlungsvorschlag, die wörtliche Erwähnung des Artikels 8 mit dem wesentlichen Schlußabsatz des italienischen Vorschlages zu verbinden.

Stimfon bei Dr. Brüning

Reichskanzler Dr. Brüning empfing den Besuch des hol­ländischen Außenministers Beelaerts van Blokland. Am Nachmittag erwiderte der amerikanische Staatssekretär Stim- son den Besuch des Reichskanzlers; er war in Begleitung der amerikanischen Hauptdelegierten zur Abrüstungskonfe­renz, Botschafter Gibson und Norman Davis, mit denen er beim Reichskanzler im Hotel Metropole den Tee einnahm.

Morgendämmerung in Genf

Das praktische Ergebnis der Abrüstungsdebatte.

Genf. Montag und Dienstag zeigte die Abrüstungskon­ferenz das erfreuliche Bild größerer Aktivität. Sie hat mit geringerem Widerstand, als man nach allem Vorhergegan­genen erwarten mußte, zwei grundsätzliche Entschließungen angenommen. Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, daß .sie einen einheitlichen Willen zur raschen praktischen Arbeit bekunden. Besonders wichtig ist die Entschließung über die Erreichung des Abrüstungsziels in mehreren Etappen, von denen die jetzige Konferenz die erste und entscheidende dar- stellt. Die Befürchtungen, daß das etappenweise Vorgehen eine Abrüstungsverschleppung bedeuten würde, gehen an der Tatsache vorbei, daß die Gefahr bestand, daß ohne diese Mög­lichkeit der ständigen Revision des Ergebnisses der ersten Abrüstungskonferenz die ganze Abrüstungsangelegenheit mit einem einzigen, wahrscheinlich sehr unbefriedigenden Abkom- men ihre definitive Erledigung gesunden hätte. Der Sinn der zweitägigen Debatte ist zum Teil dahin mißverstanden worden, als ob zwischen der Haltung der russischen Delega­tion und den Vertretern der anderen Mächte ein Widerspruch bestanden hätte. Man hat auch einen Gegensatz zu der deut­schen Haltung konstruieren wollen. In Wirklichkeit hat sich aber Litwinoff in keiner Weise gegen die etappenweise Ab­rüstung ausgesprochen. Seine Vorbehalte waren nur for­meller Natur.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß die Annahme der ersten Entschließung die Konferenz aus dem Bereich le­diglich theoretischer Erörterungen auf den Boden praktischer Arbeit gestellt hat, was in diesem Stadium das Ziel der deut­schen Politik war.

Gefahrenherd Mandschurei

Der russisch-japanische Gegensatz.

London, 20. April.

In Tokio bemüht man sich, den alarmierenden russischen Meldungen über eine bedrohliche Verschärfung der Lage in der Mandschurei gegenüber eine sehr gelassene Haltung zu zeigen und erklärt, daß die Gefahr ernsthafter Komplikatio­nen nicht zu befürchten sei. Auf der anderen Seite aber läßt sich nicht leugnen, daß die japanischen Truppenkonzentratio- nen mit großer Beschleunigung fortgesetzt werden und daß die Haltung der japanischen Vertreter bei der neuen mand­schurischen Regierung einen durchaus aggressiven Charakter trägt.

Die Vorgänge der jüngsten Tage zeigen, daß auf russi­scher Seite darüber eine sehr starke Beunruhigung Platz ge­griffen hat, die sich in gelegentlichen Ausschreitungen äußerte, die wiederum den Japanern einen willkommenen Vorwand zur Verschärfung ihres Druckes auf die mandschurische Re­gierung bieten.

Durch die Schaffung des mandschurischen Staates und seiner Ausnutzung als japanische Militärbasis ist Rußland mit dem Gebiet seiner ostchinesischen Bahn in eine Zange ge­raten, die sehr bedrohlich wirkt, das Küstengebiet von Wladi­wostok ist völlig von den Japanern umklammert, und wenn die Russen auch an Truppen dort zusammengezogen haben, was sie irgend auf die Beine bringen und einigermaßen kriegsmäßig ausrüsten konnten, so stehen diesen etwa 70 00 Russen ungefähr sechs mit höchster militärischer Vollkommen­heit ausgerüstete japanische Divisionen in Der Mandschurei Rüstungen wie namentlich im Hinblick auf die überlegenen japanischen Möglichkeiten des Nachschubs nicht lange zwei­felhaft sein.

Für Rußland wird die Situation noch dadurch erschwert, daß die mit den neuen Verhältnissen in der Mandschurei höchst unzufriedenen Chinesen dort einen Kleinkrieg in Gang gebracht haben, der den Japaner viel zu schaffen macht, und bei dem sie sich zum Teil auf weißrussische Verbände stützen, zum Teil aver auch ganz offenbar darauf spekulieren, daß diese sich in der russischen Jnkeressenzone abspielenden Kämpfe die Japaner zu besonderer Vorsicht zwingen könn­ten. damit sie nicht in einen offenen Konflikt mit russischen Streitkräften geraten.

Die japanische Angriffsfreudigkeit wird durch die beruhi­genden Tokioter Darstellungen nicht aus der Welt geschafft, und die Zielsetzung der japanischen Politik ist ja ebenfalls durchsichtig genug. Die russischen Besorgnisse lassen sich also durchaus verstehen, und so sehr man in Moskau Zurückhal­tung übt, weil man die Gefahr eines militärischen Konfliktes sehr richtig einschätzt, so wird man doch die Bedrohung der russischen Interessenzone nicht auf die Dauer hinnehmen kön­nen und neben den diplomatischen Bemühungen um eine Entlastung in der Mandschurei im äußersten Falle auch vor einer militärischen Demonstration nicht zurückschrecken. Die diplomatischen Bemühungen Rußlands sind in erster Linie auf eine Verständigung mit Amerika über einen gemeinsa­men Druck auf Japan gerichtet, und in Tokio hat man be­reits bemerkt, daß in dieser Richtung zwischen den russischen und amerikanischen Delegierten in Genf eine Fühlungnahme erfolgt ist, die den Japanern Anlaß zu diplomatischen Be­sorgnissen gibt.

Segen unsere Einfohrbeschränlungen

Neuer Protest englischer Kohlenbergwerksbesitzer.

London, 20. April.

ImDaily Telegraph" erscheint ein neuer Protest der englischen Kohlenbergwerksbesitzer gegen die deutschen Ein­fuhrbeschränkungen für die englische Kohle.

Der Protest bezieht sich auf die in einem Rundschreiben des deutschen Wirtschaftsministers oom 8. April veröffent­lichte Verordnung, nach der deutsche Einfuhrfirmen unter den Devisenbeschränkungen in jedem Monat dieses Jahres die Einfuhren ausländischer Bunkerkohle nur so weit be­zahlen dürfen, als diese die Einfuhren in den entsprechen­den Monaten des Vorjahres nicht überschreiten. Der Ver­band der englischen Kohlenbergwerksbesitzer erklärt dazu, daß diese Verordnung nur englische Bunkerkohle betreffe. Sie werde eine stark einschränkende und hindernde Einwir­kung auf die englische Kohlenindpstrie haben.

Deutsche Gegenmaßnahmen unbeliebt

London. Die britische Regierung hat durch ihren Bot­schafter in Berlin wegen der deu^chen Kohleneinfuhrbe- schränkung Vorstellungen erhoben. Dem Vernehmen nach sei die deutsche Regierung mit der Prüfung dieser Frage beschäftigt. Es sei zu hoffen, daß man zu einem bie britische Regierung befriedigenden Kompromiß gelangen werde.