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yrrsfelder Kreisblatt

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerel in tzersfetd, Mitglied des BDJV.

Nr. 99

Donnerstag, den 28. April 1932

82. Jahrgang

Frankreich in Genf isoliert

Die Großmächte vertreten den deutschen Standpunkt in der Frage der Gleichberechtigung

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Von Dr. E. H u r w i cz.

Trotzdem die Währung des Sowjetstaates im strengsten Sinne Binnenwährung ist. trotzdem die Ein- und Ausfuhr von Tscherwonzen strafrechtlich verboten ist, mehren sich feil Jahr und Tag die Valutaschwierigkeiten im Reiche der Räte Die Erschießung der Silbergeldhamsterer im Sommer 1930 war das erste Alarmsignal, das auch die Welt draußen aufhorchen ließ. Seitdem hat Moskau allerdings eine Reihe von einschneidenden Maßnahmen ergriffen: der Finanzkom­missar Brjuchanow wurde abgesagt und an seine Stelle C nko gesetzt mit dem Zweck, die Geldemissionen zu unter­binden. Bargeldloser Verkehr der wirtschaftlichen Sowjet­behörden untereinander und Auszahlung der Löhne in Bons auf Lebensmittel wurden eingeführt. Eilfertigen Phantasten schien die UdSSR. bereits einLand ohne Geld" zu werden. Die Wirklichkeit hat diese Phantasien grausan Lügen gestraft. Die Emissionen sowohl gedeckter Tscher- wonzen als ungedeckter Staatsscheine wuchsen unaufhalt­sam weiter. Der Grund ist schwerwiegend genug: der Fünf­jahrplan. zu dessen Ausführung die Regierung riesiger Mit­tel bedarf.

Die Schwierigkeiten des sowjetrussischen Währungspro- blems betreffen aber nicht nur die Binnenwährung selbß sondern auch die Anschaffung von Auslandsdevisen und zwar aus doppeltem Grunde: einmal braucht die Sowjet­regierung diese Devisen, um für die immer neuen Tscher- wonzenemissionen die gesetzliche Mindestdeckung von 25 o H. zu haben; sodann aber um ihre Auslandsschulden zu bezahlen vor allem für Lieferungen im Dienste des Fünf­jahrplans. Zu diesen Schulden können auch die Verpflich- tungen zugerechnet werdW, die die Sowjetregieruna durck Verträge mit den Tauenden in dowfetrußland heute täti­gen ausländischen Ingenieuren, Technikern und sonstigen Spezialisten übernommen Hut, denen vertraglich Gehaltsaus­zahlung in Auslandsoaluta zugesichert ist.

Alle diese Schwierigkeiten kamen in letzter Zeit auch nach außen hin in einer zum Teil recht auffallenden Weise zum Ausdruck. So wurde trotz des damit bei der ein­heimischen Bevölkerung erregten öffentlichen Aergernisses eine Reihe von Läden aufgemacht, in denen ausschließlich für Ausländer und ausschließlich für Auslandsgeld Waren feilgeboten werden, die für den Einheimischen höchstens nur ein Gegenstand von Träumen sein können. Aber damit nicht genug. Man versuchte, an die Wurzel des Uebels selbst her- anzutreten, und Anfang Januar o. 3. hielt der Vor­sitzende des Obersten Volkswirtschafts­rates der Sowjetunion, Ordschonikidse ein Mann, der zu den vertrautesten Freunden Stalins gehört eine viel­bemerkte Rede, in der er nach dem Bericht der Sowjet­zeitungSa industrialisaziu" folgendes ausführte:Wir müssen eine scharfe Kurve nehmen, um unser Land so schnell und so entschieden als möglich von der Abhängigkeit vom Auslande zu befreien. Und der Wirtschaftler, der es nicht fertigbekommt, die Sache so zu drehen, daß er in seinem Betrieb die Produktion der Maschinen organisiert, die ge­stern noch im Auslande bestellt werden mußten, taugt nichts. Ich muß direkt sagen: für einen solchen Wirtschaftler wird kein Platz sein in den Reihen derer, die ein unabhängiges sozialistisches Land aufbauen." Der ursprüngliche Gedanke der Autarkie, als Krönung des ö-Jahr-Planes, wurde durch diesen Appell des höchsten Wirtschaftsbeamten der Sowjet­union also schon mitten in den 5-Jahr-Plan ooroerlegt aus sehr durchsichtigem Grunde: Valutaschwierigkeiten. Allein durch Parolen und doch noch so ehrlichen Willen läßt sich die Autarkie zumal in einem erst im industriellen Aufbau be­findlichen Lande nicht erzwingen. Die Abhängigkeit der Sowjetwirtschaft vom Auslande bleibt für absehbare Zeit noch bestehen, und die Sowjetwirtschaft sucht sie nur zu mil­dern durch Einfuhrschrumpfung oder durch Kreditoerlän- n. Diese letztere Methode wird jetzt sogar gegenüber

»enerwähnten in Rußland tätigen Äuslanosspeziali- sten angewandt. Begreiflicherweise stoßen diese Bestrebun­gen bei den Auslandsspezialisten nicht gerade auf Gegenliebe

r a b e n

ern, wurde,

Wie drängend aber der Devisenbedarf der Sowjetregie- rung ist, zeigt außer den erwähnten Maßnahmen am dra­stischsten die neuerdings von den Sowjechehörden besonders eifrig betriebene Valutakampagne. Auf Grund der Vor- kriegsstatistiken hat das Finanzkommissariat eruiert. daß schätzungsweise noch 800400 Millionen Goldrubel, d. h. in Münzen von 10 und 20 Rubeln, wie sie vor dem Kriege in Rußland marktgängig waren, in Bauernhöfen ver­graben sein müssen. DieseBodenschätze" zutage zu för- dern, wurde, da sie natürlich nicht freiwillig herausgegeben bzw. angegeben wurden, zu einer Aufgabe der GPU., die bei dieser Arbeit von den im Dorfe ansässigen Mitgliedern der Ortsgruppen desKomsomol" (des im ganzen Lande ver­breitetenKommunistischen Iugendbundes") informatorisch unterstützt wird. Der Valutafeldzug wurde aber «uerdings auch auf die Städter ausgedehnt. Die GPU. erlaubt es so­gar den Häftlingen bzw. deren Angehörigen. nach dem Aus­lande zu schreiben oder zu telegraphieren in der stereotypen Verschleierung:Schwerkrank überweist dringend Geld" Die Methode der GPU. beruht im übrigen auf einer rich­tigen Einschätzung der menschlichen Psyche und Phyfir. Man

pfropft die Zellen bis zur Unmöglichkeit-voll, und wenn einige der Häftlinge die Luft nicht aushalten und ihren Devisen..vorrat" angeben es genügen schon 10 Dollar um sich loszukaufen so drängen sie, erbittert über den eigenen Verlust, auch ihre Mitinsassen, zu bekennen, oder denunzieren sie. Im übrigen hat das behördliche Verfahren weiter keine Komplikationen. Nach Ablieferung der Devisen ist es beendet, und der Häftling erlangt seine Freiheit wie­der. Diese Fälle haben sich neuerdings über das ganze Ter­ritorium der UdSSR. verbreitet.

Grundsätzlich besteht die Pflicht zur Devisenablieferung freilich auch in manchem außerrussischen Lande; nur suchen die Sowjetbehörden dieser Pflicht rücksichtslos und mit teils asia­tischen Methoden Geltung zu verschaffen. Aber alle diese Ra­dikalmethoden bedeuten noch lange keine Radikalkur.

Frankreich in der Saögaffe

Der Vermittlungsversuch der Großmächte.

In Genf treiben die Dinge ersten Entscheidungen zu Die Besprechungen der leitenden Staatsmänner sind so weil gediehen, daß vielleicht noch bis zum Wochenende dae Schicksal der gesamten Abrüstungskonferenz sich entscheiden kann. Amerika und England sind auf das eifrigste bemüht, die Kluft zwischen der deutschen und der französischen Auf­fassung in der Frage der Gleichberechtigung zu überbrücken, um die Abrüstungskonferenz vor einem hoffnungslosen Miß­erfolg oder gar einem plötzlichen Abbruch zu bewahren.

Erfreulicherweise haben Amerika, England und Italien unzweideutig die deutsche Gleichberechtigungsforderung 1 grundsätzlich anerkannt, so daß die Verantwortung für ein ] etwaiges Scheitern der Konferenz in aller Form einzig und | und Italien haben sich dem deutschen Standpunkt angc- f schloffen, daß Sicherheit nur durch Abrüstung zu erzielen ist. s

Am Freitag soll nun in einer großen Besprechung der führenden Staatsmänner in Genf der englisch-amerikanische Plan über die Regelung der französisch-deutschen Militär­frage erörtert werden. Selbst die Vertreter der französi­schen Presse müssen zugeben, daß die Forderung der Groß­mächte ganz allgemein darauf hinausläuft, diejenigen An­griffswaffen abzuschaffen, die Deutschland durch das Ver- failler Diktat verboten worden sind. Die Mllitärklause! soll also gewissermaßen auf alle Staaten ausgedehnt wer­den. Die Franzosen bezeichnen den Plan begreiflicherweise alsnicht besonders verlockend für Frankreich". Was die Quantität der den einzelnen Mächten zuzubilligenden Trup- penmacht anlangt, so soll, wie man in Genf glaubwürdig versichert, jede Nation einabsolut feststehendes Kontingent" erhalten, das nach ihren innen- und grenzpolitischen Bedürf­nissen errechnet werde. Als Maßstab könnten auch hierbei die Deutschland durch den Versailler Vertrag zugeteilten Ef­fektivbestände gelten. Zu diesem Kontingent könne noch ein relativ veränderliches Kontingent" geschlagen werden, das denNotwendigkeiten der nationalen Verteidigung und den Anforderungen der internationalen Verpflichtungen" ent­spreche. Bei den vorbereitenden Besprechungen soll der Reichskanzler Bedenken geäußert und darauf hingewiesen haben, daß Deutschland in Versailles eine nur ungenügende Truppenstärke belassen worden sei. Bleibt zu wünschen, daß sich diese Bedenken zu klaren Forderungen verdichten.

Die Lage hat sich in Genf während der letzten Tage also sicherlich nicht nach den wünschen Frankreichs entwickelt, und man wird mit einiger Sicherheit die Vermutung ans- sprechen dürfen, daß Paris keinen Schachzug unversucht lassen wird, um aus der Sackgasse herauszukommen, in die sich Frankreich durch seine engstirnige Prestigepolitik verrannt hat. Zunächst einmal will man an der Seine Zeit gewin- nen. Entgegen den bisherigen Dispositionen hat darum Tardieu seine Beteiligung an der Freitag-Konferenz krankheitshalber" abgesagt.

In Deutschland wird man die' französischen Manöver mit Ruhe hinnehmen können. Ob die Aussprache der fünf Mächte zu einem Abkommen führen wird oder nicht, auf jeden Fall wird diesmal Frankreich den Genfer Kampfplatz nicht als Sieger verlassen, wenn Deutschland weiter auf seinem Standpunkt beharrt und sich nicht zu Kompromissen bereit findet, die Frankreich seiner schweren Verantwortung gegenüber der ganzen Welt entheben müßten.

Tardieur Absage

Tardieu hat an den ständigen Delegierten Frankreichs beim Völkerbund, Paul-Boncour, folgendes Telegramm ge­richtet:

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Herren Stimfon, Macdonald, Dr. Brüning und Grandi folgende Mit­teilung machen wollten: Als ich den Wunsch meiner Kollegen, mich am Freitag in Genf zu sehen, erfuhr, habe ich, obgleich leidend, zugesagt. Aber die starke Kehlkopfentzündung, von der ich be­fallen bin, hat solche Fortschritte gemacht, daß mein Arzt mir formell diese beiden Nachlreisen untersagt. Er verbiete« mir eben­falls die politische Rede, die ich in Belfort halten wollte. Sie wird in meinem Hamen von einem meiner Reglerungskollegen verlesen werden. Er verordnet mir bis aus weiteres Schweigen und völlige Ruhe. Ich bin hierüber untröstlich, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich bitte Sie, r nen Kollegen mein freund­schaftliches Bedauern zum Ausdrua bringen zu wollen.

Gegen die Luftwaffe

Darlegungen des deutschen Vertreters in Genf.

Genf, 28. April.

Im Luftfahrtausschutz der Abrüstungskonferenz, der ebenso wie die anderen technischen Ausschüsse die Aufgab« hat, ein Gutachten darüber vorzulegen, welche Waffen den stärksten Offensivcharakter haben, die nationale Verteidigung am meisten gefährden und die Zivilbevölkerung am ärgsten bedrohen, stellte der deutsche Vertreter, Ministerialdirektor Brandenburg, den Antrag, nach den vom Hauptausschuß aufgestellten Grundsätzen die gesamte Militärluftfahrt zu prüfen und entsprechende Vorschläge auszuarbeiten.

Er wies darauf hin, daß die dem Ausschuh gestellte Aufgabe dadurch erleichtert werde, daß in den Friedens­verträgen von 1919 in eindeutiger Weise die Waffen bezeich- net worden seien, deren Abschaffung wegen ihres Offensiv, charakters als unerläßliche Abrüstungsmaßnahme anzu- sehen sei.

Der ungeheure Ausbau, den die Militärluftfahrt in den letzten Jahren überall in der Welt erfahren habe, sei dafür ein Eindrucksvoller Beweis.

Deutschland und andere Mächte hätten die militärische Luftfahrt durch Zerstörung abgerüstet und so ein Beispiel für diejenigen Maßnahmen gegeben, die jetzt allgemein als wirksame Mittel der Abrüstung durchgeführt werden könnten.

Der Ausschuß dürfe sich nicht damit begnügen, lediglich

Borschläge zu machen.

Der deutsche Antrag

Der deutsche Antrag, der am Mittwoch im Luftfahrt­ausschuß der Abrüstungskonferenz eingebracht worden ist, wurde, nachdem noch mehrere Delegierte dem Ausschuß ihren Standpunkt dargelegt hatten, einem Unterausschuß überwiesen. Damit hat die deutsche Delegation einen ent­scheidenden Vorstoß in der Richtung gemacht, daß gemäß den Entschließungen des Hauptausschusses auf dem Gebiet« der Militärluftfahrt wirksam abgerüstet wird.

Der deutsche Antrag spricht klar und präzise aus, daß die gesamte Militärluftfahrt und der Abwurf von Kampf­mitteln jeder Art aus Luftfahrzeugen den Gegenstand wirk­samer Abrüstungsmaßnahmen zu bilden hak.

Außer dem deutschen Vertreter nahmen noch die Dele­gierten Italiens, Japans, Polens, Belgiens und der Schweiz das Wort. Ihre Ausführungen waren ziemlich allgemein gehalten und brachten nichts Neues. Der polnische Delegiert« vertrat die Auffassung, daß au* die Zivilluftfahrt zu militä­rischen Zwecken verwendet weroen könnte, daß infolgedessen auch die Zivilluftfahrt unter den vom Hauptausschutz ange­gebenen Kriterien betrachtet werden müsse. In der sich an die öffentlichen Beratungen anschließenden Sitzung des Unterausschusses stellte der Vorsitzende fest, daß nur ein einziger konkreter Antrag, nämlich der deutsche, oortie>2 und er sortierte die Delegationen auf, ihre Ansichten bis zur nächsten Sitzung gleichfalls in Gestalt formulierter Anträge vorzulegen.

Gegensätze im Marineausschab

Im Marineausschuß der Abrüstungskonferenz, der die allgemeine Aussprache über die Bestimmung der Offensiv- Waffen fortsetzte, ergab sich eine große Verschiedenheit der Auffassungen bei der Bewertung der einzelnen Schiffstypen.

Der amerikanische Delegierte erklärte in sachlicher Ueber­einstimmung mit den Ausführungen des englischen Ver­treters, daß der Begriff Angriffswaffe

mit Ausnahme der Unterseeboote

auf die Flotte überhaupt nicht anwendbar sei. Das Ziel des Seekrieges sei die Beherrschung des Meeres und die Schädigung des feindlichen Handels.

Gegen die Abschaffung der U-Boote sprachen sich die

Vertreter Polens, Japans und Finnlands aus.

Der Vertreter Japans sortierte die Abschaffung der Flug­zeugmutterschiffe als einer besonders gefährlichen Angriffs- waffe.

Jm Gegensatz zu den amerikanischen Erklärungen wies der Vertreter der Sowletunion darauf hin, daß gerade die Linienschiffe oermiffcii der Blockade oder durch Vorberei­tung einer Invasion als Angriffswaffe und als Bedrohung der Aivilbevölkerue^ wirken könnten.

Schließlich bean .gte der holländische Delegiert«, daß auch die Kontakt-Minen als ständige Gefäl dung der Zivil- schiffahrt auf die Liste der abzuschaffenden Waffen zu setzen