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s--"spr-ch-i Nr 603. Amtlicher /inzelger für öen Kreis Hersfelü in HeiSfedd,^Mttgtteb^"cvD^^^^E
Nr. 101 (Erstes Blitt)
Sonnabend, den 30. April 1932
82. Jahrgang
Schreckenstat in Schanghai
Fünf führende Japaner bei einer Truppenparade lebensgefährlich verletzt
Reform der Sozialpolitik
Eine Rede des Reichsarbeiksministers.
Erfurt. 30. April.
Unter außerordentlicher Teilnahme aus dem ganzer Reich begann der 41. Verbandstag des Verbandes der Ka- cholischen Vereinigungen Deutschlands. Auf eine kürzen Begrüßungsansprache des Verbandsvorsitzenden, Verlegei Friedrich Klagges-Bochum, ergriff Reichsarbeitsminister Dr Stegerwald das Wort. Der Minister führte u. a. aus:
Wir stehen gegenwärtig vor einem ungeheuren Weltdurcheinander, das in der Hauptsache auf den letzten Welt- krieg und auf die gewaltige gegenseitige wirtfckmftlich unproduktive Verschuldung der Länder zurückzuführen ist. Dadurch werden ein geordnetes Kreditsystem und die Weltwirtschaftsmaschinerie in ihrem normalen Laufe immer unerträglicher gestört. Auch in Deutschland herrscht auf dem Gebiete der Wirtschafts- und Sozialpolitik noch eine große Verwirrung.
Von Arbeikgeberseike wird der Reichsarbeitsminister immer stärker bedrängt, im Hinblick auf 6 Millionen Arbeitslose den staatlichen Lohnschutz durch Aufhebung der Vor. schriften über die Verbindlichkeitserklärung von Kchieds- sprüchen zu beseitigen. Dieses Verlangen der Arbeitgebei läuft letzten Endes darauf hinaus, daß in einem weltwirtschaftlichen Erkrankungszustand ohnegleichen durch den Staat alles mit Ausnahme der menschlichen Arbeitskraft geschützt und gestützt werden soll. Ein solches Ansinnen braucht man nicht ständig zu wiederholen; solange ich Arbeitsminister bin, lehne ich es nach wie vor nachdrücklichst ab.
Staatliche Lohnpolitik kann natürlich bei der ungeheuer schweren Lage, in der sich aeaenwärü^Deutschland be- smdet, nicht verrieben werden »niz zugeyurwenen trugen, uut^ kann es nicht Aufgabe der staatlichen Lohnpolitik wie der Politik überhaupt sein, praktisch die Arbeitslosigkeit zu vermehren. Ebensowenig kann die staatliche Lohnpolitik den Arbeitern der Binnengewerbe wesentlich höhere Löhne zu- billigen als etwa den Gewerben und Industrien, die dem Weltwettbewerb ausgesetzt sind.
Die Handhabung der Lohnpolitik ist gegenwärtig ein« der schwierigsten Staatsaufgaben. Die Arbeitgeber sehen in ihr eine der Hauptursachen der gegenwärtigen Wirt schaftserstarrung Deutschlands. In Arbeitnehmerkreisen siehl man in dem Staat weitgehend die Lohnsenkungsmaschine. Meines Trachtens sind beide Annahmen falsch. Die staatliche Lohnpolitik hat während der größten Krisis eines Jahrhunderts die Aufgabe, zu verhindern, daß bei der ungleichen Kräftelagerung der Lohn der breiten Arbeitneh- merschichten nicht ins Uferlose sinkt.
Die gesetzliche Sozialversicherung, insbesondere die Arbeitslosenfürsorge und die Invalidenversicherung, befindet sich gegenwärtig in einer sehr schwie- rigen Lage. Für das Jahr 1932 fehlen den Fürsorgeeinrichtungen und Versicherungszweigen noch viele Hunderte von Millionen RM Mit Beitragserhöhungen und Steuererhö- hungen ist dem Defizit nicht wesentlich beizukommen. Auch die Invalidenversicherung muß aus dem unmöglichen Schwebezustand der letzten Monate herauskommen und ins Gleichgewicht gebracht werden. Auf längere Sicht gesehen, werden sich grundlegende Aenderungen der gesetzlichen Sozialversicherung nicht vermeiden lassen.
Mir kommen nicht darum herum, die Sozialversicherung in steigendem Maße den Versicherten zu überantworten. Damit würde sowohl der Streif über die staatliche Sozialpolitik wie der Streit zwischen Arbeitgebern und Versicherten weitgehend zurückgedrängt werden können. Die Arbeitgeber hätten einen durch Gesetz festzusehenden Beitrag zu entrichten, wofür sie in bestimmten Fragen milzuenlschei- den hätten, während für den Rest des Beitrags die Versicherten selbst aufzukommen hätten, wie ihnen auch die Durchführung der Sozialversicherung bei entsprechender Staatsaufsicht einzuräumen wäre.
Auch das gegenwärtige Organisationswesen in unserer Wirtschaft erweist sich immer mehr als eine Unmöglichkeit. Heute setzen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den einzelnen Gewerben und Wirtschaftszweigen meist nur um den Lohn auseinander. Dabei ist die Lohnfrage doch nur ein kleiner Ausschnitt aus den Gesamtvorgängen in der Welt- und Volkswirtschaft. Ich könnte eine sehr große Aufgabe des Reichswirtschaftsrats darin sehen, daß er Vorschläge dar- über herauskristallisiert, wie die einzelnen Zweige der Wirt- schaft auf den verschiedensten Gebieten aufeinander abzu- stimmen sind, nämlich preis-, steuer-, Verkehrs-, lohnpolitisch usw. Daß sich die Arbeitgeber heute noch gegen eine zweckmäßige paritätische Ausgestaltung der gesetzlichen Kam- mern (Handwerks-, Handels- und Landwirtschaftskammern) wehren ,kommt mir kleinlich und etwas altmodisch vor. Auch auf dem Gebiet der Agrarpolitik, des Siebiungs* Wesens, der Zinsenpolitik — ich erwähne hier nur " terschied zwischen dem Reichsoankdiskont auf der einen Seite und den Sätzen, die der Kreditnehmer noch vielfach auf der anderen Seite zu zahlen hat — stehen wir noch vor großen Aufgaben.
edlung!
den Un-
Kommunales Kreditabkommen in Kraft
Bafel, 30. April.
Die BIZ. gibt bekannt, daß das Kreditabkommen für deutsche öffentliche Schulden zwischen ausländischen Gläu- bigern und deutschen Ländern, Gemeinden, Gemeindeverbänden und sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften in- folge der Unterzeichnung durch die erforderliche Anzahl der Vertragspartner am 27. 4. 1932 in Kraft getreten ist.
Das Abkommen sieht vor, daß die BIZ. aufgefordert werden soll, einen Schiedsausschuß für die Regelung aller sich in bezug auf die Auslegung etwa ergebender Fragen zu ernennen. Eine ähnliche Bestimmung über die Ernennung eines Schiedsausschusses befindet sich in dem kürzlich zwischen der Norddeutschen Kreditbank und ihren ausländischen Gläubigern beschlossenen Stillhalteabkommen. Die BIZ. hat sich bereit erklärt, den Schiedsausschuß zu ernennen und hat für beide Abkommen den gleichen Schiedsausschuß bestimmt, der jetzt auf Grund des deutschen Stillhalteabkommen für Bankkredite vom 23. 1. 1932 besteht.
ErmMung des Weizenzolles
Neuregelung des Jnlandsweizenvermahlungszwanges.
Berlin, 30. April.
3m Reichsanzeiger wird eine Verordnung veröffentlicht, durch die der Weizenzoll für die Zeit bis zum 30. Juni 1932 unter bestimmten Voraussetzungen auf achtzehn RM. je Dopoelzentner ermäßigt wird, und zwar für fünfzehn o. H. der Gefamtvermahlung der in Frage kommenden ' Mühlen in der Zeit vom 1. April 1930 bis 30. Juni 1930.
Ferner wird durch eine im Reichsanzeiger zur Der- den. Grundsätzlich werden die bisherigen Bestimmungen aufrechterhalten, wonach in der Regel mindestens 97 v. H. Inlandszweigen vermahlen werden müssen und 70 v. H. dann, wenn Austauschweizen vermahlen wird. Neu ist die Bestimmung, daß der verringerte Vermahlungssatz unter gewissen Voraussetzungen auch dann eintritt, wenn Weizen vermahlen wird, der auf Grund der im ersten Absatz erwähnten Verordnung zollbegünstigt eingeführt wird. Während die neue Vermahlungsregelung für das ganze Wirtschaftsjahr gibt, ist die Zollregelung zunächst auf die Zeit bis zum 30. Juni beschränkt, um allen Möglichkeiten der Preisentwicklung und der Versorgungslage Rechnung tragen zu können.
Aus den Vorratserhebungen ergibt sich, daß für den Rest des Wirtschaftsjahres noch ein gewisser Einfuhrbedarf vorhanden ist. Die Regelung soll untragbare Preissteigerungen für Jnlandsweizen vermeiden und eine im Interesse der Verwertung der kommenden Ernte und mit Rücksicht auf unsere Devisenbestände bedenkliche Einfuhr über den wirklichen Zuschutzbedarf hinaus verhindern. Deshalb ist für die nächsten beiden Monate unter grundsätzlicher Aufrechterhaltung des Zolles von 25 RM. der Zollsatz für denjenigen Auslandsweizen, der in der vorgesehenen Menge im Rahmen der Vermahlungszwangsbestimmungen vermahlen werden kann, auf 18 RM. ermäßigt worden.
an
Hitler
München, 30. April.
Rechtsanwalt Dr. Frank H hat im Auftrage Hitlers beim Reichswahlprüfungsgericht Anfechtungsklage gegen das Ergebnis der Reichspräsidentenwahl erhoben.
Die Klage wird begründet mit der „mißbräuchlichen Anwendung des Rundfunks im Dienste des Präsidentschaftskandidaten von Hindenburg" sowie mit „verfassungswidrigen polizeilichen und sonstigen behördlichen Maßnahmen.
Der Reichsbeauftragte für das Wahlprüfungsverfahren, Ministerialrat Dr. Kaifenberg, hat den Bericht über die Reichspräfidentenwahl dem Wahlprüfungsgericht zur Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl eingereicht. Eine wesentliche Verschiebung ergibt sich nur zwischen den Zahlen der ungültigen und der zersplitterten Stimmen, weil. zersplitterte Stimmen vielfach als ungültig behandelt worden sind. Dies ist aber für das Ergebnis des zweiten Wahlganges unerheblich, weil hier die relative Mehrheit entscheidet. Wahlbeschwerden sind rund 50 eingegangen, zu denen die unteren Verwaltungsbehörden die aufklärenden Feststellungen getroffen haben. Die Beschwerden haben sich überwiegend als unbegründet erwiesen. Soweit sie begründet sind, handelt es sich um geringfügige Verstöße oder Unregelmäßigkeiten, die an dem Ergebnis der Wahl der einzelnen Stimmbezirke, noch weniger an dem Gesamtergebnis im Reich etwas zu ändern vermögen. Der Reichsbeauftragte kommt daher zu dem Schlüßantrag, das Wahlprufungsge- richt wolle erkennen: „Die am 10. April 1932 vollzogene Wiederwahl des Generalfeldmarschalls Paul von Hinden- bürg zum Reichspräsidenten ist gültig."
Die Sitzung des Wahlprüfungsgerichts ist auf den
3. Mai anberaumt.
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Bombenattentat in Schanghai
Fünf führende japanische Persönlichkeiten schwer verletzk.
Schanghai, 30. April.
Während einer großen japanischen Truppenparade, die im Hongkew-Park abgehalten wurde, schleuderte ein Koreaner eine Bombe gegen den mittleren Teil der großen Tribüne, auf der eine Anzahl hervorragender japanischer Persönlichkeiten versammelt war. Die Explosion hatte verheerende Wirkungen. Der japanische Gesandte in China, Schi- gemitsu, wurde lebensgefährlich verletzt. General Ayeda, der die ersten militärischen Operationen Japans in Schanghai geleitet hatte, und General Schirakawa, der bei der Entsendung japanischer Verstärkungen im Februar statt seiner zum Oberbefehlshaber ernannt wurde, sind schwer verwundet worden. Auch der japanische Generalkonsul Murai ist schwer verletzt. Admiral Romura wurde am Kopf verwundet. Japanische Truppen haben sofort den Hongkew-Park umstellt.
Die japanischen Truppen untersuchten die Tausende von Zuschauern nach Waffen. Der schwerverletzte General Schirakawa wurde ins Krankenhaus gebracht wo er sich einer Operation unterziehen mußte. Der Zuschauermenge bemächtigte sich eine Panik, und die Truppen hatten große Mühe, die Menge zu hindern, den Täter zu lynchen.
Dieser neuerliche Zwischenfall, erklärt Reuter, ist geeignet, die Friedensaussichten im Fernen Osten zu verschlechtern, obwohl das Verbrechen von einem Koreaner begangen worden ist. Die Tat, die in Schanghai gerade zu einer Zeit ausgeführt wurde, wo man auf den Abschluß eines Waffenstillstandes hoffen konnte, kann zu einer außerordentlichen terung verhängnir n wird.
Der Urheber des Bombenanschlages ist der 25 Jahre alte Koreaner Jinhokstfu. Er sowie sieben Chinesen wurden festgenommen.
Die Truppenparade hatte aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers von Japan stattgefunden. Alle auf der Tribüne befindlichen Personen wurden durch den Luftdruck bei der Explosion der Bombe zu Boden geworfen. Vor der Tribüne hatten mehre hundert japanische Schüler Aufstellung genommen.
Der Reutervertreter in Schanghai, der sich im Augenblick des Bombenattentats auf der Tribüne befand und wie durch ein Wunder unversehrt blieb, berichtet, daß der Gesandte Schigemitsu wie von einem plötzlichen Wirbelwind hochgehoben wurde und dann blutüberströmt zu Boden stürzte. Das Gesicht des japanischen Generalkonsuls glich einer offenen Wunde. Der Gesandte entrann dadurch dem Tode, daß japanische Krankenpflegerinnen sofort die Uniform des Verletzten zerrissen, um die Wunden zu entdecken und durch Anwendung von gedrehten Stricken an den Oberschenkeln Schigemitsu vor dem Verbluten retteten. Die Aerzte fürchten, daß ihm ein Bein amputiert werden muß. Admiral Nomura hat ein Auge verloren. Eine andere japanische Persönlichkeit schwebt noch in Lebensgefahr.
Ganz Japan ist in Heller Empörung über den Schanghaier Anschlag.
Schwere Sample in der Mandschurei
Die Japaner erobern Hailin.
Charbin, 30. April.
An der südöstlichen Front der Wandschurei ist es zu heftigen Kämpfen zwischen japanischen Truppen und Chinesen gekommen, die sich gegen die neue mandschurische Regierung im Aufruhr befinden. Die japanische Hauptkolonne unter General Wurai griff die Aufständischen an, die hailin besehthielken. Der Kampf dauerte die ganze Rächt an. Die Chinesen, deren Zahl auf 6000 Wann geschäht wurde, hatten 200 Tote zu verzeichnen. Die Japaner, die hailin besetzt haben, erbeuteten einen Panzerzug, zwei Geschütze und anderes Kriegsmaterial.
Die Gegner der neuen mandichurischen Regierung sehet nen den östlichen Teil der chinesischen Ostbahn auf der Seite von Jmienpo und auch den Abschnitt westlich der Hingan- Berge völlig in der Hand zu haben. Es ist bemerkenswert, daß zwischen dem russischen Gebiet und diesen beiden Abschnitten der Eisenbahn ein ununterbrochener Verkehr herrscht. Die Operationen der japanischen Truppenabteilun- gen mit dem üblichen schweren Transportmaterial, die im Winter auf den zugefrorenen Wegen leicht waren, beginnen jetzt, da Tauwetter eingetreten ist und die Wege verschlammen. immer schwieriger zu werden. Die russischen Streitkräfte in Jrkusk und östlich davon sollen neun Infanterie- und zwei Kavalleriedivisionen stark sein, von denen vier Divisionen kürzlich aus dem eigentlichen Rußland eingetros- fen sind. Diese Streitkräfte besitzen mehr als 200 Flugzeuge, die größtenteils bei Chabarowsk stationiert sind. Die Streit- macht an der westlichen Grenze ist geringer, kann aber mühelos aus dem westlichen Sibirien Verstärkungen erhalten.
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