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Hersfelöer Tageblatt

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yersfelSer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger Dr den Kreis HersfelS

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in tzersfelb, Mitglied des BDJB.

Nr. 106 (Erste; Blatt) Sonnabend. den 7. Mai 1932 82. Jahrgang

Mordanschlag auf Frankreichs Präsidenten

Der Präsident der sranzSsischen Republik Doumer wurde von einem Russen durch Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt

Ratz der Verurteilung

Simat und Merkys treten zurück.

fiotvno, 7. Mai.

In einer Unterredung teilte der Präsident des zurzeil amtierenden grohlitauischen Direktoriums. Simat, auf die Frage, welche Folgerungen er aus dem Ergebnis der Wah­len ziehen werde, mit, daß er zurückkreten werde, ohne sich dem Landtag zur Vertrauensfrage zu stellen.

Zu welchem Zeitpunkt das geschehe, stehe noch nicht fest. Er werde jedenfalls die Geschäfte weiterführen, bis ein neues Direktorium gebildet sei. Im Fall einer schwachen Mehrheit der Volkspartei und der Landwirtschaftspartei würde er ver­sucht haben, weiterzuregieren. Da aber die Mehrheitspar- teien nach seiner Ansicht mit 20 von 29 Mandaten in den neuen Landtag einziehen würden, so stehe sein Entschluß fest. Schließlich gab Simat zu, daß ihn das Ergebnis doch außerordentlich überrascht hätte.

Der Gouverneur des Memelgebietes hat dem Präsiden­ten der Republik fein Rücktrilksgesuch zugehen lasten.

In Kowno wird erklärt, daß der neue Präsident des Direktoriums ein memelländischer Litauer sein müsse. Die anderen Mitglieder des neuen Direktoriums sollen den Mehrheitsparteien angehören. Eine neue Landtagsauflösung komme nicht in Frage. (Sollte Litauen tatsächlich sowenig aus der Wahl gelernt haben? Die Red.)

Litauische Ausreden

Die Kownoer Regierungskreise sind unter dem Ein­druck der völlig unerwartet gekommenen Niederlage nach wie vor äußerst zurückhaltend in ihren Aeußerungen über das Memeler Wahlergebnis. Soviel wird jedoch zugegeben, daß der Ausgang der Wahl auch für die Regierung ganz überraschend gekommen sei. Eine Klarheit über die nationale Zusammensetzung der memelländischen Bevölkerung, so wird __behauptet. bringe tue je Wahl nicht.. (?) Die, auswärtigen Einflüsse wie des NlEMn PröWfeldzuges und die für Die Wahlperiode so ungünstig hinzugekommenen Umstände, die sich aus dem Vorgehen der Unterzeichnermächte ergeben hätten, hätten die maßgebenden Wahlgrundsätze wirtschaft­licher Natur völlig in den Hintergrund treten lassen, so daß die Wahl nur unter der äußerst hetzerischen Agitation gegen Litauen, (?) das angeblich die Autonomie aufheben wolle, vor sich gegangen sei.

Haftentlassung Meyers abgelehnt

Der vom Gouverneur dem Kriegsgericht unterbreitete Antrag auf Haftentlassung des Schulrats Meyer, der im Ge­fängnis schwer erkrankt ist, wurde mit der Begründung ab­gelehnt, daß der Prozeß gegen ihn schon in der nächsten Zeit stattfinden würde und daß bei der dem Verhafteten dro­henden schweren Kerkerstrase Fluchtverdacht vorliege.

Ratstagung in Senk

Botschafter Welczek deutscher Delegationsführer.

Berlin, 7. Mai.

Da Reichskanzler Dr. Brüning in der kommenden Woche durch die anstehenden Reichstagsverhandlungen in Berlin festgehalten ist und auch Staatssekretär von Bülow aus dem gleichen Grunde nicht abkömmlich ist, wird die deutsche De­legation bei der Völkerbundsrakssitzung, die am Montag be­ginnt. unter Führung des Botschafters Grafen Welczek stehen. Graf Welczek ist schon deshalb für die Vertretung der deutschen Interessen geeignet, weil die diesmalige Rats­tagung sich mit einer Reihe von wichtigen Ostfragen beschäf­tigen wird und Graf Welczek einer der besten Kenner der Ostprobleme ist.

Neben verschiedenen Fragen, die die Beziehungen Polens zu Danzig betreffen, so die Frage des pol­nischen Hafens von Gdingen und der polnischen Eisenbahnen, wird der Völkerbundsrat sich auch mit rein deutsch-polnischen Fragen zu beschäftigen haben. Aufgabe der deutschen Dele­gation wird es sein müssen, zu verhindern, daß durch die Durchführung der polnischen Agraraesetze die Liquidierung deutschen Grund und Bodens, die auf Grund der bestehenden llbkommen eingestellt werden mußte, auf anderem Wege wie­der eingeführt wird. Außerdem muß der Völkerbundsrat Stellung nehmen zu der polnischen Beschwerde über die Be- Handlung der polnischen Minderheit in Deutschland. Da Po­len zu dieser Frage vor kurzem eine Zusatzbeschwerde ein- gereicht hat, ist damit z ^nen, daß diese Beschwerde auf der gegenwärtigen Tau nicht endgültig erledigt wird. Deirtschland hat feineren bei Einreichung der Beschwerde bereits darauf hingewiesen, daß ein Teil der von Polen vorgebrachten Angelegenheiten sich auf deutsches Gebiet be­zieht, das nicht den Minderhütsschutzbestimmungen unter­liegt und deshalb eine Erörterung abgelehnt und lediglich rein informatorisch dem Völkerbundsrat Auskünfte gegeben. Da auch die Klage des Fürsten Pleß, die ebenfalls auf der Tagesordnung des Völkerbundsrates steht, sich gegenwärtig noch im Stadium der Verhandlungen befindet, ist auch hier mit der Möglichkeit zu rechnen, daß eine endgültige Erle­digung noch nicht^erfolgen wird. »li

Der Bischof von Ehur gestorben. Der Bischof von Chur Schmid üon Grüneck, starb nach langem Leiden im Alter von 71 Jahren. Er stand seit 1908 an der Spitze des Bistums.

Mordanschlag aus Doumer

Frankreichs Präsident ledensgesährlich verletzt

Paris. 7. Mai.

Auf den französischen Staatspräsidenten Doumer wurde, als er an der Eröffnung einer Ausstellung teil- nahm, die von Schriftstellern, die am Kriege teilgenom- men haben, veranstaltet wird, ein Mordanschlag verübt. Präsident Doumer war gerade im Begriff, feinen Namen in das Buch eines franz qchen Schriftstellers einzu- zeichnen und wollte dann das Gebäude verlassen, als aus dem Gedränge heraus fünf Schüsse auf ihn ab­gegeben wurden. An Hals und Unterleib schwer verletzt, brach Präsident Doumer zusammen. Der Schriftsteller Claude Farrere, der dem Präsidenten zu Hilfe eilte, wurde gleichfalls verletzt. Der Attentäter wurde ver­haftet.

Der Attentäter wird auf feinen Geisteszustand untersucht.

Der Attentäter ist bereits identifiziert. Es handelt sich um einen Doktor der Medizin russischer Rationalität namens Paul Guguloff.

Der von drei Kugeln getroffenen Präsident wurde so­

ra-

gleich in das nächstgelegene Hospital transportiert, wo man die notwendigen chirurgischen Eingriffe vornahm. Der P"" sident hat namentlich durch zwei Kopf- bzw. Halsschüsse so schwere Verletzungen erlitten, daß kaum Hoffnung für sein Aufkommen besteht. Er hat das Bewußtsein verloren.

Ministerpräsident Tardieu und der Innenminister Ma- hieu haben sich sogleich zu Doumer ins Krankenhaus be- geben. Auch Botschafter von Hoesch hat sich nach dem Be­finden Doumers erkundigt.

Obgleich über die Gründe noch nichts Bestimmtes ver­lautet, will man nicht glauben, daß der Attentäter aus eige­nem Antrieb gehandelt hat. Man macht besonders auf den eigentümlichen Zeitpunkt des Anschlages aufmerksam, der gerade zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang für die Kammerwahlen erfolgte. Man versucht, auch nach dieser Richtung hin das Attentat aufzuklären.

Paul Doumer ist am 22. März 1857 in Aurillac (Tan­tal) geboren. Er war von Hause aus Professor und Pu­blizist, wandle sich dann aber der Politik zu und war seit 1888 Deputierter für das Aisne-Departement, in dem er ruf Schloß Anizy ansässig ist. Seit 1912 ist er Senator für Eorsica. Unter Bourgeois hatte er 1895 bis 1896 erstmals ein Portefeuille, das der Finanzen, inne. Bekannter wurde er später als Generalgouverneur von Jndochina. Bei der Wahl zum Präsidenten der Republik am 17. Januar 1906 unterlag er jedoch gegen Fallieres. Während des Krieges rat er nicht weiter hervor. In dem siebenten Kabinett , ^riand (Januar 1921 bis Januar 1922) war er Finanz­minister. Als solcher setzte er auf der damaligen Pariser Konferenz der Alliierten die außerordentlich hohen Entscha- digungsforderungen an Deutschland durch. Nach der Ver­drängung Loucheurs als Finanzminister aus dem Novem- berkabinett Briands von 1925 wurde Doumer dessen Nach­folger, doch konnte auch er den Frankensturz nicht auf­halten. Im nächsten Kabinett Briand vom März 1926 er­setzte ihn Peret. Am 14. Januar 1927 wurde Doumer mit 238 von 273 Stimmen zum Präsidenten des Senats ge­wählt und am 16. Januar 1930 wiedergewählt. Bei der Präsidentenwahl in Versailles am 13. Mai 1931 wurde dann Doumer zum Präsidenten der französischen Republck

238 von

wählt und am

gewählt.

Reichspräsident von Hindenburg hat Doumer telegra­phisch beste Genesungswünsche übermittelt.

Doumer operiert

Professor Gösset, der den verletzten Präsidenten unter- suchte, erklärte, der Präsident sei durch eine Kugel getroffen worden, die zwar durch beide Wangen hindurchgegangen sei, lebenswichtige Organe des Kopfes jedoch nicht verletzt habe. Entgegen dem ersten Bulletin erklärte er noch, daß eine zweite Kugel die Achselhöhle getroffen habe. Seiner Ansicht nach sei der Zustand des verletzten zwar ernst, jedoch nicht unbedingt lebensgefährlich. Um 18 Uhr wurde der Präsident operiert. Er hat das Bewußtsein wiedererlangt.

Paris. 7. aÄtV

Gegen 21 Uhr hatte Doumer fein volles BewugpM wieder erlangt, sprach aber kein Wort. Die Temperatur be­trug am Abend 37,2, der Puls 120. Niemand darf das Krankenzimmer betreten, da der Zustand des Kchwerverleh- ten immer noch als ernst angesehen wird.

Minister Pietri erklärte beim Verlassen des Kranken­hauses Pressevertretern, daß im Befinden Doumers keine Verschlechterung eingetreten sei. Inzwischen war ein Kran- kenwagen im Hof des Hospitals eingetroffen für den Fall, daß eine Ueberfüyrung des Staatsoberhauptes nach dem Elyföe möglich fein sollte.

Die Verletzungen des Präsidenten

Die Verletzungen des Präsidenten sind, wenn nicht ge­rade sehr schwerer, doch bei dem hohen Alter Paul Doumers er ist 77 Jahre alt ernster Rasur. Die eine Kugel hat dem Präsidenten das Nasenbein durchschlagen. Die Blut­spender, die die Bluttransfusionen ermöglicht haben, sind eine Krankenschwester und ein Oberkellner. i

rgulasss scheinen ergeben __ Vergangenheit bat" Er war allerdings zweimal aus Frankreich ausgewie- en worden, aber nicht w^gen politischer Gründe, sondern wegen illegaler Ausübung des Arzdberufes. Er verfügte nicht über genügende Existenzmittel.

Bei seinem Verhör erklärte G o r g u l o f f, er sei 37 Jahre alt, Doktor der Medizin und bewohne eine Villa in Monaco. Er habe sich dort seit vier Monaten niedergelassen, da ihm die -Einreise nach Frankreich verboten fei. Er habe politische Propaganda gegen die Sowjetunion treiben wol­len. In die Ausstellung sei er gekommen, um den Präsiden­ten der französischen Republik zu töten, um Frankreich dafür zu strafen, daß es sich nicht zum Kampfe gegen Sowjetruß­land entschlossen halle.

Das Hotelzimmer, in dem Gorguloff ab gestiegen war, wurde von der Polizei durchsucht. Eine Freundin des Atten­täters wurde auf Antrag der französischen Behörden von der monegassischen Polizei in Gewahrsam genommen.

Gorguloff wurde nach Schluß der Vernehmung ins Sante-Gefängnis gebracht. Der Untersuchungsrichter hat drei medizinische Sachverständige bestellt, die Gurgoloff auf seinen Geisteszustand beobachten sollen.

Die Anklageschrift gegen Gorguloff lautet auf Mordver­such an dem Präsidenten der Republik. Da man annimmt, daß der Attentäter viele Beziehungen zu russischen Emigran­ten unterhält, wird sich die Untersuchung auch aus diese

auf feinen Gersteszusta

Die Anklageschrift

Kreise erstrecken. ,

Der Vorsitzende des Zentralausschusses der russischen Emigranten in Frankreich gibt in einer Erklärung der Em­pörung der russischen Kreise in Frankreich über das gehässige Verbrechen Ausdruck und bedauert die Tat aufs tiefste.

Zu den politischen Folgen, die der Anschlag auf Doumer haben könnte. erklärteLibertö", daß der Präsident der Re­publik durch den Senatspräsidenten Lebrnn interimistisch vertreten werden würde. Sollte eine neue Präsidentschafts­wahl notwendig werden, so würde da die Legislaturperiode der jetzigen Kammer erst am 1. Juni abläuft und die Wahl eines neuen Staatschefs nicht hinausgeschoben werden könne, noch die alte Kammer an dem Kongreß zur Wahl des neuen Staatschefs teilnehmen.

Der Reichskanzler an Tardieu.

Berlin. Reichskanzler Dr. Brüning hat an Minister. Präsident Tardieu anläßlich des Attentats auf den fran­zösischen Präsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem er im Namen der Reichsregierung die besten Wünsche für eine baldige Genesung des Präsidenten Doumer ausspricht.

Kreuger-Prozetz eröffnet

Weiterverhandlung am 20. Mai.

Sforfbotm. Der Prozeß gegen die in der Kreuger-Ange- legenheit Verhafteten Lange, Holm, Huldt und Wendler hat begonnen Die Angeklagten werden beschuldigt, Kreuzer bei seinen betrÄerischen Machenschaften behilflich gewesen zu ein Die Verteidiger haben Haftentlassung der An- aeklaaten beantragt. Die Vernehmung der Angeschul- digten dauerte nur kurze Zeit, worauf sich das Gencht auf den 20.-i vertagte. _ .