Hersftlöer Tageblatt
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Reisfelder Kreisblatt
/lmtlicher /lnzeiger für den Kreis Hsrsfel-
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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDZB.
Nr. 113
Dienstag, den 17. Mai 1932
82. Jahrgang
Anglückssälle in aller Welt
Erdbeben auf Celebes
Amsterdam. Nach telegraphischen Meldungen aus Nie derländisch-Jndien haben sich im nordöstlichen Teil der Insel Celebes — hauptsächlich in der Umgebung der Stadt M e ■ nado — große Erdbeben ereignet. Ueber 1000 Häusei wurden zerstört. Bisher sind sieben Tote und über 150 Ver letzte zu beklagen. Der angerichtete Schaden ist sehr groß
Pfwgstopfer der Berge
Malterhorn-Bezwinger Toni Schmid f.
München, 17. Mai.
Während der Pfingstfeiertage ereigneten sich in der Bergen mehrere schwere Unglücksfälle. Bei Kachel stürzt« am Sonntag der Tourist Hans Gleitzner aus Mündjeti tödlich ab.
Am Pfingstmontag stürzten am Wiesbachhorn die Mün- chener Toni Schmid, der im Vorjahre mit seinem Bruder die Malkerhorn-Nordwand erstmalig durchkletterte, und Ernst Krebs, ein bekannter Skifahrer, ab. Toni Schmid verunglückte tödlich. Ernst Krebs wurde schwer verletzt.
Im wilden Kaiser stürzte der Student Siegfried Grünebaum aus München unterhalb der steinernen Rinne tödlich ab.
In der Gimpelsüdwand verunglückten tödlich durch Ab- sturz die Touristen Waldemar Bange und Georg HübeI aus Kaufbeuren.
Am Piz Buin in der Silvretta stürzte Michael Frank aus Lindau tödlich ab. An der Rotwand bei Schliersee erlitt Ludwig L e h n e r aus Pasing bei München bei einem Absturz schwere Verletzungen.
Am Latschenkopf bei Lenggries im Gebiet der Benedif- kenwand stürzte Karl Meyer aus pasing zusammen mit einem zehnjährigen Jungen ab. Der Junge ist tot, Meyer schwer verletzt.
Feuer auf Passagierdampfer
*6* ÜHMMtr- des sranzofytye pssfagreroampfre „Georges Philippar" ist auf der Rückreise von Ostasien nach Marseille in der Nähe von Kap Guardasui in Brand geraten. Die 600 Passagiere verließen das Schiff und wurden zum Teil von drei in der Nähe befindlichen Dampfern ausgenommen. Die Zahl der Verluste fleht noch nicht fest.
Der Dampfer „Mahsud" hat die Leichen mehrerer ums Leben gekommener junger Franzosen an Bord.
Die Zahl der Toten des noch in Flammen stehenden
D-Zug Köln-Hamburg entgleist
Zehn Verletzte.
Bremen, 17. Mai.
Der Köln—Hamburger V-Zug 97 ist gestern mittag vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof Bremen beim Schwach- hausener Tunnel entgleist. Drei Wagen des Zuges, und zwar der Speisewagen und die beiden nachfolgenden Personenwagen wurden teilweise zertrümmert. Ein Personenwagen ist die halbe Böschung herabgestürzt.
Zehn Personen sind verletzt worden; von diesen haben der Küchenchef und die Küchenfrau des Mikropa-Wag/ns schwere Verletzungen erlitten. Kurz nach dem Unglück waren Aerzte, Hilfspersonal und Feuerwehr zur Stelle, die den Beriethen die erste Hilfe leisteten und mit den Aufräumungs- arbeiten begannen.
Als Ursache des Unglücks wird übermäßige Ausdehnung der Schienen durrfj die plötzliche Hitze angenommen; dod) ist die bahnamtliche Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Das Geleise und der Straßenverkehr sind zum Teil gesperrt.
Schweres Autounglück bei Nordhausen
Nordhausen. Auf der steilen Straße zwischen Hohegeiß —Zorge verlor der Führer eines Ausflüglerautos aus Magdeburg in einer Kurve die Gewalt über seinen Wagen. Das Auto stürzte die etwa 20 Meter hohe Böschung hinab und wurde völlig zertrümmert. Der Führer war sofort tot, ebenso eine Mitfahrerin Frau Horchmann, während ein weiterer Insasse, der Bäckermeister Uebe, auf dem Transport nach dem Nordhäuser Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. -Der Zustand von vier weiteren Insassen wird von den Aerzten fast hoffnungslos bezeichnet. Sämtliche Insassen des Wagens stammen aus Magdeburg und dessen Umgebung.
Auto auf dem Bürgersteig
Mindestforderungen der Sozialisten
für den Eintritt in die Regierung Herriot.
Paris. Die Frage der Beteiligung der Sozialisten an der Regierung wird lebhaft erörtert. Zur Vorbereitung der Entscheidung des sozialistischen Parteitages, der am 27. Mai Zusammentritt, tagte die Sozialistische Vereinigung des Seine-Departements. Der allgemeine Eindruck aus den gestrigen Beratungen ist, daß diese innerhalb der Partei sehr einflußreiche Gruppe in ihrer großen Mehrheit für den Versuch einer Beteiligung an einer Linksregierung eintritt, vorausgesetzt, daß gewisse Bedingungen, namentlich Herabsetzung der Militärausgaben, erfüllt werden.
Der Führer der französischen Sozialisten, Leon Blum, ormuliert im Parteiorgan als Mindestforderungen: 1. So- ortige bedeutende Herabsetzung der Militärkredite; 2. Schaf- ung eines nationalen Versicherungssystems, bei dem der Arbeitslosigkeit Rechnung getragen werde; 3. Verstaatlichung des privaten Versicherungsmonopols und des Eisenbahnwesens.
Der Führer der Radikalen Partei, Eduard Herriot, vertritt in einem Interview, das er einer südfranzöfischen Zeitung gewährt hat, den Standpunkt, daß die Radikale Partei auf jeden Fall die sozialistischen Bedingungen prüfen und Gegenbedingungen stellen müsse. Aber in einer Frage könnten die Radikalen nicht mit sich verhandeln lassen: der nationalen Verteidigung, der ein vernünftiges Militärbudget zugrunde liegen müsse.
„Geox war 1
Meter,
ge Philippar" ist noch nicht zu übersehen. Das Schiff .903 vom Stapel gelaufen. Seine Länge beträgt 172 ', die Breite 20,80 Meter, die Wasserverdrängung
21 448 Tonnen. Für den Dienst nach dem Fernen Osten bestimmt, war der Luxusdampfer auf der Rückreise von seiner ersten Fahrt begriffen.
Wie verlautet, soll das Feuer auf Brand st iftung zurückzuführen sein. Die Lage des Schiffes und die heftigen Flammen verhindern ein Niederlassen der Rettungsboote
dstiftung die heftigen
und die Rettung der Schiffbrüchigen.
Ungewißheit über die Passagiere
Der russische Dampfer „Sooietskajanest" hat Passagiere und Mannschaften des französischen Dampfers an Bord, der vollständig in Flammen steht und aufgegeben ist. Der englische Dampfer „Mahsud" hat 134 Ueberlebende ausgenommen und gibt bekannt, daß er Leichen ins Meer versenke. Der englische Passagierdampfer „Kaifar I Hind" dagegen verbreitet die Meldung, daß die gesamte Besatzung und sämtliche Passagiere des brennenden französischen Schiffes nach Aden unterwegs seien. Bei den Schiffahrtsbüros hat man noch keine Anhaltpunkte dafür, wie viele Passagiere sich an Bord des „George Philippar" befanden, doch rechnet man 500 bis 600.
Verheerendes Unwetter am Mittel
Vier Todesopfer?
Koblenz. Gestern abend ging über ganz Westdeutschland ein schweres Unwetter nieder. Besonders schwer heimgesucht wurde das Gebiet der unteren Mosel und die Höhenlagen der Eifel. Wolkenbrüche mit Hagelschlag liehen in einigen Ortschaften das Wasser in den Straßen bis zu einem Meter ansteigen. Das Wasser riß alles mit sich, was im Wege stand. Auf der Straße Koblenz—Weißenthurm standen die Fluten so hoch, daß der Verkehr umgeleitet werden mußte. Auch die Schienen der Reichsbahn waren vorübergehend stark überflutet. In Güls a. d. Mosel ergoß sich eine Sturzflut von über einem Meter in das Dorf, füllte Keller und tiefer- liegende Wohnungen; die Wassermassen unterspülten die Fundamente zweier Häuser, die schließlich einstürzten. Eine Frau und drei Kinder sollen ums Leben gekommen sein. Riesengroß ist der Schaden in den Weinbergen, auf den Aeckern und an den Obstbäumen. Der fast hühnereigroße Hagel hat sämtliche Blüten abgeschlagen.
Deutscher Kunstflieger tödlich abgestürzt
_ ^““9 bei Prag. Der reichsdeutsche Flieger Graf
Tassilo Schaumburg zeigte hier flugakrobatische Vorführun- einer Figur konnte er seinen Apparat nicht mehr rechtzeitig ms Gleichgewicht bringen. Das Flugzeug stürzte und ging vollkommen in Trümmer. Der sterbende Flie- Kmrde von herbeieilenden Leuten unter den Trümmern
WW und erlag bald seinen Verk-YUßgen.
einem Motorradfahrer ausweichen wollte, auf den Gehsteig, wo sich eine größere Anzahl auf die Straßenbahn wartender Personen befand. Das Auto riß einen Laternenpfahl um und fuhr in die Menschengruppe hinein. Insgesamt wurden durch das Auto wie durch den umstürzenden Laternenpfahl elf Personen verletzt. Unter ihnen befinden sich acht bis neun Schwerverletzte.
Die Wirtschaftspolitik der Kleinen
Belgrad, 17. Dtm.
Nach der Schlußsitzung der Vertreter der Kleinen Entente wurde eine offizielle Mitteilung ausgegeben, in der hervorgehoben wird, daß die drei Minister die Notwendigkeit sehen, einer Wirtschaftspolitik ein Ende zu machen, die in Europa ein Chaos geschaffen habe.
Internationale Abkommen zum Ausgleich der wirtschaftlichen Bedürfnisse der einzelnen Staaten seien notwendig. Die Kleine Entente sei bereit, sich jeder Initiative anzuschließen und glaube, daß man mit einem
begrüßt in der Annahme, daß er mühelos ausgedehnt und zur Grundlage einer allgemeineren Verständigung gemacht werden könnte.
IMS Ministerpräsident erschossen
Bomben in Tokio
Tokio, 17. Mai.
Der japanische Ministerpräsident 3 n u f a i ist von zehn jungen Leuten in Offiziersuniform erschossen worden. Die Täler verletzten auch andere Personen im Haus des Ministerpräsidenten.
Außerdem wurden von Leuten in Offiziersuniformen Bombenanschläge gegen die Bank von Japan, das Polizeipräsidium, das Büro der oppositionellen Seiyukai-partei und das Haus einer einflußreichen politischen Persönlichkeit verübt. Nach den Taten sind Flugblätter einer „Vereinigung junger Offiziere des Heeres und der Flotte" verbreitet worden.
Mißlungener Anschlag auf Kriegsminister
Auch der Kriegsminister Araki war das Ziel eines Mordanschlages. Eine Gruppe bewaffneter Männer drang um Mitternacht in seine Wohnung ein und bedrohte seine Diener. Araki war jedoch schon weggegangen, um an der außerordentlichen Sitzung des Kabinetts teilzunehmen.
Faschistische Terrorakte-
Im Laufe des Tages haben sich 18 junge Leute als Urheber des Anschlages auf den Ministerpräsidenten freiwillig der Polizei gestellt. Es s........
Offizierschi" ;
sich um faschistischeTerrorakte handelt. Die Stellvertretung des Ministerpräsidenten hat Finanzminister Ta- kahaschi übernommen.
Es sind fünf Marineleutnants und 13
■üler. Nach Reuter hat es den Anschi .
? t e handelt. Die Stell-
ein, als ob es
Die Täter trugen teils Uniformen von Offizieren des Heeres, teils solche von Flottenoffizieren. Außer den gemeldeten vier Bombenanschlägen ist auch einer auf das Gebäude der Mitsuibishi-Bank verübt worden. Die politische Persönlichkeit, gegen deren Haus eine Bombe geworfen wurde, ist einer der Hausminister des Kaiserlichen Hauses, der Großsiegelbewahrer Graf Makino. Alle diese Anschläge verursachten jedoch nur geringen Schaden.
Zapanisches Kabinett zurückgetreten
Das Kabinett hat traditionsgemäß seinen Gesamtrück- tritt erklärt. Der Kaiser hat den Rücktritt jedoch noch nicht angenommen. Er rollt sich zunächst mit dem Geheimen
Staatsrat und den «Alten Staatsmännern" beraten. Die Wertpapier- und Produktenbörsen in Tokio, Osaka, Sobe und Nagoya sind wegen der politischen Lage einstweilen geschlossen.
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In maßgebenden japanischen Kreisen werden Attentate als spontaner Ausdruck der Unzufriedenheit einzelner junger Elemente, die der Wehrmacht angehören, bewertet. Es liegen bisher keine Anzeichen dafür vor, daß hinter den durchweg jugendlichen Tätern, die überwiegend Kadetten find, Personen von irgendwelchem Einfluß stehen. Das Straßen- bild in Tokio ist unverändert und die Lage durchaus ruhig
Reichskanzer Brüning und die Reichsregierung haben der japanischen Regierung telegraphisch ihre Anteilnahme ausgesprochen und ihrem Abscheu über den verbrecherischen Anschlag Ausdruck gegeben.
Stimson weiter optimistisch . '
Washington. Nach seiner Genfer Reise übernahni Staatssekretär Stimson wieder die Geschäfte. In einer kur- 7 „ ..... daß die Reise nach Genf für
ihn wertvoll und beruhigend gewe en fei. Sein zweiwöchiger Aufenthalt in Gens und feine eingehenden Konferenzen mit Brüning, MacDonald, Grandi und Tardieu hätten ihn zu seiner Freude davon überzeugt, daß alle von der Notwendigkeit überzeugt gewesen seien, diesmal wenigstens einen Schritt vorwärts zu kommen. Er rechne mit einer mehrmo nötigen Dauer der Abrüstungsdebatte und glaube zuversichtlich an ein positives Ergebnis. Die Frage, ob er die internationalen Kriegsschulden in Genf erörtert habe, verneinte
zen Pressekonferenz erklärte ihn wertvoll und beruhigen!
er,
er.
Geheimrat Kahl t
Berlin, 15. Mai.
Der Senior der Deutschen Volksparkei, Geheimrat Prof. Dr. Kahl, ist am Pfingstsonnabend im 83. Lebensjahr seiner schweren Erkrankung erlegen.
Kahl genoß als Jurist internationalen Ruf. Er war in Deutschland der führende Strafrechtsreformer. Als Mitglied des Reichstages und Vorsitzender des Strafrechtsausschusses hat er tatkräftig das große Reformwerk in Angriff genommene. Er hat die Vollendung feiner bedeutenden Arbeit nicht erlebt. Der Tod riß den Unentbehrlichen aus feiner rastlosen Arbeit. —