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Hersfelöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDIB.

Nr. 120

Mittwoch, den 25. Mai 1932

82. Jahrgang

Ruhiger Verlauf der ersten Preustensttzung

Deutschnationales uud Kommunistisches Mitztrauen gegen das Kabinett Braun Heute Wahl des Landtagsprasidenlen

Derneuepreiißen-LaMag

Berlin, 25. Mai

Die Premiere des neuen Preußischen Landtages stand am Dienstag durchaus im Mittelpunkt nicht nur aller Ber­liner Ereignisse, sondern darüber hinaus auch im Vorder­grund des politischen Interesses des In- und Auslandes. Bis zur letzten Stunde hatten noch Massenanfragen an das Landtagsbüro mit dem Versuch eingesetzt, Zutrittskarten zu erhalten. Ein Unternehmen, das auch für prominente In- und Ausländer vergeblich verlaufen mußte, weil seit über einer Woche trotz Einrichtung von Notplätzen auf den verschiedenen Emporen keine einzige Karte mehr zu verge­ben war. Im Landtagsgebäude selbst wurden in den Mit­tagsstunden die letzten technischen Vorbereitun­gen getroffen. Das Personal des Hauses war vor allem mit der Verteilung der ersten 50 Anträge und sonstigen Vorlagen beschäftigt, die dem Hause bereits zugegangen sind Da auch die Namensschilder an den

Plätzen der Abgeordneten

angebracht sind, weiß man, welche Mandatsträger die ersten Reihen der einzelnen Sektoren einnehmen. Es sind dies, von links nach rechts, die folgenden Abgeordnten: Von den Kommunisten Pieck und Kasper, von den Sozialdemo- Eraten Heilmann und I ü r g e n s k n, vom Zentrum Rieht- Fulda und S t e g e r, von den Deutschnationalen Dr. o Winterfeldt und von den Nationalsozialisten Weinrich - Kassel, H a a k e, Kube, H i n k l e r und L o h s e Auf der zweiten Reihe des auf der äußersten Rechten liegenden Sektors der Nationalsozialisten haben die beiden Plätze auf der Linken der Abgeordnete General L i tz m a n n, der als Abgeordneter hinter seinem Namen die Ortsbezeichnung Neuglobsow führt und sein Sohn, Abg. aiWigW^ & ^KU^L von rechts der nationalsozialistische Abgeordnete Prinz v Preußen erhalten. Auf einer Reihe mit ihm sitzen Dr. Goebbels und Dr. L o e p e l m a n n.

In den Mittagsstunden hatten die Nationalsozialisten noch eine Fraktionssitzung anberaumt, und eine Stunde vor Beginn des Plenums, also um 2 Uhr, traten die Deutschnationalen zu ihrer konstituierenden Fraktionssitzung zusammen.

Im Landtagsgebäude setzte auch schon in den Vormit­tagsstunden ein äußerst lebhafter Publikumsverkehr ein, obwohl die Publikumstribünen vorerst noch verschlossen blie­ben.

Sein uniformierter Polizeibeamter

war im Hause vorhanden und auch auf den Zugangsstraßen sah man nur vereinzelte Polizeipatrouillen. Trotzdem herrschte im ganzen Hause eine gewisse Erregung, da man bei der völlig unklaren Lage mit Ueberraschungen rechnete.

Vor dem Hauptportal des Preußischen Landtagsge- bäudes in der Prinz-Albrechtstraße hatte sich in den Mit­tagsstunden aus Anlaß der Landtagseröffnung eine größere Menschenmenge eingefunden, um die Auffahrt der Abge­ordneten zu beobachten. Nachdem in den Vormittagsstun­den nur hin und wieder kleine Polizeipatrouillen die Prinz- Albrechtstraße beobachtet hatten, rückte nach %2 Uhr ein größeres Polizeiaufgebot vor dem Landtagsgebäude an. Die wenig mehr als 200töpfige Menge, die sich inzwischen -oor dem Landtagsgebäude angesammelt hatte, wurde von der Polizei ohne Schwierigkeiten zerstreut und in die an­grenzenden Straßen abgedrängt. Hierauf wurde die Ab­sperrung der unmittelbaren Umgebung des Landtagsge­bäudes durchgeführt. Im Hofe eines an der Prinz-M- brechtstraße gelegenen Gebäudes wurde eine Abteilung be­rittener Schutzpolizei untergebracht.

Die erste Sitzung

Genau einen Monat nach der Wahl trat der neuge­wählte Landtag zu seiner mit ungewöhnlicher Spannung erwarteten Eröffnungssitzung zusammen. Schon lange vor Beginn der Sitzung waren die Tribünen überfüllt. Dicht gedrängt brachten die Pressephotographen ihre Apparate in Aufstellung. Langsam füllte sich der Saal. Beim dritten Klingelzeichen zog die 162 Mitglieder umfassende national­sozialistische Fraktion unter Führung des Fraktionsvor- sitzenden Abg. Kube geschlossen in den Saal ein. Sie wur­den von den Kommunisten mit Zurufen empfangen.

Die Regierungsbank blieb leer.

Als um 32 Uhr der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war, begab sich Alterspräsident Abg. General L i tz- mann auf den Platz des Präsidenten. Er wurde von Parteifreunden mit Heilrufen, von den Kommunisten mit Niederrufen empfangen.

Der Alterspräsident erklärt, nachdem er sich mit der Glocke gegen. immer wiederholte kommunistische Zurufe Ruhe geschaffen hatte: Ich eröffne hiermit die erste Sitzung des vierten Landtags. Ich bin am 22. Januar 1850 gebo­ren, stehe also im 83. Lebensjahre. Ich frage, ob in dieser Versammlung jemand ist, der ein noch höheres Lebensalter aufweist. (Zuruf: bei den Soz.: Unmöglich! Lachen). Das ist nicht der Fall. Also habe ich die Berbandlunaen zu lei­

ten, bis der eigentliche Präsident gewählt ist. (Erneute Zu­rufe b. d. Komm.). Alterspräsident Litzmann berief zu Bei­sitzern die Abg. H i n k l e r (Nat.-Soz.). H a a k e (Nat.-Soz). Paetzel (Soz.) und Frau Giese (Ztr.) Als der So- zialdemokrat Paetzel hierauf sich neben den nationalsozia­listischen Alterspräsidenten setzte, wurde im ganzen Hause gelacht und von den Kommunisten kommen Oho!-Rufe.

Der Alterspräsident gedachte dann, während alle Ab­geordneten und Tribünenoesucher sich von ihren Sitzen er­hoben, des schweren Grubenunglücks, das sich kürzlich bei Dorstfeld ereignet hat. Der Alterspräsident schlug sodann vor, schon am ersten Tage den Aeltestenrat einzu- 'etzen, damit er am Mittwoch vor der Plenarsitzung die Beratung über den weiteren Arbeitsplan des Landtags be­ginnen kann. (Stürmische Rufe der Komm.: Haben Sie nichts über den Poungplan und die Tributzahlungen zu sagen? Hitler hats wohl nicht erlaubt? Der Altersprä­sident bittet um Ruhe). Der Alterspräsident stellte fest, daß der Landtag, da kein Widerspruch erfolgte, den Aeltestenrat eingesetzt habe. Der Aeltestenrat besteht aus 21 Mitglie­dern, die auf die Fraktionen nach ihrer Stärke verteilt wer­den.

Kommunistisches Mißtrauen gegen Braun

Zur Geschäftsordnung erhält dann Abg. Pieck (Komm.) das Wort. Er wird von seinen Parteifreunden mit Beifallklatschen und Rot-Front-Rufen empfangen. Der Redner verliest dann einen Antrag, wonach der Landtag dem Geschäftsministerium Braun-Severina das schärfste Mißtrauen ausspricht und fordert, daß dieser Antrag so­fort vom Landtag ohne Debatte entschieden wird. Durch den formellen Rücktritt der Regierung habe sie sich von der vollen Verantwortung für die verschiedenen Maßnahmen nicht befreit, sondern gerade durch die Fortsetzung der Po-

Die sofortige Behandlung wurde unter stürmischen Aha-Rufen der Kommunisten gegen die Antragsteller ab­gelehnt. Der Alterspräsident Litzmann schlug dann vor, die nächste Sitzung am Mittwoch, 1 Uhr mit folgender Tages­ordnung abzuhalten:

Wahl des Prafibente»,

der drei Vizepräsidenten und der Beisitzer, Bestellung des Ständigen Ausschusses, Feststellung der Zahl der Mitglie- lder der übrigen Ausschüsse und Antrag der Nationalsozia- slisten auf Einstellung von Strafverfahren gegen Abgeord­nete. Es wurden ferner einige sozialpolitische Anträge der Kommunisten mit auf die Tagesordnung der Mittwoch­sitzung gestellt.

Auch ein deutschnationaler Mißtrauensantrag

Die Forderung des Abg. v. Winterfeldt (Dnat.), auch einen deutschnationalen Antrag mit zu verhandeln, wonach jede Amtsführung durch das Kabinett Braun grundsätzlich des Vertrauens des Landtags entbehre, wurde abgelehnt. Bereits nach einer halben Stunde konnte die konstituierende Sitzung geschlossen werden. Es ergab sich dann noch ein kurzes Nachspiel: Die Kommunisten brachten nochmals Niederrufe auf den Faschismus aus und sangen mehrere Strophen der Internationale. Die Natio­nalsozialisten waren zwar im Saal, reagierten aber nur sehr schwach, so daß es zu keinerlei Zwischenfällen kam. Gegen 4 Uhr hatte auch das Nachspiel sein Ende gefunden.

Absperrungen vor dem Landtag.

Vor Eröffnung des Preußischen Landtags nahm die Polizei in der Prinz-Albrecht-Straße umfangreiche Absperrungen vor.

Noch ei« Kreuger-Direktor verhaftet

Stockholm. Der Chef der Kriminalpolizot teilte mit, saß er den Direktor S. E. Sjöström in der Kreuzer & ToL L. B. wegen Konkurspergehens habe WchMM MHü-

Der nationalsozialistische Abgeordnete Kerrl, der von seiner Partei zum Präsidenten des Preußischen Landtags vorgeschlagen wurde.

Meibuer berichtet Sindenburg

Berlin, 25. Mai.

Aiaait>teueiat Meißner, der Leiter des Büros des Reichspräsidenten, hat sich abends zum Borkrag über die Ar­beiten des Rcichskabinelks nach Beudeck begeben. Der Reichskanzler wird Hindenburg erst am Sonntag nach dessen Rückkehr nach Berlin sprechen.

Brining spricht im A. A.

Berlin, 25. Mai.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat am Dienstagvormittag unter dem Vorsitz des Abg. Dr. F r i ck (Nat.-Soz.) zusammen. Außer dem Reichskanzler nahmen auch Reichsverkehrsminister Treoiranus und der Staatsse­kretär des Auswärtigen Amtes von Bülow sowie zahlreiche Reichsratsmitglieder an der Sitzung teil.

Reichskanzler Dr. Bnüning ergriff sofort das Wort, um eine ausführliche Darstellung der hauptsächlichsten außen­politischen Probleme zu geben: Genfer Verhandlungen, Tri-. bute, Auslandsschulden, Abrüstung, Donauproblem, Memel- land und Danzig.

Nach Beendigung der einftüningen Ausführungen des Reichskanzlers erhielt als erster Parteiredner der Abg. R o- s e n b e r g (Nat.-Soz.) das Wort.

Ferner kamen zu Wort die Abgeordneten Freytaah- Loringhoven (Dnat.), Graf Westarp (Konservativ), Dr. Wirth (Ztr.), Stampfer (SPD.) und Dr. Kaas (Ztr.).

Der neue Kurs m Anhalt

Das anhaltische Staatsminffterium hat beschlossen, den Regierungspräsidenten Paulick und die Kreisdirektoren Günther-Bernburg und Heinze-Dessau bis auf weiteres zu beurlauben. Paulick und Günther sind Sozialdemokraten. Dr. Heinze Staatsparteiler, sie sind noch in den letzten Ta­gen der Amtstätigkeit des alten Ministeriums zu Kreisdi­rektoren befördert worden. Ferner hat das Staatsministe­rium demAnhalter Anzeiger" in Dessau die Amtsblatt­eigenschaft wiedergegeben, die chm vom alten Ministerium genommen worden war,

Sieben WahloorschlSge in Mettienburg

Schwerin, 25. Mai. In Anwesenheit des Ministerial- rats Jeß vom mecklenburgisch-schwerinschen Innenministe­rium und unter Vorsitz des Landgerichtsrats Schmidt-Schwe­rin trat der Landeswahlausschuß zusammen, um endgültig über die Zulassung der eingereichten Wahlvorschläge und über die Reihenfolge der amtlichen Landeswahlliste die Ent­scheidung zu fällen. Nach längerer Aussprache wurden sämtliche eingereichten sieben Listen zugelassen, und zwar wird die amtliche Reihenfolge nach dem Beschluß des Lan­deswahlausschusses bei der Landtagswahl folgendermaßen sein: 1. Sozialdemokratische Partei, 2. Kommunisttick« Par­tei, 3. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 4. Ar­beitsgemeinschaft der bürgerlichen Mitte, 5. Deutschnationale Volkspartei, 6. Arbeitsgemeinschaft nationaler Mecklenbur­ger, 7. Sozialistische Arbeiterpartei.

Eine japanische Division hat Hulan, 25 Meilen nördlich von Charbin, besetzt. 500 chinesische Soldaten murlxn ge* fangengenommen. Die Chinesen sind in nordwestlicher Rich­tung geflohen.