Hersfelöer Tageblatt
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s-** 608 Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfelö
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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in tzersfeld, Mitglied des BDJV.
Nr. 137
Dienstag, den 14. Juni 1S32
82. Jahrgang
Sparmaßnahmen und neue Steuern
Der Inhalt der neuen Notverordnung — Reichsetat balanciert mit 8,2 Milliarden
Seine WMWdW?
Ein volles Jahr haben die Staatsmänner gebraucht, um dringenden Empfehlung der Baseler Sachverständigen zu entsprechen, umgehend sich über die Beseitigung der politischen Schulden zur Behebung der weltwirtst Schwierigkeiten klarzuwerden. Es handelt sich Finanz- und Wirtschaftssachverständigen, die sieg Wendung und Durchführbarkeit des Schulden eie , amerikanischen Präsidenten Hoover äußern ollten. Ihre Auffassung ging übereinstimmend dahin, daß dieses Hoover- Feierjahr zwar vorübergehend eine Erleichterung für die mit Tributen belasteten Staaten bringen, die weltwirtschaftliche Beunruhigung aber nicht beseitigen werde. Dazu eben sei notwendig, daß man endlich einmal mit jenen Zahlungen aufhöre, die ohne jegliche Gegenleistung von einzelnen Staaten erfolgen müßten, so daß sich die Verteilung der Goldvorräte der Welt in steigendem Maße zum Schaden der Weltwirtschaft einseitig verlagert.
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Trotz der Dringlichkeit des Problems haben die verantwortlichen Staatsmänner ein volles Jahr gebraucht, um endlich zu der Konferenz zufammenzutreten, die eine den Sach- verftändigen-Vorfchlägen entsprechende Lösung bringen soll Inzwischen haben sich die Verhältnisse in der Welt weiter verschlechtert, und die wirtschaftliche Krise hat^ sich erweitert Die Erkenntnis von der Schädlichkeit der Tribute ist gewachsen. Nur in einem Punkt hat sich nichts geändert, nämlich in der Weigerung Frankreichs, in eine Tributstreichung einzuwilligen. Es wäre zwecklos, dem französischen Volk auseinandersetzen zu wollen, was die Tribute für die deutsche Wirtschaft, für die deutschen Finanzen für jeden einzelnen bedeuten. Die Forderung MacDonalds, daß Frankreich überhaupt auf die Tri- b u Le
nicht erhoben, oder von Herriot von Anbeginn abgelehnt worden. Man ist sich offenbar aber darin einig geworden, die Tributlösung nicht im Zuge der jetzt beginnenden Konferenz zu erstreben. Man will nichts „überstürzen" und tritt deshalb für eine Verlängerung des Hoover- Moratoriums bis zum Ausgang dieses Jahres „ohne neue deutsche Verpflichtungen" (?) ein. In der Zwischenzeit soll versucht werden, die Schuldenfrage mit Amerika zu klären, um dann in einem halben Jahre erneut darüber zu verhandeln, ob und in welchem Umfange eine allgemeine Schuldenstreichung sich durchführen läßt.
Moratorium und Studienausschuh
das Ergebnis der Pariser Vorbesprechungen?
Paris, 14. Juni.
In der Erklärung, die MacDonald am Sonntag ab- gab, betonte er, daß weder ein Kompromiß zustande gekommen sei, noch irgend ein Kuhhandel stattgefunden habe, sondern daß die Minister Frankreichs und Groß-Bri- tanniens lediglich in persönlichen, nicht offiziellen Besprechungen ihre Ansicht
Die Bedeutung der chung, " ~
Selbst, wenn es bereits möglich gewesen wäre, die" starke Annäherung der Gesichtspunkte auf eine Formel zu bringen, so hätten die beiden Regierungen dieses Ergebnis mit Rücksicht auf die übrigen Teilnehmer der Konferenz unmöglich vor dem Beginn der Konferenz bekanntgeben können. Die Tragweite der französisch-englischen Vorbesprechungen ist vielmehr in dem Umstände zu sehen, daß die beiden Mächte nach längerer Unterbrechung zum ersten Male wieder in unmittelbare Beziehungen traten, um vor inn der Konferenzeu ihre Ansichten möglichst in Ueberein immuug zu bringen. Es ist die „Parallelität"
Was die Notverordnung dringt
Reue Steuern und Einsparungen.
Berlin, 14. Juni.
Der finanzielle Teil der neuen Notverordnungen wird
voraussichtlich am heutigen Dienstagabend der Oe ichkeit übergeben. Ob auch die innenpolitischen Mahna
fent- imen >ahr-
üen ausgetauscht hätten.
französisch-englischen Vorbespre- ;en liegt jedoch nicht in ihrem unmittelbaren Ergebnis.
der franzö Wort Herg
ire Beziehungen traten, ihre Ansichten möglichst Es ist die „Parallelität"
Ueber ble Richtung der angelegten Methoden verlautet aus ministeriellen Kreisen, daß sie sich in der Hauptsache auf eine Verlängerung de s Moratoriums erstrecken, das bis zum Herbst oder bis zum nach- , sten Frühjahr ausgedehnt werden soll. Gleichzeitig will s man einen Studienausschuß bilden, der bis zu diesem Zeitpunkt die Grundlage für eine endgültige Lösung ausfindig machen soll.
chon morgen verkündet werden, ist noch fraglich.
cheinlich ist, daß das erst am Mittwoch geschieht. Es handelt
ich zum größten Teil um die auch von dem Kabinett Brüning geplanten Finanzverordnungen, die nicht sehr wesentliche Aenderungen erfahren dürften.
Die Beschäftigtensteuer, der Grundstock der neuen Einnahmen wird in eine „Abgabe zur Arbeitslosenhilfe" verwandelt.
Außer dem Namen liegt die Aenderung darin, daß für die Beamten eine Sonderregelung getroffen wird. Diejenigen, die bisher keine Krisensteuer zahlten, sollten künftig mit 1% Prozent Beschäftigtensteuer belastet werden.
Die allgemeine Abgabe zur Arbeitslosenhilfe soll vom
1. Juli ab erhoben und bis zum 31. März 1933 befristet werden. Sie soll 400 Millionen Mark bringen.
(Das Kabinett Brüning rechnete mit 325 Millionen Mark). Die neue Abgabe staffelt sich von 1% Prozent bei einem Jahreseinkommen bis zu 1500 Mark, zu 2J4% von 150C bis 3600 Mark. Ueber 3600 Mark Jahreseinkommen wer-
Fortfall der Krisensteuer, mit 5% Prozent be- üe Abgabe derjenigen, die bisher 5 Prozent Krisensteuer bezahlten, soll auf 6% Prozent steigen. Der Abbau der Sozialleistungen steht noch nicht endgültig fest,
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lastet, und die
vermutlich wird es bei der Kürzung der Leistungsdauer von 20 auf 13 Wochen bleiben und eine Herabsetzung der Unterstützungen etwa auf die Höhe der Wohlfahrlssätze
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Deutschland werde bis dahin von allen Zahlungs der en entb
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ozialversicherung, d. h. die ange-
Für Deutschland könnte es, rein praktisch gesehen, gleich- S sein, wie die Lösung aussieht, wenn sie nur die Tri- )lungen an sich beseitigt. Vom volitischen und recht- lichen Standpunkt aus aber muß gest ' 1
eine Klärung der Tributverträge erfolgt, in ' ' die Tributbestimmungen des Versailler “ * “ Plan beseitigt
sie nur die Tri- schen und recht
ordert werden, daß
Sinne, daß die Tributbestimmungen d ts und der sich darauf aufbauende Douna-' werden. Es verlautet, daß Herriot in seinen V mit MacDonald darauf bestanden hat, daß d e r Plan als solcher bestehenbleibt, daß aber festgesetzte Zahlungsmodus außer Kraft gesetzt wird. Frankreich will sich also unter allen Umständen einen Rechtstitel auf Tribute gegenüber Deutschland sichern, wenn man auch heute angesichts der Unmöglichkeit Deutschlands, zu zahlen die Undurchführbarkeit des Doung-Planes anerkennen muß.
dem
Diktats
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Diese in Paris zutage tretende Auffassung findet in Berliner zuständigen Kreisen eine ziemlich kühle, ja kritische Beurteilung. Zunächst ist man geneigt, die Nachricht von der völligen Einigung zwischen England und Frankreich weckmeldungen aufzufassen, die bäre schaffen und den Versuch einer s ch l a n d s vorbereiten sollen. Das
als eine der
eine bestimmte Atmosp Jsolierung Deut, Reichskabinett hat sich am Montag mit der Frage der deutschen Stellung in Lausanne beschäftigt. In einer amtlich ausgegebenen Mitteilung wird ausdrücklich erklärt, daß völlige Einmütigkeit erzielt wurde. Die Einstellung der Reichsregierung zu den in Lausanne zu behandelnden Problemen ist in der Regierungserklärung des neuen Kabinetts in dem Sinne zusammengefaßt worden, daß im frie d- lichen Zusammenwirken mit den anderen Nationen endlich die volle Gleichberechtigung Freiheit und wirtschaftliche Gesundung herbeigeführt wird. Es wurde aber ferner betont, daß alle
Bemühungen nur dann den könnten, wenn die ietzl Weltwirtschaft bei elf
Üont, daß alle
gewünschten Erfolg haben ;an Störungen der
. gt werden. Diese Störungen ergeben s^ch, wie der eingangs erwähnte Sachverständigenbericht schon besagte, aus den einseitigen Tributzahlungen. Wenn jetzt in Paris festgelegt woroen sein soll, daß die Endlösung der Reparationssrage um ein halbes Jahr hinausgeschoben, die Tribute vorerst nicht mehr eingezogen, der Poung-Plan aber als solcher bestehenbleiben soll, bann dürfte es keine deutsche Regierung geben, die hierzu ihre Zustimmung gibt. Das sollte man sich in Lausanne woh! überlegen. Die deutsche Delegation wird nur dann die Zustimmung des deutschen Volkes finden, wenn sie in Lausanne auf eine Endlösung dringt und keine Regelung anerkennt, die nicht dem Grundsatz der deutschen Regierungserklärung nach voller Gleichberechtigung, Freiheit und wirt- schaftljchsr ©»lunbuna aereckt wird. - - -
gen. Wer die Endlö
erklärung nach voller Glei, schaftstcher G-sunduna a«r«^
In bet Abrüstungsfrage wolle sich Frankreich zu einer Einschränkung seines Heeresbudgets um etwa fünf bis zehn Prozent verstehen, jedoch nicht zu einer Herabsetzung der Heeres-Effektivstärke, gegen die es sich unter anderm auf die Wiedereinführung der SA.-Abteilungen in Deutschland beruft.
Am meisten entfernt voneinander sei man noch in der Frage der österreichischen Hilfsaktion, für die Herriot zunächst eine ziemlich restlose Verwirklichung des Tardieu- schen Donauprojekts verlangt haben soll. Es scheint, daß die französische Regierung noch immer versucht, als Gegenleistung für diese finanzielle Hilfe politische Garantien gegen eine Verwirklichung des Anschlusses zu
einer Einschränkung bis zehn Prozent b<
verlangen.
MacDonald und Herriot in Genf
Genf. Der englische Premierminister MacDonald, be; britische Außenminister Sir John Simon, der französische Ministerpräsident Herriot, der französische Kriegsminister Paul-Boncour und der Direktor der Bölkerbundsabteilung am Quai d'Orsay, Massigli, sind in Genf ei-igetrofsen.
Grandi hatte eine Unterredung mit dem Vorsitzenden des Völkerbundsausschusses, Bundesrat Musy, über die finanzielle Hilfeleistung für Oesterreich.
Grandi hat dabei erneut erklärt, daß Italien bereit sei, sich an der vorgesehenen Al on zugunsten Oesterreichs zu beteiligen, AIs italienische Beteiligung wird ein Betrag von 30 Millionen Schilling gc rannt.
Weiter hatte Grandi eine Besprechung mit Henderson über den Stand der A "üstungsarbeiten. Er teilte die Auffassung des Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, daß nunmehr der Augenblick gekommen sei, wo die Staatsmänner einen entscheidenden Schritt tun müßten, um Konferenz vorwärts zu bringen.
die
Ginmiitigfeit über Lausanne
Abschluß der Vorbereitungen des Reichskabinekks.
Berlin, 14. Juni.
Amtlich wird mitgeteilt: „Das Reichskabinett beschaf tigte sich mit der Vorbereitung der Lausanner Konferenz Nach eingehenden Darlegungen der beteiligten Reichsmini ster wurde eine völlige Einmütigkeit des Reichskabinett, über die von der deutschen Delegation einzunehmende Hal tung festgestellt.
Die Stellvertretung des Reichskanzlers während feiner Abwesenheit in Lausanne übernimmt der Reichsinnem minister Freiherr von Gayl."
Das Reichskabinett hat weiter die N o t v e r o r d n u n^ gen beraten, und zwar handelt es sich dabei namentlid darum, über bestimmte Einzelfragen Klarheit zu schaffen in denen das Kabinett sich die letzte Entscheidung noch Vorbehalten hatte. Das gilt natürlich vor allem für die finan- ziellen Fragen. So war unter anderem bisher noch seines' wegs klar, ob die Bürgersteuer verlängert werden solle odei nicht. Außerdem sind die Notverordnungen im ganzer noch einmal redaktionell zu überprüfen, bevor der Reichs^ kanzler sie dem Reichspräsidenten zur Unterschrift vorlegt
kündigte Verbilligung des Verwaltungsrates und die Zusammenlegung der verschiedenen Unterstützungsklassen wird durch die Notverordnung noch nicht erfolgen.
Die Gemeinden sollen die auch vom Kabinett Brüning
geplante finanzielle Mehrleistung von insgesamt 680 Millionen Mark erhalten.
fsung aller Umsätze durch die Unv die Aufhebung der unteren Freigrenze von 5000 Mark, wird vermutlich von der Regierung Papen übernommen. Auch die Salz st euer wird wiedereingeführt. Sie beträgt 6 Pfg. pro Pfund. Daß die Finanzmaßnahmen der neuen Regierung sich zum großen Teil mit denen bet Regierung Brüning decken, liegt daran, daß es sich um eine Verordnung zur Sicherung des Etats handelt und daß der bisherige Etatreferent im Kabinett Brünina jetzt der Reichs- finanzminister des Kabinetts von Papen ist.
Auch die Er satzsteuer, d.
Reichretat 8,2 Milliarde«
Wie nunmehr feststebt. wtrd der Reichsetat für 1932 zunächst dem Reichsrat zur Vorberatung zugeleitet werden. Die Vertreter der Landesregieruna« haben bei der Konferenz mit der Reichsregierung Wert darauf geletzt, daß wenigstens insoweit der ordnungsmäßig« Weg für die Verabschiedung des Reichsetats eingehalten wird, zumal ein Zwang, den Reichsrat auszuschalten, nickt besteht. Die Notregelung, die für die ersten Drei Monate das Rechungsjahres getroffen war, läuft erst am 30. Juni ab, so daß noch ein Zeitraum von mehr als zwei Wochen für eine Beratung des Etats im Reichsrat zur Verfügung sieht. Der größte Teil der Einzeletats ist dem Reichsrat toast vor Wochen zugegangen. Es fehlen nur noch der Etat Des R»ichs«rnährungsministeriums, der Etat der Schuldenverwaltung, der Kriegslastenetat, der u. a. die Mittel für die Osthilf« enthält, und der Etat der allgemeinen Finanzverwaltuna, der die Einnahmen und Ausgaben des Gesamtetats zufammenfaht und die Ansätze für die Steuereinnahme« enthält. Nachdem das Kabinett jetzt den Schlußpunkt unter den Etat gefetzt hat, werden die noch fehlenden Einzeletats in den allernächsten Tagen gleichfalls dem Reichsrat zugehen. Die Reichsrats-Ausfchüffe wollen am fommenben Montag ihre Beratungen beginnen. Die Verhandlungen sollen so beschleunigt werden, daß die Ausschüsse die Etatberatung noch in der gleichen Woche zu Ende führen können. Am Sonnabend, den 25. Juni, oder spätestens Montag, den 27. Juni, soll dann der Gesamtetat in einer öffentlichen Vollsitzung Des Reichsrats verabschiedet werden. Erst dann wird der Etat, und zwar auf Grund der Beschlüsse des Reichsrats, von der Relchsregierung durch Notverordnung in Kraft gesetzt, so daß er rechtzeitig am 1. Juli in Kraft treten kann. Da nur die Gegenzeichnung eines Ministers notwendig ist, kann die Etat-Notverordnung Ende Juni auch erlassen werden, obwohl möglicherweise mehrere Kabinettsmitglieder wegen der Teilnahme an den internationalen Konferenzen zu dieser Zeit noch außerhalb Ber-
mit der Reichsregierung Wert insoweit der ordnungsmäßig«
lins sein werden.
Wie verlautet, wird der Reichsetat ausgeglichen fein und in Einnahme und Ausgabe mit etwa 8,2 Milliarden ab- schließen. Er wird damit rund 1,2 Milliarden niedriger liegen, als der Etat des Jahres 1931. Der Etat gilt rückwirkend ' 1. April, umfaßt also formell das ganze Etatsjahr, das
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