HersfelöerTageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
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Nr. 142
Montag, den 20. Juni 1032
82. Jahrgang
Die Wahlen in Hessen
Wieder keine Mehrheit!
Nur Rechtsregierung mit Zentrum möglich.
(Die in Klammern angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Landtagswahl vom 13. 11,1931.)
Das vorläufige amtliche Wahlergebnis in Hessen.
Frankfurt: Soz. 172 345, Itr. 108 603, SAP. 11697, Komm. 82111, Dr. Leuchtgens 2079, Dntl. 11267, Natls. 328 313, Demokraten 4925, Nat. Einhtsl. 25175.
Bei der letzten Landtagswahl erhielten Soz. 16810L Ztr. 112 444), SAP.-KPO. 23 108, Komm. 106 790', Dr. Leuchtgens 0, Dntl. 10 857, Natls. 291183, Hess. DrM- 4613, Nat. Einhtsl. 68 208.
Danach ergibt sich folgende Mandatsberteilung r Soz. 17 (15), Ztr. 10 (10), SAP. 1 (1). Komm. 7 (10), Dt. Leuchtgens 0, Dntl. 1 (1), Natls. 82 (27), Demokratetz 0 (0), Nat. Einhtsl. 2 (5).
Anmerkung der Redaktion:
Wenn man die Mandatsziffern der Natls., der Dntl. und der Nat. Einhtsl. zusammenzählt, ergibt sich eine Mandatsziffer von 35 gegen 70 insgesamt.
Die hessischen LandtaWwahlen lassen ein weiteres Anwachsen der Nationalsozialisten, besonders in der Provinz Oberhessen, erkennen. Auch die Sozialdemokraten haben einige tausend Stimmen gewonnen. Die in der nationalen Einheitsliste zusammengeschlossenen sechs bürgerlichen Parteien (Deutsche Staatspartei, Deutsche Volkspartei, Hessisches Landvolk, Ehr.-Soz. Volksdienst, Volksrechtpartei) haben dagegen fast zwei Drittel ihrer Wähler verloren. Es hat sich demnach erwiesen, daß auch der Zusammenschluß der bürgerlichen Mitte bei den jetzigen Wahlen erfolglos war. Außerordentlich stark ist auch der Rückgang der kommunistischen Stimmen.
Der Ausgang der Wahl zeigt die gleiche Tendenz, die sich schon bei allen Wahlen nach dem 14. September 1930 zeigte: Zerschlagung der Mitte, ohne aber auf einer^Seite, eine sichere Mehrheu zu schaffen. Äcachoem die Verhandlungen zwischen NSDAP. und Zentrum zur Regierungsbildung nach den erst'vor kurzer Zeit stattgefundenen Landtagswahlen sich zerschlugen, wird man sich jetzt wohl zusammenfinden müssen. Da der Rechten ein Mandat an der Mehrheit fehlt, gibt es nur die Möglichkeit einer Rechtsregierung mit Einschluß des Zentrums!
Provinz Oberhessen: Soz. 41951 (44 003), Ztr. 8965 (8537), SAP.-KPO. 1732 (2864), Komm. 10 602 (14 716), Dr. Leuchtgens 1319, Dntl. 5070 (3115), Natls. 102 305 (87 311), Hess. Dem.. 1132 (1007), Nat. Einhtsl. 5623 (22 055).
Provinz Rheinhessen: Soz. 43 615 (41 264), Ztr. 52 638 (53 260), SAP.-KPO. 2252 (4040), Komm. 22 243 (30 145), Dr. Leuchtgens 213, Dntl. 2857 (3585), Natls. 90 870 (83 215), Hess. Dem. 1781 (1340), Nat. Einhtsl. 7219 (18 861).
Provinz Starkenburg: Soz. 87185 (82 834), Ztr. 47 000 (50 647), SAP. 7713 (16 384), Komm. 49 266 (61929), Dntl. 4331 (4155), Natls. 135 133 (120 657), Dem. 2011 (2266), Nat. Einhtsl. 12 333 (27 382).
3m allgemeinen ruhiger Wahlverlauf. Nachtkrawalle in Mainz. '
Darmstadt, 20. Juni.
2n Darmstadt ist der Wahltag bis in die frühen Nachmittagsstunden vollständig ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung war sehr stark und wird mindestens wieder 80 Prozent betragen.
Im Odenwald hatten in einzelnen Dörfern schon bis zum Mittag fast alle Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht.
Auch in Mainz ist der Wahltag bisher ruhig verlaufen, die Straßen zeigen das übliche Feiertagsbud, und nur die wenigen Plakate an den Wahllokalen erinnern an die Bedeutung des Tages. Die Wahlbeteiligung ist auch dort ziemlich lebhaft.
In der vergangenen Nacht kam es in einigen Straßen der Altstadt zu s ch w e r e n Z u s a m m e n st ö ß e n, /' Nationalsozialisten und Mommunisten, bei denen auch Schüsse gewechselt wurden. Es gab auf beiden Seiten
ien
Verwundete.
Sieben Personen wurden mit ernste Verletzungen ins Krankenhaus eingel esert. Die Polizei, die mehrere Verhaftungen vornahm, säuberte schließlich die Straßen und verhinderte weitere Zusammenstöße.
Noch erhebliche Schwierigkeiten
Pessimistische Stimmung in Lausanne.
Lausanne, 19. Juni.
Am sitzungsfreien Sonnabend fanden in Lausanne zahl- reiche private Fühlungnahmen zwischen den Abordnungen statt. Außenminister Grandi stattete dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister einen Besuch ab. Die Unterredung dauerte eine Stunde. Auf italienischer Seite hält man an sung "fest, daß die Lausanner Konferenz nur mit einer völligen Streichung der Tribute enden kann, wenn tatsächlich der von allen Regierungen geforderte Schritt zur Wiederherstellung des Vertrauens und zur Wiederherstellung der Krise erfolgen soll.
Zwischen der deutschen und der italienischen Auffassung besteht weitgehende Uebereinstimmung dahin, daß aussichtsreiche Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung über die endgültige Regelung der gesamten interalliierten Schuldenfrage nur dann möglich sein werden, wenn die euro- päischen Mächte unverzüglich alle politischen Schulden völlig streichen, da ohne diese Voraussetzung Amerika zweifellos Dom seinen europäischen Schuldnern entsprechend der Zahlungsfähigkeit der einzelnen Länder eine Weiterzahlung der politischen Kriegsschuldenzahlungen fordern wird.
Die Aussichten der von der englischen Regierung gewünschten Londoner Weltwirtschaftskonferenz werden hier
gegenwärtig w e n i
i
U. B.
Mainz (Stadt): Soz. 19176 (17 940), Ztr. 18 419 (18 516), SAP.-KPO. 1056 (2434), Komm. 10 826 (14 311), Dr. Leuchtgens 57, Dntl. 880 (1565), Natls. 24 393 (24 000), Hess. Dem. 396 (271), Nat. Einhtsl. 2876 (6447). Wahlbeteiligung 80 Prozent.
Mainz (Land): Stimmb.: 22 262, abg. St.: 17 918, Wahlbeteilig.: 80,5 Proz. Soz. 2999 (3107), Ztr. 6310 (6366) SAP.-KPO. 111 (199V Komm. 1911 (2511), Dr. Leuchtgens 23, Dntl. 156 (228), Natls. 6077 (5393), Hess. Dem. 35 (31), Nat. Einhtsl. 270 (489).
Worms (Stadt): Soz. 5440 (4895), Ztr. 3119 (3219), KPO. 223 (411), Komm. 4795 (6312), Liste Dr. Leuchtgens 27, Dtn. 469 (552), Natls. 11 808 (10 580), Hess. Dem. 219 (201), Nat. Einhtsl. 1242 (3741).
Gießen (Stadi): Soz. 3879 (4240), Ztr. 1138 (988), SAP.-KPO. 165 (221), Komm. 1324 (1879), Dr. Leuchtgens 19, Dntl. 645 (924), Natls. 9496 (9012) Hess. Dem. 159 (81), Nat. Einhtsl. 1277 (2232).
Gießen (Kreis): Stimmb.: 71004, ab Wahlbetlg.: 75 Prozent. Soz. 15 239 (16 (1151), SAP.-KPO. 476 (758), Komm
g ü n st i g beurteilt, da man bestrebt ist, möglichst noch auf der Lausanner Konferenz die gesamten Wirtschafts- und handelspolitischen Fragen in Angriff zu nehmen. Nach Auffassung der deutschen Regierung muß das Ziel dieser Verhandlungen sein:
1. Internationale Maßnahmen, um die Währungen der einzelnen Länder wieder in ein stabiles Verhältnis zum Golde zu bringen;
2. Anpassung der Verzinsung und Abtragung der privaten Schulden im Auslande an den veränderten Goldwert und
Warenpreis;
3. Aufhebung der
4. Beseitigung der Jedoch stehen
Beschränkungen im Devisenverkehr;
Hemmnisse für den Güteraustausch.
diese Fragen vorläufig noch stark im Hintergründe, da in den Hauptfragen der Konferenz, der Tribut- und Abrüstungsfrage, bisher noch kein ernster Versuch
" 53 173,
Ztr. 1346 3 (4183),
für eine Endlösung gemacht worden ist.
Die Aussichten der Lausanner Konferenz werden viel- fach recht pessimistisch beurteilt, da die französische Regierung einer Streichung der Tribute ohne neue deutsche Gegenleistungen in Form von Abschlußzahlungen und neuen Sicher- Heitsgarantien nicht zustimmen will. Man rechnet daher mit einer längeren Dauer der Konferenzarbeiten über den 1. Juli hinaus.
Dr. Leuchtgens 185, Dntl. 2250 (1324), Natls., 28129 (25 410), Hess. Dem. 284 (204), Nat. Einhtsl. 2111(7181).
Offenbach (Stadt): Soz. 13 493 (10168), Ztr. 5448 (5643) SAP -KPO. 4270 (9951), Komm. 6064 (7058), Dr. Leuchtgens 37, Dntl. 603 (1083), Natls. 13 422 (11 997), Hess. Dem. 275 (176), Nat. Einhtsl. 1863 (4001).
Bingen (Kreis): Soz. 2863 (2866), Ztr. 8629 (9044), SAP.-KPO. 270 (450), Komm. 1027 (1497), Dr. Leucht- aens 47, Dtn. 278 (362), Natls. 7962 (6917), Hess. Dem. §78 (141), Nat. Einhtsl. 649 (2341).
Bensheim (Kreis): Siimmb.: .50184, abg. St.: 36 569, Wahlbetlg.r 70 Prozent. Soz. 5595 (6044), Ztr. 8038 (8988), SAP. und KPO. 324 (553), Komm. 5170 (6740), Dr. Leuchtgens 49, Dntl. 363 (453), Natls. 15 414 (12 941), «ess, Dem. 149 (170), Nat. Einhtsl. 1088 (3595), ungültig 389/
Büdingen (Kreis): Stimmb.: 28 968, abg. St.: 22 665. AMhlbetlg.r 75 Prozent. Soz. 4869 (5038), Ztr. 321, GAP.-KPO. 264, Komm. 1576, Dr. Leuchtgens 168, Dntl »06, Natls.. 14 328, Hess. Dem. 112, Nat. Einhtsl. 489, gültig 182 Stimmen.
Papen spricht aus Lausanne
„Die Heimat muß uns helfen!"
Lausanne, 20. Juni.
In einer auf alle deutschen Sender übertragenen Rundfunkrede, die Reichskanzler von Papen am Sonnabendabend in Lausanne hielt, ging der Kanzler davon aus, daß er im jetzigen ersten Stadium der Verhandlungen nicht besondere Einzelheiten mitteilen möchte. Gemäß seiner Programmerklärung wolle das neue Reichskabinett die aufbauwilligen Kräfte unseres Volkes sam-
mein. Der Kanzler erklärte:
„Wir haben es daheim und in Lausanne deutlich gesagt, daß die deutsche Not zwar nur ein Teilproblem, Zentralproblem der Weltkrise ist, ß die Welt um so eher bereit sein Not zu verstehen, als sie erkennt,
aber doch auch das
und wir wissen, das, ,
wird, Deutschlands Not zu verstehen, als sie erkennt,
Wie sehr die deutsche Not
die brennendste Wunde des gesamten Weltkörpers ist. Die Auslandsführer müssen aber verstehen, daß
Lausanner Konferenz.
z. Reichskanzler von Papen und Ministerpräsident
Herriot nach der Eröffnung der Lausanner Konferenz im Garten des Hotels Beau Rivage.
Deutschland nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine seelische Krise durchwacht. Soll die notwendige Einsicht in die»Lage unseres Volkes sich durchsetzen, so muß der Vertreter Deutschlands in Lausanne den ge- schlossenen Willender Hei ' ......
114.111110 Meynen, «g mit Fug
und Recht die Vertretung dieses geschlossenen deutschen Willens für sich in Ausprnch nimmt.
Die Heimat aber muß zu der Reichsregierung das feste Vertrauen haben, daß sie nicht nur nichts Preisgeben wird was den nationalen Notwendigkeiten entspricht, sondern daß sie darüber hinaus für eine
positive Lösung des europäischen Problems alle Kräfte einsetzen wird. Der innerpolitische Meinnngs- kampf ist berechtigt, besonders wenn Neuwahlen vor der Tür stehen, aber er darf nicht prlitische Blindheit werden."
Der Kanzler schloß: „Die Heimat muß den Lausanner Delegierten helfen. Die von mir geleitete Reichsregierung wird immer nur das deutsche Volk, nicht aber Parteien oder Klassen kennen, weiß sie doch, daß es hier um eine Entscheidung yeht, die nichts Geringeres bedeutet .als die Zukunft unserer Kultur, Rasse und Nation, als die Zukunft der abendländischen Welt."
Was Frankreich sagt
Nur Kompromißlösung!
Paris, 20. Juni.
Ueber die bisherige Konserenzphast schreibt der Son- dLtoerich^rstatter der tzavas-Agentur in Lausanne in riner Art ilanz: Eine völlige Streichung der Reparationen werde sicher von Frankreich und Belgien abgelehnt werden. Da aber auch wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage Deutschlands die These von der restlosen Beibehaltung der ungeschützte« Poungtranche nicht zugelassen werden dürfte,
könne es nur zu einem Kompromiß kommen. Deutschland müsse von seinen Verpflichtungen während der Krise entlastet werden, könne aber nicht von allen Lasten befreit werden für den Tag, an dem sein Wiederaufstieg beginne.
Der Wiederaufbau Europas könne nach Frank« reichs Ansicht nicht durch isolierte Maßnahmen, von England befürwortete Oesterreich-Hilfe, erfolgen, son« dern nur durch Aufstellung eines internationalen Gesamt« planes.
., wie di«
Das Kabinett ist zufrieden
Paris, 20. Juni.
Die Minister und Anterstaatssekretäre haben Sonnabend nachmittag einen Kabinettsrat abgehalten, in dem Ministerpräsident Aerriot sein vor dem Ministerrat erstattetes Expose über die auswärtige Lage, namentlich di< Lausanner und Genfer Verhandlungen, vertiefte. Der Kabinettsrat sprach seine einmütige Billigung aus.
Die Memelfrage im Haag
§aag, 20. Juni.
Die öffentlichen Verhandlungen des Ständigen Internationalen Gerichtshofes über das Memelstatut kamen Sonnabend in später Nachmittagsstunde zum vorläufigen Abschluß. Der Vorsitzende Vizepräsident teilte mit, daß der Gerichtshof seine Stellungnahme zu der von Litauen erhobenen Unzuständigkeitseinrede Mitte der folgenden Woche bekanntgeben werde.