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HersfelörrTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in tzersfeld, Mitglied des BDZV.

Nr. 144 Mittwoch, den 22. Juni 1932 82. Jahrgang

Amerika im Angriff

Die Bereinigten Staaten machen Schuldenregelung von der Abrüstung abhängig

Krise in Lausanne

Nach der am vergangenen Freitag in Lausanne abge. gebenen Erklärung MacDonalds über die Aussetzung alle: Reparations- und Schuldenzahlungen während der Dauei der Konferenz überschrieben einige Großstadtzeitungen ihn Betrachtungen zu dieser Erklärung:Streichung der Repa> rationen!" Wir haben damals schon vor übertriebenem Optimismus gewarnt, weil feststand, daß diese gemeinsam« Erklärung der fünf Gläubigerländer erst nach sehr eingehen­den, nach sehr zugespitzten Verhandlungen zwischen Mac- Donald und ^erriet zustande gekommen war. Es ist richtig, kein vernünftiger Mensch in der Welt erwartet, daß die mit dem Hoover-Moratorium eingestellten Tributzahlungen je­mals wiederaufgenommen werden, weil sie aus Mangel an Masse nicht wiederaufgenommen werden können. Unk weil man das überall weiß, deshalb erwarten die Völker und Länder, daß man sich in Lausanne nicht allzu lange bei der Vorrede aufhalten möge, sondern daß man kurz entschlossen aus den Tatsachen und Erfahrungen die praktische Schluß­folgerung und unter dem Schuldenkonto einen deutlicher unverwischbaren Schlußstrich zieht. Denn ohne einen Anfanx zur Tat kann der Weg zur Wiedergesundung der Weltwirt­schaft nicht gefunden werden.

Was nutzt aber alle bessere Erkenntnis, wenn man in Frankreich trotz allem den abgetriebenen Gaul der Tribut« weiterreiten will. Man behauptet, Herriot möchte schon mi MacDonald einig werden, er möchte sich zu dessen Wori Schwamm drüber" bekennen, aber er fürchte seine Kammer Gegen die Borniertheit und politische Eigenwilligkeit dieses Parlaments rennt man angeblich vergeblich an. Denn ir diesem durch die Kammer vertretenen Frankreich hat mar sich eine Rechnung zu recht gemacht, die mit einemdeut­schen Ueberschuß" abschließt. Diesen Ueberschuß soll Deutsch Frankreich, dessen Kassen angeblich diesen deutschen Blut- entzug nicht vertragen, weil sie durch die französischer U e b e r r ü st u n g e n zu stark angezapft werden. Dies« französische Einstellung hat in Amerika stark verschnupft nicht nur, weil man durch die französische Unnachgiebigkesi in der Abrüstungsfrage zwangsläufig zu höheren Rüstungs- ausgaben gezwungen wird, sondern weil man die Opfer, die Amerika bisher seinen Schuldnern durch Streichung von 5( Prozent aller Kriegsschulden brächte, in Frankreich über­haupt nicht mehr bewertet. Es ist also fasich, was in der französischen Rechnung steht, nämlich daß bei einer Strei­chung der Reparationen sich für Deutschland einUeber­schuß" ergebe, daß Gegenteil ist richtig, bei einer Streichunx sämtlicher Tribut- und Kriegsschulden würden die Alliierten unter Einrechnung der früheren amerikanischen Schulden- nachlüsse noch ein Geschäft machen.

Jetzt hat sich die Lausanner Konferenz durch die Haltung Herriots so sesigefahren, daß man eigentlich keinen rechten Ausweg mehr sieht. Ist es doch bezeichnend, daß Mac- Donald dem deutschen Kanzler den Rat gegeben haben soll, selbst mit den Franzosen zu verhandeln, weil er feine Mög­lichkeit mehr sähe, von sich aus die Franzosen umzustimmen. Frankreich geht mit seiner Forderung auf Auszahlung der deutschen Ueberschüsse" darauf aus, auf diesem Umweg« ein neues deutsches Anerkenntnis der Tribute bzw. der Wiederaufnahme der Tributzahlunäen zu erreichen. Welche deutsche Regierung, welche deutsche De­legation könnte den Franzosen eine solche Zusage geben! Das deutsche Nein, vor Monaten klar und deutlich ausge­sprochen, besteht ohne die geringste Abschwächung fort. Deutschland wird und kann nicht Zahlungen leisten, nach­dem es an den bisherigen Reparationszahlungen finanziell verblutet ist. Wenn Verriet erklärt, daß er in eine völlige Streichung der Tribute nicht einwilligen könne, so steht eigentlich die Lausanner Konferenz vor ihrem erfolglosen Ende.

Welche Folgen das Scheitern der Lausanner Konferenz ür die Beziehungen der einzelnen Länder zueinander, für )ie Befriedung der Welt und für die Frage der Weltwirt- chaft haben müßte, ergibt sich aus einer Erklärung, die der amerikanische Hauptdelegierte auf der Abrüstungskonferenz, Gibson, dem französischen Ministerpräsidenten Herriot in einer nächtlichen Unterredung am Genfer See abgegeben hat. Amerika verlangt nämlich von Frankreich nicht nur eine qualitative, sondern auch eine quantitative Abrü - st u n g. In diesem Falle erklärte Gibson die Bereitschaft Amerikas, Frankreich in der Schuldenfrage Entgegenkom­men zu beweisen. Diese Erklärung wirkt geradezu sensatio­nell angesichts der Tatsache, daß erst vor wenigen Tagen oon Washington aus eine Nachricht dementiert wurde, daß sich Amerika bei einer Streichung der Tribute auch zu einer Neuregelung der Schuldenzahlungen bereit finden würde Da Amerika setzt vor dem Präsidentenwahlkampf steht und der amerikanische Senat sich seinerzeit entschieden angesichts der Haltung der europäischen Länder in der Abrüstungsfrage gegen eine Schuldenstreichung ausgesprochen hat, so kön eu Selbe sich scheinbar widersprechenden Erklärungen doch nur so aufgefaßt werden, daß Amerika setzt Frankreich in bei Abrüstungsfrage unter Druck setzt. Auf jeden Fall ist setz' die Verbindung zwischen Tribut- und Abrüstungsfrage vrJ tagen. Wenn es richtig ist, daß Herriot eine quantitativ: Abrüstung abgelehnt hat und damit auch das Ergebnis der

allgemeinen Abrüstungskonferenz in Frage stellt, dann müs­sen sich aus dieser Sachlage Auswirkungen für die Lau­sanner Konferenz ergeben, deren Tragweite im Augenblick nicht zu übersehen ist. Es mag sein, daß Herriot um seinen Ministerpräsidentenposten kämpft: auf alle Fälle steht aber Frankreich heute vor der Gefahr r e st l o s e r Isolie­rung!

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Frankreich muß nach geben!

Nächtliche französisch-amerikanische Aussprache.

Lausanne. 22. Juni.

Der Dienstag war im wesentlichen mit Einzelbespre­chungen der Delegationsführer und Sachbearbeiter ausge- fullt? So empfing Reichskanzler von Papen den belgischen Minister Francqui. Reichswirtschaftsminister Dr. Warm- bold suchte den französischen Handelsminister Durand auf, bei dem auch Vertreter der österreichischen Delegation vor- sprachen.

Aufsehen erregte eine Zusammenkunft zwischen Herriot und dem amerikanischen Delegierten in Genf, Gibson, die in den späten Abendstunden in Worges unweit Lausann« stattgefunden hat. Dabei hak gutem vernehmen nach Gibson Herriot erklärt, wenn Frankreich die amerikanischen Wünsche in bezug auf die quantitative Abrüstung nicht erfülle, so könne es nicht erwarten, daß Amerika die Kriegsschulden streiche, denn die Last dieser Schulden betrage nur einen Bruchteil derjenigen der Rüstungsausgaben.

Diese Erklärung ist insofern besonders bemerkenswert, als sie zum ersten Male aus einem berufenen amerikanischen Munde in diesem Zusammenhang eine Bezugnahme auf die Notwendigkeit oder Möglichkeit einer Kriegsschuldenstrei- chung enthält. Es verlautet, daß unter Umständen Herriot jm, Zusammenhang mit diel-n Unterhaltungen vorüber-

Amerika fordert klare Entscheidungen

Von maßgebender amerikanischer Seite wird bestätigt, daß die amerikanische Delegation sest entschlossen ist, die europäischen Wächte vor, klare Entscheidungen in der Ab­rüstungsfrage zu stellen. Es ist kein Geheimnis, daß die Amerikaner über den schleppenden Gang der Abrüstungskon­ferenz schon lange enttäuscht sind. Sie lassen keinen Zwei­fel, daß man von ihnen ein Entgegenkommen nicht erwar. ten könne, wenn die Abrüstungskonferenz nicht schon bald zu materiell bedeutsamen Ergebnissen führe.

Man weist darauf hin, daß die Lage des französischen Budgets Frankreich keine andere Wahl lasse, als gewisse Abstriche am Heeresbudget vorzunehmen, wehrt sich aber dagegen, daß solche rein zwangsläufigen Abstriche dadurch, daß man sie verallgemeinern möchte, als eine wirksame Ab- cüstungsmaßnahme betrachtet werden.

Die Amerikaner sehen die Aufgaben der Abrüstungskon­ferenz in einer Gesamtentlastung des Druckes, der durch die Rüstungen auf der Welt lagert, und deshalb treten sie in den jetzigen Besprechungen für Herabsetzung der Hee- resslärke, Abrüstung der besonders kostspieligen Waffen und Beschränkungen der Ausgaben ein.

Paris will nicht abrüsten

Die Besprechungen zwischen der amerikanischen, eng­lischen und französischen Delegation sind fortgesetzt worden. Ueber den Inhalt wird von den beteiligten nach wie vor nichts gesagt. Es verlautet, daß man sich bisher u. a. mit Dem amerikanischen Vorschlag der Herabsetzung der Effek- tiobestände bei den Land-, Flotten- und Luftstreitkräften, über das Verbot des chemischen und bakteriologischen Krie­ges, über die Jnternationalisierung der Zivilluftfahrt und über die englischen Vorschläge auf dem Gebiete der schweren Angriffswaffen unterhalten habe.

Es bestätigt sich erneut, daß die Amerikaner mit ihrem Vorschläge auf ziemlich starken Widerstand bei der franzö­sischen Delegation stoßen. Andererseits weiß man, daß die Amerikaner sich mit dem Gedanken der Jnternationalisierung der Zivilluftfahrt keinesfalls befreunden können. Die Be­sprechungen scheinen keineswegs vorwärts gekommen zu sein.

Scharfer Gegensatz ParisLondon

In der Pariser Presse ist ein Stimmung sum- schwung festzustellen, der um so schärfer hervortritt, als sich die Blatter mit dem bisherigen Verlauf der Auseinander­setzungen ganz besonders zufrieden zeigten. Der Optimismus hat nun plötzlich einem großen Pessimismus Platz gemacht, nachdem der französische Ministerpräsident vergeblich versucht hatte, MacDonald für seine Reparationsthese zu gewinnen.

Eine etwa dreistündige Unterredung Herriots mit Wac- Donald soll äußerst bewegt gewesen sein. Herriot habe die deutsche Tribukverpflichtung als unantastbar hingestellt und dabei unterstrichen, daß er vor der französischen Oeffenilich- keit zum mindesten die Form wahren müsse. Die unnach­giebige Haltung MacDonalds habe nunmehr bei der fran­zösischen Abordnung die Frage auftauchen lassen, ob es zweck­mäßig sei, sich mit den Engländern zu verärgern und Frank­reich zu isolieren oder aber sich den englischen Wünschen zu sitzen und gemeinsam in Washington vorstellig zu werden.

Der außenpolitische Berichterstatter desJournal" mit sogar aus gutunterrichteter Quelle erfahren haben, daß di, englische Abordnung mit sofortiger Abreise gedroht habe falls Herriot auf seinem bisherigen Standpunkt beharre Petit Parisien" erklärt, daß Frankreich trotz feines Wun sches, seinem Nachbarn auf der anderen Seite des Rheins zt helfen, keine Lösung annehmen könne, die ganz einseitig zugunsten Deutschlands aussallen und die anderen inter essierten Mächte direkt schädigen würde. In Lausanne handl, es sich nicht nur um die Reparationen, sondern um die euro­päische Wirtschaft. Diese Frage könne man jedoch nicht- sen, indem man die Lasten von der einen Schulter auf bi< anbere wälzt, sondern indem man die Achtung vor den Ver­trägen wahre, selbst wenn man ihre Durchführung am drei bis fünf Jahre aufschiebe. Die Form, ir Der der Lausanner Berichterstatter des Blattes diese Thesi vorbringt, legt den Gedanken nahe, daß es sich hierbei um die Wiedergabe des amtlichen französischen Standpunktes handelt.

. - Der ehemalige Botschafter in Berlin, Shurman, betonte in einer Rede in Jthaca, daß die Revision der Friedensver­träge die Voraussetzung für eine Wiedergesundung der Welt­wirtschaft sei. Die im Krieg unterlegenen Nationen müßten ihre volle Souveränität wiedererlangen.

" ifch^'Lhlung ist erwünscht

La:'anne. In de Resm nisnsfrage wurden die un* mi bt en ( echungen de? De ' -ationen unterein- anr. fc rge e-. . MacDonald wies als Präsident der Konferenz bar? ?f f, n, daß für b\ endgültige Bereinigung bet Apparativnssragr ' rs Bedürfnis nach einer Ab- s.ch l u ß z a h l u n g b>< Verschiedenen Gläubigerstaaten vor- liege und erwäyute d; Mäue, di in dieser Richtung be­stehe. wöröeü'/GruNd^StzM muff kurrzu festgestellt werden, daß der Gedanke einer her inzre ch ^er Eisenbahnen zu irgend Kchen Leistungen auf c ..n Irrtum von fran» Mischer Sei,. u-r, denn es kann kein bestimmtes Teilstück ''er Vc gen Wirrst' Vu herausgenommen und bei et. ^n spä : en Gr innen gewissermaßen als Grad­messer für die deutsche * ungsfähigkeit benutzt werden.

Wirtschaftsprobleme inLaufann»

Dr. Warmbold verhandelt mit Minister Durand.

Lausanne. Der Reichswirtschaftsminister Dr. WarK« bold hatte eine Unterredung mit dem englischen und d«Ns französischen Handelsminister. Die Besprechung ^toMtl sich auf Weltwirtschaftsfragen im allgemeinen unu Frage der Währung, des eraustaufcheA und den D^, Visenbestimmungen im einzelnen. Mit dem fran$6ftf<&tf| Handelsminister Durand hatte Dr. Warmbold eine UntW redung, die auch auf die Frage der deutsch-franzöM«H«n' Wirtschaftszusammenarbeit Bezug nahm. Während d« Dauer der Konferenz sollen niese Erörterungen fortgew setzt werden. Eine neue Bespr e urg zwischen Dr. Warnt« bald und Minister Durand ist für die nächste Jett borgt* sehen.

In hiesigen Kreisen besteht der EindruL Mj bat Interesse an ei «er deutsch-französischen wirisch?ftlich«m Zusammenarbeit in Frankreich lebhafter geworden ist.

Amerika greift nicht ei«

Washington. Staatssekretär Stimson hat erklärt, die W: ?ung v"s f ','daz die amerikanisch« R«« gierung oder ihre Berneter hinsichtlich der Schulden« fragen in Lausanne oder Genf irgendwelche Berhandlun« gen geführt oder irgendwelche Vorschläge gemacht hätten, sei völlig unzutre send. Die ameri nischen Vertreter auf ?er Genser Konferenz beschäftigten sich einzig und adetri- ntst ' er Abrüstungsfrage.

Um die Rückgabe des Saargebiets

Verhandlungen in Laufanne.

London, 22. Juni.

Der Lausanner Korrespondent derDaily Mail" teilt auf Grund einer Information von höchster zuständiger Stelle mit, daß die französische Regierung nicht die Absichi habe, eine Aufschiebung der Volksabstimmung im Saargebiet über das Jahr 1935 zu verlangen

Die Frage des Rückkaufs der Kohlenbergwerke im Saargebiet, die, technisch gesprochen, jetzt Eigentum sei französischen Regierung seien, sei eine Frage, die in Lau­sanne erörtert werden würde. Frankreich wünsche Bezah­lung für die Bergwerke, während die Deutschen den Stand- Punkt vertreten, daß eine allgemeine Bereinigung der Schulden auch die Streichung der Bezahlung für die Soh- lenbergwerke in sich einschließe.