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HersstlöerTageblatt

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Nr. 145

Donnerstag, den 23. Juni 1932

82. Jahrgang

Die Stunde hat geschlagen!

Hosver fordert in Genf Rüstungsverminderung in der

Amerika fordert:

RWungsabba« um ein Drittel

Genf, 23. Juni.

Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz ist um Mittwochnachmittag 4.30 Uhr in Genf auf besonderen Wunsch des Präsidenten Hoover zu einer Vollsitzung zu­sammengetreten.

Unter atemloser Stille verlas der amerikanische Botschafter Gibson Hoovers Botschaft. die einen Abbau sämtlicher Rüstungen in der Welt mit Ausnahme der Rüstungen Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens um ein'Drittel vorschlägt. Ferner sollen sämtliche Tanks, die chemischen Kriegswaffen und die schwerbewegliche Artillerie abgeschafft werden. Sämt­liche Staaten sollen eine Armee annehmen, die den Poli- zeinotwendigkeiten entspricht und im Verhältnis steht zu den Deutschland im Versailler Vertrag eingeräumten Streitkräften. Auf dem Gebiete der Militärluftfahrt sollen die Bombenflugzeuge ganz abgeschafft werden. Die Gesamttonnage der Linienschiffe soll um ein Drittel, die der Flugzeugmutterschiffe um ein Viertel herabgesetzt werden. Kein Staat soll mehr als 35 000 Tonnen Un­terseeboote besitzen.

Die amerikanische Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat mich beauf- 11 "----' ~-e------ ^ ...... * Te

fentlicht wird: Es ist meine größte Hoffnung, daß diese Ver­öffentlichung eines Abrüstungsprogramms einen Appell an alle Völker darstellt und zu einer vertieften allgemeinen Prüfung des Problems und zu einer öffentlichen Erklärung führen wird, die einen wesentlichen Beitrag für das all­gemeine Programm der Abrüstungskonferenz darstellt."

Gibson verliest sodann die Instruktionen. die der Prä­sident Hoover der amerikanischen Delegation am Mittwoch, den 22. Juni, 4.30 Uhr, früh, übermittelt hat. Diese In­struktionen haben im wesentlichen folgenden Inhalt:

Die Stunde hat jetzt geschlagen, um endlich alle Einzel- erörterungen zu beenden und ein bestimmtes großzügiges Verfahren für die Verringerung der Rüstungslasten anzu- nehmen, die heute so schwer auf den Arbeitern aller Völker lasten. Dieses Programm würde der ganzen Welt eine wirtschaftliche Belebung bringen und die Möglichkeit geben, die Furcht und alle die Mißverständnisse zu überwinden, die sich aus den Rüstungen ergeben und die das Vertrauen der Pölker ersticken. Dieses Programm würde für eine Periode von zehn Jahren mindestens eine Ersparnis von 10 Milliar­den Dollar zur Folge haben.

Die amerikanische Regierung schlägt folgende

fünf Grundsätze vor, die für die weitere Behandlung des Abrüstungspro- blems bestimmend sein sollen:

1. Der Wert des Briand-Kelloggpaktes besteht in der Tatsache, daß die Staaten übereingekommen sind, ihre Waf­fen lediglich für die nationale Verteidigung zu verwenden.

2. Es muß zu der Herabsetzung der Rüstungen nicht nur durch die Herabsetzung des Rüstungsstandes, sondern auch durch die Erhöhung der Kräfte der nationalen Verteidigung durch Verminderung der Angriffswaffen geschritten werden.

3. Die Rüstungen stehen in gegenseitigem Behältnis zu­einander: Es muß daher ein Ausgleich bei der Herabsetzung der Rüstungen angestrebt werden.

4. Die Herabsetzung der Rüstungen muß konkret und vorsichtig sein und muß zu einer wahrhaften wirtschaftlichen Erleichterung führen.

5. Die Land-, Luft- und Seerüstungen stellen die drei großen zu behandelnden Fragen dar. Sie hängen vonein­ander gegenseitig ab und können nicht voneinander getrennt werden.

Ausgehend von diesen Grundsätzen schlägt die ameri­kanische Regierung eine Herabsetzung sämtlicher Weltrüstun­gen um ein Drittel vor.

Auf dem Gebiete der Landrüstungen schlägt die amerikanische Regierung die Annahme des bisherigen, der Konferenz bereits eingereichten Vorschlages vor, nach dein eine vollständige Abschaffung der Tanks, der chemischen Kriegswaffen und der schwerbeweglichen Artillerie erfolgen soll, ferner Herabsetzung um ein Drittel sämtlicher Land­armeen, die über den Charakter von Polizeikräften hinaus­gehen. Die Bestimmungen des Vertrages von Versailles und der übrigen Friedensverträge haben bereits die Rüstungen Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens auf einen Stand herunter gedrückt, der der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in diesen Ländern entspricht. Auf dieie Weise ist Deutschland, das eine Bevölkerung von 65 Millio­

neu Menschen umfaßt, eine Armee von 100 000 Mann ge­lassen worden. Die amerikanische Regierung schlägt deshalb vor, daß sämtliche Staaten als Streitkräfte, die den Po­lizeinotwendigkeiten entsprechen, eine Armee annehmen, die im Verhältnis steht zu den Deutschland und den übrigen Staaten eingeräumten Streitkräften. Jedoch finden für die Kolonialmächte gewisse Abänderungen statt unter Berück­sichtigung der Interessen dieser Staaten.

Auf dem Gebiete der M i l i t ä r l u f t f a h r t 'chlgät die amerikanische Regierung die vollständige Ab", Bombenflugzeuge vor. Auf diese Weise würde von Flugzeugen, die gegen die Zivilbevölkerung angewandt werden könnten, unmöglich gemacht werden.

vollständige Abschaffung der liefe Weise würde der Besitz

Auf dem Gebiete der M i l i t ä r l u f t f a h r t schlägt die amerikanische Regierung die Herabsetzung der Gesamtton­nage der Linienschiffe um ein Drittel, der Tonnage der Flug­zeugmutterschiffe, der Kreuzer, der Torpedobootszerstörer um ein Viertel und der Tonnage der Unterseeboote um ein Drit­tel vor. In keinem Fall soll ein Staat mehr als 35 000 Tonnen Unterseeboote besitzen. Für die fünf Hauptflotten- mächte hat der Vertrag von Washington bereits die Gren­zen für die Linienschiffe und die Flugzeugmutteftchiffe fest­gesetzt. Was die Kreuzer und Torpedobootzerstörer Frank­reichs und Italiens betreffe, so werden sie so behandelt, als ob diese Mächte dem Vertrag von Washington beigetreten seien. Die Anwendung dieses Programms würde zu einer außerordentlichen Einschränkung der Ausgaben durch den Neubau von Kriegsschiffen führen.

Die Vorschläge der amerikanischen Regierung sind ein­fach und direkt. Sie verlangt die Mitwirkung jeder ein­zelnen Ration. Nichts würde so sehr die Hoffnungen der Menschheit wieder beleben als die Annahme dieses Pro­gramms. Es ist ein Wahnsinn für die Welt, sich noch wei­ter in ungeheuren militärischen Ausgaben zu verbluten. Die amerikanische Regierung legt dief^ Vorschläge, die eine HÄÄ " ........ '

Gin deutlicher WinI

Wie verlautet, soll Staatssekretär Stimjon Gibson die Anweisung gegeben haben, den Genfer Staatsmännern mit- zuleilen, daß im Falle eines Mißerfolgs der Abrüstungs­konferenz Europa jede Hoffnung aufgeben müßte, feine Bit­ten um Herabsetzung oder Streichung der Kriegsschulden von Den Vereinigten Staaten in Erwägung gezogen zu sehen. Obwohl dieses Gerücht dementiert worden ist, wird es in Den diplomatischen Kreisen stets von neuem in Umlauf ge- eht.

Senator D i ck i n s o n , dessen Auffassungen mit der illgemeinen Meinung der republikanischen Partei überein- timmen, erklärt», Amerika könnte es sich erlauben, die in- ernationalen Schulden der gegenwärtige Lage anzupassen, wenn es ihm gelänge, die Welt dazu zu bringen, die Rüstun­gen tatsächlich herabzu etzen. Senator R e e d , der Wort­führer der Regierung, sagte, Amerika habe des öfteren un« zweideutig wiederholt, daß es zwecklos sei, von Streichung 3ber Herabsetzung der Kriegsschulden zu sprechen, solange kein wirklicher Fortschritt in der Abrüstungsfrage erzielt worden sei.

England MSühaltend

Nach der Verlesung des Abrüstungsplanes des ameri­kanischen Präsidenten Hoover durch Gibson gab als erster der englische Außenminister Simon eine Erklärung ab, in der er zunächst die außerordentliche Bedeutung des amerika­nischen Planes unterstrich und die amerikanische Regierung zu ihrem Schritt beglückwünschte. Simon brächte sodann in sehr geschickter diplomatischer Form den kritischen Standpunkt der englischen Regierung zum Ausdruck. Die gegenwärtig laufenden privaten Besprechungen seien von großer prak­tischer Bedeutung. Diese Versuche einer direkten Verständi­gung zwischen den Mächten dürften nicht unterbrochen wer­den. Die englische Regierung werde den amerikanischen Plan jetzt mit größter Aufmerksamkeit und Sympathie prüfen.

Frankreich lehnt ab

Der französische Kriegsminister Paul-Boncour gab eine Erklärung zu dem neuen großen Abrüstungsplan des amerikanischen Präsidenten Hoover ab, die nur als eine glatte Ablehnung des amerikanischen Vorschlages aufzufassen ist. paul-Boncour verlangte, daß der amerikanische Plan von der Abrüstungskonferenz gemeinsam mit dem Vorschlag der französischen Regierung zur Organisation der interna­tionalen Sicherheit behandelt werde. Die amerikanischen Vorschläge seien der Ausdruck der Ungeduld der öffentlichen Meinung. Es würde eine Heuchelei sein, die großen Schwie­rigkeiten der Abrüstungskonferenz zu verheimlichen, jedoch seien die Ziele, die die Abrüstungskonferenz erreichen könne, aufs engste mit der Lösung der Sicherheitsfrage verbunden. Er halte es für feine Pflicht, in aller Offenheit und Klarheit diesen Standpunkt der französischen Regierung darzulegen. Die französischen Sicherheitsvorschläge müßten von der Kon­ferenz geprüft werden, wenn man eine Herabsetzung der Rüstungen erreichen wolle. Die französische Regierung nehme den amerikanischen Vorschlag nur unter tiefem grundsätz­lichen Vorbehalt als Verhandsungsgrundlage an.

Welt um ein Drittel

Italien stimmt Hoover zu

Die weitere Beratung im Hauptausschuß. ^ x

Genf, 23. Sunly |

Der deutsche Delegierte brächte in der Aussprache ich tzauptausschuß Bedenken dagegen zum Ausdruck, daß die Beschränkungen der Rüstungen das gegenwärtige Verhältnis zwischen dem Rüstungsstand der verschiedenen Länder nicht berühren sollten, und erinnerte an die be­sondere Lage, in der sich diejenigen Länder befinden, die schon abgerüstet haben. Die Vorschläge selbst erschienen der deutschen Delegation sehr gemäßigt. Man müsse hoffen, daß man im Laufe der Verhandlungen noch zu viel ent­scheidenderen Maßnahmen gelangen werde. Je gründ­licher die Rüstungsherabsetzungen seien, um so leichter löse sich das Problem der Gleichberechtigung, deren Schaffung eine der wesentlichen Bedingungen für den Erfolg der Konferenz sei.

Im weiteren Verlauf der Diskussion ergriffen noch die Vertreter Italiens, Japans und Spaniens das Wort. Außenminister Grandi teilte mit, daß er dem italieni­schen Regierungschef die Botschaft des Präsidenten Hoover übermittelt habe. Er fei von Mussolini ermächtigt wor­den, zu erklären, daß Italien den amerikanischen Plan vollständig annimmt. Diese Annahme geschehe ohne jeden Vorbehalt. Grandi stellte fest, daß das amerikanische Projekt zum großen Teil sich mit dem Plan decke, den die italienische Delegation der Abrüstungskonferenz im Monat Februar eingereicht habe. Vor einem Jahr habe Präsident Hoover durch seinen Vorschlag des Schulden- moratoriums den Weg für eine praktische Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewiesen. Heute eröffne Hoover einen neuen Weg für die Lösung des Abrüstungs­problems. Grandis Rede wurde mit auffallend stürmi­schem Beifall von den Delegationen und vom Publikum ausgenommen.

Botschafter W a tfudei - ra, meinte, daß es am besten wäre, wenn die an den Washingtoner und Londoner Flottenverträgen beteilig­ten Regierungen sich ins Benehmen setzen würden, um die Vorschläge betreffend der Flottenrüstungen genau zu prüfen.

Der Vertreter Spaniens, Botschafter de Madariaga, vermißte an den amerikanischen Vorschlägen die Abschaf­fung der Militärluftfahrt und die Jnternationalisierung der Zivilluftfahrt.

Die Sitzung fand sodann ihren Abschluß mit einer kurzen Erklärung Hendersons, der darauf hinwies, daß die amerikanischen Vorschläge nunmehr einen Teil des Pro­gramms bildeten, das in den privaten Besprechungen der Delegationen weiter behandelt werde. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Besprechungen bald zu Er­gebnissen führen, damit der Hauptausschuß noch vor der Sommerpause wenigstens einige große Prinzipien zu Be­schlüssen erheben könne.

Die Anleihefrage noch unentschieden

Lausanne. Bundeskanzler Dr. Dollfuß hat dem fran­zösischen Ministerpräsidenten Hernot die Notlage Oester­reichs eingehend dargelegt. Nach einer gemeinsamen Ver­lautbarung hat Herriot dem österreichischen Bundeskanzler nahege'egt, daß sich Oesterreich an die in Lausanne versam­melten Sachverständigen wenden möge und erklärt, daß er sich selbst auch fernerhin der österreichischen Delegation zur Verfügung ha e. Aus die er Mitteilung geht hervor, daß die Frage ic? Anleihe für Oesterreich noch immer nicht entschieden ist.

Kanzler von Papen und MacDonald beim Tee.

Der Reichskanzler von Papen, der englische Ministerpräsi­dent, Außenminister von Neurath und der englische Handels­minister Runciman hatten in Lausanne eine wichtige Be­sprechung beim Tee.. Unser Bild zeigt von links nach rechts: Runciman, von Papen, MacDonald und von Neurath.