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Hersfelöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für ven Kreis Hersfelö

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckeret in tzersfelb, Mitglied des BDZB.

Nr. IST

Donnerstag, den 7. Juli 1932

82. Jahrgang

Tributkonferen; vor dem Abschluß

Annäherung in her Zahlenfrage Noch keine Einigung in der Kriegsschuldfrage

Die große Wendung?

Vor der Entscheidung in Lausanne.

Lausanne, S. Juni

In den zahlreichen Mittwochsbespreckungen bei MacDo- nald hat es sich gutem Vernehmen nach nicht nur um die Auseinandersetzung der alliierten Gläubigermächte unterein­ander gehandelt, sondern es ist dabei auch versucht worden, einen gemeinsamen Vertragsentwurf aufzustellen. Es soll sich dabei um einen Vertrag handeln zur Abgeltung der wechsel­seitigen Ansprüche zwischen allen beteiligten Rationen. Der Betrag für deutsche Leistungen ist natürlich eit gelassen worden. Doch scheint man sich zu bemi noch etwas in die Höhe zu treiben.

einstweilen offen- lühen, die Ziffer

Der Eindruck, daß man im französischen Lager hart­näckig den englischen Vorschlägen, die hie deutsche Zustim­mung unter gewissen Bedingungen gefunden haben, weiter Widerstand entgegengesetzt, hat sich etwas abgeschwächt. Dieser Widerstand gilt im wesentlichen den politischen Forderungen für die sich jedoch bei voller Aufrechter­haltung der deutschen Bedürfnisse in der Formulierung Mög­lichkeiten finden könnten, um eine Einigung herbeizuführen.

Räch den zahlreichen Besprechungen gab es gegen Abend ziemlich unerwartet eine Sensation. Es verlautete aus guten ausländischen Quellen, daß die Bemühungen um einen Ausgleich der verschiedenen Standpunkte gut fortge­schritten sind, daß sich in der Frage der politischen Forde­rungen Deutschlands eine nach Ansicht der Gegenseite brauchbare Formel ergeben habe. Die allgemeine Stimmung hatte sich merklich gehoben, als unmittelbar nacheinander der Reichskanzler von Papen und Herrio. bei MacDonald ein- trafen.

Auf englischer Seite wird jetzt ein Vorschlag erwogen, die von Deutschland geforderte Streichung des gesamten Tei­les 8 des Versailler Vertrages (Tribute und Sriegsfchuld- lüge) dadurch zu regeln, daß in de-., Schlußerklärung der Stelle des Teiles 8 des Versailler Vertrages? Eine der- arlige Formulierung soll der französischen Regierung die Annahme der deutschen Forderungen erleichtern, da damit der Kriegsschuldparagraph nicht ausdrücklich aus der Welt geschafft, sondern lediglich der gesamte Teil 8 einschließlich des Paragraphen 231 durch das neue Abkommen ersetzt würde.

Französisch-englische Auseinandersetzung

Die Verhandlungen über die Regelung der franzö­sisch-englischen Schuldenfrage sind sehr schwie­rig. In eine Unterredung zwischen MacDonald und Herriot sind die Abänderungen des Churchill-Caillaux-Abkommens beraten worden, da nach diesem Abkommen bereits am 15. Juli die französische Regierung einen Betrag von ein­einhalb Millionen Pfund an England zu zahlen hat. Am gleichen Datum ist ein Schuldenbetrag der italienischen Re­gierung an England fällig. Auch über die englisch-italie­nische Schuldenregelung find Besprechungen zwischen Mac­Donald, Grandi und dem italienischen Finanzsachverständi­gen Pirelli im Gange Die französischen und italienischen Rückzahlungen an England sind vorläufig durch die große Moratoriumserklärung der Mächte auf der Lausanner Kon­ferenz vom 16 Juni 'aufgeschoben. werden jedoch mit dem Abschluß ter Konferenz fällig.

ran-

In der Unterredung zwischen MacDonald und Herriot ist jetzt auf englischer Seite zum Ausdruck gekommen, daß die englische Regierung zu einem Entgegenkommen in der englisch-französischen Schuldenfrage bereit sei, falls die fi zösische Regierung ihrerseits in der Regelung der deutschen Tributfrage Entgegenkommen zeige.

Weiter wird von eng!ifd)er Seite mitgeteilt, daß Her- riot die großen Schwierigkeiten der Stellung der französi­schen Regierung auf der Konferenz zum Ausdruck gebracht habe, die auf der einen Seite in den innerpolitischen Angrif­fen auf das Herriot-Kabinett liegen, andererseits in der völ­ligen Ungeklärtheit der interalliierten Schuldenregelung und der jetzt 'fälligen französischen Schuldenzahlungen an Eng­land. Die französische Regierung sei hierdurch in die Zwangslage versetzt, eine Generalregelung unter allen Um­ständen herbeizuführen.

Auf englischer Seite wird offen erklärt, daß demgegen- über die taktische Lage Deutschlands außerordentlich günstig sei. Die englische Regierung müsse auf einen baldigen positiven Abschluß der Konferenz drängen, da ein Zusammenbruch sowohl der Genfer Abrüstungskonferenz all auch der Lausanner Reparationskonferenz für die englische Regierung auch aus Prestigegründen völlig untragbar sei In einer ähnlichen Lage befindet sich die französische Re- gierung. Lediglich die deutsche Regierung zeige nicht die geringste Eile und befinde sich in der glücklichen Lage, im Falle eines erfolglosen Ausganges der Lausanner Konferenz ruhig die weitere Entwicklung abwarten zu können, da in diesem Falle automatisch eine Verlängerung des Hoover- Moratoriums eintreten würde und Deutschland damit vor­läufig von weiteren Zahlungen befreit sei. MacDonald sei aus Dieser Lage heraus gezwungen, jetzt die denkbar größ­ten Anstrengungen zu machen, um eine Einigung zwischen der französischen und deutschen Regierung herbeizuführen.

Ergebritslos! '

Lausanne, 7. Juli.

Die Abendbesprechung in Lausanne ging nach etwa IVJtünbiger Dauer um 22.45 Uhr zu End«, soweit be­kannt, mit negativem Ergebnis. Ein Bericht über dies« Besprechung wird angekündigt.

Frankreich bleibt hartnäckig

Ueber den Verlauf der gestrigen Abendsitzung erfährt man noch, daß Herr )t im Gegensatz zu dem Stand­punkt, den er in seinen Erklärungen vor der Presse einge­nommen hatte, sich im Verlauf der Sitzung unvermindert sowohl auf eine Ziffer von vier Milliarden, wie auf die Ablehnung der natürlichen politischen Kon­sequenzen durchaus versteift hat.

Unter dem Druck, der von allen Seiten auf ihn aus­geübt wurde, erklärte herriot schließlich, er habe so viele Papiere jetzt in der Hand, daß er sie zunächst zusammen mit seiner Delegation prüfen und überlegen müsse. Außerdem fühle er sich sichtlich physisch erschöpft und bat um Abbruch der Verhandlungen. Ein Termin für die Festsetzung dieser neuen Verhandlungen für heute ist zur Stunde noch nicht vereinbart. In der Lage ist also gegen­über der Nachmittagssitzung keinerlei Aenderung eingetreten.

Heute Entscheidung?

Neue Zusammenkunft Papen herriot vorgesehen.

Aus englischen Kreisen verlautet folgendes:

Die Zusammenkunft hat |ein Ergebnis erbracht und es ist auch kein Fortschritt über eine Einigung, über die Summe der deutschen Leistungen oder die politischen Klau­seln zu verzeichnen. Die deutsche und die französische De-

heute früh vorgesehen. 63 verlautet ferner, daß diele Zu­sammenkunft eine entscheidende sein dürfte. Eine eventuelle Entscheidung dürste nicht vor dem späten Abend erwartet werden. Dies heißt, daß eine Vollsitzung der Kon­ferenz nicht vor Freitag stattfinden kann.

Die Kritik des Kammerausschusses

Paris. Der Auswärtige Ausschuß der Kammer hat gestern den Bericht des Abgeordneten Bergery über die Reparations- und Schuldenfrage entgegengenommen. Ab­geordneter Bergery kritisierte die Tätigkeit der französischen Delegation und bedauerte, daß die französischen Vertreter nicht gleich zu Beginn der Verhandlungen die groß­zügige G e st e getan hätten, die Verpflichtungen Deutschlands zu annulieren, abgesehen von einem noch zu bestimmenden Restbetrag. Er hofft, daß herriot Lausanne nicht verlasse, ohne greifbare Kompensationen für den Erlaß der deutschen Schulden zu erreichen.

Zur Ausgleichszast uns...

Damit bei den ernsten Verhandlungen auch der Humor zum Ausdruck komme, fei folgende kleine Geschicke wieder« gegeben: Herriot, der bekanntlich gestern feinen Geburtstag feierte, hat unter der Fülle der eingelaufenen Glückwünsche einen Umschlag gefunden, der einen deutschen Funf-Milliar- den-Schein aus der Inflationszeit enthielt mit der Anschrift: Zum völligen Ausgleich!"

Türkei wird Böllerbundsmitglied Aufnahme am 18. Juli.

Genf, 7 Juli.

Der Völkerbund hat in einer außerordentlichen Bundes­versammlung beschlossen, die Türkei zum Beitritt einzuladen.

In der Versammlung ergriffen die Vertreter von 16 Staaten das Wort. Besonders herzlich war die Einladung von dem Vertreter Deutschlands Gesandten Göppert, der u. a. ausführte: Deutschland hat sich mit besonderer Freude der Initiative, die zu der Einladung der Türkei geführt hat. angeschlossen. Die Vorsehung scheint der Türkei auf Grund ihrer geographischen Lage und ihres Nationalcharakters Die Mission zugewiesen zu haben, Mittlerin zwischen den Völ­kern des Orients und des Okzidents zu sein. Deutschland schätzt sich besonders glücklich, da die Einladung an einen alten, treuen Freund gerichtet ist. Ich bin sicher, schloß Gesandter Göppert seine mit großer Sympathie aufgenom­menen Ausführungen, daß der Geist herzlicher Freundschaft und aufrichtigen Vertrauens, der zwischen dem deutschen und dem türkischen Vvlk und den beiden Regierungen be­steht, auch die zukünftige Zusammenarbeit zwischen der Tür­kei und allen Mitgliedern des Völkerbundes beherrschen wird.

Auf Grund des Beschlusses der Völkerbundsversamm- lung, die sich einstimmig für die Aufnahme der Türkei aus- sprach, wird die Türkei am Monlag. den 1S. Juli, in einer feierlichen Bundesversammlung in den Völkerbund ausge­nommen werden.

Hindenburg in Reudeck.

Der Reichspräsident bei der Abreise.

Genfer Enttäuschung

Deutschland und die Simon-Resolution.

Genf, 7. Juli.

Gemäß dem Beschluß des Büros der Abrüstungskonfe-

*«*... ki. m.l.MAMlwtl iibw di- ^Oa^tfUuM^r R«.

konferenz abgeschlossen werden soll begonnen. Trotz des von dem englischen Außenminister Sir John Simon geäußerten Optimismus, daß es etwa zehn Punkte gäbe, über die ein Uebereinkommen h?rgeftellt werden könnte, und trotz der Auffassung Mottos, daß die jetzt festzustellenden Ergebnisse wahrscheinlich viel größer seien, als die Oeffentlichkeit glaube, wird die Lage bei der deutschen Delegation nach wie vor als sehr schwierig beurteilt.

Zunächst ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die Ergebnisse, die günstigenfalls festgestellk werden, hinter den deutschen Forderungen nach einer allgemeinen wirksamen Rüstungsherabsehung noch wesentlich zurückblei­ben. Schon heute kann festgestellk werden, daß die endgültige Haltung der deutschen Delegation zu der Resolution selbst­verständlich weitgehend davon abhängt, in welcher Form der deutschen Kardinalforderung nach Gleichberechtigung Rech­nung getragen werden wird.

Um Hoovers Borschlag

Der Führer der amerikanischen AbrÜstungsabordnung Gibson hatte eine längere Unterredung mit MacDonald. Auch der englische Außenminister Simon war zugegen. In den Besprechungen mit Gibson soll die Stellungnahme der englischen Regierung zum Abrüstungsplan hoovers beraten worden sein. Der englische Außenminister wird in der näch­sten Woche in einer großen Rede einen neuen Vorschlag der englischen Regierung für die Weiterbehandlung des hoover- Vorschlages vorlegen.

Verbot des Bombenabwurfes?

Die Vertreter Spaniens, Schwedens, Norwegens, Däne­marks, Hollands, Belgiens, der Schweiz und der Tschecho­slowakei haben eine gemeinsame Besprechung abgehalten. Wie verlautet, wurde beschlossen, darauf hinzuwirken, daß in den Resolutionsentwurf, den der englische Außenmini­ster Simon für den Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz auszuarbeiten hat,

ein uneingeschränktes Verbot des Bombenabwurfes aus der Luft

ausgenommen wird. Die gesamten Staaten sollen sich gegen Einschränkung dieses Verbotes ausgesprochen und sich gegen den von Frankreich im Luftfahrtausschuß eingebrachten An­trag gewandt haben, der den Abwurf von Bomben auf den Schlachtfeldern und im Bereiche der Luftstützpunkte weiter zulassen will.

Windhose über Münster

Münster, 7. Juli, während eines Gewitters, das fid gegen Mittag über der Stadt entlud, bildete sich plötzlich eim Windhose, die im Zentrum der Stadt aus dem Servati-pla( sieben etwa 40 Meter hohe Bäume entwurzelte, und die cher der umliegenden Häuser abdeckte. Menschen sind dabe nicht zu Schaden gekommen. Die Katastrophe vollzog sich ir wenigen Minuten, die Windhose bewegte sich dann nad dem Osten, wo gleichfalls mehrere Häuser abgedeckt unk einige Bäume entwurzelt wurden.