Hersfslöer Tageblatt
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Amtlicher /inzeiger für den Kreis hersfelS in ^rsfedd^Mttgtt^d^d^BT^^^^^^'
Nr. 158
Freitag, den 8. Juli 1932
82. Jahrgang
Lausanne bringt nur Teilergebnis
Für die schwierigen politischen Fragen werden jetzt kaum noch Formulierungen gefunden
Ergebnis der Woche
Weltenbummler.
Am Mittwoch landete auf dem Tempelhofer Zentral- flughafen das amerikanische Flugzeug „Progreß of Century" mit den Weltfliegern Müttern und ©riffln. Sie hatten in etwas mehr als 18 Stunden die Strecke von Hür- bour-Grace nach Berlin und damit in Rekordzeit den Ozean von West nach Ost überflogen. Wenige Tage vorher brächte der Draht die überraschende Meldung, daß die seit Anfang Mai verschollenen deutschen Flieger Bertram und Clausmann im Busch der australischen Nordküste zwar aufs äußerste erschöpft, aber im übrigen gesund aufgefunden worden sind. Während es sich bei den amerikanischen Weltfliegern um eine ausgesprochen sportliche Rekordleistung handelt, verbinden die deutschen Flieger mit ihrem Flug auch wirtschafts- und nationalpolitische Ziele. Das Programm Bertrams sah u. a. den Besuch Chinas vor. um mit dem Erscheinen des deutschen Flugbootes chinesische Studenten für einen Besuch Deutschlands zu gewinnen. Bertram hat bereits seinen Willen bekundet mit seiner intakt gebliebenen Maschine nach Er Neuerung des Schwimmers sein Rundflugprogramm fortzusetzen. Aus ihm spricht die eiserne Energie und der unbeugsame Wille an dem Wiederaufbau der deutschen Weltgeltung und der deuischen Weltwirtschaft mitzuarbeiken. Nur besonders um günstige Umstände hatten es veranlaßt, daß sein großzügiger Plan eine Unterbrechung erfuhr, die ihn und seinem Flugkameraden fast das Leben kostete- Was bei den Amerikanern sportlicher Elan ist, das ist bei unseren deutschen Fliegern Pionierarbeit für deutsches Ansehen, für deutsche Arbeit, für deutsche Zukunft. Wenn jeder einzelne in Deutschland von dem gleichen unbeugsamen Willen erfüllt Äug 'ri^iS^^M-UM- “ mit klarem Ziel entgegenstemmen würde, dann sollte eigentlich der Erfolg nicht ausbleiben.
Zielktaxheit tut not.
Ohne klares Ziel und ohne festen Willen nutzt auch die Arbeit der Besten nichts. Die Krisenentwicklung hat allgemein ein Tempo angenommen, das uns nicht mehr Zeit läßt, ewig zu prüfen und zu erwägen, weil die Entscheidungen dann durch die Tatsachen überholt sind. Das hat sich z. B. in diesen Tagen wieder in der Frage der Kontingen
tierung der Frühkartoffeleinfu wurde erst festgesetzt, nachdem durch die
t. Sie ufuhren
aus Belgien und Holland der deutsche Frühkartoffelbauer in seinen Verdienstmöglichkeiten bereits eingeengt worden war. Dagegen scheinen die soeben bekanntgegebenen Maßnahmen zur Finanzierung der Ernte und der Verteilung des ersthändigen Angebots frühzeitig genug ergangen zu sein, um die deutsche Landwirtschaft vor dem Preis- druck des Auslandes zu schützen. Oberster Gesichtspunkt der getreidewirtschaftlichen Linie der Reichsregierung ist dabei wohl der gewesen, den Landwirt in die Lage zu versetzen, seine Ernte nicht unmittelbar nach der Bergung abstoßen zu müssen, und andererseits für alle Getreidemengen, die in den nächsten Monaten über den laufenden Bedarf hinaus auf den Markt gebracht werden, Aufnahmemöglichkeiten zu schaffen. Unsere Landwirtschaft als wesentlicher Faktor . unserer Volkswirtschaft kann nur dann ihren Gesundungs- prozeß beenden, wenn sie von dem Preisdruck des Auslandes so viel wie möglich verschont bleibt.
Ruhe zum Aufbau.
Was für die Landwirtschaft gilt, gilt durchweg für unsere Gesamtwirtschaft, für unser deutsches Volk überhaupt Wir können keinen festen Grund schaffen, wenn wir uns bis zur Selbstzerfleischung gegenseitig bekämpfen. Alle müssen zupacken, um das Werk des Wiederaufbaues zu erreichen. Der inzwischen'mit aller Macht eingesetzte Wahl- kampf ist kaum dazu angetan, die Ueberbrückung der Gegensätze zu erreichen Neue Abgründe werden aufgerissen der Fanat'-"nus, die parteipolitischen Leidenschaften neu geweckt und vertieft. Wo ist da Sammlung, wo der Wille zur wirklichen Freiheit? Es ist erschreckend, wenn täglich die Presse neue Blutopfer des politischen Terrors melden muß, wenn die staatsverneinenden Kräfte b'* Rreffe- und Meinungsfreiheit zur Störung der Ordnung und der persönlichen Sicherheit mißbrauchen. Auch der geistige Kampf hat zum Teil Formen angenommen, die bedenklich stimmen müssen. Wer den Staat stützen und stärken will, der muß auch in der Ausfechtung von Meinungsverschiedenheiten sich jener Waffen bedienen, die die eigene Ehre und Sauberkeit ebenso unangetastet lassen wie die des Gegners Das erfordert ehrlicher Kampf. Wo die brutale Macht die Waffen des Geistes ersetzt, da kann kein Aufbau, da sann nur Zerstörung fein
Freie Bahn zur Freiheit.
nur zwei THW gegenüber: die igslose S' u n g der Tri-
In Lausanne sitzen seit drei Wochen die Staatsmänner beieinander, um das Tributproblem -u bereinigen Es stehen sich eigentlich i deutsche aus bedingungslose : but« und die französische auf Bei stonsidee. Frankreich steht dabei ■
der Repara- n Posten, den
der
es aber mit allen Mitteln französischer Verschlagende!! und Halsstarrigkeit verteidigt. Denn nicht die Ziffern an sich spielen jetzt noch die große Rolle, sondern die „Unamait barfeit her Verträge". Man ist sich allgemein darüber klar daß mit der Beseitigung der Tributleistungen der wesentlichste Anlaß zur weltwirtschaftlichen Zerrüttung in Fortfall käme. Aber — und darum kämpft man jetzt seit Tagen in zähester Verbissenheit —, die Wiedergutmachungsbestim mungen des Versailler Diktats haben den Krie^sichuldpara graphen 231 zur Einleitung. Es ist logisch, daß Deutschland eine Reparationsregelung nur anerkennen kann wenn man damit auch die Aechtungsbestimmungen gegen Deutschland ein für allemal beseitigt. Wie es heißt, soll Herriot nach seiner Rückkehr aus Paris in diesem Punkt hartnäckige denn je fein. Er will keine Regelung, die eine Revision
Versailler Bestimmungen einschließt. Aber ohne Beseitigung des Kriegsschuldenparagraphen ist für Deutschland keine Regelung denkbar. Hier muß der erste Schritt zur wirklichen deutschen Freiheit getan werden. Es ist deshalb nicht von ungefähr, daß unsere so oft zitierten und kritisierten Pazifisten plötzlich entdecken, daß das Öerfatller Diktat überhaupt nichts von der Schuld Deutschlands am Kriege enthielt, so daß ihnen — den Herren Pazifisten — nicht in den Kopf will, daß die deutsche Delegation in Lausanne unbedingt auf Beseitigung dieses Kriegsschuld Paragraphen besteht. Sie halten damit Herriot die Stange und fallen der deutschen Delegation in den Rücken. So arbeitet man in Deutschland an der Wieder- ß-winnung deutscher Freiheit!
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Entscheidung in Lausanne
Lausaml«, & SÜK^^J
Der gestrige Tag scheint eine Entscheidung in Lausanne gebracht zu haben, obwohl ein formeller Abschluß noch nicht vorliegt. Herriot befindet fich zur Zeit bei Matz Donald, mit dem er auf seinem Zimmer gespeist hetz und dürfte dabei über das Ergebnis der Aussprache unterm richtet werden, die nachmittags der Reichskanzler und der Reichsaußenminister mit dem Konferenzpräsidenten ge» habt haben.
Die Entscheidung, die von feiten der Franzosen mindestens vorläufig gefallen ist, scheint einen Erfolg innerhalb des großen Rahmens der Konferenz zu vereiteln: die Diskussion einer Beseitigung der Reparationen in Verbindung mit dem Wegfall der sogenannten Diskriminationen Deutschlands. Die hartnäckige Ablehnung Herriots, solche „politische Punkte" zu erörtern, wird nunmehr als gegeben angesehen werden müssen. Es handelte sich auch nicht, wie von ausländischer Seite gelegentlich unterstellt wird, um einen Streit um die Formulierung dieser politischen Differenzpunkte, sondern um deren prinzipielle Ablehnung.«
Es bleibt also im Augenblick nur die Möglichkeit einer Lösung des eigentlichen Reparationsproblems im engeren Rahmen, das ursprünglich einen Punkt des Lausanner Programms, wenn auch den für Deutschland vordringlichsten, darstellte, In dieser Beziehung sind eine Reihe von Schwierig irrten noch zu überwinden, die sich auf die Bedingungen für den vorgesehenen Plan, auf die Ziffern- frage, auf die Verfallsfrist für nicht begebene Bonds, auf die Verpflichtungen bezüglich anderer deutscher Ausländsanleihen, auf den Ausgabekurs usw. beziehen.
Die deutschen Bemühungen, den weiten Rahmen der Konferenz sicher zu stellen, der allein Gewähr für einen vollkommenen Wiederaufbau i es Vertrauens und damit wirtschastticher i Möglichkeiten im allgemeinen Interesse zu bieten schien, sind im Angrrrb ick als gescheitert an- zusehen, obwohl gerade die Bereinigung der politischen Atmosphäre als eine ^or ussrtzung für den Erfolg finan- zkdiler Regetunge i nicht nur von uns, sondern von den Baseler Sachverständigen cagesehen und von MacDonald unterstrichen worden ist
Die Bemühungen, die Ko serenz zu einem, wenn auch vielleicht zunächst erheblich besHränkteren Ziele zu führen, werden fortgesetzt; die äußeren Bedingungen dafür sind im Augenblick m H nicht festgelegt.
Rachtbesuch des Reichskanzlers bei MacDonald.
Im späteren Verlauf des gestrigen Abends wurden Reichskanzler von P a p e n und Reichsaußenminister Freiherr von Neu rath noch ins englische Hauptquartier gebeten, wo sie im Augenblick aes Wegganges von Her- not um 23 20 Uhr eintrasen. Herriot äußerte sich bei seineWeggänge e ni e. sichtlicher und deutete an, er sehe die Möglichkeit einer Entspannung.
Das Ehrenmal für aw Kokmialtämpfet.
Las Ehrenmal für die Kolonialkämpfer in Bremen, das schon- vor längerer Zeit von unbekannt - Hand stückweise ..enteilt" worden war. wurde jetzt im Beisein der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden sowie zahlreicher Verbände
feierlich ein
geweiht. Auf dem Bilde sieht man Lettow-Vor- beck im Vordergrund des Denkmals.
Norberei-ung der WirtschastHonstrenz
Genf. 8. Juli
Zur Vorbereitung der von MacDonald geplanten Welt- wirtjchafts- und Finanzkonferenz, die gegebenenfalls unter Mitwirkung des Völkerbundes ftattfinben soll, stehen unmittelbar« Schritte bevor, die diese Zusammenarbeit zum Ausdruck bringen werden.
Man rechnet damit, daß der Bälkerbundsral auf Grunk einer Aufforderung durch den englischen Ministerpräsidenten sofort nach Abschluß der Lausanner Konferenz, vielleicht noch diese Woche, zu einer Sondertagung einberufen werde, um die erforderlichen Beschlüsse zu fassen.
Washiostsüs «edSmifte SvSga« Festhalten am Hoover-Plan, aber...
Washington, 8. Juli.
Die geplante Vertagung der Genfer Konferenz wird im Staatsdepartement als ein „kluger Schritt" (!) bezeichnet Stimson hatte ein Telephongespräch mit Gibson und erklärt« anschließend, der Hoover-Plan bedürfe einer eingehenden Prüfung von feiten der einzelnen Regierungen.
Die amerikanische Delegation werde nach Washington kommen, um die Vorschläge der anderen Delegationen zum Hoover-Plan mit maßgebenden hiesigen Kreisen zu erörtern Wahrscheinlich werde der Stab der Delegation bei einer neuen Reise wegen Geldmangels verkleinert werden.
Dieses bedeute jedoch kein Aufgeben des Zieles. «Die amerikani^e Regierung halte im Gegenteil die bisherige Entwicklung für sehr ermutigend (?) und werde weiterhin auf die Durchführung des Hoover-Planes hinarbeiten.
Französisches TL-Boot gesunken
66 Vermißte.
Cherbourg. Das französische Unterseeboot „Prome- thee" ist gestern auf der Reede von Cherbourg gefilmten An Bord befanden sich 73 Mann, von diesen wurden sieben gerettet. Die Rettungsarbeiten wurden sofort mit allen Kräften ausgenommen, werden aber durch starke Strömungen sehr erschwert. ^” b? r ernstesten Befürchtungen wegen der Rettung „ev <4 oem gesunkenen Boot eingeschlossenen 66 Mann der Besayung
. Das Unterseeboot hatte eine Versuchsfahrt über Wasser unternommen, als es plötzlich sieben Meilen nördlich, von Kap Levi sank. Das Meer ist dort etwa 50 Meter' tief. — Die „Promethee" ist ein Unterseeboot erster Klasse von 1370 Tonnen Raumverdrängung. Es wurde im Oktober 1930 vom Stapel gelassen.
Der U-Boot-Kommandant, der sich unter den Geretteten befindet, war durch das Unglück so stark mitgenommen, daß er am Telefon dem Kriegs narinemimster in Paris seine genauen Angaben über den Hergang der Katastrophe machen konnte.
Die Dom Statistischen Reichsamt für'den Monatsdurchschnitt Juni berechnete Großhandelsrichtzahl ist mit 96,2 gegenüber dem Vormonat um 1,0 v. H. gesunken.