Anzeigenpreis,: Die einspaltige 45 mm breite Petitzeile 15 Pfg., die Reklamezeile (90 mm breit) 50 Pfg. (Grundschrift Korpus). Bei Wiederholungen wird entsprechender Preis-Nachlaß gewährt. % Für die Schriftleitung verantwortlich: Franz Funk in Hersfeld Fernsprecher Nr. 608.
Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.35 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für HerSfeld 1.10 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark.
Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDJV.
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher /lnzeiger für den Kreis hersfelö
Nr. 166
Montag, den 18. Juli 1932
82. Jahrgang
Kommunistischer Feuerüberfall a
Schüsse aus dem Hinterhalt
! Alton«, 18. Juli.
Bei einem nationalsozialistischem Aufmarsch entstand den am Sonntag nachmittag in Altona folgenschwere Zusammenstöße. Anfangs hatte sich der Aufmarsch in vollkommener Ruhe abgewickelt. Erst als der Zug in die ausgesprochenen Arbeiterviertel einbog, kam es zu Anrempe- leren, aus denen sich die blutigen Zusammenstöße entwickelten.
Nach Angabe von Augenzeugen wurde aus verschiedenen Däusern auf den marschierenden Zug sowie auf die ihn begleitenden Polrzeibeamten geschossen.
Bis 22 Uhr wurden ein Toter — ein Nationalsozialist — und 34 Verletzte festgestgestellt. Die Polizei eröffnete gleichfalls das Feuer und nahm gleichzeitig Haussuchungen von Häusern und Durchsuchung von Passanten vor, die im Verdacht standen, an den Zwischenfällen beteiligt gewesen zu sein. Der nationalsozialistische Zug mußte seinen Marsch unterbrechen und wurde aufgelöst. An verschiedenen Stellen wurde versucht, die Straße aufzureißen und Barrikaden zu errichten. Dies konnte jedoch von der Polizei verhindert werden.
Erkundigungen im Altonaer Krankenhaus um 22.20 Uhr ergaben, daß bis 22 Uhr 55 Verletzte eingeliefert worden sind. Von ihnen sind fünf ihren Verletzungen erlegen. Ferner sind drei Tote eingeliefert worden, so daß sich die Gesamtzahl der Toten bei den Unruhen in Altona bisher auf zwölf stellt.
Gegen 29 Uhr trat eine gewisse Beruhigung ein, nachdem in der Kleinen Freiheit eine aus Fuhrwerken errichtete Barrikade von der Polizei gestürmt worden war. Der i^roHKt^aEr.^-f^ war nördlich ^r Großen Bergstraße in der Reichenstraße bis zur Hamburger Grenze oaULuM- r i lahmgelegt, an vielen Straßenbahnen waren die < üben durch Schüsse zertrümmert.
Trotz Einsatzes von Panzerwagen fuhren die kommunistischen Dachschützen fort, auf die Polizei zu feuern.
Ganze Straßenzüge mußten von der Polizei Haus für haus abgesucht werden und eine große Anzahl Personen wurden zwangsgestellt und ins Polizeipräsidium gebracht.
Insgesamt fielen rund 150 Schüsse. In der Kleinen Freiheit hatte man versucht, durch Ouerstellen von Kohlenwagen Hindernisse zu schaffen, von denen aus die Polizei beschossen worden sind. In der Adolf-straße wurde eine Straßenbahn angehalten, Führer und Passagiere zum Aussteigeu gezwungen und der Wagen laufen gelassen. An anderer Stelle hatte man einen Straßenbahnwagen umgeworfen.
Nach dem Polizeibericht sind die Zwischenfälle offenbar auf ein planmäßiges Vorgehen der Antifaschistischen Aktion zurückzuführen. In der Gegend der Hamburger Grenze wurden der Demonstrationszug und die ihn begleitenden Polizeimannschaften von Dächern, Balkönen und aus Häusern beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und nahm sofort Hausdurchsuchungen vor, ohne jedoch die Täter festnehmen zu können.
Reichswehr-Einsatz gegen Kommunisten
Mit Maschinengewehren umstellt / 140 Zwangsgestellungen Fürstenwalde (Spree), 18. Juli.
In der Nacht zum Sonntag wurde auf der Chaussee von L a n g e w a h l nach K e t s ch e n d o r f bei Fürstenwalde ein Lastauto mit Nationalsozialisten von einer großen Menge Kommunisten beschossen. Im Handgemenge wurden dann vier Nationalsozialisten durch Dolchstiche und Schläge verletzt. Ein Kommunist wurde durch den Schuß eines Schupobeamten verletzt. Außer dem Landjäger befanden sich nur wenige Schupobeamte in Ketschendorf. Es war aber anzunehmen, daß die Kommunisten weitere Ileberfälle unternehmen würden. Da rechtzeitiges Eintreffen von Schupo infolge weiter Entfernungen unmöglich war, wurde ein Zug Potsdamer Reiter in Fürstenwalde mit Maschinengewehren eingesetzt, der das Lokal in Ketschendorf umstellte und bewachte. Die Landjäger und die Schupo durchsuchten dann das Lokal und die sich dort auf- halteuden 140 Kommunisten. Sie fanden bei diesen selbst keine Waffen mehr, dagegen wurde im Lokal eine Reihe von Revolvern, Brownings, Terzerolen, zahlreiche Dolche, eine große Menge von Gummiknüppeln, Schlagringen und Stöcken und außerdem ein großer Posten Munition beschlagnahmt. Die Kommunisten wurden sämtlich zwangsgestellt und nach Fürstenwalde gebracht. Sie wurden unter polizeilicher Bedeckung nach Berlin abgeschoben. Die Anwesenheit der Reichswehr hat auf die erregten Gemüter außerordentlich beruhigend gewirkt.
Der tägliche „Kampfbericht"
Berlin, 18. Juli.
Auch am Wochenende ist es in der Hauptstadt wieder zu schweren Zusammenstößen gekommen. Der 23 Satire alte
in Altona
Nationalsozialisten
Nationalsozialist Friedrich Schröder wurde nachts auf dem Heimwege beschossen. Schröder brach schwer getroffen zu- tammen und starb bald. Die Polizei nahm zwei Kommunisten unter dem dringenden Verdacht, an dem lieber- beteiligt gewesen zu sein, fest.
In Lichtenberg wurde der 10fährige Radfahrer Lindenau von Nationalsozialisten durch Messerstiche schwer verletzt. Im Norden der Stadt wurde der 51jährige nationalsozialistische Arbeiter Ernst Deutsch von Kommunisten überfallen und durch Messerstiche verletzt .
Ge^en 1899 SA.-Leute verunstalteten in Aurich Osis..e..and) eine Demonstration und begaben sich dann auf Lastautos und Motorrädern zu einem weiteren Aufmarsch nach Norden. Bei dem Orte Victorbur wurden sie aus einer Gastwirtschaft beschossen. Fünf Nationalsozialisten wurden zum Teil schwer verletzt und mußten in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor.
Zwei Tote — 25 Verletzte in Greifswald.
Greifswald. Nach einem Zusammenstoß mußten sieben Nationalsozmlisten und ein Kommunist mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Kurze Zeck spater wurden Nationalsozialisten von Kommunisten ba.zn zum „Goldrand" befördert wurden, entzündeten ms Krankenhaus gebracht, zwei davon, der Greifswalder Student Reinhardt und der Landwirt Massow, sind ihren schweren Verletzungen erlegen.
Verbot der NeichsbKNnerzeitung
Das wöchentlich erscheinende Bundesorgan des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, „Das Reichsbanner", ist auf Ersuchen des Reichsinnenministers auf Grund der Not» Verordnung für 14 Tage verboten worden.
Das Verbot erfolgte wegen das in der letzten Nummer der Zeitschrift — in Anlehnung an ein Wahlplakat bei der letzten Reichspräsidentenwahl — über eine Reihe von Särgen, die die Opfer der Straßenunruhen der letzten Zeit symbolisieren sollen, den Schatten des Reichspräsidenten zeigte und die Unterschrift trug: „Unsere Treue ward uns zum Leichentuch", während neben dein Bilde zu lesen war: „Die Treue ist das Mark der Ehre".
Reichsrat und Arbeitsdienst
Einige Abänderungswünsche der Länder.
Berlin, 17. Juli.
Die Ausschüsse des Reichsraks behandelten die neue
Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst. Aus dev Reihen des Reichsraks wurden eine Anzahl Wünsche geäußert Die Bedenken der Länder richteten sich insbesondere gegen die Institution des Relchskommisiars für den freiwilligen Arbeitsdieyst. •
Die Reichsregierung wurde ersucht, die Verordnung dahin abHuändern, daß der jeweilige Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung gleichzeitig Leiter des freiwilligen Arbeitsdienstes fein soll. Praktisch würde dadurch allerdings nichts geändert werden, denn Präsident Dr. Sy> rup ist bereits als Reichskommissar für den Arbeitsdienst in Aussicht genommen.
Die Regierungsarbeit
Einbeziehung Bayerns in die Osthilfe.
Berlin, 17. Juli.
Das Reichskabinett hielt eine Sitzung ab, nachdem auch Reichskanzler von Papen wieder aus Neudeck in Berlin ein- getroffen war, Gegenstand der Beratungen waren vorwiegend innerpolitische Fragen, wie sie in bezug auf die R u n d f u n k o r g a n i s a t i o n, den f r e i wi l l i g e n Ar- tz e i t s d i e n st usw. in den letzten Tagen erörtert wurden.
Das Reichskabinett hat beschlossen, dem Reichspräsidenten eine Verordnung über die Ausdehnung der Osthilfemaßnahmen auf die östlichen Gebiete Bayerns in Vorschlag zu bringen.
Bekenntnis zum Führer-Prinzip
Eine Entschließung des Deutschen Studententages.
Königsberg. Der 15. Deutsche Studententag. der am Sonnabend in Königsberg seinen Abschluß fand, nahm mit 155 ceaen drei Stimmen bei 24 Stimmenthaltungen euren Antrag an, nach dem die Studentenschaft grundsätzlich die Abkehr von dem demokratisch-parlamentarischen Aufbau fordert und sich zum Führerprinzip bekennt.
Mit den bis zum 15. Juli neu bewilligten Kleinsied l erst eilen ist deren Gesamtzahl nunmehr auf 117 933 Stellen in 223 Gemeinden des Deutschen Reiches bestiegen. Die Gesamtzahl der bewilligten Kleingarten- stellen beträgt rund 51 000 in 285 Gemeinden.
Freiwilliger Arbeitsdienst
Die neue Verordnung der Reichsregierung.
Berlin, 18. Juli.
Die Reichsregierung hat die Verordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst erlassen.
Nach dem Inhalt der Verordnung müssen die Arbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes gemeinnützig und zusätzlich fein; sie dürfen nicht zu einer Verringerung der Arbeitsgelegenheiten auf dem freien Arbeitsmarkt führen, Träger der Arbeiten sind öffentliche Körperschaften oder sonstige Vereinigungen, die gemeinnützige Zwecke verfolgen. AIs Träger des Dienstes kommen neben den Trägern der Arbeit die Vereinigungen in Betracht, die sich in besonderem Maße für die Betreuung der Arbeitsdienstfreiwilligen eignen.
Die Arbeitsdienstfreiwilligen genießen die Vorteile der Sozialversicherung und des Arbeitsschutzes. 3n erster Linie sollen junge Deutsche unter 25 Jahren bedacht werden, und zwar von diesen wieder besonders Arbeitslose, die aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Daneben kommen aber auch Nichtarbeitnehmer in Betracht.
Am eine möglichst einfache und sparsame Durchführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes sicherzustellen, werden die für diesen Zweck bereitstehenden Reichsmittel und Mittel der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung einheitlich zusammengesaßt und verwaltet. Die Reichsregierung wird einen Reichskommissar ernennen, der dem Reichsarbeitsminister untersteht. Als Reichskommissar ist der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup in Aussicht genommen. Ein neuer Behördenappa- rat wird nicht geschaffen. Vielmehr stehen die Einrichtungen der Reichsanstalt zur Verfügung.
D-e Reichsregrerung behält sich vor, den Freiwilligen Aibc'tsAeust unter Berücksichtigung der kommenden Er- fahrui gen weiter auszubauen.
Der AusgsLeKkre'S des Fr. A.
Reichsarbeitsminister Dr. S ch a e f f e r sprach am Sonnabend um 19 11 hr im Rundfunk zur neuen Notver- ordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst. Der Frei- -rickire Arbeitsdienst, so sagte der Minister, erstrecke sich ^^^Ä^^^u^^^ed^jetzt noch in absehbarer Zeit ohne ^^^^^ö^^^unbb^t^OnHw^PitWliitjatfidf^ wie z. B. die ’
Anlage und Verbesserung von Dorfstraßen, Feld- und Waldwegen, die Ausrichtung kleiner Flußläufe, die Befestigung und der Schutz der' Ufer von Bächen und Flüssen, dieGewinnung und Verbesserung von Boden durch Kultivierung von Moor und Heide für den Acker- uni> Gartenbau durch Zuschüttung von Sümpfen und A iwa fern, durch Aufforstung von Oedländereien, Kies- unb Sandgruben, die Placierung und Urbarmachung von Siedlirugsgeiands und ähnliche.
N o t st a n d s a r b e i t c u als solche sind im allgemeinen nicht Gegenstand des Freiwilligen Arbeitsdienstes, insbesondere nicht der Bau von Land- und Wasserstraßen, Die Errichtung von Stauwerken, die Eindeichung, Ent- und Bewässerung in großem Umfange. Es wird nicht leicht sein, überall die rechte Grenze zu finden. Das än- )ert aber nichts daran, daß dem Freiwilligen Arbeitsdienst natürliche Grenzen gezogen sind.
Der Arbeitsdienst ist freiwilliger Dienst. Die Verordnung übt keinen Zwang aus. Der Eintritt in den Freiwilligen Arbeitsdienst begründet
kein Dienst- oder Arbeitsberhältnis im Sinne der gesetzlichen Vorschriften.
Es finden daher die Bestimmungen über den Arbeitsver- irag, die Arbeitsverfassung, über den Betriebsrat usw. keine Anwendung. Der Freiwillige Arbeitsdienst ist vielmehr Dienst in einer selbstgewählten Gemeinschaft. Die irbeitsdienstliche Gemeinschaft gibt Rechte, insbesondere den Anspruch auf Unterhalt, sie begründet aber auch Verbindlichkeiten, insbesondere die Pflicht der selbstlosen Einordnung.
„Ich bin mir bewußt, schloß der Minister seine Ausführungen, daß man mit dem Arbeitsdienst allein das deutsche Schicksal nicht meistern kann. Die Führer in der Wirtschaft und im Staate werden auch weiterhin auf Mittel und Wege sinnen, dem wirtschaftlichen Niedergang ein Ende zu machen und den Wiederaufstieg wieder vor» zubereiten."
Hugenberg und die NSDAP.
Auf einer deutschnationalen Iugendkundgebung in Mühlheim (Ruhr) erklärte Dr. Hugenberg am Sonntag in einer Wahlrede u. a., Deutscher Natronalrs- mus müsse den Vorrang vor deutschem Individualismus haben. Das sei der Satz, in dem er mit den Nationalso- zialisten völlig übereinstimme. Aber man wolle nicht den deutschen Individualismus vernichten. Das sei der Punkt, wo sich der Weg der Deutschnationalen scheide. Es werde ein hohes politisches Verdienst Hitlers sein, wenn es ihm gelinge, die Massen innerlich umzukneten.
Die Deutschnationalen müßten sich um des Vaterlandes willen mit den Nationalsozialisten ausernander- setzen, und mit rücksichtsloser, Kraftanstrengung das ihrige tun, um die gefürch e-e Entwicklung nacy der sozlanstijann Seite hin nicht Tatsache werden zu lassen. .
Es widerspreche innerstem deutschen Wesen, einem einzel cn Menschen alle Macht geben zu wollen. Die Deutsch,rationalen lehnten diese Ziele ab.