Hersfel-er Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
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Nr. 168
Mittwoch, den 20. Juli 1932
82. Jahrgang
Doch ReichSkommissar für Dreusten?
Kanzler-Verhandlungen mit den Preußen-Ministern — Personalunion zwischen Kanzler und MinifterprSsident?
Der Kamps um Breitsten
Der Reichskanzler verhandelt mit Preußen.
Berlin, 20. Juli
Me verlautet, hak Reichskanzler von Papen die preußischen Minister Hirtsiefer und Severing für Mittwoch 3« einer Besprechung zu sich gebeten.
Zu den vorgesehenen Verhandlungen verlautet, daß da bei die Frage eines Reichskommissariats eine Rolle spielet werde. Eine Korrespondenz behauptete, daß der Reichs kanzler selbst die Funktionen eines Reichskommissars über nehmen werde und daß er zu seinem Stellvertreter den Esse ner Oberbürgermeister Dr. Bracht bestellen würde. Ein Ber liner Blakt will wissen, daß Dr. Bracht zum Reichskommissal für Preußen ausersehen sei. Es handelt sich hier allerdings vorerst nur um Gerüchte bezw. um private Informationen
In Verfolg des Demonstrationsverbotes wird jetzt vielfach davon gesprochen, daß man in Kreisen der Reichsregierung noch weitergehende Maßnahmen zur Sicherung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erwägen würde.
Dazu wird aus politischen Kreisen bekannt, daß dic Reichsregierung zunächst einmal abwartet, wie sich die inner- politische Lage auf Grund des Demonstrationsverbotes gestaltet. Entsprechend der Mitteilung der Reichsregierung erwägt man selbstverständlich, welche Schritte gegebenenfalls eingeschlagen werden sollen.
Insbesondere wird die von der Reichsregierung ange- kündigle Verschärfung des Waffengesetzes, die unter Umständen sogar die Verhängung der Todesstrafe ermöglichen soll, auf ihre juristische Durchführbarkeit im einzelnen unter- sucht, wobei auch mit den Ländern auf inoffiziellem Wegc Kühlung gc-rrommc u.M .My»-chMWM IM|»£^^^W4 ist für diesen Zweck nicht in Aussicht genommen. Man erwartet, daß die endgültige Entscheidung über diese Frage spätestens in der zweiten Hälfte dieser Woche fällt.
Gerüchte um den ReechskowmMr
Was die „Germania" wissen will.
Berlin. Die „Germania" will von zuverlässiger Seite erfahren haben, daß nach den Beratungen der Reichsregierung die Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen so gut wie sicher sei. In der heutigen Besprechung des Reichskanzlers sollen die preußischen Minister über das geplante Vorgehen des Reiches unterrichtet werden. Das einzuschlagende Verfahren — so behauptet die „Germania" — sei so, daß der Kanzler an die preußische Regierung die Aufforderung richte, freiwillig zurückzutreten, um den Reichskommissar, als welcher nach der „Germania" übrigens Herr von Papen selbst fungieren soll, Platz zu machen. Sollte die preußische Regierung dieser Aufforderung nicht nachkommen, dann sei geplant, für das preu- B Gebiet den Ausnahmezustand zu erklären. Auf diese
> würde dann ohnehin die ganze Gewalt völlig auf das Reich übergehen. In diesem Plan solle ferner auch die Beseitigung einer Reihe preußischer Staatssekretäre eingeschlossen sein, die vc. Reich? gierung aus politischen Gründen unbequem wären.
Von zuständiger Stelle wird hierzu ausdrücklich erklärt, daß die Behauptung, für das preußische Gebiet solle der Ausnahmezustand erklärt werden, vollkommen falsch sei. Ebenso seien keine anderen Beschlüsse seitens der Reichs- rearerung gefaßt worden. Die Oich^echerung wa-te vielmehr die Auswirkungen ihrer Maßnahmen Zunächst ab. Damit fallen auch alle Behauptungen, dre d-e „Ger- । mama aufstellt.
Doch Arbeitiidienstpflicht?
Dr. Syrup über die Aufgaben des Freiwilligen Arbeitsdienstes.
Berlin, 20. Juli.
Der zum Reichskommissar für den Arbeitsdienst ernannte Präsident Dr. Syrup erläuterte vor Vertretern der Presse die Aufgaben des Freiwilligen Arbeitsdienstes, der künftig die jungen Deutschen allgemein, ohne Unterschied der Herkunft, der Berufsbildung und der Weltanschauung zusammenfassen soll zu gemeinsamer nutzbringender Arbeit für die Volksgemeinschaft. Innerhalb dieses erweiterten Personen- kreises müsse die arbeitslose Jugend wie bisher eine besondere Berücksichtigung erfahren.
Eine weitere wesentliche Aenderung bestehe darin, daß künftig allgemein bei volkswirtschaftlich wertvollen Maßnahmen die Höchstdauer, für die der einzelne Arbeiksfreiwillige gefördert werden kann, von bisher 20 Wochen auf 40 Wochen ausgedehnt worden ist.
Im Mittelpunkt des Arbeitsdienstes müsse die ernsthafte Arbeit stehen. Entscheidend für das Gelingen dieser hochgesteckten Ziele sei die Lösung der Führerfrage. Schematismus und Bürokratismus jeder Art seien gerade auf diesem Gebiet vom Uebel. Man könne bereits beobachten, daß Füb rertypen besonderer Prägung sich herauszubilden beginnen. Dr. Syrup hält es für seine Aufgabe, diese Entwicklung mit Nachdruck zu unterstützen.
Regierung erklärt im Mundfunk: ,
Die 55 Millionen Mark, die bisher für die Zeit bis zum 31. März nächsten Jahres zur Verfügung stehen, ermöglichen bei einer Förderung bis zu zwei Reichsmark je Kopf und Arbeitstag, etwa 30 Millionen Tagewerke im Freiwilligen Arbeitsdienst auszuführen. Trotz dieser begrüßenswerten Ausdehnung des Arbeitsdienstes wird sich die breite
______ aruoer bmaus Gegenstand ernster Anstrengungen und iebhafter Sorge sein muß.
Die 55 Millionen Mark, die bis!
jum 31. März nächsten Jahres zur
Berlin. Im Rundfunk wurde gestern folgende Er^ der ' verlesen:
nters no
Die Frage der BreÄLN-Kegiemüg
Präsident Kerrl
Landtagspräsident Kerrl
an den Kanzler.
Berlin, hat am Dienstag
20. Juli.
den bereits
angekündigten Brief an den Reichskanzler v. Papen gerichtet. Er teilt zunächst mit, daß seine Bemühungen um die Bildung einer verfassungsmäßigen Regierung in Preußen erfolglos geblieben seien. Für dieses Ergebnis macht er die vom verflossenen Landtag in letzter Stunde vorgenom- mene Geschäftsordnungsänderung verantwortlich.
Die nationalsozialistische Fraktion sei durchaus bereit gewesen, die Verantwortung für die Regierungsbildung zu übernehmen und einen Kandidaten für den Ministerpräsidenten zu stellen. Sie verlange aber mit Rücksicht auf die diesem zufallende ungeheure Verantwortung, daß der Ministerpräsident vor seiner Wahl keinerlei Bedingungen zu übernehmen brauche, sondern völlige Freiheit in der Bildung des Kabinetts und der Festlegung des Regierungspro- gramms behielte. Die Zentrumsfraktion habe diese Forderungen abgelehnt.
Die Nationalsozialistische Fraktion habe keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie von ihren Forderungen auch nach dem 31 Juli nicht abgehen werde Ihr Fraktionsvorstand habe Auftrag gegeben zur Klageerhebung auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit der Geschäftsordnungsänderung vor dem Staatsgerichtshof. Obwohl, so heißt es in dem Schreiben weiter, bei dieser Lage zur Behebung der Krise eine nochmalige Befragung des Volkes notwendig sei, habe er doch den Dreierausschuß zur Beschlußfassung nicht berufen, weil von ihm eine Zustimmung zur Landtagsauflösung nicht zu erwarten sei.
reitungen vom 14. Juni 1932, die weitgehen Milderungen gegenüber den bis dahin bestehenden Maßnahmevorschriften brächte, hatte der Herr Reichspräsident in einem Brief an den Reichsminister des Innern, der seinerzeit auch der OeffentlichkeitZbekanntgegeben worden ist, der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der politische Meinungskampf in Deutschland sich künftig in ruhigeren Formen abspielen werde und daß Gewalttätigkeiten unterbleiben würden. Der Herr Reichspräsident hatte hinzugefügt, daß er, falls sich diese Erwartung nicht erfüllen sollte, entschlossen sei, mit allen ihm verfassungsmäßig zustehen- den Mitteln gegen Ausschreitungen jeder Art vorzugehen.
Leider haben sich jedoch die politischen Zusammenstöße und Ueberfälle namentlich in letzter Zeit dauernd vermehrt, und die Zahl der Toten und Verletzten, die die Opfer von Ueberfällen geworden sind, ist erschreckend gestiegen. Die Polizeigewalt hat offensichtlich nicht überall ausgereicht, solche Zusammenstöße und Ueberfälle zu verhindern.
Der Reichsminister des Innern hat bei dieser Sachlage von der ihm durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Juni 1932 erteilten Befugnis, Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge wieder zu verbieten, Gebrauch gemacht. Nachdem am Sonntag vor acht Tagen in Ohlau und am letzten Sonntag in Altona sich die bekannten blutigen Vorfälle ereignet hatten, mußte es der Reichsminister des Innern in Uebereinstimmung mit dem Kabinett als seine Pflicht ansehen, zunächst diese Maßnahme zu treffen. Es sei aber selbstverständlich und von der Reichsregierung auch bereits am Montag «»gekündigt Korden, daß das Demonstrationsverbot nur ein erster
Auf Grund der Erfahrungen der nächsten Monate wird Dr. Syrup der Reichsregierung das gewünschte Gutachten darüber erstatten, ob und unter welchen Voraussetzungen die Einführung der Arbeitsdienstpflicht in Deutschland geboten sei
In ere
Ein Brief Sindesiburgs
Ueber die politischen Zusammenstöße.
Berlin, 20. Juli.
einem Schreiben an den Reichspräsidenten hat der
mecklenburgische Minister Moeller auf Aeußerungen Hitlers in Weimar verwiesen, die besagten, daß hinter der „bürgerlichen Parole der Ruhe und Ordnung, die Feigheit, Halbheit und Schwäche" sich verberge. Gegenüber diesen Aeußerungen erklärte Moeller, es sei unerträglich, wenn
man den Wunsch nach innerer Ruhe und staatlicher Ordnung für „feig" erklärte.
Der Reichspräsident hat, einer Berliner Zeitung zufolge, auf dieses Schreiben erwidert, er würdige die vaterländischen Beweggründe, die Moeller zu seinen Darlegungen veranlaßt haben. Im einzelnen lägen die Dinge vielfach anders, als sie in den Zeitungen geschildert würden. Er werde aber, so schließt die Erklärung Hindenburgs, „die weitere Entwicklung auch fernerhin sorgfältig prüfen und, tatsächlich diese politischen Zusammenstöße einen wei- Umfang annehmen und zur Gewohnheit werden, nicht
wenn
des Volkes notwendig sei, habe
Durch das zufolge der Geschäftsordnungsänderung herbeigeführte Scheitern der Bildung einer verfassungsmäßigen Regierung sei nunmehr der nach der Verfassung nur als Notbehelf angesehene Zustand einer geschäftsführenden, sich nicht des Vertrauens des Volkes erfreuenden Regierung zu einem Zustand von unabsehbarer Dauer erhoben, und Land- tag und Mehrheit des Volkes könnten ihren Einfluß auf die Führung der Regierungsgeschäfte nicht mehr in der verfas sungsmaßig gewollten Weise ausüben, die geschäftsführende Regierung könne sich über jeden Beschluß des Landtags hinwegsetzen.
Damit sei für Preußen ein Rotstand hereingebrochen, der bei der bestehenden Lage durch den Landtag nicht geändert tverden könne. Die Entscheidung des Slaatsgerichks- Hofs könne man nicht abwarten, der Landkagspräsidenl stellt vielmehr der Regierung zur Erwägung, ob nicht durch den Reichspräsidenten auf Grund des Artikels 48 eine Verordnung erlassen werden könne, durch die „dieser unwürdige Zustand" abgeändert werde. Zum Schluß regt Kerrl bei 5er Reichsregierung an, ob nicht bis zur Wiederherstellung »erfassungsgemäßer Zustände in Preußen die Polizeigewalt besser vom Reiche übernommen werde.
1. . — *
Schritt sei.
Die Länderregierungen sind ersucht worden, dre aus dem Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzügen sich ergebende Entlastung der Polizei dazu auszunutzen, um die Schlupfwinkel und Waffenlager der Kommunisten, deren Vorhandensein duth die Altonaer Vorgänge erwiesen ist, nachdrücklichst auszuheben und bannt dre Grundlage für eine künftige ruhigere Gestaltung öffentlicher Veranstaltungen zu schaffen. Die Reichs egre- rung wird dem Herrn Reichspräsidenten nö rgeusach-7 weitere Maßnahmen gegen diejenigen vorschlagen, die künftig den politischen Kampf mit der Waffe in der Hand oder gar unter verbrecherischer Anwendung von Sprengstoff führen sollten. Das deutsche Volk kann darauf vertrauen.
künftige ruhigere Gestaltung n schaffen. Die Reichsrrgie-
Reichsregierung durchgreifen wird.
Deutschland und der Bertrenensmtt
Graf Bernstorff holt Informationen ein.
London, 20. Juli.
Der deutsche Geschäftsträger Graf Lernstorff, hat im Auftrage seiner Regierung im Foreign Office vorgesprochen, um eingehendere Informationen über das englisch-französisch ? Vertrauensabkommen zu erhalten. Da der Staatssekretär des Aeußeren, Sir John Simon, nicht anwesend war, hatte Besprechung mit einem hohen Beamten des Foreign
er eine Office.
leren Umfang , „ ,
zögern, mit geeignet erscheinenden Maßnahmen einzn-
greifen.
Hitler lehnt Verantwortung ab
Schneidemühl. Vor etwa 10 000 Personen wandte sich Ado.s Hitler zunächst dagegen, daß die Narionalsozia- listen an dem politischen Geschehen der letzten fünf Wochen in Deutschland die Verantwortung trügen. Der Natio- nalsozielismus erstrebe ein neues freies Deutschland. Sein Ziel sei die Zertrümmerung aller anderen Parteien und die Aufrichtung einer neuen deutschen Volksgemeinschaft. Wenn dieses Ziel erreicht sein werde, dann werde auch über Deutschland die Sonne der Freiheit und des Glücks leuchten. Erreichten die Nationalsozialisten am 31. Juli nicht ihr Ziel, so heiße es am 1. August: dre Arbeit geht weiter! . , . t
Hitler begab sich anschließend im Flugzeug nach Kott- bus. *
In K 0 ttbus sagte er: Man müsse der Nationalsozialistischen Partei, die erst 13 Jahre arbeitet, Zeit lasten. Die Stunde kommt, wo aus den 13 Millionen 50 Millionen werden. Wenn die Nationalsozialisten in den Wahlkampf gegangen sind, so nicht deshalb, weil eine neue Parteikoalition zustandekommen soll, sondern in der Bekundung des Ringens um den deutschen Menschen. Wenn die Gegner behaupten, wir wollen nicht regieren, so sollen sie sich nicht t äuschen. Wir werden regieren unter der Voraussetzung, daß nationalsozialistische Politik gemacht wird und keine andere.