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Hersfelöer Tageblatt

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des BDZV.

Nr. 174

Mittwoch, den 27. Juli 1932

82. Jahrgang

Lihiilsihiss9lio6e im Gewitter gekentert

Einhundertfunf Seek^detten und Schiffsjungen an Bord

SchitlfchifkNiobe" gekentert

3n Gewitterbö umgeschlagen und sofort gesunken.

Kiel, 26. Juli. Die Nachrichtenstelle der Reichsmarim teilt mit:heute nachmittag 14.30 Uhr ist das Segelschulschifs Niobe" der Reichsmarine in einer Gewitterbö bei Fehmarr Bett gekentert. Die Boote des Feuerschiffes haben sich sofori an die Unfallstelle begeben. Auch der DampferTherest Ruft" meldet seine Ankunft an der Unfallstelle und ferner daß er 40 Gerettete an Bord habe.

DieNiobe" kenterte, kurz nachdemDo L" auf seine. Fahrt von Travemünde nach Kiel dem Schiff begegnet war Der Untergang vollzog sich sehr rasch in etwa drei bis viel Minuten.

Die KreuzerKöln" undKönigsberg" sowie vier Tor- 1 pedobaote sind zur Unfallstelle geeilt. Ein Flieger sucht di« 1 Unglücksstätte ab.

DieNiobe" war eine Drelmastschonerbark von 60( i Tonnen Wasserverdrängung. Sie hatte einen Motor vor ; 240 PS. Die Besatzung bestand aus sechs Offizieren, 3( i Offiziersanwärtern, 18 Unkeroffiziersanwärlern und 25 i Stammunteroffizieren und Mannschaften, zusammen als« ; rund 100 Mann.

Den Hergang des Unglücks kann man sich in Marine- ' kreisen kaum erklären. Es besteht nur die eine Möglichkeit daß eine plötzlich vom Lande her anrollende Gewitterbc dieNiobe" erfaßt und niedergedrückt hat, ehe es gelunger war, die voll aufgebrachte Leinwand zu bergen. Nur so if das Unglück des Schulschiffes denkbar.

Das MarineschulschiffNiobe", ein Dreimaster, ist ein früheres Handelsschiff, das nach dem Kriege für die Zwecke der Reichsmarine als Segelschulschiff umgebaut worden ist. Der DreimastseglerNiobe" ist das Segeijchutschiff, üej . Reichsmarine, auf dem die Kadetten und Unteroffiziers­anwärter seemännisch ausgebildet werden. DieNiobe" kreuzte gewöhnlich in den Gewässern der Ostsee; sie hat wie­derholt skandinavische Häfen, einmal auch den spanischen Hafen Santander besucht.

Das Schiff befand sich auf einer Ausbildungsreise und war am Montag in Kiel in See gegangen mit dem Ziel Warn-munde

69 Opfer aufNiobe"?

69 Personen werden vermißt.

Kiel. Der KreuzerKöln" hat die von dem Dampfer Therese Ruft" geretteten Ueberlebenden des untergegan­genen SchulschiffesNiobe" an Bord genommen. Außer dem Kommandanten ist ein weiterer Offizier, Oberleutnant z. S. Lott, gerettet, 69 Schiffsangehörige werden ver­mißt. Mit ihrem Tode muß gerechnet werden.

Die von der Seeflugstation Holtenau an die Unfall- stelle derNiobe" entsandten Flugzeuge, haben die Unfall­stelle -und ihre Umgebung bis zur dänischen Küste mehrere Stunden lang abgesucht, ohne eine Spur der Vermißten zu finden. Von derNiobe" selbst ist nichts mehr zu sehen. Da auch die bon der Reichsmarine vorgenommene genaue Nachsuche ergebnislos geblieben ist, besteht keine Hoffnung mehr auf Rettung der 69 Vermißten. Bisher find auch keine Lerchen geborgen worden.

Jn Fachkreisen beschäftigt man sich lebhaft mit der Ursache des Unglücks, das das SchulschiffNiobe" be­troffen hat. Das Schiff diente der seemännischen Aus­bildung der Kadetten unb Unteroffiziere der Reichsmarine. Es ging am Montag von Kiel nach Warnermünde in See. Auf der Fahrt muß es bon einem plötzlichen und sehr heftigen Gewitiersturm überrascht worden sein, der es zum Kentern brächte. Es ist im Augenblick unmöglich, die Ursache der Katastrophe im einzelnen zu erklären. Unter den Geretteten befinden sich auch 17 Mann der Stamm­besatzung. Daraus muß man schließen, daß diese erfahre­nen Leute sich bei dem letzten Manövrieren an Oberdeck befunden haben,, d. h. also, daß die Bedienung der Take­lage nicht allein den Kadetten überlassen worden ist, son­dern daß vielmehr das geübte Personal der Stammbe­satzung dabei mitgewirkt hat.

Das Unglück derNiobe" erinnert in mancher Hinsicht an das des SchulschiffsG n e i s e n a u". das am 16. De- zember 1900 während einer Schießübung im Mittelmeer im Hafen von Malaga vom Sturm gegen die Ostmole ge- schleudert und zerschmettert wurde. 38 Mann der Besatzung, darunter der Kommandant, fanden dabei den Seemannstod. In Erinnerung dürfte noch der Untergang des Schulschiffs P o m m e r n" des Deutschen Schulschiffvereins am 23. November 1928 sein Hierbei konnte allerdings die ge- samte Besatzung von 84 Mann gerettet werden.

Auch sonst schwere Uns'""' 1905 sank

Auch sonst ist die deutsche Kriegsmarine mehrfach durch schwere Unalücksfälle heimgesucht worden: am 18. November 1905 sank das TorpedobootS. 126" nach Zusammenstoß mit dem KreuzerUndine" in der Kieler Bucht; 10 Offi­ziere und 30 Mann ertranken. 21m 14. April 1910 wurde

das TorpedobootS. 122" bei Satznitz von dem kleinen KreuzerMünchen" gerammt und aufgerissen, wobei zwei Maschinisten getötet wurden. Am 17. Januar 1911 ging das deutsche U-BootU 3" im Kieler Hafen unter, der Kommandant, 1 Offizier und 1 Mann fanden den Tod. Bei Nachtmanövern in der Nähe von Rügen wurde am 19. Juli 1912, also vor fast genau 20 Jahren, das Torpe­dobootG. 110" von derHessen" gerammt, 3 Mann der Besatzung waren als Opfer zu beklagen. Nur 2 Monate später, am 14. September, sank das TorpedobootG. 171" nach Zusammenstoß mit derZähringen", dem jetzigen Lenkzielschiff und nahm 7 Mann der Besatzung mit in die Tiefe. Ein furchtbarer Verlust war der Untergang des TorpedobootsS. 178", das bei Helgoland am 3. März 1913 vom KreuzerPorck" gerammt wurde und mit 70 Mann in die Tief« sank.

Sicherheit für Deutschland!

Ausführungen des Reichswehrministers im Rundfunk Berlin, 27. Juli.' >

Reichswehrminister General v. Schleicher sprach am Dienstag über alle deutschen Sender. Er führte u. a aus: Ich bin kein Freund des militärischen Ausnahme­zustandes und bin erst recht kein Freund von Militär­diktatur, und das nicht etwa trotzdem, sondern weil ich Minister für die Wehrmacht bin. Er habe sich dafür einge­setzt, daß der zu einem bestimmten Zweck über Berlin und Brandenburg verhängte Ausnahmezustand wieder aufgehoben werde. Ueber die Ansicht eines Teils der Lin­ken, die Reichswehr reiche zum Schutze der Grenze voll-

Maße die Sicherheit besitze, nach der, so paradox es klinge, gerade die stärkste Militärmacht der Welt unaufhörlich

rufe.

Der Generalberichterstatter des französischen Staats­einer Besichtigung der neuen

Haushaltes habe sich nach ranzösischen Befestigungen

französischen Befestigungen dahin ausgesprochen, daß an solchen Verteidigungsanlagen selbst die mutigste und hart­näckigste deutsche Armee zerschellen müßte. Er habe weiter betont, daß die völlige Sicherheit gegen einen Einbruch wie er 1914 zu verzeichnen war, erreicht sei.

Man vergleiche diesen Bericht mit dem Verhalten und den Anträgen der französischen Delegation in Genf. Solche Tatsachen forderten immer wieder die Erklärung über die völlige Unsicherheit Deutschlands heraus. Deutschland könne diese Sicherheit theoretisch auf zwei Wegen erhalten: Erstens, indem die anderen Mächte bis auf unseren Ru- stungsstand abrüsten, wozu sie rechtlich und moralisch verpflichtet sind. Nach dem bisherigen Verlauf der Ab­rüstungskonferenz werde es in der Welt nicht mehr viel Menschen geben, die an ein solches Wunder glauben. Der Minister führte einen Ausspruch eines der Unterzeich­ner des Versailler Vertrages, Lloyd Georges, an, daß die Heeres- und Flottensachverständigen es nur zu gut ver­standen hätten, die Abrüstungskonferenz von den großen Zielen abzulenken. Der zweite Weg zur Sicherheit führe

über eine

Um Organisation der Reichswehr

zu einer Truppe, die uns wenigstens ein gewisses Maß von Sicherheit geben könne. Diesen zweiten Weg werde Deutschland gehen, wenn ihm auch in Zukunft die volle

Nach Aufhebung des Ausnahmezustandes.

Am Dienstagmittag um 12 Uhr wurde der Ausnahmezustand für Berlin und Brandenburg wieder aufgehoben. Unser Bild zeigt die Ablösung der militärischen Wache im Hofe der Reichskanzlei.

MszMW des Reicher für die Instandsetzung und Teilung von Wohnungen.

Berlin, 27. Juli.

Der Reichsarbeitsminister hat nähere Bestimmungen über die in der Notverordnung vom 14. Juni d. J. vorge­sehenen Zinszuschüsse aus Reichsmitteln für Darlehen für Instandsetzung und Teilung von Altwohnungen bekanntgege-

Instandsetzung und Teilung von Altwohnungen bekanntpege- en. Hierfür stehen einmalig fünf Millionen RM. zur Ver­

ben,

fügung.

Der Zuschuß wird Hausbesitzern gegeben, die ein Dar­lehen von mindestens 1000 RM. zur Ausführung grö­ßerer Justandfehungsarbeiten oder zur Teilung einer Wohnung ausgenommen haben.

Da bei einer angenommenen durchschnittlichen Laufdauer der Darlehen von zweieinhalb Jahren eine Verbilligung der Darlehenskosten um vier Prozent jährlich erreicht werden soll, ist der Zinszuschuß auf zehn v. H. des Darlehens fest­gesetzt worden.

Der Reichsarbeitsminister hat gleichzeitig die Ueber­nahme von Reichsbürgschaften zur Förderung von 3n- siandsetzungsarbeiten und Wohnungskeilungen einge- leitet.

Sicherheit und Gleichberechtigung vorenthalten werde. Den KrtUkern, die die schlimme Finanzlage des Landes diesen Plänen entgegenhielten, sei zu sagen, daß eine mo­derne, ihren Zweck wenigstens einigermaßen erfüllende Wehrmacht nicht kostspieliger sei als die Wehrmacht des Versailler Vertrages. Das Vorhandensein einer geschlos­senen und überparteilichen Wehrmacht müsse allein schon genügen, um die Autorität des Reiches vor jeder Er­schütterung zu bewahren.

General von Schleicher verwahrte sich gegen die Be­hauptung, er habe die Reichswehr in den politischen Mei- "mSSS »iWÄBWi» eingesetzt. Er werde es niemals zulassen, daß die Reichs­wehr ihre überparteiliche Haltung aufgebe, und daß sich private Organisationen die gesetzlichen Funktionen der Wehrmacht anmaßten.

Der Minister kam dann auf die in den wehrsportlichen Verbänden getriebenen körperlichen Uebungen zu sprechen. Diejenigen, die die Uebertreibungen, die hier vorkommen, tadeln, müssen wissen, daß ohne Arbeitslosigkeit und mit einer allgemeinen Wehrpflicht es keineInflation an Ver­bänden" geben würde. Die Maßnahmen der Reichsregie­rung hinsichtlich der Ausgestaltung des Arbeitsdienstes würden das Versäumte nachholen.

Das BlaakWN 6er Staatraartei Reichsfinanzmimster a. D. Dietrich im Rundfunk.

Berlin, 27. Juli.

Der frühere Reichsfinanzminister Dietrich sprach im Rundfunk für die Deutsche Staatspartei. Der Redner be­zeichnete es als Demagogie, wenn man auf der einen Seite steuerliche Entlastung und auf der anderen höhere Leistun- gen in Aussicht stelle. Steuerherabsetzung bedeute heute eine Kürzung der Bezüge der Beamten, Angestellten und Ar- beiter.

Zur Lausanner Konferenz erklärte der Redner, daß Deutschland in der Konferenz weit hinter die Linie Dr. Brünings zurückgeworfen wurde. Eine ®e|unoung des deutschen Wirtschaftslebens könne nur eintreten, wenn ein großer Teil der Riesengesellschaften wieder zerschlagen würde. Die Staatspartei verlange, daß der Staat alle seine Machtmittel einsetze, um seinen Bestand zu verteidigen. Der Staat gebe sich aus, wenn er gestatte, daß aus seinem Territorium Privatarmeen gehalten würden.

Schwere Borwürfe gegen Brüning

Hugeuberg beschuldigt ihn der Unwahrheit.

Berlin. Dr. Hugenberg sandte an den Reichskanzler a D Dr. Brüning ein Telegramm, in dem er gegen die Erklärung ^r. Brünings, es sei der Rechten während seiner Reich anzlerschaft von ihm, Dr. Brüning, wieder­holt Gelegenheit gegeben worden, sich an der Regierung zu beteiligen, mit schärfsten Worten Protest erhebt.

In einer persönlichen Unterteilung, heißt es in dem Telegramm weiter, habe ich Sie im August oder Anfang September 1931 auf diese Behauptung angeredet, öte haben sie damals nicht vertreten und aufrechterhalten

können. ,. .r

Ich kann Ihnen urkundlich nachweisen, daß dre Ihnen unterstehende Reichskanzlei dem Herrn Reichspräsidenten falsche Behauptungen gleichen Inhalts unterbreitet hat. Das bedeutete damals, die Benutzung einer falschen Be­hauptung zur Beeinflussung der Rechten.

Ich muß bei dieser Sachlage den gleichen Vorwurf bewußten Unwahrheit gegen Sie erheben, den in diesen Tagen aus anderer Veranlassung der Reichs- bankpräfident a. D. Dr. Schacht gegen Sie erhoben hat.

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