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Hersfelöer Tageblatt

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yersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfelS

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdrucker«! in tzersfeld, Mitglied des BDJV.

Nr. 179

Dienstag, Den 2. August 1932

82. Jahrgang

Warnung vor Gewalttaten

Die preußische Staatsregierung droht mit drakonischen Maßnahmen gegen die Terroristen

M MIM M der W

Die im Laufe des Montagvormittag eingegangenen Be­richtigungen zu dem vorläufigen Gesamtergebnis der Wahl vom 31. Juli haben in der Zusammensetzung des neuer Reichstags noch einige kleine Veränderungen gebracht. DU Mandatszahl hat sich auf 607 erhöht. Die Zahl der national­sozialistischen Mandate ist auf 230, die der Staatsparte! und des Christlich-Sozialen Volksdienstes um je zwei aus je vier gestiegen. Es ist damit zu rechnen, daß sich auch wei- terhin noch einige Aenderungen ergeben werden, wenn erst einmal die Verrechnungen auf Grund der Listenoerbin- dungen genau erfolgt fein werden. An dem Gesamtcharak- ter des Wahlergebnisses hat sich jedoch durch diese Aus­gleichsberichtigungen nichts geändert. Klare Mehrhei­ten in dem bisherigen Sinne sind nicht denkbar, oder nur dann, wenn das Zentrum sich zu einer grundsätz­lichen Umstellung seines bisher gesteuerten innerpolitischeri Kurses entschließt.

Wenn man die erzielten Stimmenergebnisse nicht lediglich nach ihrer zahlenmäßigen Größe, sondern auch unter dem Gesichtspunkt beurteilt, daß eine stärkere Wahl­beteiligung eine Verschiebung der Stimmenverhältnisse av sich schon bringen mußte, dann erscheinen Gewinn und Ver­lust der einzelnen Parteien noch im anderen Lichte, als es die einzelnen Ziffern auszudrücken scheinen: auf der Rechter eine Zusammenballung der bisher von der bürgerlicher Mitte bis nach ganz rechts verstreuten Parteistimmen und links ein Ineinanderfließen kommunistischer und sozialisti­scher Entwicklungen. Dabei bleibt festzgstellen, daß der Ge­winn der Kommunisten an sich größer ist, als er durch die Stimmendifferenzen ausgedrückt wird, und. daß der Ver­lust der Sozialdemokraten tatsächlich stärker ist, als die o-v- 1 ^ MMtzManchMM wirkt sich die stärkere Wahlbeteiligung auch beim Zentrum aus.

Der Ausfall der Reichstagswahl ist selbstverständlich von grundsätzlicher Bedeutung für das Kabinett von Papen, das ja mit der Reichstagsauflösung nach einer tragfähigen parlamentarischen Mehrheit trachtete. Was der 31. Juli gebracht hat, entspricht selbstverständlich nicht die­sen Erwartungen. Man scheint aber gleichwohl in Kreisen der Regierung das Wahlergebnis mit Ruhe zu beurteilen. Jedenfalls bedeutet die Tatsache, daß die Mehrzahl der Kabinettsmitglieder während der Dauer des verordneten Burgfriedens einen kurzen Erholungsurlaub nimmt, ein gewisses beruhigendes Moment. Abgesehen von dem kei­neswegs leicht zu nehmenden Anwachsen der kommunisti­schen Stimmen, glaubt man aus dem Wahlergebnis eine Bestätigung der eingeschlagenen politischen Linie heraus­lesen zu sollen.

Trotzdem wird selbstverständlich der Kanzler die Zeit bis zum Zusammentritt des neuen Reichstags dazu be­nutzen, um zu ergründen, ob eine Möglichkeit zur Schaf­fung einer parlamentarischen Tragfläche für das Kabinett besteht. Es kommt selbstverständlich für den Kanzler von Papen nur eine Gruppierung in Betracht, die alle Parteien vom Zentrum nach rechts umfaßt. Für ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie erscheint aber nach allem, was vor sich gegangen ist, keine Voraus­setzung gegeben. Wenn auch die bisher vorliegenden ersten unoffiziösen Parteiauslassungen noch nicht das Ergebnis von Parteientscheidungen wiedergeben, so läßt sich doch daraus auf die Stimmung schließen, die in den ein­zelnen Parteizentralen herrscht. Der Aufruf Hitlers,den Kampf nunmehr mit erneuter Kraft aufzunehmen und fortzuführe n", kann aber kaum dahin ausgelegt wer­den, als würden die Nationalsozialisten jetzt auf eine Um­bildung der Regierung Papen drängen. Im Gegenteil, es scheint fast, als wollten sie auch weiterhin eine Stellung einnehmen, die keinerlei Verpflichtung im Sinne einer To- lerierung oder einer verschärften Opposition voraussetzt Die Bemerkung desVorwärts", daßdas Wahlergebnis die Sozialdemokratie auch weiter in die Rolle der Opposition verweist", läßt von dieser Seite sogar einen verschärften Kampf gegen das Kabinett Papen erwarten.

Von entscheidender Bedeutung wird natürlich Mei­nung und Stellung des Zentrums zu dem sein, was nach diesen Wahlen nun werden soll. Vorerst lie­gen aus dem Zentrumslager nur ganz unverbindliche und vorsichtig gehaltene Auslassungen vor Aus ihnen läßt sich nichts entnehmen, was auf irgendwelche bereits herange­reiften Entscheidungen hindeutete. Man will offenbar in diesen Kreisen abwarten, einmal um das Verhalten der an­deren Parteien zu beobachten, zum anderen aber, um fest­zustellen, welche Folgerungen das Kabinett von Papen aus dieser Wahl ziehen will Vorerst sieht es nicht so aus. als erblicke die Reichsregierung in dem Wahlausfall einen Grund, ihren bisherigen Kurs zu verlassen Wenn der neue Reichstag sich nicht als arbeitsfähig und arbeitswillig er- weisen sollte, dann dürfte er etwa die gleiche Behandlung durch die Regierung erfahren wie der letzte. Von sensationel­len Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Ausgang der Reichstagswahl wird jedenfalls nicht die Rede sein kön­nen, es sei denn, daß die eine oder andere Partei dazu »rängt.

Letzte Warnung!

Ausruf der preußischen Slaatsregierung.

Berlin, 2 August

Der mit der Wahrnehmung der Führung der Geschäft« des preußischen Innenministeriums beauftragte Bevoll­mächtigte des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, erläßt folgenden Aufruf:

Die Wahl ist vorbei. Das Volk hat gesprochen. Die völlige Wiederherstellung des inneren Friedens ist jetzt oberstes Gebot. Gewalt und Terror müssen endlich der Achtung vor dem Gesetz weichen. Die Heiligkeit des Menschenlebens darf nicht weiter angerastet werden.

Ich warne zum letzten Male! Die Staatsregierung wird selbst drakonische Maßnahmen nicht scheuen, um ihre Pflicht gegenüber dem friedlichen Staatsbürger restlos zu erfüllen und den Burgfrieden zu wahren, den unser Land braucht! Ich warne auch alle Organisa­tionen wie jeden einzelnen, weiter zu blutigem Terror zu hetzen. Die Presse hat sich jeder Aufpeitschung der Leidenschaften auch durch unrichtige Berichterstattung zu enthalten, andernfalls hat sie schwerste Eingriffe in ihre Freiheit zu gewärtigen."

Die Warnung Dr Brachts ist auf die zahllosen politi­schen Ausschreitungen zurückzuführen, die in der Nacht nach der Wahl und im Laufe des Montags vielerorts begangen worden sind. Es ist völlig unmöglich sie alle aufzuzählen. Am schlimmsten ging es in Königsberg zu.

KommuMenMrer erschollen

In Ostpreußens Hauptstadt wurden in ihren Wohnun- g***rr Wteoatteut oer wj-»-^^OtMMW^»

ger Volkszeitung" Dyrgatfch und zwei kommunistische Stadt­verordnete durch bisher unbekannte Täter überfallen. Der Chefredakteur erhielt zwei Oberfchenkelschüsse. Der eine der beiden Kommunisten (der Stadtverordnete Sauff wurde töd­lich, der andere lebensgefährlich verletzt. Ferner wurde auf )en ehemaligen Regierungspräsidenten Dr. von Bahrfeldt ein ähnlicher Ueberfall in der Wohnung verübt, bei dem von Vahrfeldt einen Schuß in die Hand erhielt.

Ferner ist noch ein linksstehender Lagerverwalter in seiner Wohnung überfallen worden, er erlitt auch einige Verletzungen. Im übrigen haben bisher ebenfalls unbe­kannte Täter im Verlaufe der Nacht mehrere Tankstellen a n- gezündet und Fensterscheiben eingeschlagen.

Brandbombenanschläge wurden auf das Otto-Braun­haus, in dem sich die sozialdemokratischeKönigsberger Volkszeitung" befindet und auf das Gebäude der demokrati­schenHartungschen Zeitung" ausgeführt, wobei sich die Haustüren entzündeten. 3n beiden Fällen konnten die Flammen durch Handfeuerlöscher schnell erstickt werden.

Bisher sind unter dem Verdacht der Beteiligung an den Mordüberfällen mehr als 20 Personen verhaftet worden. Der Reichsminister des Innern hat dem Polizeipräsidenten in Königsberg für den Bedarfsfall die in der Provinz ent­behrlichen Polizeikräfte zur Verfügung gestellt. Wie von zuständiger Stelle erklärt wird, ist nach einem Bericht des Polizeipräsidenten noch nicht einwandfrei festgestellt, zu wel­cher politischen Richtung die Täter gehören.

In der Bürgschaft und der Presse schließt man auf einen planmäßigen Zusammenhang aller Vorgänge aus der Gleichzeitigkeit der Ereignisse, sowie aus dem Umstand, daß die Feuerwehr 33mal durch blinden Alarm in Gegenden ge­rufen wurde, in denen kein Anlaß zum Erscheinen bestand. Ein Polizeikommando erschien im Vertagshaus des kom­munistischenEcho des Ostens" und beschlagnahmte ein auf die Mordanschläge Bezug nehmendes Flugblatt. Am späteren Vormittag überfielen und mißhandelten vor dem Verlags- Hause versammelte Leute zwei SA.-Männer Der Verlag der Königsberger hartungschen Zeitung" hat 1000 Mark Be­lohnung für die Ermittlung der Brandbombenwerfer ausge­setzt. Die Regierung setzte 5000 Mark Belohnung aus

6hie Erklärung der RSDAp.

Sie Gauleitung Ostpreußen der NSDAP. erläßt in der Preußischen Zeitung" eine Erklärung, die gleichzeitig dem Reichsinnenminister auf telegraphischem Wege zugeleitet worden ist.Zu den Anschlägen, die heute (Montag) morgen auf verschiedene Angehörige der KPD. und SPD. verübt wurden, erkläre ich hiermit in aller Form, daß die Gaulei- tung der NSDAP. mit ihnen nicht das geringste zu tun hat und sie aufs schärfste verurteilt. In gleicher Weise stehen wir den Anschlägen auf dieKönigsberger Volkszeitung und dieKönigsberger Hartungsche Zeitung" sowie ähnlichen Vorfällen fern. Getragen vom Vertrauen des deutschen Vol­kes. das sich gerade in den gestrigen Wahlen zum Reichstag überwiegend kundgetan hat, hat es die NSDAP nicht'nötig, mit solchen verwerflichen Mitteln um eine Position zu ramp- fen. die ihr auf legalem Wege schon zugefallen ist Gerüchte, die die NSDAP. mit den verübten Anschlägen in irgendeine Beziehung bringen, entbehren daher jeder Grundlage. Die Gauleitung der NSDAP. Ostpreußen, gez. Erich Koch. Gau- leiter."

Handgranatenanschlage in Schleswig-Holstein

3n der Rächt wurde in Rendsburg ein Handgranaten- anschlag verübt. Räch polizeilicher Mitteilung wurden von einem Kraftwagen aus zwei Stielhandgranaten gegen ein Haus geworfen, in dem sich das Parteibüro der KPD. be­findet. Es wurde erheblicher Sachschaden angerichtet. Men­schenleben sind nicht zu beklagen.

Ferner wurde gegen das Haus eines Reichsbanneran­gehörigen in Glüsing bei Hohenwestedt im Kreise Rends­burg eine Handgranate geschleudert. Die unteren Räume des Hauses wurden schwer beschädigt.

Räch Mitteilung der Polizeiverwaltung in Marne wur­den gegen 2.45 Uhr zwei Handgranaten durch das Fenster eines kommunistischen Verkehrslokals in die Gaststube ge­worfen. verletzt wurde niemand. Der Sachschaden ist be­deutend. Arch die Fensterscheiben benachbarter Geväud« wurden zertrümmert.

3n der Stadt Pinneberg wurde eine Handgranate aus einem offenen Kraftwagen gegen das Haus geschleudert, in dem sich die Büro- und Verkaufsräume der soizaldemokra- tischen KonsumgenossenschaftProduktion" befinden. Aehn- liche Anschläge werden aus Elmshorn, Barmstedt, Uetersen und drei Orten in Rordsrdiihmarschen gemeldet. Personen sind in keinem Falle verletz; worden; dagegen wurde Sach­schaden angerichtet. Außerdem wurde, wie aus Heide ge­meldet wird, eine Handgranate gegen die Wohnung eines Hausbesitzers geworfen, der politisch rechts steht. Die Polizei- liche Untersuchung ist im Gange.

3sm TodesKP er in Hamburg

In der Nacht hatte sich in Hamburg in der Wexstrahe, Ecke Rademacher-Gang eine Menschenansammlung gebildet. Als eine Radfahrerstreife der Ordnungspolizei nahte, erscholl aus der Menge heraus der Ruf:Die Nazi find im Gang, nun aber los!" Die Beamten folgten der Menge in den Gang und wurden hrer sowohl von der Straße als auch ^«n Wiem unter ^efdfimpfim^ett-^offen un» mt^ Steinen und anderen Gegenständen be morsen. Ein Polizist brach durch Bauchschuß schwer verletzt zusammen, ein zweiter Beamter erlitt einen Schuß in die linke Ferse. Die An­greifer schössen auch dann noch weiter auf die Polizeibeam- len. als Kameraden versuchten, die Verletzten aus dem Gang zu transportieren. Die Polizeibeamten machten ihrerseits von den Waffen Gebrauch. Einer der Angreifer wurde durch einen Halsschuß getötet. Bier weitere Personen wurden durch Schüsse mehr oder weniger schwer verletzt. Im Krankenhaus starb einer der Verletzten.

Sprengstoffanschiag in Braunschweig

Lei der Wohnung des der SPD. angehörenden Oberbür- jermeiffers von Braunschweig wurde ein Sprengstoffanschlag verübt. Der angerichtete Sachschaden ist gering. Personen sind bei dem Anschlag nicht zu Schaden gekommen. Bei einem politischen Zusammenstoß wurde ein Rationalsozialist tödlich verletzt.

Sturmbannführer erschossen

Einen weiteren schweren politischen Zwischenfall in Braun- fchweig verursachten Kommunisten. Bei einer Schlägerei wurde von kommunistischer Seite auch geschossen. Der Sturmbannführer der Studenten der Technischen Hochschule, Schaffeldt, wurde getötet; mehrere Beteiligte wurden leicht verletzt. Schaffeldt war der Leiter des Kreises 3 (Rieder- jachfen) der Druschen Studentenschaft.

Erschossen ausgesunden

Eine Gruppe von 10 Nationalsozialisten, die von einem deutschen Tanzabend in Colditz bei Leipzig heimkehrten wurden imTiergarten" überfallen Ein Nationalsozialist blieb mit einem Steckschuß im Kopf auf dem Platze, ein an­derer erhielt einen Armschuß, einem dritten wurde das Na­senbein zerschlagen. Ein Kommunist wurde erschossen aufgefunden, doch soll dieser töblidje Schuß möglicher­weise von einem eigenen Parteigenossen, der bei dem Durch­einander den Kommunisten als einen Gegner angesehen hat herrühreu Mit Hilfe des Ueberfallkomandos aus Leipzig wurden zahlreiche Personen, die an dem Ueberfall beteilig! waren, festgenommen.

Kommunisten-llnruhen in Kresekb

T Das Straßenpflaster ausgerissen.

Krefeld, 2. August.

In der Nacht zum Montag haben Kommunisten auf der Martin-Straße in einer Länge von etwa sieben Me­tern Straßenpflastersteine und Steinplatten des Bürger­steigs in einem Umfange von vier Oubratmetern auf« gerissen und die Steine quer über die Straße gelegt. Ein Ueberfallkommando der Polizei leuchtete mit Schein­werfern die Straße ab. Elf Personen wurden fe^ st ge­nommen.

Reichsbannermann erschossen

In der Nacht kam es in Hessifch-Oldendorf bei ha- melnzu schweren Ausschreitungen, n deren Verlauf mehr­fach geschossen wurde. Ein Mitgled des Reichsbanner namens Scywedt, wurde von einer Kugel tödlich getroffen Ein zweiter Anhänger des Reichsbanner, Diedrich, wurde schwer verletzt. Ein anscheinend Unbeteiligter und ein Kom­munist trugen ebenfalls Verletzungen davon.