Hersfelöer Tageblatt
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Echrtftleitung verantwortlich: Franz Funk in HerSfeld -Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchbruckerei
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Nr. 184
Montag, den S. August 1932
82. Jahrgang
Immer wieder Terrorakte
Wiederum zahlreiche Anschläge mit Bomben, Handgranaten und Pistolen
Der Terror über Ostpreußen
Lötzener Meidjsbonnerfiibrer trlMen
Hilfspolizei in Lyck. — Hohe Belohnung ausgesetzt.
Königsberg, 8. August.
Vor dem Büro des Landarbeiterverbandes in Lätzen wurde der Ortsgruppenführer des Reichsbanners erschossen. Er hatte vorher mit anderen ReichsbannerangeKöri' gen Auseinandersetzungen mit Nationalsozialisten. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.
Nach einer Zeitungsmeldung soll die Polizei das Auto ermittelt haben, dessen Insassen den Anschlag auf den Reichsbannermann Radtke in Algawischken planten. Angeblich gehört das Auto einem Tilsiter Nationalsozialisten. Zwei Personen sollen verhaftet sein. Bei Razzien auf den Zufahrtsstraßen der Stadt wurden größtenteils bei Reisenden und Kaufleuten neun Pistolen beschlagnahmt. Der Regierungspräsident in Allenstein hat einschneidende Vorschriften über die Anmeldepflicht von Waffen aller Art erlassen. Für die Ermittlung der Täter, die das Schaufenster des Apothekers Frankenstetri in Lyck durch eine Handgranate zertrümmert haben, und eine Bombe vor das Gasthaus Geydau in Iucha warfen, wurden je 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. Der Bürgermeister von Lyck, hat wegen der „ruchlosen Versuche, Leben und Eigentum feiner Mitbürger zu gefährden", den polizeilichen Außendienst durch Hilfspolizei verstärkt.
In der Nacht zum Sonntag wurde übrigens auch auf die Hauptgeschäftsstelle des Zentrumsblattes in Ratibor, „Oberschlesische Rundschau", eine Eierhandgranate gewoor- fen. Zum Glück wurde nur die große Schaufensterscheibe zertrümmert. Der Täter ist entkommen.
yw-ÄMMÄgewine.
In Kassel: Kommunisten gegen Eiserne Front.
Zwischen Anhängern der KPD und der Eisernen Front kam es in Kassel anläßlich einer Feierlichkeit des Arbeitersportvereins „Eintracht" zu einer schweren Schlägerei, bei der zwei Teilnehmer schwer verletzt wurden. Drei Personen wurden leicht verletzt und in Polizeigewahrsam genommen.
In Bunzlau ein Russe verhaftet.
Auf das SA-Heim in der Gartenstraße in Bunzlau wurden Sonntag früh, kurz nach 2 Uhr, mehrere Revolverschüsse abgegeben. In unmittelbarer Nähe des teims wurde ein SS-Mann überfallen und dur cheinen alsschuß verletzt. Unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftete die Polizei einen ehemaligen Russen, namens Wassilie B a r a n o f f, der zwei Revolver bei sich hatte.
In Fröndenberg ein blutiges Schützenfest-
Einen tragischen Ausgang nahm in Fröndenberg (Westfalen) in der Nacht zum Sonntag ein Schützenfest. Als Polizeibeamte Feierabend geboten, wurde ihnen Widerstand entgegengesetzt. Sir machten von der Schuß- 0 Gebrauch. Dabei wurden sieben Personen verletzt.
_ rdem trugen drei Polizeibeamte Verletzungen davon.
BombenanschlSge
Wie die Polizei milleilt, ist in der Nacht ein Sprengkörper auf ein Fenster der Nebenstelle des Arbeitsamtes in Mühlheim a. M. gelegt und zur Explosion gebracht worden. Das Fenster wurde zertrümmert. Das Gebäude wurde nur unerheblich beschädigt. Die Explosion war so stark, datz Teile des Sprengkörpers noch in einem Umkreis von 150 Metern aufgefunden wurden. Personen sind bei dem Anschlag nicht zu Schaden gekommen.
In der vorwiegend von Arbeitern bewohnten Lungen- Straße lnBruunfchweig explodierte ein Sprengkörper. Eine amtliche Auskunft über den Vorfall war nicht zu erlangen. Das fozialdemokralische Organ „Der Volksfreund" berichtet, daß die Explosion große Verwüstungen angerichlet habe. Mehrere Bewohner oer Straße hätten durch Glas- fpliffer leichte Verletzungen erlitten. Die Polizei hat drei Verhaftungen vorgenommen.
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Auf das Kaufhaus Karstadt in Kiel wurde von unbekannt gebliebenen Tätern ein Bombenanschlag verübt. An einem Eingang des Warenhauses, der Irr Verkehrsstillen Dfaffenstraße liegt, wurde eine Bombe zur Explosion gebracht, die das schwere Eisengitter zerstörte und eine der großen Schaufensterscheiben eindrückte. Die Explosion war so heftig, daß auch an einer dem Warenhaus gegenüber- liegenden Gastwirtschaft fast sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden.
In die Gastwirtschaft Littwack in Ortelsburg wurde nachts eine Brandbombe geworfen, die beim Explodieren die Schaufenster zertrümmerte. Um die gleiche Zeit legten Unbekannte vor dem Finanzamt eine Bombe nieder, die jedoch nicht explodierte.
Handgranatenanschlag
Nachts wurde in Breslau auf den Vorsitzenden der Sozialistischen Arbeiterparjei, Rechtsanwalt Dr, Eckstein-
Breslau, ein Attentats versuch unternommen^ Von einem vorbeifahrenden Auto wurde in däs 22;lafgemach Dr. Ecksteins eine Handgranate geworfen. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, daß Dr. Eckstein nicht verletzt wurde. Jedoch find im Zimmer starke Verwüstungen angerichtet worden.
FeuerüderköSe
Auf die Wohnung eines nationalsozialistischen Führers in Anklam wurde in der Nacht ein Feuerüberfall verübt Unbekannt gebliebene Täter gaben fünf bis sechs Schüsse ab, die jedoch nicht die Wohnung des Nationalsozialisten trafen, sondern in die Wohnung eines SPD.-Mannes gingen. Der elfjährige Sohn des Sozialdemokraten erhielt einen Schenkelschuß, seine Tochter wurde durch Glassplitter verletzt. Die im gleichen Zimmer schlafenden Großeltern wurden ebenfalls verletzt. Die Polizei hat einen Kommunisten festgenommen, der an dem Ueberfall beteiligt sein soll.
Gegen die Wohnungen des Kreisvorsitzenden des Reichsbanner Bonnke und des kommunistischen Führers Meier in Stolp wurden früh gegen drei Uhr mehrere Schüsse abgegeben. Verletzt mürbe niemand. Nach dem Feuerüberfall wurde ein Motorradfahrer beobachtet, der im schnellen Tempo davonfuhr.
Auf die erleuchteten Fenster des Liegnitzer Braunen Hauses wurden nach Mitternacht von unbekannten Tätern mehrere Pistolenschüsse abgegeben; Personen wurden nicht verletzt. — Kurz darauf wurden auf ein anderes Haus, in j dem sich die Unterkunft der NSDAP. befindet, mehrere i
Pistolenschüsse abgegeben. Auch hier wurden Personen nicht verletzt, nur eine Fensterscheibe wurde durchschossen.
Weitere Ausschreitungen
Eine Gruppe von etwa zehn Kommunisten versuchte in der Morgenfrühe in Hindenburg einen Ueberfall auf das dortige SA.-Heim. Dabei wurden durch Steinwürfe
rtrümmert und ein SA.-
nn verlern
gegeben. Beim Eintreffen der durch das Schießen alarmierten Polizei flüchteten die Kommunisten.
In dem Zwischenfall im Luft Herold in Ehemnitz, bei dem ein Nationalsozialist erschossen wurde, wird von der Polizei mitgeteilt, daß die Täter beide der KPD. angehören. Der tödliche Schutz ist aus einer Armeepistole, Kaliber 9 Millimeter, abgegeben worden
Polizei politische Betötigung verboten
Heute Erlaß der Preußischen Staatsregierung.
Berlin, 8. August.
Nach dem „Angriff" hat ein kameradschaftlicher Abend der Untergruppe West der NSDAP. in Gegenwart von 50 uniformierten Polizeibeamten stattgefunden. Hierbei habe ein Polizeioffizier das Beisammensein als erstes sichtbares Zeichen eines gemeinsamen Kampfes für ein nationales Deutschland bezeichnet. Im Anschluß seien alle 300 Teilnehmer, auch die Polizeibeamten, vor dem Gruppenführer Graf Helldorf vorbeimarschiert.
Das Staatsministerium will dieses Vorkommnis zum Anlaß nehmen, am Montag einen Erlaß herauszugeben. In ihm wird erneut betont, daß sich Polizeibeamte jeder parteipolitischen Betätigung zu erhalten haben.
Die Maßnahme» der Regierung
Berlin, 7. August.
Hu den neuen Sprengstoffanschlägen wird von amtlicher Stelle erklärt, daß die Regierung diesen Attentaten die größte und ernsteste Bedeutung beimißt. Ueber die Maßnahmen, die gegen die politischen Ausschreitungen zu ergreifen sein werden, wird bekannt, daß die Einzelheiten der neuen Verordnung in Ressortbesprechungen erörtert werden. Es wird sich voraussichtlich vor allem um eine neue
Durchführungsverordnung zu den bestehenden Notverordnungen zum Schutze gegen politische Ausschreitungen handeln. Es ist an^unehmen, daß in dieser neuen Verordnung keine neuen Strafbestimmungen für Spreng- stoffanschläg« enthalten sein werden angesichts der Tatsache, daß bereits di« ordentliche Gesetzgebung gerade für Sprengstoffattentate die härtesten Strafen vorsieht. So bedroht bekanntlich das Sprengstoffgesetz Sprengstoffanschläge, auch wenn keine Verletzungen dabei erfolgt sind, mit Zuchthaus von fünf bis fünfzehn Jahren, und für den Fall, daß Personen dabei verletzt werden, mit lebenslänglichem Zuchthaus, bei Todesfolge, auch wenn diese nicht gewollt ist, mit Todesstrafe.
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Bakteijormatiouen keine Silisoolirei
Berlin, 7. August.
Die Besprechungen des Reichsinnenministers mit den Ministerpräsidenten von Oldenburg, Mecklenburg-Schwerin, sowie dem Innenminister von Braunschweig haben, wie von zuständiger Seite erklärt wird, sichergestellt, datz keinerlei Parteiformationen in staatlichen Funktionen verwendet werden dürfen. Die Bildung von Formationen, denen polizeiliche Befugnisse übertragen werden, ist nicht zulässig.
Der neue Geschäftsträger in Warschau.
Legationsrat Dr. Schliep wurde an Stelle des ins Auswärtige Amt berufenen Dr. Rintelen als Geschäftsträger an der deutschen Gesandtschaft in Warschau ernannt
Frankreichs Douaumont-Dentmal
Präsident der Republik vollzieht den Weiheakt. ;
Auf „friedlicher Wacht". K
Paris, 8. August.
Der Präsident der Republik hat am Sonntag das in seinem Ausmaß gewaltige Gefallenen-Denkmal von Dou- aumont bei Verdun eingeweiht. Er war begleitet von Kriegsminister Paul-Boncour, Pensionsminister Berthod sowie anderen Mitgliedern der Regierung und auch einigen Mitgliedern des Diplomatischen Korps. Die Feier schloß mit dem Vorbeimarsch der Truppen der Garnison von Verdun und der ehemaligen Frontkämpfer.
Marschall P e t a i n sagte in seiner Ansprache, so lange ein Schiedsgerichtsverfahren Frankreichs Rechte nicht geachtet habe, sei es verpflichtet, über Sicherheit zu wachen. Der Präsident der Republik, Lebrun, begrüßte, daß
Zeugen des menschlichen WahrWWWWW bestehen geblieben seien, weil sie die Völker vor dem Vergessen schützten, sie zum Nachdenken anregten und vor jenen Katastrophen zurückschrecken ließen, die nur Trüm-
mer, Elend und Leiden zurückließen. F Frieden, aber man dürfe nicht von Fr die Sorge um feine Sicherheit aufzug.
rankreich wolle den
e nicht von Frankreich verlangen, .cherheit aufzugeben, so lange der Friedensgeist nicht allenthalben herrsche, und so lange die Welt nicht die Grundlagen für eine allgemeine Sicherheit
geschaffen habe. -
Kriegsminister Paul-Boncour meinte, er könne sich nicht in den Gedanken finden, daß die gemeinsame Front der friedensliebenden Völker sich eines Tages nicht erweitere und daß der, Friede das zunichte machen könne, was in der Waffenbrüderschaft bewiesen wurde.
An Bombenanschlag
Mit großem Aufwand wurde am Sonntag in Van- nes die 400jährige Wiederkehr des Tages begangen, an dem das Herzogtum Bretagne mit dem Königreich Frankreich vereinigt wurde. Ministerpräsident Herriot nahm an den Festlichkeiten teil. Mit großer Empörung nahmen die Festteilnehmer von einem Bombenanschlag Kenntnis, der am Sonntag in Rennes auf das zur Verherrlichung der Vereinigung der Bretagne mit Frankreich errichtete Denkmal verübt wurde. Das Denkmal wurde zertrümmert. Sämtliche Fensterscheiben der umliegenden Häuser namentlich des Rathauses und des Stadttheaters wurden zerstört. Auch die Fassaden dieser Häuser wurden nicht unerheblich beschädigt. Die Urheber des Anschlages hat man trotz eifrigster Bemühungen bisher nicht feststellen können.
Ministerpräsident Herriot führte in seiner Ansprache u. a. aus: „Ich will hoffen, daß man später die Bemühungen der Regierung um den Frieden würdigen wird, Ich glaube, daß wir getreu dem Geiste Briands in Genf und in Lausanne unter größten Schwierigkeiten das ver°-- Wirklicht haben, was zu erreichen in so verworrenen Zei-. ten möglich war. Wir werden unsere Arbeit rechtschaffen fortsetzen und gegen Routine und Demagogie ankämpfen. Die Französische Republik wird sich rechtschaffen und loyal gegenüber allen, jeden Vorwurf der Heuchelei verschmäh hend, durch keinen Zwischenfall in ihrer friedlichen' Wachsamkeit und in ihrem Entschluß, stets das Beispiel der Vernunft zu geben, stören lassen."
Segietimsstrile in China
Auch der Iustizminister zurückgetreten.
Nanking, & August.
Die Nachricht, daß nach dem Rücktritt des Finanz- ministers nun auch der Iustizminister Lo Wen Kan zurück- • getreten ist, hat in der Stadt beträchtliches Aufsehen erregt. Als Grund des Rücktritts gab der scheidende Mini- ster ein Augenleiden an. Die Nationalregierung hat in ihm eines ihrer repräsentativsten Mitglieder verloren.-Es werden Befürchtungen laut, daß noch airdere führende Regierungsmitglieder zurücktreten werden..
Bor Haager Entscheid über Memel
Haag. Die Entscheidung Am Memelstteit steht sicherem Vernehmen nach für diese Woche bevor.