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Amtlicher Anzeiger für ven Kreis hersfelS in QerSfe^b, Mitglied^d^WO^W^^'^^^
Fernsprecher Nr. 608.
Nr. 190
Montag, den 15. August 1932
82. Jahrgang
Verhandlungen mit Hitler gescheitert
Das Präsidialkabinett von Papen wird unverändert vor den neuen Reichstag treten
Hitlers Nein
Reichspräsident von Hindenburg empfing am Sonnabend in Gegenwart des Reichskanzlers von Papen den Führer der NSDAP., Adolf Hitler, zu einer Besprechung über die Frage einer Umbildung der Reichsregie- rung. Hitler wurde das Amt des Vizekanzlers in der gegenwärtigen Regierung angeboten, ferner sollten einige weitere geeignete Persönlichkeiten aus der nationalsozialistischen Bewegung mit wichtigen Ministerien betraut werden. Hitler aber verlangte vom Reichspräsidenten die Uebertragung der Führung der Reichsregierung und der gesamten Staatsgewalt in vollem Umfange. Der Reichspräsident lehnte diese Forderung sehr bestimmt ab mit der Begründung, daß er es nicht verantworten könne, die gesamte Regrerungsgewalt ausschließlich der national» sozialistischen Bewegung zu übertragen, die diese Macht einseitig anzirwenden gewillt sei.
Die Aussprache schloß mit einer ernsten Mahnung des Reichspräsidenten an Hitler, sich bei der von ihm ange» Hinbigten Opposition der NSDAP. seiner Verantwortung vor dem deutschen Volke bewußt zu bleiben.
Was wird nun?
Das negative Ergebnis des Empfanges Hitlers beim Reichspräsidenten wird in den Kreisen der Reichsregierung außerordentlich bedauert. Hitler hat in entscheidender Stunde geglaubt, sich versagen zu müssen.
^n politischen Kreisen fragt man sich nun natürlich, wir die Erckw'ckluna tvei^^a»^, ta«»^ Ssl**« ^SGL"
Vor riesengroßer Arbeit „Montag Morgen" über das Regierungsprogramm. criA« snTAtrhtn tm A- - ..." ~r—-!M. £??Ä
l engen Zusammensetzung weiter arbri'en werde, um drängenden nationalen Fragen z» lösen. Die Relchsre- gierung wird selbstverständlich für die Aufrechteryaltung von . Ruhe und Ordnung zu sorgen. Reichskanzler und Reichspräsident dürften bei den Besprechungen deutlich darauf bittgewiesen haben, daß die Regierung gewillt und in der Lage sei, jeden Versuch einer gewaltsamen Neuregelung be; Verhältnisse zurückzuschlagen. Derartige Be- rärdptnngcn sind aber wohl auch absolut abwegig, denn von Hitler selbst ist mit Bestimmtheit erklärt worden, er denke nicht daran, Aktionen wie einen Marsch nach Berlin oder dergleichen zu unternehmen.
Mit Spannung wird man nun der kommenden Reichstagssitzung entgegensehen. Die Möglichkeit einer parlamentarischen Mehrheitsbildung, wird in politischen Kreisen recht skeptisch eingeschätzt. Was weiter wird, wenn es im Reichstage zu den erwartenden Miß- trauensvoten kommt, wird in Ruhe von den verantwortlichen Stellen überlegt werden. Es wäre durchaus denkbar, daß der Reichstag erneut aufgelöst wird. Das aber sind Möglichkeiten, die sich erst Ende dieses oder Anfang nächsten Monats genau überleben lassen werden.
Reichspräsident von Hindenburg ist abends nach Nendcck zurückgekehrt.
Zer MM geht weiter
Ueber die Besprechung Hindenburg — Hitler teilt die Pressestelle der NSDAP. mit: „Wir sind gewillt und entschlossen, die volle Verantwortnng für die deutsche Politik in jeder Beziehung zu übernehmen, wenn n w uns dafür die eindeutige Führung der Regierung vertraut. Ist
Andrang in der Wilhelmstraße.
Der Empfang Hitlers beim Reichskanzler und dem Reichs- präsidenten hatte in der Wilhelmstraße eine große Menschenmenge angelockt, die die Auffahrt Hitlers sehen wollten.
das nicht der Fall, so kann die nationa. ualistische Be- wegung weder an der Macht noch an der Verantwortung teilnehmen. Insbesondere kommt ein Eintritt in die Re- grerung Papen für die Partei nicht in Frage. Da aber Hrndenburg es ablehnte, die nationalsozialistische Beweg- gnng mit der Führung der Regierung zu betrauen, wurv- den die Verhandlungen als ergebnislos abgebrochen.
- Maßnahmen für die weitere Fortführung des ' '"'en Bewegung werden in
Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung einer in der kommenden Woche stattfindend, tagung bekanntgegeben."
Hitler verließ noch am Sonnabend Berlin.
en Führer-
„ Der Reichskanzler _ hat die Zentrumsabgeordneten o o s und Bolz am späten Abend des Samstag über den Verlauf der politischen Verhandlungen in Kenntnis gesetzt. Die Zentrumsabgeordneten haben die Mitteilungen entgegengenommen und sich jeder Stellungnahme enthalten.
Behebung der Arbettslohgkeit
Die vordringlichste Aufgabe der Reicksregierung.
Der Reichspräsident sagte vor seiner Abreise nach Neudeck dem Reichskanzler, daß, nachdem nunmehr Klarheit über die politische Lage geschahen sei, mir der größten Beschleunigung die zur Behebung der Arbeitslosigkeit vordringlichen Aufgaben gefördert werden müßten.
na^-TtTU vus Vrvgiumut, .»» V, y* ^y~. ung ^... — August vor den Reichstag treten wolle, im wesentlichen vier Punkte umfassen. In einer , Gesetzesvorlage über die Reichsreform solle, neben Vereinfachung des Verwaltungsapparates zwischen Reich und Preußen, die Frage der Wahlreform enthalten sein; darin werde der Gedanke einer Ersten Kammer verankert sein. Dann werde der Reichstag Stellung zu nehmen haben zu Gesetzen über die Arbeitsdienstpflicht, über eine neue Finanzreform unb endlich über die Vorschläge zur Wirtschaftsreform, Sied- lungs- und Arbeitsbeschaffung. Die Reichsregierung werde, wie der „Montag Morgen" weiter vermutet, jeden dieser Programmpunkte mit der Vertrauensfrage verbinden. Das Blatt fügte „angebliche Verzögerungen" zu, die die Veröffentlichung des Wirtschafts- programms der Reichsregierung betroffen haben. Es hätten sich Schwierigkeiten in der Finanzierungsftage ergeben, da die Reichsbank die notwendigen Kredite zu geben sich geweigert habe und ein anderer Weg der Geldbeschaffung so gut wie ausgeschlossen sei. Das Blatt will wissen, daß Verhandlungen zur Behebung dieser Schwierigkeiten zu Beginn der Woche zwischen der Re- gierung und der Reichsbank ausgenommen, werden sollen. Das Wirtschaftsprogramm sehe u. a. eine organya- torische Umgestaltung der Erwerbslosenfürsorge, eine Ankurbelung der Wirtschaft durch. Erteilung von Auftragen und eine Lockerung der Tarifpolitik vor.
Hitler verläßt die Reichskanzlei.
Der Wagen Adolf Hitlers beim Verlassen der Reichskanzlei, begrüßt von zahlreichen Nationalsozialisten.
FlugZeugubsturz fordert vier Todesopfer
Prag. Im Eibetal bei L o b o s i tz ist während eines Vergnügungsflu es ein Flugzeug der Mafaryk-Fluglinie in ci::e:t Lustwirbel geraten und abgestürzt. Vier Personen waren sofort tot, während der Pilot so schwer verletzt wurde, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
1 "dens Innenminister Mater f
Karlsruhe. Der badische Innenminister, Emil Maier, Sonntag vormittag 10.30 Uhr nach längerem schweren --iben gestorben.
Der Heimgegangene ist am 11. August 1876 geboren Er war von 1904 bis 1908 Redakteur in Heidelberg, oäitn lozraldemokratischer Parteisekretär und von 1912 ab Stadtrat in Heidelberg. Der Zweiten Kammer der ^andstande gehörte er von 1909 bis 1913 an, mürbe im Jahre 1919 in die Badische Nationalversammlung gewählt. Bon da gehörte er bis zum Tod dem Landtag u. ä. als 1 Vizepra,rdent an, bis er am 1. Juli 1931 an die Spitze des Innenministeriums berufen wurde.
Ka»v! dem Terror!
Die preußischen Ausführungsbestimmungen.
Berlin. 14. August.
Nachdem die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politischen Terror vom 9. 8. d. 3. ergangen ist, hak der kommissarische preußische Innenminister einen Runderlaß an alle Polizeibehörden einschließlich der Landjägerei gerichtet, wonach alle Kräfte und alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen sind, um jeden Fall eines Terroraktes auf dem schnellsten Dege aufzuklären.
In dem Runderlaß wird betont, daß die bestehenden landsskrimmalpolizeilichen Bestimmungen eine oollkoinmen ausreichende Grundlage zur Erfüllung dieser Aufgabe bieten. Sie geben.dosst^ Gewähr.- .ha* Jrä«^s^lLO“^!1 Lanüe. die mit allen zechnischeu Hilfsmitteln ausgerüsteten großstädtischen Kriminalpolizeien jederzeit eingreifen können.
Im einzelnen werden alle in Betracht kommenden Dienststellen nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß sie der zuständigen Landeskriminalpolizeistelle unverzüglich (fernmündlich, drahtlich, auf dem Funkwege oder durch besondere Boten) von allen Terrorakten Meldung zu machen haben. Die LKP.-Stellen werden angewiesen, falls erforderlich, eine Mordkommission zu entsenden. Sie haben zu diesem Zwecke eine ausreichende Anzahl von Mordkommissionen in ständiger Bereitschaft zu halten. ,
Zur Unterstützung dieser Mordkommissionen der LKP.- Stellen sind für den Bezirk jeder Landjägereiinspektion eine oder nach Bedarf mehrere Hilfsmordkommissionen aus den Reihen der dafür vorgebildeten und besonders geeigneten Landjägereibeamten zu bilden. Die Hilfsmordkommissionen müssen aus mindesten 3 Beamten bestehen. Sie sind mit dem gesamten erforderlichen, im Bezirk der Landjägereiinspektion zur Verfügung stehenden kriminaltechnischen Gerät auszu- statten. Nötigenfalls hat die LKP.-Stelle verfügbares Gerät der Hilfsmordkommission leihweise zu überlassen. Die Hilfsmordkommissionen sind an einem für das fragliche Gebiet möglichst günstig gelegenen Orte ständig bereit zu halten und mit einem in ständiger Fahrbereitschaft befindlichen Kraft- wagen auszurüsten. Für dauernde Fernsprechverbindung ist zu sorgen. Der ständige Sitz der Hilfsmordkommission und ihre Fernsprechverbindung sind den Polizeibehörden, den Landjägereibeamten und der Bevölkerung bekanntzugeben. Ausreichende Ablösung ist sicherzustellen.
Größere Gemeindepolizeiverwaltungen haben, soweit noch nicht vorhanden, eigene Mordkommissionen zu bilden.
LsMbeMMlWe in Drehen
Vor dem kommunistischen Parteibüro in der Columbus- straße und vor einem Haus in der Sorbenstraße in Dres - den wurde nachts je eine Bombe zur Explosion gebracht, wodurch einiger Sachschaden angerichtet wurde. Bei dem Anschlag in der Columbusstraße wurde ein Mann schwer verletzt. Einzelheiten stehen zur Zeit noch nicht fest.
Zu dem R e i ch e n b a ch e r Sprengstoffan- schlag auf den Redakteur Paeschke wird amtlich mitgeieilt, daß der verhaftete SS.-Mann Wagner in seiner weiteren Vernehmung angegeben hat, daß der Sprengkörper von b£m SS.-Mann Henke tatsächlich zur Explosion gebracht worden ist, wobei dann Henke infolge vorzeitiger Explosion tödlich verunglückte. Die polizeilichen Ermittlungen sind damit abgeschlossen und die Akten der Staatsanwaltschaft in Schwew- nitz übergeben worden.
Schüsse aus einen Gemeindevorsteher
In Nesselwitz b. Mielitsch (Niederschlesien) wurden auf das Schlafzimmer des Gemeindevorstehers und Kreisaus- schußmitgliedes Bräuer zwei Schüsse aus einem Jnfante- riegewehr oder einem Karabiner abgegeben; Personen (mo nicht verletzt worden. Die Täter haben offenbar ein Motorrad benutzt. ____________-
Glöckner gebiet sind, wie aus Heiligenblut berichtet wird, drei Touristen von der Glocknerscharte in die Pallavicini-Rinne abgestürzt. Da die Wand etwa 800 Kiefer abfällt muß mit dem Tode der Verunglückten ge rechnet werden. "Die Namen der T-nüst-n sind noch nn- bekannt.