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Hersfelöer Kreisblatt

/imtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Nr. 208

Montag, den S. September 1932

82. Jahrgang

Ruf Dem Wege zur Reichsreform

Preußens große Verwaltungsreform: Umfassende Dekonzentrierung Die Sberprasidenten zugleich Kommissare der Reichsregierung

Ankurbelung der Wirtschaft

Die Verordnungen erscheinen.

Berlin, 5.. September

Das Reichskabinett hat in seiner Sitzung vom Sonn» abend das vom Reichskanzler in Münster angekündigte WirtschaftsProgramm fertiggestellt. Es besteht aus zwei Verordnungen. Die Hauptverordnung, die vom Reichs­präsidenten unterschrieben wird, enthält die Ermächtigung zur Ankurbelung der Wirtschaft. Der Kernpunkt ist

in den Steueranrechnungsscheinen

zu sehen, die sich im ganzen auf 2,2 Milliarden Mark belaufen werden. Dieser Teil der neuen Maßnahmen soll am 1. Oktober schon in Kraft treten. Inzwischen werden Durchführungsbestimmungen ausgearbeitet, die sich be­sonders mit der Verteilung der Prämien bei der Mehrbe- schäftigung von Arbeitern befassen werden.

In der zweiten Verordnung ist die Neuregelung des Tarifwesens enthalten. Willkür und Vorwände zur Umgehung der Tarife sollen aber ausgeschlossen wer­den. Deshalb ist als letzte Instanz hier der Schlichter eingeschaltet. Die Verordnung enthält im übrigen die Handhabe, um die Tarifpolitik elastischer zu gestalten. Sie wird übrigens nicht vom Reichspräsidenten unterschrieben, sondern nur vom Reichskanzler und den drei beteiligten Ressortministern. Diese Verordnung tritt schon am 15. September in Kraft.

Um die Öffentlichkeit aufzuklären, werden die betei­ligten Minister Anfang der Woche auch im Rundfunk er- läuternde Voriräge halten.

EntscheidMde Stunden

Kabinettsrat in Lonson über Deutschlands Forderung nach Gleichberechtigung.

London, 5. September.

Das englische Kabinett wird sich, wie der diplomatische Korrespondent desObserver" meldet, noch in der ersten Hälfte dieser Woche mit dem deutschen Anspruch auf Rüstungsgleichheit befassen. Die britische Regierung sei im Augenblick technisch daran nicht interessiert. Der erste Schritt des Kabinetts werde darin bestehen, zu erwägen, ob die deutsche Forderung aus rechtlichen oder Zweck­mäßigkeitsgründen bekämpft werden könnte, wenn man zu der Ansicht gelangt, daß sie entweder unzeitgemäß oder unzulässig sei. Es sei bekannt, daß Deutschland eine allgemeine Abrüstung vorziehen würde, aber es seien die nichtdeutschen Mächte, die dies unmöglich gemacht hätten.

Die tonangebende englische Sonntagspresse ist sich über die Berechtigung der deutschen Forderung auf Gleichberechtigung einig. Dagegen gehen die Auffassungen darüber auseinander, ob Zeit und Art der Geltendmachung des Anspruches günstig gewählt seien.

... und Paris

Paris, 5. September.

Petit Parisien" glaubt zu wissen, daß eine ver­trauliche direkte französische Antwort an Deutschland nicht werde in Frage kommen können, weil nach dem Ver- tranensabkommen ein Meinungsaustausch der Mächte geboten scheine.

Der endgültige Text der französischen Antwort wurde in deni planmäßigen Kabinettsrat, der am Mittwoch in Paris stattfinde, vorgelegt werden, und dieser dürfte ein­stimmig sowohl den allgemeinen Sinn wie die Wendun- gen der französischen Antwort billigen. Schon im Mi­nisterrat am Sonnabend hätten die Minister wie auch Präsident Lebrun einmütig und ohne Vorbehalte der Haltung des Ministerpräsidenten Herriot beigepflichtet.

SoZialdeWolratte und Wehrfrage

Köln, 5. September.

In einer Kundgebung der Eisernen Front sprach der ehemalige Berliner Polizeipräsident Grzesinski u. a. gegen das Wirtschaftsprogramm von Papens. Wenn das Programm, so sagte Grzesinski, nicht ordnungs­gemäß angenommen werde, so würden die Sozialdemo- kraten, wenn sie wieder an der Macht wären, die Steuer- ischeine nicht anerkennen.

Zur Wehrfrage sprach dann der Reichslagsabge- ordnete S o l l m a n n. Die sozialdemokratische Reichstags­fraktion, so führte der Redner an3, werde den deutschen Schritt zur Wehrfrage rein sachlich, insbesondere auch auf seine außenpolitischen Wirkungen prüfen. Der Sozia- lismus wolle zwar keine Ausrüstung, aber er wolle auch nicht, daß auf irgendeinem Gebiet der Unterschied zwischen Siegern und Besiegten verewigt werde. Wehrtechnisch sei die Partei auf die Organisationsform der jetzigen Reichswehr, ihre Rekrulierungsmethoden und ihre lange Dienstzeit nicht festgeletzt. Man müsse aber erst einmal wissen, was die Regierung eigentlich wolle, ehe man sich verantwortlich äußern könne.

Der Tag des Stahlhelms

Das Treffen der 200 000.

Berlin, 5. September

Seit Sonntag früh herrschte in Berlin die graue Uniform des Stahlhelm. Dem Schauplatz des 13. Reichs­frontsoldatentages, dem Tempelhofer Feld, marschierten seit 5 Uhr morgens Kolonnen über Kolonnen auf acht Anmarschstraßen zu. Gegen 10 Uhr war der Auf­marsch beendet. Weit mehr Teilnehmer als erwartet,

im ganzen 195 000 Mann nach den Berechnungen der Bundesleitung, hatten in ! vier großen Treffen, geordnet nach den 23 Landesderbän- , den und Gauen, Aufstellung genommen. Die Massen der \ Stahlhelmer mit etwa 6000 Fahnen, darunter die Ab- ! ordnungen der Saarländer, der Südtiroler und der Dan- ziger, boten ein imposantes Bild.

Als Auftakt zum 13. Reichsfrontsoldatentag legten sämtliche Bundesführer am Ehrenmal Unter den Linden, am Denkmal Friedrichs des Großen, und am National- denkmal vor dem Schloß Kränze nieder.

Unter den Ehrengästen auf dem Tempelhofer Felde sah man u. a.:-Reichsinnenminister Freiherrn von Gayl, Reichsaußenminister Freiherrn von Neu rath, Reichs­ernährungsminister Freiherrn von Braun, Reichswehr­minister von Schleicher, Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Kwosigk, den kommissarischen preußischen Innenminister Dr. Bracht, den kommissarischen Handels­minister Dr. Ernst, den Polizeipräsidenten von Berlin, Dr. Welcher, beit Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, Polizeioberst Poten, den ehemaligen Kronprinzen und die Kronprinzessin, Prinz Waldemar von Preußen, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Fürst von Hohenzollern, Major Pabst, Fürst Starhembe-g und Major Frey aus Wien, Oberstleutnant Boenicke von Deutschen Kolonial- kriegerbund sowie viele hohe Offiziere der alten Armee

Während die Bundesleitung die Front abfuhr, be­trat Reichskanzler von Papen den Ehrenplatz. Nach einer Begrüßung durch den Landesführer ergriff der Gründer und erste Führer des Stahlhelm, S e l d t e, das Wort zu einer Ansprache, in der er erklärte:

Zum zweiten Male in seiner bald 14jährigen Ge­schichte steht der graue Heerbann der alten Frontsoldaten in der Reichshauptstadt. Heute sind die Forderungen des Stahlhelms in weitgehendem Maße die Programm- Punkte der deutschen Reichsregierung.

Die alle deutsche Armee ist nicht mehr, aber der Geist der Disziplin und der Front, mit dem wir den Geist eines neuen deutschen Staatsbürgertums verbinden, steht unter den alten ruhmreichen Fahnen. Der Stahlhelm ist keine Partei. Er kämpft nicht für sich, sondern für Deutsch­land. Er fordert nicht die staatliche Macht, sondern den machtvollen Staat. Das war der Wille des Stahlhelm von jeher und das wird er sein in aller Zukunft. Wir wiederholen das Gelöbnis unseres Bundes vor ganz Deutschland und aller Welt auf die Stahlhe'mfahne.

Vas Treuegelöbnis, vom Führer vorgesprochen und von den Stahlhelmern im Chor abgegeben, klang aus in die erste und vierte Strophe-des Deutschlandliedes.

Im Anschluß an die Rede weihte Oberstleutnant Dü­fte r b e r g 55 Fahnen.

Dann begann der Vorbeimarsch an den Bundesfüh- rern und den Ehrengästen, der sich mehrere Stunden lang hinzog. Trotz des bedeckten Himmels hatte sich eine nach Zehntausenden zählende Menschenmenge cinge'rin- den, die die Warsönolonn n des Stahlhelms mit stür­mischen Front-Heil-Rufen L. üßw.

Der Abend im Stadion

Zehntausende begrüßen die Fahnen.

Berlin, 5. September

VM Stadion Grunewald versammelte sich am Vor« abend des Reichsfrontsoldatentages ein großer Teil bei anwesenden Stahlhelmer zu einem großen Wehrsport- abend. Sämtliche Plätze waren lange vor Beginn be­setzt. Pünktlich um 6 Uhr wurde

die Stahlhelmfahne gehißt.

Die Ehrengäste betraten die große Ehrenloge, darunter Generalfeldmarschall von Mackensen, der ehemalige Kronprinz mit seiner Gattin, Prinz Waldemar von Preu­ßen, Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg und Fürst Starhemberg. In der ersten Reihe sah man den Reichs­innenminister von Gayl, Staatskommissar Dr. Bracht und General von Rundstedt sowie eine Anzahl höherer Offiziere und Vizeadmirale der alten Armee und Marine.

Nach dem Einmarsch der Wehrsportabteilung des Landesverbandes Groß-Berlin hielt der erste Bundes­führer, Hauptmann i. R. Seldte, die mit stürmischem Beifall aufgenommene Begrüßungsansprache, in der er die Vertreter der Reichswehr begrüßte und der Reichs­wehr ein dreifaches Frontheil zurief.

Während der sportlichen Veranstaltungen, von denen besonders der 50x100-Meter-Lauf die Aufmerksamkeit erfechte, hetrgt Reichskanzler von Vaven die Ebrenloae.

lebhaft begrüßt vom Publikum. Nach den Sportvor­führungen erfolgte der

Einmarsch der Musik- und Spielmannszüge.

800 Mann marschierten im Scheinwerserlicht auf. Die Kapellen spielten u. a. die Webersche Jubel-Ouvertüre, die bekanntlich mit der Melodie desHeil dir im Sie­gerkranz" schließt. Hierbei sangen zahlreiche Zuschauer den Text spontan mit, während sich alle Anwesenden von den Plätzen erhoben.

Den Höhepunkt des Abends bildete der Einmarsch der 6000 Standarten und Fahnen der Landesverbände unter bengalischer Beleuchtung und vom stürmischen Jubel der Massen begrüßt. Laude^ührer Major von S t e p h a n i führte die Fahnenträger im Paradeschritt auf die Ehren- koge zu und begrüßte die Reichsregierung, vertreten durch Reichskanzler von Papen sowie die Bundesführer des Stahlhelm.

Den Abschluß der Feier bildete dann der Aufmarsch der Fahnen, ein großes Schlachtenfeuerwerk und der Große Zapfenstreich. Das Deutschlandlied stieg dann aus Zehntausenden von Kehlen zum Nachthimmel empor.

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Potsdam, 5. September.

Eine eindrucksvolle Kundgebung im Potsdamer Sta­dion verunstaltete ein riesiges Heer von 20 000 Stahl­helmern unb~ ZungstahlHelmern aus den Verbänden Alt- mark, Mitteldeutschland, Nidersachsen, Nordmark und dem Gau Potsdam.- 15.000 Potsdamer Männer . und Frauen begrüßten die feldgrauen Kolonnen auf den Tri­bünen. Das Potsdamer Stadtoberhaupt, Oberbürgermei­ster Dr. Rauscher, hielt eine Rede, die in ein begeistertes Bekenntnis zu den Zielen des Stahlhelm auskmng.

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MWelm-TklegramNi an hmdenhurg

Berlin, 5. (September

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an den Herrn Reichspräsidenten gerichtet:

Die in Berlin aufmarschierjen Stahthelmkameradcu i entbieten durch uns ihrem hochverdienten Reichspräsiden­ten und Eeneralfeldmarschal? die ehrerbietigsten und herz­lichsten Grüße. Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, gelobt dem Herrn Reichspräsidenten seine treue Gefolg­schaft für die unabhängige Staatsführung, die die innere und äußere Freiheit des deutschen Volkes erkämpfen wird. Frontheil!" gez.: Franz Seldte, Duesterberg.

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Reichspräsident von Hindenburg hat auf das Be- grüßungstelegramm der Bundesführer des Stahlhelms vom 13. Reichsfrontsoldatentag folgendes Antwort­telegramm gesandt:

Den zum 13. Frontsoldatentag versammeUen Ka­meraden vom Stahlhelm danke ich bestens für das Ge­löbnis treuer Gefolgschaft und für die übersandten Grüße. Diese in kameradschaftlicher Gesinnung erwidernd, über­mittele ich den Wunsch, daß der Geist der Schicksa-sver- bundenheit und Wehrhaftigkeit al er Vol.s.reise Würde und Kraft nach innen und nach außen und damit unserem Vaterlande eine Stellung geben möge, wie sie ihm gebührt."

Der Tod fordert Wer

Berlin, 5. September

Bei einer Vergnügungsfahrt auf dem Wannsee fiel in der Nähe von Moorlake der 18jährige Stahlhelm­mann Adolf Bergmann aus Eisleb en aus Unvor­sichtigkeit über Bord und konnte nur noch als Leiche ge­borgen werden.

Auf der Bahnstrecke zwischen Lichterseide und Teltow hat sich am Sonnabendabend der aus G e r a stammende Kurt Langheinrich vom Zuge über fahren lassen. Langheinrich ist zum Frontsoldatentag des Stahlhelms nach Berlin gekommen, hatte aber schon in seiner Hei- mal verschiedentlich geäußert, daß er sich das Leben neh­men wolle. S ine Leiche wurde zerstückelt anni i/nbcn.

Der gleichfalls zum Stahlhelmtag hierher gekommene 28jährige Bergarbeiter Erich Ebert aus Bitterfeld erlitt in seinem Quartier in Kohlhaasenbrück eine Herz- lähmung, die seinen Tod herbeiführte. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.

Mitten mobilisiert weiter

Bueuvs Aires, 5. September.

Bolivien hat den neutralen Mächten mitge eilt, daß es die Einstellung der Mobilmachung ablehne. Die Trup­penbewegungen nehmen, wie gemeldet wird, zu.

General Rodriguez Präsiden' von Mexiko

Mexiko City, 5. September.

Der Kongreß hat den Rücktritt beS Präsidenten Ortiz Rubin angenommen und einstimmig General Rodriguez zu seinem Nachfolger ernannt.