HersfelöerTageblatt
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s^te^t % <K>8 Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö “ “ ^rgfeV^Ügl^
Nr. 211
Donnerstag, den S. September 1932
82. Jahrgang
Reichstagswahlen am 6. November?
Hindenburg verlangt Anerkennung des Wirtschaftsprogramms
Am Ehre mid Sicherheit
iu beweisen, den Jn-
An dem gleichen Tage, an dem Reichswehrminister von Schleicher in Ostpreußen in entschiedener Weise erklärte, „daß Deutschland in jedem Falle das r seine nationale Verteidigung notwendig ist", hat sich der deutsche Außenminister über Art und Sinn des deutschen Schrittes in der Frage der Gleichberechtigung eingehender geäußert. Er hat bei dieser Gelegenheit, um die Wider- sinniakeit der französischen Pressehetze 3: ' halt jener Denkschrift der Oeffentlichkeit übergeben, die zusammenfassend das enthält, was der deutsche Außenminister am 29. August dem französischen Botschafter über den deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage erklärt hat. Schleicher betonte den deutschen Standpunkt in militärischer Kürze und mit militärischer Klarheit. Im Inhalt stimmt er durchaus mit dem überein, was Herr von Neurath der Presse zur Begründung des deutschen Schrittes bekanntgegeben hat.
An sich sind es weder neue Gesichtspunkte, noch wird damit ein neuer Schritt eingeleitet. Frankreich hätte also nicht den geringsten Anlaß, überrascht und empört zu tun. Schon in Lausanne haben sich die deutschen und französischen Staatsmänner über das gleiche Problem unterhalten und sind dabei übereingekommen, die Gespräche fortzusetzen. Das deutsche Gleichberechtigungsoerlangen stützt sich auf Bestimmungen, wie sie in Versailles aufgestellt worden sind. Die in der Denkschrift enthaltenen Darlegungen des deutschen Standpunktes lassen in keinem Punkt die Absicht erkennen die deutsche Rüstung aufzubauen. Es wird ausdrücklich erklärt, daß die ganze Frage der deutschen Gleichberechtigung sich, aufs einfachste lösen ließe, wenn die übrigen vertragschließenden Mächte vertragsgemäß ihre Rüstungen auf den Stand herabsetzten, der für Deutschland als au^reicber n-
leisten.
Von dieser Feststellung in dem deutschen M orandum ist wohlweislich in der französischen Presse keine Notiz genommen worden, wie man es in Frankreich überhaupt ängstlich vermieden hat. zuzugeben, daß die Versailler Bestimmungen eine Abrüstungsverpflichtung der übrigen Vertragsstaaten im Umfange der deutschen En.wass- nung enthalten. Während man Deutschlands Lücherhell bei einem Hunderttausend-Mann-Söldnerheer trotz, unruhiger und annektionslüsterner Nachbarn für gewährleistet ansieht, hat man in den übrigen Staaten nicht nur die Rüstungen seit dem Kriege wesentlich ausgebaut, sondern auch noch ein Verteidigungssystem geschaffen, das selbst nach französischem Eingeständnis jegliche Sicherheit bietet. Wenn man sich diese Tatsachen im Auslands in aller Ruhe vor Augen fuhren würde, müßte man von selbst zu der Auffassung kommen, daß hier irgend etwas nicht in Ordnung ist. Wohin die militärische Ohnmacht Deutschlands führen muß, hat uns Poincares Ruhrkrieg bewiesen. Deutschland ist angesichts des Rüstungsstandes und der verschiedensten Militärbündnisse seiner Grenznachbarn nicht in der Lage, seine Grenzen erfolgreich zu verteidigen. Hat man diesen Zustand absichtlich geschaffen, hat man Deutschland der Gefahr e i n e s E i n b r u ch e s f e i n d l i ch e r H e e r e aussetzen wollen? Wir haben gerade von polnischer Seite her wiederholt Worte und Taten feststellen müssen, Die einen Einfall polnischer Heere in Ostpreußen, Oberschlesien oder an einer anderen Stelle der deutsch-polnischen Grenze durchaus im Bereiche der Möglichkeit liegend erscheinen lassen.
Reichswehrminister von Schleicher hat deshalb Ostfesten Willen der Reichsregierung Aum Aus- , diese deutsche Grenzmark bis zum
Preußen den j , druck gebracht, diese----, .v . „
allerletzten Mann zu verteidigen. Wir sind überzeugt, daß die polnische Pressemeute aufheulen wird. Weshalb wohl? Weil man in Polen ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich zu gegebener Zeit Ostpreußen anzueig- nen. Es ist gewarnt. Nicht nur Ostpreußen wird deutschen Heimatboden bis zum letzten Blutstropfen verteidigen son- dern das ganze deutsche Volk. Die V e r t e i d i g u n g aber ist Deutschland in Versailles nicht untersagt worden. Polen hofft aber, daß die Verteidigung Deutschlands zu schwach sein werde, um einen polnischen Einfall aufzuhal- ten. Von zuständiger deutscher Stelle ist den Polen angekündigt worden, daß sie das ganze deutsche Volk gegen sich haben würden. Und weil die Polen damit den Erfolg eines Einfalls in deutsches Land in Frage gestellt sehen, deshalb wird die polnische Presse und mit ihr der polm che West- markenverein, und wie sie alle heißen mögen, aufheulen.
Es war gut daß die Erklärung des Reichsaußenmini-. fters über Deutschlands Gleichberechtlgungsfrage eine so bei- pielhafte Unterstreichung erfuhr, wie es durch Schleicher ge- chehen ist. Die Welt soll und muß erkennen wo die G e •
ahren für den europäischen K ri e g bestehen, muß erkennen, daß Deutschland nicht zugemutet werden kann, jetzt 14 Jahre nach Beendigung des Kneges sich noch einem Zustand gegenüberzusehen, der es wehrlos annemonifhldjen Gelüsten seiner Nachbarn ausliefert. Auch das ist eine Ungewollte Unterstreichung der deutschen Sicherheitsbesunh- ungen, daß gerade in diesen Tagen englische Marineflug» ulge die deutschen Nordseebesestigungen und ein französisches ^lltärflugzeug deutsche Bahnanlagen an der Mosel über* ßwn. Dvptjchland verlangt nichts andsrss, als was M
,.......i diesen Tagen englische Marineflug, chen Nordseebefestigungen und ein französisches .g deutsche Bahnanlagen an der Mosel über*
übrigen Staaten an Sicherheit und Ehre für sich in Anlvruck nehmen. Von dem Gedanken müssen sie sich frei machen
^schland gewillt wäre, noch weiter die en würdigende LL T^Ä^^^ «°»°n Ä
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durchführen wird, was für Klaffe zu spielen. Wenn sich Frankreich diesen Forderungen itwendig ist", hat sich der k^Mdann beweist es damit lediglich, daß es aus
entgegenstellt dann beweist es damit lediglich/daß es aus biefem ^uftanbe meiteren Nutzen zu ziehen gewillt ist. Nur vergaßt es, daß ein 70-Millionenvolk sich nicht auf die Daeuer 5U Sklavendiensten bereit findet. Wird die deutsche Gleich- oerechtlgung nicht anerkannt, dann wird die übrige Welt mette^in die furchtbaren Rüstungslasten tragen müssen. Deutschland wird daraus aber die Nutzanwendung ziehen, die es seiner nationalen Sicherheit und seiner Ehre ^ub
/
Wie wirb Frankreich antworten?
KatzM Mr bett vermutlichen Inhalt der französischen Note.
Z Paris, 8. September.
Wie HavaS über den Kabinetts rat mitteilt, der gestern in Paris stattfand, hat Ministerpräsident H e r <- ri0t den Entwurf der Note verlesen, den er als Antwort aus die deutsche Denkschrift in der Frage der Rüstungsgleichberechtigung vorbereitet hat.
Obwohl die französischen Minister keine bestimmten Angaben über den Inhalt der Note machten, ist es doch klar, so heißt es in der Havas-Depesche weiter, daß dieses Dokument eine Prüfung der juristischen und politischenProbleme enthält, die durch das deutsche S
sehe ü eng nur eine allgemeine Beschränkung der Rüstung vor, aber enthalte keine Bestimmungen im Hinblick auf jene Rüstungsvermehrung, die Deutschland fordere. Es stehe weder Frankreich noch Deutschland zu, die Klauseln des Vers Hier Vertrages zu ändern; allein die Unterzeichner dieses Vertrages hätten diese Macht.
Aber die für eine Revision des Versailler Vertrags notwendigen Verhandlungen könnten nach den Bestimmungen des Vertrages selbst zu einer Herabsetzung der Rüstungen nur führen, wenn man für die interessierten Mächte auf das Mindestmaß Rücksicht nehme, das mit ihrer nationalen Sicherheit und mit der Durchführung der durch eine gemeinsame Aktion ihnen auferlegten internationalen Verpflichtungen vereinbar sei. 3n einer besseren Organisierung des Friedens könne sich schließlich die Lösung des durch die Reichsregierung aufgerollten
Problems finden lassen.
WalhMston und die Midien Probleme
Washington, 8. September.
Der Staatssekretär des Aeußeren erklärte gestern nach einer Konferenz mit Präsident Hoover, das Staatsdepartement habe weder mit der deutschen noch mit den früheren alliierten Regierungen Verhandlungen über die Neuregelung der Schulden frage gehabt. Strmson lehnte es ab, sich über das jetzt in Washington im vollen Tert veröffentlichte deutsche Memorandum zur Ru ° stunasfrage zu äußern, und teilte mit, daß er bisher . von der französischen Regierung keinerlei Nachricht über den Inhalt der beabsichtigten französischen Antwort erhalten habe. Auch habe er von der Reichsregierung keine Mitteilung über das angeblich geplante Moratorium sur die deutschen Amerika-Schulden bekommen.
§itkr zur pMMen Lage
München, 8. September.
Im überfülllen Zirkusgebäude sagte gestern in einer Versammlung der Nationalsozialistischen Partei 'Adolf Hitler in einer Rede über die politische Lage: Die alten & -elleni.u werden die nationalsozialistische Bewegung niast unterkriegen, die sich streng an die Verfassung hallen und die Verfassung verfassungsmäßig andern werde. Herr von Papen irre, wenn er meine, die NSDAP könne heute ohne weiteres zu ihm überschwenken. Selbst wenn er, Mler, wollte, könnte er die Bewegung nicht Herrn von Papen ausliefern, denn sie habe als Bewegung ihren eigenen Willen. ... . .
Die Nationalsozialisten w irden zur Qtiugnng mit einer anderen Partei kommen, wenn es zunachh »um anders möglich sei, zu regieren. Er, Hitler, verkäs Partei nicht für einen Minister iulst und nicht für Litel. Was die Regie ng i Iji beabjrch - fei völlig gleich- aijltig. Sne möge den Reichstag < en, die Aanona - sozialistett würden diese Regierm^ .Uemals anerkennen.
ReichstagsaMMg unvermeidbar?
Zur Sicherung der Durchführung des Wirkschnftsprogramms
Berlin. 8. September.
Trotz der verschiedensten versuche, eine arbeitsfähig, Reichstagsmehrheil zu schaffen, bestärkt sich bei allen Parteien die Ueberzeugung, daß eine Reichstagsauflösung kaun noch zu vermeiden sein wird. Die Verhandlungen zwischer Nationalsozialisten und Jentrum sind noch so wenig posilir gestaltet, daß kaum erwartet werden kann, sie noch bis zuw Empfang des Reichstagspräsidiums durch den Reichspräsidenten Ausgang dieser Woche zu einem gemeinsamen Arbeitsplan entwickeln zu können.
Zudem scheint auf nationalsozialistischer Seite aud i wenig Neigung zu bestehen, sich vorher programmatisch sest- zulegen, was deutlich aus der Erklärung des Reichstagsprä- ; fibenten Görings hervorgeht. Von Koalitionsver > Handlungen kann wohl überhaupt nicht die Rede sein In parlamentarischen Kreisen wird allerdings behauptet, das eine gewisse Aussicht bestehe, in Preußen zu einer koali- tionsartigen Arbeitsgrundlage zwischen Zentrum und Nationalsozialisten zu kommen.
Wie man annimmt, wird der Reichspräsident, falls dir Frage einer parlamentarischen Regierung an ihn gerichtet merben sollte, seine Entscheidung davon abhängig machen wie man sich zu dem soeben in Kraft gesetzten Wirtschaft«; Programm stellt. Der Reichspräsident scheint nicht gesonnen zu fein, Experimenten zuzustimmen, die die Durchsührung meses Wirlschaftsprogramms gefährden müßten. Eventuell, Neuwahlen wurden bann in der ersten Novemberhälfte, alsr voraussichtlich am Sonntag, 6. November, slattfinden.
— - ■ *• Bettln, 8. SepreMver"
Reichstagspräsident Göring erklärte in einer nationalsozialistischen Versammlung zu den umlausenden Meldunger über Verhandlungen mit dem Zentrum: „Man sage, mit den Zentrum unterhandeln wäre eine Sünde wider den heiliger Geist. Wir unterhalten uns zunächst nur noch." Bei bei nächsten Wahl würden die Nationalsozialisten viel Zulau haben. Am 31. Juli hätten noch viele Millionen deutschei Arbeiter für die SPD. wählen zu können geglaubt. Mar fürchtete, so fuhr Göring fort, daß Papen zu uns gehört Jetzt ist ja dafür gesorgt, daß auch dem Dümmsten klar feir muß, wie wir mit Papen stehen. Einen etwaigen neuen Kampf werden wir mit klarer Front führen.
... oder KsalitissssertzandlunseN?
Berlin, 8. September.
Wie ein Parlamentsbericht meldet, ist damit zu rechnen, daß die Koalitionsbesprechungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum in Preußen am heutigen Donnerstag fortgesetzt werden. Die Fühlungnahme mit den Besprechungen im Reich wird dabei auch durch direkte Querverbindung aufrechterhalten. So hatte am Mittwoch der Landtagspräsidenl Kerrl, einer der maßgebenden nationalsozialistischen Unterhändler für Preußen, eine Unterredung mit bem Reichstagspräsidenten Göring, der die Nationalsozialisten bei den Koa- litionsgesprächen im Reich mit vertritt. Es verlautet weiter, daß, wenn die preußischen Koalitionsunterhaltungen einen positiven Ausgang nehmen, das Landtagsplenum vor dem 21. September zusammenberufen werden würde mit der Tagesordnung „Wahl des Ministerpräsidenten".
General Schleicher bei den Ostpreußen-manövern.
Reichswehrminister General Schleicher nahm an den zur Zeit in der Nähe von Elbmg smttfmdenden ostpreußischen Manövern teil. Das Bild zeigt ihn (links) im Gespräch mit General von Blomberg.