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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in HcrSfe'd, Mitglied des BDZB.

Nr. 217

Donnerstag, den 15. September 1932

82. Jahrgang

Für Willensstärke Jugend

Errichtung eines Reichsamts für Zugendertüchtigung Ausbildung in 20 Lagern

Der ReichssrWdenl entscheidet

Die Reichstagsbeschlüsse vom 12. und 13. September sind» verfassungswidrig!

Berlin, 15. September.

Das Schreiben des Herrn Präsidenten des Reichstags an den Herrn Reichspräsidenten ist durch den Staatssekre­tär des Reichspräsidenten mit folgendem Brief beantwortet worden:

Sehr geehrter Herr Reichstagspräsident!

Der Herr Reichspräsident hat mich beauftragt, Ihnen den Empfang Ihres Schreibens vom 13. September 1932 zu bestätigen. Unter Hinweis auf fein gestern an Sie ge- richtetes persönliches Schreiben läßt Ihnen der Herr Reichs- präsidenl mitteilen, daß die nach Uebergabe der Auflösungs- verordnung vom Reichstag noch gefaßten Beschlüsse verfas­sungswidrig und somit gegenstandslos sind. Der Herr Reichspräsident beabsichtigt daher nicht, aus diesen Beschlüs­sen Folgerungen zu ziehen.

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung bin ich Ihr ergebener

gez. Dr. Meißner."

Der Briefwechsel abgeschlossen

Im Laufe des Mittwoch sind bei der Reichsregierung' noch weitere Schreiben eingegangen, die gemeinsam von dem Reichstagspräsidenten Göring und dem Vorsitzenden des Ueberwachungsausschusses Löbe unterzeichnet sind. Von diesen Schreiben ist eines gerichtet an den Reichspräsidenten und abschriftlich dem Reichskanzler zugeleitet, und ein wei­teres Schreiben ist dem Reichsminister des Innern, Frei-

Wie von zuständiger Stelle erklärt wird, beabsichtigt die Reichsregierung nicht, von sich aus diesen Briefwechsel fortzusetzen. Mit dem oben wiedergegebenen Schreiben des Staatssekretärs beim Reichspräsidenten dürfte vielmehr die­ser Notenkrieg abgeschlossen worden sein. Für die künftige Beteiligung der Reichsregierung an den Verhandlungen der beiden Ausschüsse dürfte nach Ansicht der Reichsregierung nahestehender kreise durchaus eine dem Verlangen der Reichsregierung entsprechende Willenserklärung des Reichs- tagspräsidenksn Göring genügen, da ja aus seinem Schrei­ben hervorgeht, daß er sich mit den Auffassungen des Ueber­wachungsausschusses identifiziert hat.

Neichsksbivett zum Riteukries Wahltermin noch nicht festgesetzt.

Berlin, 15. September.

Das Reichskabinett trat am Mittwoch zu einer Sitzung zusammen, die der Besprechung der politischen Lage galt. In der Presse war vermutet worden, daß dabei bereits der Termin der Neuwahlen festgesetzt werden würde. Diese Auf­fassung dürfte nicht zutreffend sein. Es wird vielmehr von unterrichteter Seite angenommen, daß die Reichsregierung zunächst die weitere Entwicklung abwartet, ehe sie den Zeit­punkt der Wahl bestimmt. Als aussichtsreichstes Datum gilt weiter der 6. November.

In der Kabinettssitzung ist in erster Linie auch der Briefwechsel mit dem Reichstagspräsidenten besprochen worden. Der Kanzler hat hierüber eine Reihe von Unter­redungen mit dem Reichspräsidenten gehabt. Es besteht auf der Seite der Reichsregierung nicht die Absicht, ihn fortzu­setzen; man betrachtet ihn vielmehr als abgeschlossen.

BoHotz von Preußen her?

Im Zusammenhang mit der Zuspitzung der Lage im Reich vermuten manche Kreise, daß der Kampf gegen die Reichsregierung über Preußen fortgeführt werden wird. Wir glauben zu wissen, daß die Verhandlungen zwischen den Na­tionalsozialisten und dem Zentrum auch in Preußen vor­läufig ruhen, bis der in diesen Tagen zusammentretende Vorstand der nationalsozialistischen preußischen Landtags­fraktion darüber entscheidet, ob die Besprechungen wieder ausgenommen werden sollen mit dem Ziel einer schnellen Wahl des preußischen Ministerpräsidenten, euer ob man es aus wahltaktischen Gründen für richtiger hält, vorläufig überhaupt nichts zu unternehmen. Die Überlegungen des Zentrums dürften sich auf der gleichen Linie bewegen.

Unter diesen Umständen ist die Entscheidung über die weitere preußische Entwicklung nicht vor nächster Woche zu erwarten.

Dienst am Bolle, nicht an der Partei! Görings Auffassung verfassungsrechtlich widerlegt.

Berlin, 15. September,

Gegenüber der vom Reichstagspräsidenten Göring in seinem zweiten Brief an den Reichspräsidenten der- tretenen Anschauung daßdie politische Willensbildung der 'Natron sich verfassungsmäßig nur durch Parteien dokumentieren könne" wird in informierten Kreisen fest­gestellt, daß diese Anircht in krassem Wtdersvrucb zum

Wortlaut und Sinn der Reichsverfassung steht. Die Verfassung kennt nicht nur keine Parteien, sondern ver­urteilt sogar in Artikel 130 deren Einfluß auf die Staatsgeschäfte (Die Beamten sind Diener der Gesamt­heit, nicht einer Partei"). Artikel 21 bestimmt, daßdie Abgeordneten, Vertreter des ganzen Volkes, nur ihrem Gewissen unterworfen und an Aufträge nicht gebunden sind". Parteien und Parteikoalitionen, die sich als selb­ständige Herrschaftsgebilde zwischen Regierung und Volk einschalten, sind verfassungswidrig. Ein Reichstag, der in festorganisierte Parteien aufgespalten ist, kann daher nicht den Anspruch erheben, legaler und einheitlicher Repräsentant des Volkswillens im Sinne der Verfassung zu sein.

Verfassungsmäßiger Vertreter des ganzen Volkes ist. jedoch der Reichspräsident, der sich zudem durch seinen ' besonderen Verfassungseid zum Dienste an der Gesamtheit des Volkes ausdrücklich verpfichtet hat.

NmemW stellt sich dem AuZMß nicht Berlin, 15. September.

Wie zu dem Beschluß des Ausschusses zur Wahrung der Volksrechte mitgeteilt wird, erkennt die Reichsregie­rung nicht das Recht des Ausschusses an, sich als Unter­suchungsausschuß zu konstituieren.

Solange Reichstagspräsident Göring seinen Stand­punkt nicht geändert und damit die bekannte Voraus­setzung für die Reichsregierung nicht geschaffen hat, wird sie auch bei Vorladung nicht vor dem Ausschuß erscheinen. Damit vertritt die ReiHLregierung nur wriür den St nd- Punkt, den sie diesem und dem Auswärtigen Ausschuß gegenüber eingenommen hat.

Der Termin einer neuen Sitzung des Ueberwachungs­ausschusses ist noch nicht festgelegt worden. Es ist auch WMWMMßMMM iiisishiiiiiiis mm.

Abgeordneter Torgler (KPD) teilte dem Ausschuß I mit, daß das während der nächtlichen Haussuchung im Reichstag bei den Kommunisten beschlagnahmte Buch der Kommunistischen Fraktion wieder zurückgegeben worden sei. Es habe sich um ein eisenbahntechnisches Werk ge­handelt, das seinerzeit anläßlich einer Eisenbahnkata- strophe in München von der Kommunistischen Fraktion angeschafft worden sei.

Der Konflikt weiter verschärft Berlin, 15. September.

Die Zentrumsfraktion setzte gestern ihre Beratungen fort. Die Vertreter im Ueberwachungsausschuß berich­teten über die Bemühungen, die Nationalsozialisten zu bewegen, den Dienstag-Beschluß des Ueberwachungsaus­schusses rückgängig zu machen. Diese Bemühungen haben aber zu seinem Erfolg geführt, im Gegenteil, durch die Annahme des Beschlusses, der den Ueberwachungsausschuß als Untersuchungsausschuß konstituierte und die Regie­rung auffordern will, vor diesem Ausschuß zu erscheinen, ist der Konflikt noch verschärft worden.

Verhandlungen ZentrumNSDAP vertagt Berlin, 15. September.

Die Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum werden vorläufig nicht weiter fortgesetzt, da man erst die Entwicklung im Reich verfolgen will, bezw. da die Nationalsozialisten den Ausgang der Reichstagswahl abwarten wollen.

Sie Form der Eöring-Lrieses

Berlin, 15 September.

In Presseäußerungen wurde die Tatsache kritisiert, daß der Brief des Herrn Reichstagspräsidenten an den Herrn Reichspräsidenten die übliche Höflichkeitsformel nicht ent­halten habe. Wie wir hierzu erfahren, war die Form dieses Briefes Gegenstand einer Aussprache zwischen dem Direktor beim Reichstag und dem Staatssekretär des Reichspräsiden­ten; der Direktor beim Reichstag wies hierbei darauf hin, daß dieses Schreiben nicht als- ein persönlicher Brief des Reichstagspräsidenten an den Reichspräsidenten, sondern als die amtliche Notifizierung eines Beschlusses eines Reichs­tagsausschusses anzusehen sei und daher in der für die Uebermittlung solcher Beschlüsse üblichen geschäftsmäßigen Form geschehen sei.

Irgendeine Absicht sei daher in der formellen Abfassung des Schreibens nicht zu erblicken, im Gegenteil hätte der Herr Reichstagspräsident zunächst das Fehlen der Höflich­keitsfloskeln bemängelt, und erst nach der ihm gewordenen Mitteilung, daß dies die übliche Form sei, sich mit der Weg- lassung einverstanden erklärt. Der Reichspräsident hat von dieser Darstellung Kenntnis genommen und die Angelegen­heit als erledigt bezeichnet.

Der Herr Reichspräsident empfing den Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium Dr. Schwarzropf, ferner den deutschen Generalkonsul in New Pork Dr. Kiep.

Reichsamt für Fagendertiichtigang Ein Erlaß des Reichspräsidenten.

Berlin, 15. September.

Die Pläne, welche schon seit langem nach der Richtung bestanden, die mannigfaltigen Vereinigungen, welche sich der körperlichen Ausbildung der Jugend widmen, zu gemeinsa­mer Arbeit zusammenzufassen, haben nunmehr ihren organi­satorischen Abschluß gefunden. Der Herr Reichspräsident hat unter dem 13. September 1932 folgenden von dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichsminister des Innern ge- g,^gezeichneten Erlaß an den Reichsminister des Innern ge-

Die deutsche Jugend ist die Zukunft unseres Volkes. Seit Jahren habe ich daher mit besonderer Anteilnahme alle Bestrebungen verfolgt, die ihrer körperlichen Ertüchtigung galten. Die Stählung des Körpers, dis Erziehung der Ju­gend zur Zucht, Ordnungsliebe und Kameradschaft und zur Opferbereitschaft für die Gesamtheit sind Aufgaben, deren sich anzunehmen der Staat die Pflicht hat.

Ihre Lösung wird in der Zusammenarbeit mit allen Vereinigungen verschiedenster Art erfolgen können, die schon bisher sich diesem Werk an der deutschen Jugend gewidmet haben, und denen ich für diese Arbeit danke.

Um für die Zukunft alle Kräfte, denen die körperliche Ertüchtigung der deutschen Jugend am Herzen liegt, zu ge­meinsamer und einheitlicher Arbeit zusammenzufassen, be­rufe ich hiermit ein Reichskuratorium für Jugenderlüchti- gung.

Ich bestelle den Reichsminister des Innern zu feinem Vorsitzenden und den General der Infanterie a. D. Edwin

Ich beauftrage den Reichsminister des Innern, geeignete Persönlichkeiten, die auf diesem Gebiete besondere Erfahrun­gen besitzen, als Mitglieder des Kuratoriums zu berufen, mir die Satzungen zur Genehmigung vorzulegen und alle Maßnahmen zur Durchführung dieses Erlasses im Beneh­men mit den sonst beteiligten Reichsministerien zu treffen.

gez. von Hindenburg, gez. von Papen.

gez. Freiherr von Gayl."

Hierzu wird von anitlicher Seite noch folgendes bemerkt:

Das mit diesem Erlaß berufene Reichskuratorium für Jugendertüchtigung soll nicht in die Freiheit der bereits be­stehenden Verbände eingreifen oder zu den Stellen, welche die Förderung von Turnen und Sport sich schon bisher zur Aufgabe gemacht haben, in irgendwelchen Gegenscü treten. In dem neuen Reichskuratorium für Jugendertüchtigung sol­len vielmehr Vertreter derjenigen Verbände zusammenge­faßt werden, die, mögen sie auf beruflicher oder politischer oder konfessioneller Grundlage organisiert sein, daneben aber der körperlichen Ausbildung der Jugend ihre besondere Auf­merksamkeit zugewandt haben, oder in Zukunft zuwenden werden. Diesen Verbänden soll ihre Arbeit vor allem da­durch erleichtert werden, daß geeignete Lehrkräfte herange­bildet werden, die in der Lage sind, eine auch wirklich wert­volle Ausbildung zu vermitteln. Allgemeine Leibesübungen, Sport und Turnen sollen in den dafür bestehenden Vereinen selbstverständlich weiter betrieben werden.

Durch das Reichskuratorium für Iugenderküchtigung soll hauptsächlich die Sportart gefördert werden, für die sich der AusdruckGeländesporl" eingebürgert hat, d. h. diejenige sportliche Betätigung, die den jungen Mann aus den Turn­hallen und von den Sportplätzen hinausführt in das freie Gelände, wo er in Wanderungen, in Ordnungsübungen und Geländespielen seinen Körper stählen und zur Willensstärke, Ausdauer, Selbstbeherrschung, Kameradschaftlichkeit und Opferbereitschaft erzogen, wo seine Liebe zum gemeinsamen Vaterland und zum Boden der Heimat gestärkt werden soll.

Das Reichskuratorium für Zugendertüchtigung, an des­sen Spitze der Reichsminister des Inneren steht, wird seine Absichten und Pläne im engen Einvernehmen mit den Lan­desregierungen durchführen. Vertreter der Landesregierun­gen werden vom Reichsminister des Innern als Mitglieder des Kuratoriums berufen werden.

Die Finanzierung der Maßnahmen

Was die Frage der Finanzierung dieser zusammenfas­senden Jugendarbeit betrifft, so wird von zuständiger Stelle erklärt, daß über den Betrag von 1,5 Millionen Mark, die im Etat für die Jugendertüchtigung vorgesehen sind, keine weiteren Mittel zur Verfügung stehen. Der Plan baut sich auf dem auf, der schon von Minister Dr. Gröner ausgearbeitet wurde. Als Sportlehrer dürften im allgemeinen frühere Of­fiziere in Betracht kommen. Es werden etwa 20 Lager gebildet in die je 100 bis 200 Mann drei Wochen aufgenommen wer­den. Als Lager kommen zum Teil frühere Truppenübungs­plätze in Betracht. Dort erfolgt kostenlose Verpflegung, a'^ch Hin- und Rückreise zu den Lagern ist kostenlos. Die -ttt der Ausbildung erfolgt im wirklichen Geländespiel mit be­wußter Abkehr von amerikanischen Sportsormen. '