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Hersfel-erTageblatt

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdructerei in tzerSfeld, Mitglied des VDZB.

Nr. 219 (Erstes Mit) Sonnabend, den 17. September 1932

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82. Jahrgang

Aktivere Außenpolitik

Umgruppierung der deutschen Autzenvertreter Der Brief des Kanzlers an Henderson

3«Wie lür Papenprogramm

Aber gegen Einfuhrkontingente.

Der Geschäftsführende Vorsitzende des Reichsverbander der Deutschen Industrie, Geheimrat Kastl, hat an den Reichs- kanzler in der Frage der Kontingente einen Brief gerichtet in welchem er u. a. ausführt:

Die deutsche Industrie begrüßt das von der Reichs regierung begonnene Reformwerk mit großen Hoffnungen da es geeignet ist, der privaten Initiative endlich wieder bit Möglichkeit freier Entfaltung zu geben.

Dem Leitgedanken der Reichsregierung widerfprecher aber kontingentierungsmaßnahmen, da ihnen notwendiger­weise außenhandelspolitische Tendenzen innewohnen. Des­halb erscheint grundsätzlich die Absicht, Einfuhrkonkingent« einzuführen, mit dem von der Reichsregierung im übriger mit erfreulicher Deutlichkeit zum Ausdruck gebrachter Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit unvereinbar. Der Land­wirtschaft selber kann mit Kontingentierungsmaßnahmer eine wirksame Hilfe deshalb nicht gebracht werden, weil dir zu erwartenden Gegenmaßnahmen des Auslandes gegen deutsche Ausfuhr zu unmittelbaren Schädigungen der deut­schen Industrie führen müssen.

Die Abnehmerschaft der deutschen Landwirtschaft wurde damit in ihrer Kaufkraft erneut geschwächt. Der durch dir Verminderung der Kaufkraft der Bevölkerung eintretende unmittelbare Schaden für die Landwirtschaft wird aber er­heblich größer sein als die Vorteile, die sich die Landwirt­schaft aus einer Begrenzung der Einfuhr verspricht.

Im Interesse der deutschen Gesamtwirtschaft muß daher die deutsche Industrie an ihrem Einspruch gegen Konti- gentierungsmaßnahmen festhalten. Wenn die Industrie in ' einem

Landwirtschaft über die Neuregelung des Butterzolls ihren grundsätzlichen Widerspruch gegen eine Kontingentierung zurückgestellt hat, so geschah es nur deshalb, weil ein anderer Weg zur Lösung des unerträglichen Konfliktzustandes mit Holland und den skandinavischen Ländern nicht gefunden werden konnte.

Aus der ernsten Sorge, daß das sonst so begrüßenswerte Reformwerk der Reichsregierung schwerster Gefährdung ausgesetzt wird, bittet der Reichsverband der Deutschen In­dustrie die Reichsregierung, ihren Beschluß, zu kontingenke- rungsmaßnahmen überzugehen, einer nochmaligen Prüfung unter Würdigung der auf dem Spiel stehenden Gesamlinter- essen zu unterziehen. Die deutsche Industrie erhofft aus die­ser Prüfung das Ergebnis, daß der Weg einer Kontin­gentierung nicht beschritten zu werden braucht."

Stete? geResmer MsWrüberschutz

Berlin. 17. September.

Die Einfuhr, die im August 331 Millionen RM. be­trägt, ist gegenüber dem Vormonat um 35.Millionen RM. zurückgegangen. Den stärksten Anteil an diesem Rückgang haben mit einer Abnahme von 24 Millionen RM. die Le- bensmitel. Die Ausfuhr beträgt im August 428 Millionen Reichsmark und hat gegenüber dem (berichtigten) Juli- ergebnis um 2,5 Millionen RM. abgenommen. Einem Rückgang der Fertigwarenausfuhr um 5 Millionen RM. steht dabei eine Zunahme der L e b e n s m i t t e l a u s- f u h r um 2,5 Millionen RM. gegenüber. Die Handelsbi­lanz schließt im August mit einen Ausfuhrüberschuß in Höhe von 97 Millionen RM. gegenüber (berichtigt) 65 Millionen Reichsmark im Juli ab.

Kein neuer Lurgsriede geplant

Berlin, 17. September.

Ein Berliner Abendblatt will aus parlamentarischen Kreisen gehört haben, daß die Reichsregierung ein befristetes Versammlungs- und Demonstrationsverbot erlassen werde, das erst eine Woche oder zwei Wochen vor dem Wahlter­min aufgehoben werden soll.

Wie hierzu von unkerrichteter Seite erklärt wird, hat die Reichsregierung nicht die Absicht, einen neuen Burgfrieden zu verordnen.

Kiellegung för Panzerschiss6

Wilhelmshaven, 17. September.

In den noch von der Regierung Brüning aufgestellten diesjährigen Marineetat war auch die erste Baurate für das PanzerschiffC" eingesetzt worden. Die Regierung hatte aber die Einschränkung gemacht, den Baubeginn von den Ergebnissen der Genfer Abrüstungskonferenz abhängig zu machen.

Nachdem nun diese Konferenz bisher keinerlei praktische Ergebnisse gezeitigt hak, hat die Reichsregierung jetzt der Wilhelmshavener Marinewerft den Auftrag gegeben, den Bau des PanzerkreuzersE" in Angriff zu nehmen. Die Kiellegung erfolgt am 1. Oktober. Die Bauzeit ist aus vier Jahre veranschlagt.

Die Beriinderunge« im Aubendienst Von Neurath bleibt Außenminister, Herr von Hoesch geht nach London.

Die jetzige Regierung beabsichtigt umfassende Verände­rungen im deutschen Außendienst. Da offenbar die Ent­scheidungen noch nicht abgeschlossen sind, ist von zuständiger Seite nichts Abschließendes zu erfahren. Nach dem, was von gutinformierter Seite verlautet, dürften folgende Um- befetzungen vorgenommen werden:

Botschafter von Schubert wird Rom verlassen und in den Ruhestand treten. Mit der Amtsführung dieses Bot­schafters war man in Berlin schon seit langer Zeit nicht ganz einverstanden. Man vermißte die A k t i v i t ät, die von einem Botschafter auf einem so wichligen Posten ent­wickelt werden muß. Von Schuberts Nachfolger wird der bisherige Gesandte in Belgrad, von Ha s s e l l, ein Schwie­gersohn des verstorbenen Großadmirals von Tirpitz. Er gilt als einer der befähigtsten Diplomaten der jüngeren Gene­ration.

Botschafter von Hoesch, der Deutschland seit Be­endigung des Ruhrkampfes in Paris vertritt, wird nach London hinüberwechseln. Er hat im Diplomatischen Korps in Paris eine hervorragende Rolle gespielt. Seine stets sehr ausführlichen Jnformationsberichte haben die Lage fast immer richtig gekennzeichnet. Es ist daher verständlich, daß auch das Kabinett von Papen die wertvolle Kraft des Bot­schafters von Hoesch für den deutschen diplomatischen Dienst erhalten will. Die Versetzung von Paris nach London ent­spricht dem in der Diplomatie immer beobachteten Grundsatz, daß man nach einer Reihe von Jahren die leitenden Diplo­maten auf andere Posten versetzen muß, um auf jeden Fall der Gefahr einer einseitigen Einstellung der im

entgehen.

Auf den Pariser Posten kommt der jetzige Leiter der Personalabteilung im Auswärtigen Amt, Gesandter von K ö st e r, der ursprünglich für London oder Washington ausersehen war. Gesandter von Köster hatte vor einigen Jahren die Personalabteilung des Auswärtigen Amtes über­nommen, die in der ersten Revolutionszeit durch Einflüsse der Parteien stark in Unordnung gebracht war. Von allen Seiten drängtenAußenseiter" heran, und es ergaben sich damit für die berufsmäßigen Diplomaten völlig unhalt­bare Beförderungsverhältnisse. Die Zahl der stark über­alterten Attaches, Legationssekretäre usw. ist immer noch außerordentlich groß, und die von dem Gesandten Köster eingeleiteten Reformen werden sich noch einige Jahre aus- wirken müssen, ehe wieder normale Zustände beim Beam­tenkörper des. Auswärtigen Amtes herrschen.

Die endgültige Neubesetzung des Londoner Postens, der bisher für den Reichsaußenminister von Neurath frei gehalten war, beweist, daß Herr von Neurath sich nunmehk für die Beibehaltung der Leitung des Auswärtigen Amtes eingerichtet hat. Das Revirement bei den Botschaften in Rom, London und Paris ist nur der Vorläufer für das große Revirement im deutschen Außendienst.

Der große Diplomatenschub.

i Hoesch, der von Paris nach London geht, o. S ch u - j e r t, der Rom verläßt und aus dem aktiven Dienst aus» cheidet, und Dufour-Feronce, der Vertreter beim Völkerbund, der nach Lissabon gehen soll. Unten: Dr. Köster, )er Personalchef des Auswärtigen Amtes, der nach Paris zeht, der frühere Reichspressechef Zechlin, der nach Mexiko mtsandt wird, und der Gesandte in Belgrad, o. Hassell, der die Botschaft in Rom übernehmen soll.

Deutschlands Absage an Gens

Das Schreiben des Reich-außenminister an Henderfo«.

Berlin, 17. September.

Das von dem Reichsaußenminister unter dem 14. b. M an den Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, Henderson, aerichtet« Schreiben hat in seinen wesentlichen Punkten der folgenden Wortlaut:

In den Verl

Handlungen der Generalkommission, die bei »solution vom 23. Juli b. I. vorausgingen ltichen Delegation die Gründe bar- tsche Regierung diese Resolution ab- >fuhrt, daß nach den

Annahme der Res hat der Führer der deut gelegt, aus denen die deut lehnen mußte. Er hat dabei ausgefuhrt, daß nach den Stande der Konferenzverhandlungen die Frage der Gleich­berechtigung der entwaffneten Staaten nicht mehr längei ohne Lösung bleiben dürfe.

Dementsprechend hat er bei diesem Anlaß die Erklä­rung abgegeben, daß sich die deutsche Regierung an den weiteren Arbeiten der Konferenz nicht beteiligen könne, bevor eine befriedigende Klärung der Frage der Gleich­berechtigung Deutschlands erfolgt sei.

Nachdem die Resolution gleichwohl zur Annahme ge­langt ist, steht schon jetzt fest, daß die künftige Abrüstungs- konoention außerordentlich weit hinter dem Entwa fungs- regime des Versailler Vertrages zurückbleiben, und daß fti sich von diesem hinsichtlich der Art und Weise der Abrüstung wesentlich unterscheiden wird. Damit ist die Frage unmittel­bar aktuell geworden, wie es mit der Anwendung des künf­tigen Regimes auf Deutschland werden soll. Es liegt aus ^ -, *?* .^" ^i° .stell

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und Grundsätzen unterworfen Staat ein diskriminierendes A

Nach Ansicht der deutschen Regierung kann nur eine Lösung in Betracht kommen, die Lösung nämlich, daß alle Staaten in bezug auf die Abrüstung denselben Regeln i unterworfen werden und daß für keinen iminierenbes Ausnahmeregime gilt. Es kann Deutschland nicht zugemutet werden, an den Verhandlungen über die in der Konvention festzulegenden Abrüstungsmaß- nahmen teilzunehmen, solange nicht feststeht, daß die gefun­denen Lösungen auch auf Deutschland Anwendung finden sollen.

Um diese Voraussetzung für ihre weitere Mitarbeit in der Konferenz so schnell wie möglich zu verwirklichen, hat sich die deutsche Regierung inzwischen bemüht, eine Klärung der Frage der Gleichberechtigung auf diplomatischem Wege herbeizuführen. Leider muß festgestellt werden, daß die deutschen Bemühungen bisher zu keinem befriedigenden Er­gebnis geführt Haben.

Unter diesen Umständen sehe ich mich zu meinem Be­dauern genötigt, Sie davon in Kenntnis zu sehen, daß die deutsche Regierung der Einladung zu der am 21. September beginnenden Tagung des Büros der Kon- ferenz nicht Folge leisten kann.

Die deutsche Regierung ist nach wie vor der Ueberzeugung, daß eine radikale Durchführung der allgemeinen Abrüstung im Interesse der Sicherung des Friedens dringend geboten, ist. Sie wird die Arbeiten der Konferenz mit Interesse ver­folgen und sich je nach ihrem Verlauf über ihr weiteres Verhalten schlüssig werden.

Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung mei­ner ausgezeichneten Hochachtung

gez. Freiherr von Neurath."

Keine allgemeine Zinrsenkung

Das Kabinett vor entscheidenden Beschlüssen.

Berlin, 17. September.

Das Reichskabinett wird in seiner Sonnabend-Sitzung zu der Frage der Zinssenkuna Stellung nehmen. Nach Auf­fassung unterrichteter politischer Kreise ist, entsprechend be­reits früher gemachten Aeußerungen, nicht anzunehmen, daß die Reichsregierung eine generelle Zinssenkung durchzusuh- ren beabsichtigt.

Die Umstellung der Dradag

' der Berliner Funkstunde.

Berlin, 17. September.

Die Reichsrundfunkgesellschaft teilt mit: In Verfolg der in Gang befindlichen Umstellung der Dradag wird der Haupt- schriftleiter Hans Fritzsche kommissarisch die Nachrichtenab­teilung des Drahtlosen Dienstes übernehmen.

neu«

Gleichzeitig wird in der Berliner Funkstunde die neu­geschaffene Vortragsabteilung mit Dr. Harald Braun besetzt, dem als weiterer Mitarbeiter Fritz Laukisch zugBtXlt ist. Die zur Zeit unbesetzte AbteilungZeitfunk" (aktuelle Abteilung) übernimmt Franz Mariaux. Der Dramaturg der Berliner Funkstunde, Arnold Bronnen, übernimmt die Bearbeitung

der Sendespiele.