Einzelbild herunterladen
 

Anzeigenpreis,: Die einspaltige 45 mm breite Petitzeile 15 Pfg., die Reklamezeile (90 mm breit) 50 Pfg. (Grundschrift Korpus). Bei Wiederholungen wird entsprechender Preis-Nachlatz gewährt. ^ Für die Schriftleitung verantwortlich: Franz Funk in Hers seid Fernsprecher Nr. 608.

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezöge« 1.35 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.10 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark.

Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchbruckerel in tzersfeld, Mitglied des VDJB.

Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü

Nr. 225 lSrsiks Blatt)

Sonnabend, den 24. September 1932

82. Jahrgang

Lastenfenkung für die Landwirtschaft

Abschließende Beratung des Kabinetts über die Kontengierung und Senkung der Zinslasten

Manöverkhren

Mit allergrößtem Interesse hat jeder wehrpolitisch in­teressierte Deutsche und darüber hinaus jeder Militärpoliti­ker unserer Nachbarländer den Verlaus der Herbstübungen verfolgt, die die Heeresleitung in der Umgegend von Frank­furt a. O. soeben zum Abschluß gebracht hat. Diesen Uebun­gen kam deshalb besondere zeitgemäße Bedeutung zu, weil die Frage der nationalen Sicherheit heute mehr denn je im Brennpunkt der internationalen Erörterungen steht. An dem Tage, an dem in Genf das Büro der Abrüstungs­konferenz in eine etwas zugespitzte Aussprache über den deutschen Gleichberechtigungsschritt einzutreten begann, wurde in Frankfurt a. D. in ernster kritischer Betrachtung des Verlaufs der Oder-Manöver festgestellt, daß innerhalb der uns gezogenen Grenzen für Stärke und Bewaffnung unserer Reichswehr keine Gewähr für unsere G r e n z s i ch e r h e i t gegeben ist. Der hervorragende Geist unserer Truppe, das Verantwortlichkeitsgefühl jedes einzelnen in der oberen oder unteren Führung, am Maschi­nengewehr oder in der Aufklärung und die ausgezeichnete Handhabung der Waffen durch den Soldaten sind nicht in der Lage, den Mangel an schweren Verteidigungswaffen und modernen Aufklärungsmitteln zu ersetzen. Man kann nur die eine Hoffnung haben, daß diese Erkenntnis auch die fremdländischen Militärattaches, die den Reichswehrmanö- oern beiwohnten, beherrscht, damit sie in ihren Berichten an ihre Regierungen ungeschminkt die Dinge so darstellen, wie sie sie an der Oder angetroffen haben.

Zwei Hauptpunkte sind bei den Manövern schlagartig in Erscheinung getreten: einmal ist auch die beweglichste Truppe mit den modernsten Fortbemegnngsmitteln nicht in

,^a^.ÄjiH»*«teE£^^

Mingen des Gegners so rechtzeitig'feftznftsllen, daß die noP wendige Gegenwirkung wirkungsvoll einsetzen kann. Zum anderen muß jeder Widerstand, auch der diszipliniertesten und todesmutigsten Truppe zusammenbrechen, wenn der Gegner seinen Angriff durch schwerste Waffenwirkung vor­bereitet und mit Tankgeschwadern vorwärts treibt. Flug­zeuge wie Sans muffen sind uns ebenso untersagt wie schwere Artillerie und ausreichende Grenzbefestigungsanlagen. U n- sere Grenzen sind deshalb bei Einsatz solcher Waffen im Grunde ungesichert. Mit Gewehren, Maschinenge­wehren und Feldgeschützen ist ein einbrechender Feind nicht aufzuhalten, selbst wenn dessen militärischen Qualitäten min- derwertig sind. Wir sind überzeugt, daß die deutsche Re­gierung auf Grund dieser Manöverergebnisse nicht zögern wird, aus dieser sich hier ergebenden Tatsache die Folgerung zu ziehen, dem Völkerbund und allen in Frage kommenden Großmächten erneut zu erklären, daß keine deutsche Regie­rung länger die Verantwortung für eine solche Bedrohung der nationalen Sicherheit Deutschlands zu tragen vermag.

Herriot hat kürzlich angedeutet, daß ihm Dokumente über deutscheGeheimrüstungen" zur Verfügung stünden. Selbst wenn man annehmen wollte, daß Deutschland über den Rahmen des Versailler Diktats hinaus feine Verteidi­gung zu verstärken suchte, so wird jeder militärische Fach­mann und jeder Politiker, sofern er aufrichtig gegen sich selbst ist, zugestehen müssen, daß eine geheime Aufrüstung Deutschlands bis zur erfolgreichen Verteidigungsmöglichkeit einen solchen Umfang annehmen müßte, daß diese eben keine Geheimrüftung mehr sein könnte. Einige Zahlenver- gleiche beweisen das selbst den blutigsten Laien: Deutsch­land besitzt nach den Versailler Bestimmungen 1926 Ma­schinengewehre, Frankreich 37 000, Polen fast 10 000, die Tschechoslowakei 8400; an leichten Geschützen hat Deutschland 88, Frankreich 1452, Polen 1284, die Tschechoslo­wakei 884. Schwere Geschütze, und zwar eingebaute stehen Deutschland zur Verfügung 22, Frankreich 1172, Po­len 426. Unsere Nachbarn haben diese schweren Geschütze aber in der Hauptsache in beweglichem Zustande als schwere Motorbatterien, Eisenbahngeschütze oder als Ferngeschütze zu jeglicher Verwendung. Kampfwagen darf, wie er­wähnt, Deutschland nicht führen; bei den Manövern muß man sich mit Papp- oder Blechattrappen behelfen. Frank­reich führt etatsmäßig 91^ Kompanien gleich rund 3 3 00 Wagen, Polen 9 Kompanien gleich 3 1 5 Kampf­wagen, die Tschechoslowakei etwa 100 Kampf­wagen. Die L u f t iv a f fe ist Deutschland ebenfalls un­tersagt. Der französischen Armee waren demgegenüber be­reits' Ausgang 1930 rund 4700 Flugzeuge, der polnischen 1000 Flugzeuge, der tschechoslowakischen 850 bei größter technischer Vollkommenheit beigegeben!

Wenn man allein nur die Tank- und Flugzeugwaffe heranzieht, dann müssen wir geradezu mit Entsetzen fest­stellen, daß wir jedem feindlichen Angriff, von welcher Seite er auch erfolgen mag, in Wahrheit wehrlosausgelie- fert sind. Polen hat zwar nach der Schleicher-Rede in Ostpreußen erklärt. daß Deutschland von keiner Seite bedroht fei. Man wird sich die Frage erlauben dürfen, gegen wen Polen seine Angriffsarmeen und -waffen eigentlich fortge­setzt weiterentwickelt, nachdem durch den polnisch-russischen Freundschaftsvertrag eine Bedrohung von dieser Seite her in Wegfall gekommen ist. In Deutschland hat man aber nicht vergessen, daß von polnischer Seite wiederholt rückhaltlos erklärt worden ist, daß sich Polen eines Tages O st p r e u - jenmitGewaltholsn werde da es für den polnischen

Staat eine Lebensnotwendigkeit sei. Man wird auch weite; daran erinnern müssen, daß Polen sich seinerzeit mit Waf­fengewalt des Wilnagebietes bemächtigte und gai nicht daran denkt, dort wieder herauszugehen. Man wirr sich ferner der zahlreichen Grenzverletzungen durch polnische Flieger, ferner der militärischen Ziele bei polnischen Westmarkenvereins erinnern müssen, um zu der Ueberzeugung zu kommen, daß Deutschlands Grenzen im Osten und seine nationale Sicherheit und damit der Friede Europas so lange bedroht sind, solange die übriger ,Großmächte nicht einer allgemeinn Abrüstung auf den Stand 'ber deutschen Rüstung zustimmen und die deutsche Sicherhei! nicht nach den gleichen Gesichtspunkten anerkennen wie sie sie für ihre eigene nationale Sicherheit ausgestellt haben.

Die Herbstübungen der deutschen Reichswehr an der Oder haben die militärische Ohnmacht Deutschlands feiner hochgerüsteten Nachbarn gegenüber in niederdrückendster Weise nachgewiesen. Bei dieser Feststellung darf es nichi bleiben. Deutschland wird deshalb an seiner Erklärung fest­halten, daß es erst dann sich wieder an den internationaler Abrüstungsverhandlungen beteiligen kann, wenn Deutschlands Gleichberechtigung anerkannt ist. Es liegt dann ganz bei den anderen Mächten, ob sie diese Gleichberechtigung bunt entsprechende allgemeine Abrüstung oder durch eine Anglei- chung der deutschen Rüstungen an die der übrigen wahr­machen wollen. Das deutsche Volk erhebt jedenfalls ange­sichts des niederdrückenden Ergebnisses der deutschen Herbst­manöver die dringende Forderung, Deutschland die Möglich­keit zur Gewährleistung seiner nationalen Sicherheit zu : geben. Wenn die Mächte eine solche Forderung ablehner | sollten und Deutschlands militärische Ohnmacht zu einem Dauerzustand gestalten wollen, dann wird das deutsche Voll -^Jj^ -m^EE^' ^^» M,''

AM die Flötteu»Wösrr brrsdet

Handelsschiffahrt vorübergehend lahmgelsgt.

Wilhelmshaven, 24. September.

Auch die deutsche Flotte hat ihre Herbstübungen been­det. Den Schluß der Uebungen bildete ein operatives Ma­növer, das Dom Chef der Marineleitung geführt wurde, der sich hierzu auf den neuen KreuzerLeipzig" begeben hatte. Die blaue Partei mürbe vom Flottenchef Vizeadmiral Gla- disch auf KreuzerKöln", die gelbe Partei vom Befehls­haber der Linienschiffe Konteradmiral Foerster, auf Linien­schiffSchlesien" geführt Die Aufgabe für die gelbe Partei war, den Handelsverkehr nach den deutschen Nordhäfen ab- zuschneiden. Die blaue Partei sollte die Handelswege vom Feinde säubern, die Schiffe sichern und in den Hafen bringen. Zur Darstellung der Handelsschiffe war eine Reihe von Han- delsdampfern aus Hamburg, Bremen und Stettin am Ma­növer beteiligt. Der während des Manövers herrschende hohe Seegang erschwerte den gelben Seestreitkräften die Durchführung des Handelskrieges ganz erheblich.

Trotz dem ungünstigen Wetter wurde aber eine ganze Reihe von Dampfern durch die gelbe Partei angehalten und aufgebracht. Den gelben Linienschiffen gelang es schließ­lich,' bei Hornsriff die blauen Sick^rungsstreitkräfte zurück- zudrängen und so die Handelsschiffahrt vorübergehend lahm­zulegen, im weiteren Verlauf des Manövers stellte jedoch Blau mit seinen gesamten leichten Streitkräften das nach Westen abmarschierende gelbe Gros, um schließlich die Tor­pedoboote aus das Gros anzufetzen.

Der Abschluß der Herbstmanöver.

Nach Abschluß der Herbstmanöver begab sich Reichspräsident von Hindenburg nach Frankfurt a. O., um der Kritik bei- zuwohnen. Bei seiner Ankunft begrüßte ihn der Bürger- meister der Stadt. Links sieht man General von Hammer- stein und im Vordergründe rechts Reichswehrminister Ge­neral von Schleicher.

Kontingentierung und Zinshilke

Bedeutungsvolle Entscheidungen des Kabinetts.

Berlin, 24. September.

Das Reichskabinelt beriet in langen Sitzungen abschlie­ßend über die beiden großen Probleme der Einfuhrkontin­gentierung und der Zinshilfe für die Landwirtschaft.

Bei ber Kontingentierung bestanden bis zuletzt noch in­sofern gewisse Schwierigkeiten, als zwischen den beteiligten Ressorts noch eine Einigung über die letzten strittigen drei Positionen erzielt werden mußte. Es handelte sich dabei um Holz, Bananen sowie Felle und Häute Ueber den Haupt­teil der Kontingentierungsgebiete gut 20 Positionen bestand bereits seit längerem Einverständnis.

Ueber die Beschlüsse in der Zinsfrage ist noch nichts be­kannt. Nach allgemeiner Auffassung bestanden folgende vier Möglichkeiten:

1. Eine generelle Zinssenkung. 2. Generelle Zinssen­kung für die Landwirtschaft. 3. Umtausch landschaftlicher Pfandbriefe in vierprozentige Pfandbriefe mit Reichsgaran­tie und Steuervorteil. 4. Stundung aller Zinsen über vier Prozent auf drei Jahre. Zuschlag dieser gestundeten Zinsen zum Kapital.

Dazu ist zu sagen, daß die generelle Zinssenkung unter keinen Umständen in Frage kommt Dagegen ist eine spe­zielle Zinssenkung für die Landwirtschaft durchaus möglich Nach Auffassung unterrichteter Kreise ist es auch denkbar, daß Stundung und Garantieplan mit dieser Sen­kung kombiniert wurden.

Einigung über landwirtschaftliche Fragen

Tritts.- Sie «erattnrgen NeS RekchMabtnetks über die Probleme der Kontingentierung der landwirtschaftlichen Einfuhr und der Zinssenkung sind zum Abschluß gekom­men. Es ist im Kabinett eine völlige Einigung erzielt worden. Einzelheiten werden von den zuständigen Stellen noch nicht mitgeteilt, weil der Reichsernährungsminister in seiner Münchener Rede am Montag das landwirt­schaftliche Hilfsprogramm im ganzen bekanntgeben will. Die Rede des Freiherr» von Braun bekommt damit für das landwirtschaftliche Teilgebiet des Wirtschaftspro­gramms der Reichsregierung eine ähnliche Bedeutung wie die Münstersche Rede des Reichskanzlers für die allge­meine wirtschaftliche Lage.

Der Kanzler in Lstpreuben

Berlin. Reichskanzler von Papen ist nach Ostpreußen abgereist, um sich durch persönliches Studium von den Sorgen und dem besonderen Notstände des Regierungs­bezirkes Gumbinnen zu überzeugen. Der Kanzler wird für Dienstag früh wieder in Berlin zurückerwartet.

Regierung folgt der Vorladung

Berlin. Bei der Reichsregierung sind jetzt die Borla­dungen für den Ueberwachungsausschuß des Reichstages eingegangen, und zwar sind Reichskanzler von Papen, Reichsinnenminister Freiherr bot£ Gayl, Reichsaußenmini­ster Freiherr von Neurath und Staatssekretär Planck vor­geladen. Die Vernehmung soll am Dienstag 15 Uhr stattfinden. Das Reichskabinett hat beschlossen, der Ladung Folge zu leisten. Der Grund liegt darin, daß bei den bis­herigen Verhandlungen des Ausschusses und in allen da­mit zusammenhängenden Veröffentlichungen so viel be­hauptet wurde, was geeignet ist, den tatsächlichen Vorgang zu entstellen, so daß die Reichsregierung es für notwen­dig hält, den wahren Sachverhalt einmal mit aller Deut­lichkeit aufzuklären. Das Erscheinen der vorgeladenen Mit­glieder des Kabinetts beschränkt sich allerdings auf diesen. Zweck, die historischen Tatsachen der Auflösung vor dem ganzen deutschen Volke klar zu stellen. Im übrigen hält das Reichskabinett an der bisherigen Linie seiner Einstel­lung gegenüber den Ausschüssen des Reichstages fest. Die Reichsregierung wird sich an ben Arbeiten der Aus­schüsse nicht beteilige so lange 4 von ihnen und vom Reichstagspräsiden : erklärt w t ist, daß die Abstim­mung im Reichstag unwirksam ab rechtsungültig war.

Der grsfie MMafterweMel

Hassell-Rom, Hoesch-London, Köster-Paris.

Berlin, 24. September.

Der Reichspräsident hat den Gesandten in Belgrad, von Hassell, zum Botschafter bei der italienischen Regierung in Rom an Stelle des in den einstweiligen Ruhestand versetzten bisherigen Botschafters von Schubert ernannt. Weiter hat der Herr Reichspräsident als Nachfolger des früheren Bot- schafters, jetzigen Reichsministers des Auswärtigen §re;- Herrn von Neurath den bisherigen Botschafter in Paris von Hoesch zum Botschafter in London und an seine Stelle den derzeitigen Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Koster zum Botschafter in Paris ernannt. Weitere Personalver­änderungen auf Boischafterposlen stehen nicht bevor.