Hersfelöer Tageblatt
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Reisfelder Kreisblatt
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Rr. 231 (Erstes Bitt)
Gonnabend, den 1. Oktober 1932
82. Jahrgang
Aches-MM K«rs memdert
Reichsautzenminister von Neurath über die Abrüstungsfrage
Kein Ksmyromib!
Der Reichsaußenminister über seine Genfer Eindrücke.
Berlin, 1. Oktober.
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath äußerte sich vor Vertretern der Presse über seine Genfer Tätigkeit. Bei den Arbeiten des Völkerbundes habe der Minister seine besondere Aufmerksamkeit den Wirtschaftsfragen gewidmet. „Diese Arbeiten", führte der Minister aus, „scheinen mir deswegen von besonderer Bedeutung, weil ja auch der Völkerbund an der kommenden Weltwirtschaftskonferenz und ihrer Vorbereitung besonders beteiligt ist. Ferner habe ich es mir angelegen sein lassen, daß die Minderheitenfragen diesmal wieder auf deutschen Antrag in der sechsten Kommission der Bundesversammlung zur Sprache kommen und i>aje Vorbereitungen getroffen, daß der deutsche Standpunkt dabei sowohl im Rat als auch in dek'Bundesversammlung nachdrücklichst zum Ausdruck kommt. Sehr wichtig erscheint mir auch nach meinen Genfer Eindrücken, daß die Frage der Reorganisation der obersten Leitung des Sekretariats in einer Weise gelöst wird, die den Grundsatz der Gleichberechtigung aller Mitgliedsstaaten auch innerhalb des Sekretariats des Völkerbundes besser als bisher verwirklicht."
Der Minister erwähnte sodann, daß er selbstverständlich auch außerhalb des Rahmens der im Rat und im Völkerbund zur Debatte stehenden Fragen mit den in Genf anwesenden Diplomaten verschiedene Besprechungen geführt habe, in deren Vordergrund die Abrüstungsfrage gestanden habe.
In diesen Besprechungen habe er stets mit aller Klarheit zum Ausdruck gebracht, daß eine Beteiligung Deutschlands an den Verhandlungen der Abrüstungskonferenz nur in Frage kommen kann, wenn der entehrenden Diskrimination Deutschlands ein Ende gemacht nM. Die Frage, um die ^^ —^- M—^...- . - Ufa
Keine brauchbaren Grundlagen
Die Nachrichten über die Hendersonsche Kompromißfov mel in der Abrüstungsfrage werden in Berliner politischer Kreisen sehr skeptisch beurteilt. Sollte es richtig sein, das die Formel auch den Vorschlag enthält, Teil 5 des Versail ler Vertrages in revidierter Form in die allgemeine Jnter
ler Vertrages in revidierter Aorm in die allgemeine Jnter nationale Abrüstungskonoentwn aufzunehnlen, so läßt fid nur feststellen, daß sie vom deutschen Standpunkt aus g a 1 n icht akzeptabel wäre. Die Aussichten einer Verstän digung sind übrigens auch durch die Rede Herriots nicht bes ser geworden. Ihren realpolitischen Hintergrund sieht mar in der starken Betonung der allgemeinen Plattform der Völkerbundes, die nach Herriot an die Stelle der früherer Geheimdiplomatie und Einzelbündnisse getreten ist.
Uebrigens ist es selbstverständlich, daß die Reichsregie rung für den Fall eines Scheiterns der Kompromißbemü Hungen ihre Entschlüsse bereits gefaßt hat, und man kam annehmen, daß den Franzosen davon auch Kenntnis gege ben worden ist.
VmsMge der Kleinen
Der dänische Außenminister Dr. Munch machte Mit tsilung über einen
, lan zur Aktivierung der Abrüstungs- konferenz. Es sei vielleicht, so führte Dr. Munch aus, schor
zu viel gesagt, wenn man von einem Plan spräche, vor läufig handele es sich nur am eine Diskussionsgrundlage, du zunächst für Beratungen innerhalb der acht Staaten gedacht sei, die bereits im Som rschiedentlich gemeinsam in Ab
rüstungsfragen aufgetn mark, Schweden, Nsri die Tschechoslowakei' kussion innerhalb, diese funden.
en. (Diese Staaten sind Däne Holland, Belgien, die Schweiz nien.) Bis jetzt habe eine Dis- atengruppe noch nicht stattge
Bei
Heuer österreichischer Gesandter in Berlin?
den bevorstehenden Veränderungen im österreichischen
auswärtigen Dienst soll auch ein Wechsel in Berlin erfolgen. Es heißt, daß der frühere Vizekanzler und Landeshauptmann
von
Körnten. Vincenz Schurrn), Nachfolger, Dr. Franks werden soll.
Drei Punkte würden erster Linie zur Erörterung gestellt: erstens wirksame Abrüstung gemäß dem Hoover'
am reich Verhandlungen an
ge
geboten. Ein Angebot, aus das jedoch Frankreich nicht eingegangen sei. Die Vermittlungsversuche von Simon und Henderson hätten zu keinem Ergebnis geführt, so sehr sich auch die Engländer, namentlich Henderson, bemüht hatten, eine Verständigung mit Frankreich herbeizuführen. Auch der von französischen Zeitungen verbreitete neue englische Kom- promißvorfchlag Henderfons könne uns keineswegs weiter- bringen. Die Besprechungen mit dem Vertreter der italienischen Regierung, hätten wiederum ein erfreuliches Verständnis Italiens für den deutschen Standpunkt ergeben. Was seine (des Ministers) Haltung gegenüber Herriot betreffe, so sei er keinem Gespräch mit Herriot ausgewichen, habe jedoch Herriot wissen lassen, daß, wenn Herriot ihm etwas zu sagen hätte, er (der Minister) ihm jederzeit dazu zur Verfügung stehen würde. Von dieser Möglichkeit habe Her- * riot aber keinen Gebrauch gemacht. Es liege nunmehr an den anderen Staaten, Deutschland Angebote zu machen.
Was Deutschland zu sagen gehabt habe, sei in dem
letzten deutschen Memorandum eindeutig genug zum Aus- druck gebracht worden. Wenn Herriot jetzt Deutsche begründete Vorwürfe mache und es zu verdächtigen versuche, so könne der französische Ministerpräsident damit nicht
land un«
die Tatsache verdecken, daß die Abrüstungskonferenz nach sechs Monaten völlig ergebnislos geblieben ist und daß inzwischen die Rüstungen der anderen Staaten ungeschwächt weitergegangen sind.
Demgegenüber beharre Deutschland auf seinem Standpunkt. Keine deutsche Regierung werde auf das Lebensrecht der Ration, sich Sicherheit zu verschaffen und die Landesverteidigung auszubauen, verzichten können. Deutfä d werde sich an den Verhandlungen der Abrüstungskons j erst wieder beteiligen, wenn seine Gleichberechtigung n keiner Seite mehr in Zweifel gezogen und wenn ihm keine diskriminierende Ausnahmebestimmung zuge- mutet werden würde. Die deutsche Regierung warte mm- wie sich die anderen Mächte zu diesen berechtigten i : j wünschen stellen werden.
träge zur Bekämpfung des Angreifers.
Dr. Munch betonte außerdem, daß eine Universallösung die also auch die Vereinigten Staaten umfassen würde, an= gestrebt werde, und daß man sich nicht auf europäische Teil- lösungen beschränken könne. Weiter würde die Schaffunc einer kleinen internationalen Luftflotte' hauptsächlich zu Investigations,zwecken, in Erwägung gezogen.
Sein Plan, so erklärte der Außenminister, werde sich sehr stark an den hoover-Plan anlehnen und besonders das Verbot der Angriffswaffen berücksichtigen. Von anderer Seite verlaute, daß der Gedanke der progressiven Abrüstung so verwirklicht werden solle, daß zunächst, und zwar für einen Zeitraum von etwa fünf Jahren, die Staaten sich zu einet etwa 20prozentigen Herabsetzung ihres Rüstungsniveaus verpflichten sollen. Von dieser prozentualen Rüstüngsher- absehung sollen aber ausdrücklich die Staaten, deren Rüstungsfragen durch den Versailler Vertrag geregelt worden sind, ausgenommen werden. Räch einem gewissen Zeitraum sollen dann weitere prozentuale Herabsetzungen vorgenommen werden.
Um Homers Borschtag
Das vom Büro der Abrüstungskonferenz eingesetzte Komitee, das die Frage der Heeresstürken weiter zu behandeln hat, ist zusammengetreten. Zum Vorsitzenden wurde wiederum der belgische Senator de Brouckere gewählt. Der Vertreter der Vereinigten Staaten, W i l s o n forderte, unterstützt vom italienischen Delegierten R o s s o , die sofortige Beratung der Hoovervorschläge über die Herabsetzung der Heeresstärken. Paul-Boncour widersprach mit' dem Borwande, daß man sich zunächst über die genaue Bedeutung des Wortes „Heeresstärken" klar sein müsse.
Die kurze Kontroverse hat gezeigt, daß genau so wie in den Beratungen der technischen Sachr-erständigenausfch äffe auch heute noch die Ansichten über die konkreten Fragen der Abrüstung sehr weil auseinandergehen.
Brennens Aermaltungsreform
Mehrere Ministerien verschwinden.
Berlin, 1. Oktober.
3m preußischen Wohlsahrtsministerium, im preußischer Landwirtschafts- und im preußischen Handelsministerium is sämtlichen Staatsangestellten jetzt zum 1. April nächsten Iah res gekündigt worden. Diese Maßnahme wird zwar nui als vorsorgliche Kündigung bezeichnet, in informierten Krei sen wird jedoch erklärt, daß dieses Vorgehen mit der ge planten Verwaltungsreform in den zentralen oberen In, stanzen zufammenhängt. Man wird wohl nicht fehlgehen wenn man annimmt, daß in den preuhifchen Staatsmini sterien die von den Referenten für die Verwaltungsreforn schon seit längerer Zeit angeregte Zusammenfassung nun »"l" a^ r»Q ar-u»««^ ^^- 5^^ n werden soll.
Dabei wäre z. B. hervorzuheben, daß bisher sowohl ir der Landwirtschaftsverwaltung als auch in der Handelsvev waltung noch bestimmte Fachschulen registriert werden. Nack der Neuregelung dürften sämtliche Staatsschulen im Kultus- Ministerium zusammengefaßt werden. Weiter wird man wahrscheinlich darauf abzielen, bestimmte preußische Mini- sterialaufgaben auf die vorhandenen Reichsministerien Hin- überzunehmen, was vor allem bei der Landwirtschaft unt vielleicht auch bei der Volkswohlfahrt in Frage kommen soll. Es wird die Zahl der preußischen Ministerien auf diese Weist von bisher sieben — außer dem Ministerpräsidenten — aus höchstwahrscheinlich vier bis fünf Herabgesetzt, während man sicher als Ziel der Verwaltungsreform für die restlichen preußischen Ministerien eine Personalunion mit dem Reiche erstrebt.
Die Einzelheiten der geplanten Neuregelung müssen vorläufig noch mit Vorsicht betrachtet werden. Als feststehende Tatsache bleibt aber die Ingangsetzung dieser vielumstrittenen Verwaltungsreform durch die Kündigung der Staatsangestellten. Die Kündigungen sollen auch den Zweck haben, zunächst freie Hand zu bekommest, damit man bei einer Reform der Verwaltung nur diejenigen Angestellten übernehmen muß, die tatsächlich noch gebraucht werden.
D^e NeugUederung der Landkreise
Die Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen tritt am 1. Oktober 1932 in Kraft. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben die preußischen Minister des Innern und der Finanzen in einem gemeinsamen längeren Runderlaß sämtlichen beteiligten Behörden zur Pflicht gemacht, daß die Ueberleitung in den neuen Zustand sich möglichst schnell und reibungslos vollzieht.
Jausr erhebt Klage beim Slclalsgerichtshos.
In der letzten Kreisausschußsitzung in Iauer wurde beschlossen, bei dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich Klage gegen die Gültigkeit der preußischen Verordnung über die Neugliederung von Landkreisen vom 1. 8. 32 < Gleichzeitig soll Antrag auf Erlaß einer einstweiligen
zu erheben, lügen Ver
Werfens Kompromib-Formel
Wie Deutschland wieder nach Genf gebracht werden soll.
Paris, 1. Oktober.
Die Agence Havas will in zuständigen Genfer Kreise» erfahren haben, daß der Präsident der Abrüstungskonferenj Henderson vor seiner Abreise nach England einigen Mit gliedern des Büros der Abrüstungskonferenz den Entwur einer Erklärung habe zugehen lassen, die er bei Wiederauf ame der Arbeiten am 10. Oktober abzugeben beabsichtige ; man sich bis dahin auf einen gemeinsamen Wortlau geeinigt habe. Diese Anregung bezwecke, so heißt es in bei Havasmeldung weiter, den deutschen Vertretern die Beteili Ban den Arbeiten lur Abrüstungskonferenz zu ermög
i. Henderson lege in seiner Erklärung dem Abkommens- entwurf folgende drei Grundsätze zugrunde:
. 1- Deutschland dürfe nicht aufrüsten; 2. die übriger starker gerüsteten Mächte mußten eine Herabsetzung ihrei Rüstungen vornehmen; 3. die Gleichberechtigung in dei Rüstungsfrage werde formell allen vertragschließender Mächten ruerkannt
Mt neuen Lurchen in Brasilien?
F ' -densverhandlungen mit Aufständischen unterbrochen.
Rio de Ianeiro, 1. Oktober. Die Zeitungen kündigen an, daß die Friedensverhandlungen zwischen den streik tenden Parteien begonnen haben. Die Bundesregierung habe folgende Bedingungen aufgestellt:
1. Amnestie für alle mit Ausnahme der Anstifter der Aufstandsbewegung; 2. Schaffung einer neuen Regierung in Sao Paulo; 3.'Organisierung des Heeres, um in Zukunft die Einmischung von Militärpersonen in die Politik zu verhindern; 4. provisorische Inkraftsetzung der abgeän» derten Verfassung von 1891, bis auf den 31. Mai 1933 eine verfassunggebende Versammlung einberufen werden I -ird, . Schaffung einer Regierung der nationalen
«ftsetzung der abgeän- f den 31. Mai 1933
'Einigung.
Räch Blättermeldungen sollen die Friedensvertrags- Herhandlungen gegenwärtig unterbrochen sein, da die Abgesandten der Aufständischen sich weigerten, ein Präli- minarabkonmen zu unterzeichnen. Der Text des Abkommens selbst wurde in Sao Paulo dem General der Aufständischen unte breitet, der in letzter Instanz die Entscheidung treffe. Bis Mitternacht herrschte Waffenruhe.
fügung gestellt werden.
Das preußische Staatsministerium hat angsordnet, daß sämtliche staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie die Gebäude der öffentlichen Schulen aus Anlaß der Vollendung des 85. Lebensjahres des Reichspräsidenten von Hindenbmq am 2. Oktober d. J. nach den Bestimmungen der Verordnung vom 29. Juni 1929, zu beflaggen sind.
M Bit^lt eiert
Die Regierung Archalls hat, um Weiterungen und Aus- »viriungen zuungunsten des Landes zu vermeiden, dem Wunsche der Reichsregierung, am Hindenburg-Geburtstag zu flüggen und Schulfeiern zu verunstalten, nunmehr Rechnung tragen.
Der Verein Deutscher Zeitungsverleger hat in Vertretung feiner Mitglieder eine einstweilige Verfügung gegen die Zeitung „Der Angriff" und deren Herausgeber, Dr. Josef Goebbels, wegen des Pxesseerlasses erwirkt.