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Nr. 238

Montag, den 10. Oktober 1932

82. Jahrgang

Ruf der KompromiSsuche

Par s gegen London Fahrt Herriot nach England?

Paris, 10. Oktober.

An zuständiger französischer Stelle wird erklärt, daß eine am Sonnabend in Paris verbreitete Nachricht, die französische Regierung habe der britischen Regierung geantwortet, daß sie einer Beratung über die Gleichbe­rechtigungsfrage günstig gegenüberstehe, nicht den Tat­sachen widerspreche.

Anscheinend ist man in hiesigen maßgebenden Kreisen der Ansicht, baß der ursprüngliche MacDonaldsche Plan, eine Vierer- oder Fünfer-Konferenz nach London einzu- berufen, nicht mehr bestehe, und daß im Falle einer Fort­führung der Verhandlungen hierfür die französische Re- gseamg darauf bestehen würde, daß diese Beratung in Genf stattsinde».

Laut Havas gehen die Verhandlungen zwischen Paris und London übernützliche Maßnahmen zur Wiederauf­nahme der Arbeiten der Abrüstungskonferenz" weiter. In französischen Kreisen wird aber erklärt, es verstehe sich von selbst, daß der Standpunkt Herriots, der gesamte Fragenkomplex der Rüstungsgleichheit und der Sicherheit müsse auf der gegenwärtigen Abrüstungskonferenz unter Beteiligung aller interessierten Staaten behandelt werden, unverändert geblieben sei.

Aus englischer Quelle verlautet, daß die Möglichkeit bestehe, daß Herriot schon am Mittwoch zu einer Bespre­chung mit MacDonald nach London komme.

Zwischen den Zeilen der inspirierten Verlautbarungen der englischen Presse ist zu lesen, daß England angesichts der von französischer Seite wegen des Zusammenkunfts­ortes gemachten Schwierigkeiten, England möglicherweise nicht auf London als Zusammenkunftsort werde bestehen können. Derbeste Platz für die Zusammenkunft der Kon­ferenz werde aber weiterhin erörtert" und,wenn ein allgemeiner Wunsch besteht, die Kluft zu überbrücken", könnten die >_______ geregelt werden".

Verteidigung des Elsaß und zur Stärkün^MnesWo

Der Mit der Antwortnote an England

Berlin, 9. Oktober.

Der Wortlaut der deutschen Note, die dem englischen Geschäftsträger übergeben worden ist, wird nicht veröffent­licht. Ueber den Inhalt wird folgendes mitgeteilt:Die Note ist nur kurz.

Die Reichsregierung bringt ihre Bereitwilligkeit zum Ausdruck, mit den von der englischen Regierung eingelade- neu Mächten in einen offenen Meinungsaustausch über eine zweckmäßige und billige Lösung der Abrüstungsfrage ein- zutreten, eine Haltung, wie sie ja schon aus dem früheren deutschen Memorandum zu ersehen ist. Die Reichsregierung betrachtet als Austzangspunkt solcher Besprechungen die

Schlußerklärung der Lausanner Konferenz, in wurde, daß außer den in Laufanne behandelten aud) andere Fragen geregelt werden müssen mals ausdrücklich die Abrüstungsfrage gemeint

der gesagt Problemen womit da- war in

dem Bestreben, eine neue Ordnung zu finden, die die Her­stellung und Förderung des Vertrauens unter den Völkern in dem gegenseitigen Geiste des Ausgleichs, der Zusammen­arbeit und der Gerechtigkeit ermöglichen würde." Nach Auf­fassung der Reichsregierung sollte diese Erklärung den Leit­gedanken für die von der englischen Regierung vorgeschla- gene Aussprache bilden, so daß also diese Aussprache vor demselben Geiste getragen wird, der es ermöglichte, den Schlußstrich unter das Reparationsproblem zu ziehen. Da­gegen würden aber Verhandlungen auf der Grundlage bet englischen und französischen Kote schwerlich geeignet sein eine Regelung der Streitfrage herbeizuführen.

Die deutsche Note vermeidet jeden pessimistischen Tom Denn wenn die oben zitierte Forme! von Lausanne den Be­sprechungen zugrunde gelegt wird, kann man nach deutscher Auffassung hoffen, daß es genügt, zu dem Ergebnis zu ge­langen, die Gründe, die uns von der Abrüstungskonferenz fernhalten, zu beseitigen und damit Deutschland wieder in die Abrüstungskonferenz hineinzuführen. Die Reichsregie­rung hat auch bei ihren früheren Kundgebungen niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß Deutschland einen er­folgreichen Ausgang der Abrüstungskonferenz erstrebt. Die Note beruft sich also auf den Vertrauenspakt und die Schluß­erklärung der Lausanner Konferenz. Beides war ein Ab- rüftungsverfprechen der Gegenseite, und daran knüpft die Note in Form einer feststellenden Warnung den Vorbehalt, durch den die Basis der Londoner Besprechung geschaffen wird.

Was schließlich noch den Zeitpunkt der von der engli­schen angeregten Aussprache anlangt, so hat die Reichsregie­rung dem englischen Geschäftsträger mitgeteilt, daß uns mit Rücksicht auf die Völkerbundsversammlung ein etwas spä­teres Datum als der 11. Oktober erwünscht sei. Im übrigen geht aus dem Inhalt der Note ja auch hervor, daß die Reichsregierung mit einer gewissen Erweiterung des an der Aussprache beteiligten Kreises e i n v e r st a n d e n ist.

Wien meldet sich

Oesterreichischer Schritt wegen der Mächtekonferenz.

Das GenferJournal des Kalions teilt mit, daß der ständige Verireter Oesterreichs beim Völkerbund, pflügt bem Vertreter Frankreichs auf der Abrüstungskonferenz, Kriegsminister Paul-Boncour, aufgesucht habe, um ihm mit- zuteilen, daß die österreichische Regierung mit Unruhe die Möglichkeit einer Zusammenkunft der großen Mächte in der Abrüstungsfrage außerhalb Genfs verfolge. Diese Darstel­lung des Genfer Blattes wird von französischer Seite be-

lung ö [tätigt.

Von gutunterrichteter österreichischer Seite wird zu der Meldung, die in deutschen Kreisen selbstverständlich p e i n- l i ch st e s A u f s e h e n erregt hat, erklärt, daß dasJour­nal des Nations", das in der Tat sehr stark mit Frankreich sympathisiert, den Vorgangin etwas anderer, mißver­ständlicher Form" dargestellt und auch vergessen habe, Hin- zuzufügen, daß Oesterreich in der Frage der Gleichberechki- gung auf dem gleichen Standpunkt stehe wie Deutschland.

Der front Gicherhettsplan

Herriot spricht im Elsaß Kembs-Kanal als Friedensbeweis

Paris, 10. Oktober.

Ministerpräsident Herriot, der den Präsidenten der Republik zu den Einweihungsfeierlichkeiten des Kembs- Kanals nach Kembs begleitete, hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er einleitend auf die Bedeutung dieses Kanals für das Wirtschaftsleben des Elsaß hinwies. Von der Behauptung ausgehend, daß das Elsaß ein vollkommen "and wäre. erklärte HerrioMda« Elsaß wisse,

standes beitragen könne.

Die französische Legierung habe am 7. Juni ihre An­sichten über das Elsaß zum Ausdruck gebracht. Die französischen Ostprovinzen seien im Laufe der Geschichte von Frankreich niemals als unterschiedlich von den anderen Provinzen angesehen worden. Sie seien französisch und würden es bleiben. Die Regierung werde niemals dul­den, daß der Einheit und Unteilbarkeit der Republik in Frankreich auch nur im geringsten Abbruch getan werde. .

Frankreich, als dessen ältester Sohn das Elsaß ange­sehen werden könne, wolle nichts anderes, als mit seinen Nachbarn wie mit allen Völkern überhaupt im Frieden leben. Es wäre Frankreich angenehm und dies sei auch in einer kürzlichen Note betont worden, seine Be­mühungen und Arbeit mit denen eines großen arbeits- samen Volkes zu verbinden, das ebenso wie das franzö­sische an der Wiederherstellung der europäischen und Welt­wirtschaft Interesse habe.

Die Aufmerksamkeit der Völker konzentriere sich gegen­wärtig auf ein furchtbar schweres Problem. Frankreich stelle einen konstruktiven Plan zur Organisierung des Ane- dens und zur allmählichen Abrüstung fertig, der dem Büro der Abrüstungskonferenz unterbreitet werde, sobald die notwendigen Gutachten eingegangen seien und die Regie­rung darüber beraten haben werde. Frankreich verlange nur die zu einer methodischen und gutgläubigen Aktion erforderlichen Fristen. Frankreich wolle eine Freundschaft, aber eine aufrichtige und lohale. Eine andere Richtlinie kenne seine Politik nicht. Wenn man überall auf einen gleich guten Willen stoße, werde ein Werk wie dieses einen bedeutsamen Beitrag zur Annäherung der Völker in den Arbeiten des Friedens darstellen.

Nach Herriot erklärte der Präsident der Republik, bei Rhein bilde für Ostfrankreich, Westdeutschland und du Schweiz ein machtvolles Instrument der Entwicklung un! des Fortschritts. Zum Schluß erhob er sein Glas aus ein Elsaß, dessen doppelte Aufgabe sei, an der Schwelle des Vaterlandes Wache zu halten und an den Ufern des Rheins einen Brennpunkt französischer Zivilisation zv bilden.

Im Rathaus von Mülhausen betonte Herriot Frankreichs Willen, für den Frieden zu arbeiten. Als Beweis für die Förderung der Beziehungen unter den Völkern müsse auch der am Vormittag eingeweihte Kanal von Kembs gelten. Ein solches, an der Grenze errichtetes Werk müsse aller Welt den Friedenswillen Frankier^ vor Augen führen. Wenn Frankreich nicht den Wunsch hätte, daß dieser Friede hergestellt würde, würde es dann soviel Geld für Arbeiten an der Grenze ausgeben?

Der Präsident der Republik, Lebrun, betonte, du französische Regierung zeige in Wort und Tat, daß pe gewillt sei, durch internationale Zusammenarbeit ver­trauensvolle Beziehungen wieder herzustellen, die weient-

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Zentralvorstandstagung der Bollspartei

Parteiführer Dingeldeh einmütig wieder gewählt.

Die Tagung des Zentralvorstandes der Deutscher Volkspartei wurde am Sonntag durch den Parteifuhrei Abg. Dingeldeh eröffnet. Der Parteiführer würd« unter großem Beifall durch Zuruf wiedergewählt.

Sodann erstattete Dingeldeh den politischen Be­richt. Die Liquidation des Weimarer Systems, st sagte der Parteiführer, sei ein historischer Prozeß. In dieser Verfassung sei kein rechter Ausgleich zwischen Auto­rität und Freiheit. Heute komme es nicht auf Programm« an, sondern auf die Tat. Und weil wir Taten von der Regierung Papen sehen, deshalb stehen wir hinter ihrer Autorität. Vordringliche Aufgabe ist der Wirtschafts- Wiederaufbau. Keine Staatsallmacht, sondern nur freies Schaffen könne dieses Ziel erreichen. Wir wollen Schutz der heimischen Arbeit. Die deutsche Ausfuhr dürfe aber nicht durch eine Politik der Kontingente ge­schädigt werden, die den Abwehrwillen anderer Länder hervorrufen. Die Feststellungen, die die Regierung jetzt im Auslande getroffen habe, und die Warnungen im In­nern müßten die Regierung von einem falschen Weg in der Handelspolitik abhalten. Sonst bestehe für das Regierungsprogramm eine Gefahr. An die Diener der Evangelischen Kirche sei ein ernstes Wort zu richten, die leider in großer Zahl der die geistige Freiheit unterbindenden faschistischen Idee nahestünden. Dingeldeh schloß die Tagung mit dem Rufe:Das Vaterland über

* die Partei!"

lich für das Wiederaufleben der Geschäftstätigkeit und bh Beseitigung der Arbeitslosigkeit seien.

Lebrun begab sich, von den Ministern begleitet, von Mülhausen nach dem Hartmannsweilerkopf, wo eine Ge­dächtnisfeier veranstaltet wurde.

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gestern mit, daß Titutescu das lym angebotene Por­tefeuille des Auswärtigen annimmt. Die Uebernahme des Portefeuilles des Auswärtigen durch Titulescu bedeutet aber keine Richtungsänderung in der auswärtigen Politik

Rumäniens.

Die Gemeindewahlen in Belgien

Brüssel, 10. Oktober. Die am Sonntag in ganz Bel­gien durchgeführten Gemeindewahlen sind vollkommen ru- Mg verlaufen. Nach den bis 8 Uhr abends vorliegenden Ergebnissen hat die Sozialistische Partei in etwa 20 Ge­meinden die absolute Mehrheit erreicht, wogegen sie in nur einer Gemeinde ihre Mehrheit verloren hat. Die sozialistischen Wahlerfolge sind vor allem in land­wirtschaftlichen verenden und in Limburg zu verzeichnen. Die aus dest großen Städten vorliegenden Wahlergebnisse sind gleichfalls für die Sozialisten günstig. Die Kommu­nisten haben, abgesehen von Verviers, nirgends nennens­werten Fortschritt erzielt. *

(Anm. der Redaktion.): Im Gegensatz zu den Wahlen für Kammer und Senat haben die Frauen vom 21. Le­bensjahre an zu den Gemeindewahlen allgemeines Stimm- recht. Mit besonderem Interesse wird man den Ausfall der Wahlen in der Hauptstadt Brüssel und in den ehemals deutschen Bezirken erwarten. In Brüssel wird der Kampf von gewisser Seite als wprachenkampf geführt, in dem sich zeigen wird, ob der flämische Einfluß in der Hauptstadt im Laufe der letzten sechs Jahre wesentlich zugenommen hat oder nicht.

Goering und die Sarzburger Front

Braunschweig, 10. Oktober. Reichstagspräsident ® o e» ring setzte sich auf einer nationalsozialistischen ^Kundge­bung mit den Deutschnationalen auseinander. Sie seien * wohl manchmal mit der NSDAP. marschiert, aber als Partei immer ihr erbittertster Gegner gewesen.

Am Jahrestag derHarzburger Front" sei festgestellt, daß sie zerbrechen mußte, weil sie auf Lug und Trug aufgebaut war.

Die NSDAP. bekämpfe nicht den Stahlhelm als solchen, doch zwinge seine Führung zum Kampf, so lange sie sich hinter die Regierung Papen stelle. Die Nationalsozialisten seien dem Reichskanzler dankbar, daß sie noch einmal ihre Bewegung prüfen und alle jene sie verlassen könnten, die nur aus Konjunktur gekommen seien.

LandvolKpartei marschiert allein

Berlin, 10. Oktober. Der Parteiausschuß des Deut- schen, Landvolks beschloß am Sonntag, daß die Landvolk- partei bei den bevorstehenden Reichstagswahlen mit eige­nen Listen vorgeht. Die mit anderen Gruppen eingegange­nen Verhandlungen zum Zusammengehen stehen vor dem Abschluß.