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Hersfel-nTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger M den Kreis Hersfelö

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchbruckeret in Hersfekb, Mitglied des BDJB.

Nr. 249 (Erstes BIM)

Sonnabend, den 22. Oktober 1932

82. Jahrgang

Gesteigerter Kmps m die GleiOneHjtiWg

Die Außenpolitik der Reichsregierung Französische Stimme gegen Schuldlüge

Deutschlands Abrüstungssorderungen

Erklärung der Reichsregierung gegen Ausführungen Hitlers.

Berlin, 22. Oktober.

Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, hat seine Antwort auf die Münchener Kanzlerrede in Form eines offenen Briefes an den Reichskanzler veröffentlicht. Amtlich wird zu den Ausführungen Hitlers nunmehr erklärt:

In einem offenen Brief an den Reichskanzler hat Adolf Hitler Behauptungen über den Standpunkt der deut­schen Regierung in der Abrüstungsfrage aufgestellt, die im Interesse der deutschen Außenpolitik auf das schärfste zurück­gewiesen werden müssen. Hitler behauptet: Deutschland sei mit einem Aufrüstungsprogramm vor die Welt ge­treten; es habe die Forderung nach einer 300 000 -Mann- Armee erhoben; es habe ferner den Bau von Groß- kampfschiffenusw." gefordert. Diese drei Behaup­tungen sind in vollem Umfange unwahr. Deutschland hat niemals andere Forderungen erhoben als diejenigen, welche das veröffentlichte Memorandum vom 29. August enthält.

Es verlangt nach wie vor, daß die anderen Staaten auf einen Stand abrüsten, der unter Berücksichtigung der be­sonderen Verhältnisse jeden Landes demjenigen Abrüstungs- stand entspricht, der uns durch den Vertrag von Versailles auferlegt worden ist. Trägt die Abrüstungskonferenz dieser grundsätzlichen Forderung nicht Rechnung, so müssen wir verlangen, daß nicht weiter zweierlei Recht gilt, sondern daß die in Genf abzuschließende Abrüstungskonvention auch auf Deutschland Anwendung findet. Deutschland fordert auch in diesem Falle keine Aufrüstung. Der Zustand darf aber nicht weiter bestehen, daß uns grundsätzlich Waffen ver­boten find, die anderen Staaten als unentbehrliche Mittel der Verteidigung erlaubt bleiben.

Die Reichsregierung stellt in aller Oeffentlichkeit fest, unwahre Behauptungen erhoben hat, die geeignet sind, das Bild der deutschen Außenpolitik zu verfälschen und damit das Interesse des deutschen Volkes auf das schwerste zu schä­digen. Das Urteil über dieses Verhalten des Herrn Hitler überläßt die Regierung dem deutschen Volke."

Die Erklärung der Reichsregierung wird von zuständi­ger Stelle wie folgt kommentiert: Der offene Brief Hitlers enthält insbesondere in seinen außenpolitischen Aus­führungen Behauptungen, die unbedingt beantwortet werden müssen. Die Reichsregierung hat deshalb zu den Ausfüh­rungen Hitlers über ein angebliches deutsches Aufrüstungs- programm eine Erklärung herausgegeben. Wenn Hitler außerdem der Reichsregierung den Vorwurf macht, sie habe bei den Abrüstungsverhandlungen insofern eine falsche Tak­tik eingeschlagen, als sie es unterlassen habe, immer und immer wieder die Schuld an der Nicht-Abrüstung Frankreich zuzuschieben und dadurch Frankreich in der Welt zu brand­marken, so kann demgegenüber festgestellt werden, daß Deutschland gerade nach dieser Methode verfahren ist, wie es vor Beginn der Abrüstungsverhandlungen in Genf von dem Staatssekretär von Bülow angekündigt wurde. Damals allerdings wurde diese Haltung Deutschlands von den Natio­nalsozialisten angegriffen, die volle Rüstungsfreiheit und Aufrüstungsfreiheit Deutschlands forderten.

Weg Mit der Kriegsschuldliige! Eine mutige französische Stimme.

Paris, 22. Oktober.

Auch in Frankreich beginnt die Einsicht zu wachse chaß Europa schnell dem Abgrund zutreibt, wenn den geraten Forderungen Deutschlands nicht Genüge getan wird. So fordert die radikaleRepublique", das Blatt des linken Flügels in der Radikalen Partei, in ihrem Leitartikel, daß Frankreich spontan von sich aus die Annullierung des kriegssch ildartikels 231 im Versailler vertrag fordere: Wir geben zu, daß die wenigen Zeilen dieses Artikels uns immer unzulässig erschienen sind. Die Frage der Verantwortung am Kriege ist eine delikate Frage und müßte ausschließlich der geduldigen Prüfung der Historiker überlassen bleiben.

Die Verantwortung am Kriege teilt sich in direkte und indirekte Verantwortung. Unter der direkten Verantwortung darf man nicht die des zaristischen Rußland vergessen, unter der indirekten figurieren alle Regierungen und alle Organi­satoren des Rüstungswettlaufes. Eine Tatsache aber steht außerhalb jeder Debatte: die nämlich, daß man Deutschland das Schuldgeständnis gewaltsam aufgezwungen hat

England und die Abrüstung

Der Protestschritt der Geistlichkeit.

London, 22. Oktober.

Bei dem Empfang der kirchlichen Würdenträger durch MacDonald und Sir John Simon spielte, wie ergänzend berichtet wird, die Antwort Englands auf die deutsche Gleich- berechtigungsforderung eine große Rolle. Sir John Simon soll zu diesem Thema erklärt haben:Der eigentliche An­spruch, der von uns zur Erwägung erhoben wird, ist ein Anspruch jn her moralischen und nickt in der iukistiscken

aäre. Ich bin gern bereit, zuzugeben, daß die Phraseo- > der Note hier und da dies vielleicht nicht immer klar­gemacht hat, aber ich bin sehr glücklich, die Gelegenheit zu ergreifen mitzuteilen, daß die Note nicht meine persönliche Arbeit ist. Sie war von der ganzen Regierung ausgearbeitet und diente dem Zweck, auf Argumente zu zielen, die in sich selbst nicht stichhaltig sein würden und auf jeden Fall technisch waren, und um den wirklichen Fall für die Aktion und für die Erörterung klar und unmißverständlich zu machen." Sich Genf zuwendend betonte Sir John Simon, daß er die Ent­täuschung über den langsamen Fortschritt teile. Er weigere sich jedoch nachdrücklichst, Gefühle der Verzweiflung oder Niedergeschlagenheit zu empfinden.

MacDonald erklärte u. a.:Simon wird sehr bald wie­der nach Genf gehen, und es kann sein vielleicht allerdings tritt der Fall auch nicht ein daß ich mitgehen werde, um zu sehen, ob wir unter uns ein besseres allgemeines Einver­nehmen unter den Völkern Europas in der gegenwärtigen Zeit erhalten können." Weiter sagte MacDonald.' die britische Regierung würde gern in dem gegenwärtigen Zeitpunkt das große Werk tun. und dies sei Englands ständiges Ziel. Seit Februar dieses Jahres haben wir", betonte der Pre­mierminister.zäh an unseren Wünschen festgehalten, nicht nur einen Zustand der Abrüstung zu schaffen sondern etwas viel Schwierigeres, einen Zustand der Liebe zum Frieden."

Der Erzbischof von Canterbury erklärte darauf, diese Abordnung stelle einen sehr großen Teil der christlichen öffentlichen Meinung in ganz England dar. Persönlich habe ich selten eine Frage gekannt, betonte er, die solche Ein­stimmigkeit, Tiefe und solchen Ernst der Ueberzeugung er­weckt hat wie diese große Frage der Abrüstung. Wir emp­finden eine moralische Verpflichtung, dafür einzutreten, daß das Versprechen, das von den alliierten Mächten nach dem Kriege gegeben wurde, erfüllt * erden soll, und wir glauben, daß es im augenblicklichen Zeitpunkt moralisch falsch sein weitere allgemeine Verminderung der Rüstungen. Sich an den Premierminister wendend, bemerkte der Erzbischo' weiter:

Sie werden natürlich unsere begeisterte Unterstützung erhallen, wenn Sie das erfüllen, was Sie so off erklärt haben, nämlich Ihre Bereitschaft, Deutschland Gleichberech­tigung unter den anderen Rationen zu geben, indem eine freiwillige Vereinbarung erreicht wird, als deren Ergebnis eine Abrüstungskonvention zustande kommt. Sie werden unsere begeisterte Unterstützung erhalten, wenn Sie adrüsten und nicht wieder aufrüften und diesen Standpunkt zum Eck­stein unserer Politik machen. Sie werden unsere Unter­stützung erhalten, wenn Sie auf eine endgültige, wenn auch allmähliche Rüstungsvexminderung in der Richtung der Be­schränkungen hinzielen, die Deutschland nach dem kriege auf- erlegt worden sind.

RüfUngsfeierjahr bis 1. März

Wafhlrmton, 22. Oktober. Die bereinigten Staaten haben der Verlängerung des Rüstungsfeierjahres, das am 1. November zu Ende gehen sollte, bis zum 1. März 1933 zugestimmt. Eine offizielle Mitteilung in diesem Sinne soll demnächst nach Genf abgesandt werden. Wie ver­lautet, sott diese Verlängerung den Zweck haben, der Ab­rüstungskonferenz zu ermöglichen, ein Abkommen über die Herabsetzung der Flottenrüstungen zustande zu bringen.

Dem im Dezember beginnenden Kongreß werden keine Neubauten von Kriegsschiffen vorgeschlagen.

Man ist sich darüber klar, daß der März 1933 gleich­falls noch nicht ein Ende der Abrüstungskonferenz bringen wird; denn angesichts der gegenwärtigen Schwierigkeiten sowie im Hinblick auf die für Anfan gnächsten Jahres ge- hinsichtlich der deutschen Beteiligung an der Konferenz plante Weltwirtschaftskonferenz rechnet man hier mit einem sehr späten Datum für den Wiederzusammentritt der Ab- rüstungsvollkonferenz.

Simon redet über Abrüstung

London, 22. Oktober. Staatssekretär Sir John Simon -sagte gestern zur Rüstungsfrage, daß die britischen Vertre­ter in Genf die ersten waren, die den Hoover-Vorschlag begrüßten. Er wies den Vorwurf zurück, daß die britische Note an Deutschland eine Art vonlegaler Uebung" ge­wesen sei, die niemals versucht habe, den Kern des deut­schen Anspruches zu behandeln, und erklärte: Die britische Note hat mit Nachdruck betont, daß der einzige Weg, die Gleichberechtigungsfrage, die Deutschland so sehr am Herzen liege, zu regeln, in geduldigen Erörterungen zwischen den Mächten liege. Die britische Regierung sei banc mb hinter der Szene bestrebt, Deutschland und seine Nachbarn in Beziehungen größeren Vertrauens zu brin­gen. Die Erhöhung der Abrüstungsfrage hänge zu einem gewissen Teile von diefem größeren Vertrauen ab.

Gesamtdemiffton in Prag

Prag, 22. Oktober. Ministerpräsident Udrzal hat dem Ministerrat über die Gründe, die ihn zum Rücktritt zwingen, berichtet. Der Ministerrat beschloß daraufhin, dem Präsidenten der Republik die Gesamtdemission des Kabinetts zu unterbreiten.

EedrsWe Biltiereinsuhr

Die Festsetzung des deutschen Kontingents.

Berlin, 22. Oktober.

Zu der Festsetzung des neuen deutschen Bulterkontin- gents auf 55 000 Tonnen pro Jahr wird aus Kreisen des Reichsernährungsministeriums mitgeteilt, daß die BuNer- einfuhr im vergangenen Jahr sich insgesamt aus 100 000 Tonnen belaufen hat. Im Jahre 1932 würde sie unter den bisherigen Zollsätzen sich aus vielleicht 72 000 Tonnen be­laufen haben.

Bisher gab es fünf verschiedene Zollsätze für Butter, deren Durchschnitt 67 Mark für den Doppelzentner im gegen­wärtigen Jahre betrug. Dadurch, daß jetzt der Zoll auf 75 Mark für den Doppelzentner und ein Gesamtkontingent festgesetzt worden ist, ist die Voraussetzung für eine Ver­besserung der wirtschaftlichen Lage der deutschen Milchwirt­schaft geschaffen.

Das Abkommen stellt, wie derTag" erklärt, eine be­merkenswerte Aenderung des bisherigen Zustandes dar. Bisher hatte Deutschland nur ein Zollkontingent für But­ter, d. h. es war lediglich die Menge, die zu einem er­mäßigten Zollsatz nach Deutschland hineingelassen wurde, zahlenmäßig begrenzt, während für die Einfuhr zum autono­men Zollsatz keine Grenze gesetzt war. Jetzt ist die gesamte Buttereinfuhr aus 55 000 Tonnen festgesetzt. Finnland hatte bisher ein Zollkontingent von 5000 Tonnen zum erniedrig­ten Zollsatz von 50 RM. Alle meistbegünstigten Länder hatten die Befugnis, das gleiche Kontingent zum gleichen Zollsatz nach Deutschland auszuführen, jedoch wurden über das Kontingent von 5000 Tonnen hinaus gestaffelte Zoll­sätze mit einem Valutazuschlag erhoben. Dadurch sah sich besonders Dänemark beeinträchtigt, weil es bei weitem der größte Butterlieferant für Deutschland ist, und weil es einen hohen Valutazuschlag zu tragen hatte. Von letzt ab wird die dänische Buttereinfuhr ebenso wie die Einfuhr aus den anderen Ländern mengenmäßig abgegrenzt, aber es wird ein einheitlicher Zollsatz von 75 RM. unter Wegfall ' bet VatuiaWW'äzs^sMesetzi. Finnland verachtet dabei auf den Vorzugszoll von 5u RM. und auf die-volla Ausnutzung des Kontingents von 5000 Tonnen, da es künftig nur noch einen entsprechenden Prozentsatz an dem Gesamtkontingent von 55 000 Tonnen nach Deutschland ausführen kann, wäh­rend bisher die gesamte Buttereinfuhr nach Deutschland we­sentlich höher als 55 000 Tonnen war.

Fraglich ist es vorläufig, wie Holland sich zu dieser Rege­lung stellen wird, denn Holland hatte bisher angesichts des Standes feiner Valuta nach Deutschland keinen Valutazu­schlag, und seine Butteraussuhr nach Deutschland wird jetzt eben mengenmäßig im Rahmen des Gesamtkontingent- be­grenzt.

Fortschreitende Zersplitterung

32 Wahlvorschläge in Berlin!

Berlin, 22. Oktober.

Die gesetzliche Einreichungsfrist für Reichstagswahlvor- schlüge ist nunmehr abgelaufen und in der kommenden Woche wird der Reichswahlausschuß die eingegangenen Vor­schläge daraufhin prüfen, ob die Vorbedingungen erfüll! worden sind, um schließlich die Reihenfolge auf dem Stimm- Zettel festzulegen. Auf den ersten 13 Plätzen erscheinen, an­geführt von der RSDAP. die Parteien, die in den letzten Reichstag Abgeordnete entsandt haben.

Die Zersplitterung scheint bedauerlicherweise allenthal­ben weitere Fortschritte gemacht zu haben. In Berlin .sind nicht weniger als 32 Reichswahlvorschläge eingereicht wor­den. Unter den Splittergruppen befindet sich dieDeutsche Präsidialpartei". eineDeutsche Kaiserpartei", eine Liste .Für Hindenburg und Papen" (nationalistische Kampfbewe­gung), schließlich Borschläge zahlreicher Interessentengrup­pen, eine nationalsozialistische Oppositionsgruppe, die sozial­republikanische Partei Hörsings und die Sozialistische Arbei­terpartei Deutschlands.

Sie Arbeitsmarttlage

5150 000 gemeldete Arbeitslose.

Berlin, 22. Oktober.

Wie die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und * Arbeitsvermittlung mittellt, beträgt die Zahl der Arbeits- i losen, die bei den Arbeitsämtern gemeldet sind, Mitte Oktober » 1932 rund 5150 000.

Wenn diese Ziffer auch urn rund 48 000 über derjenigen vom Ende des vorhergehenden Monats liegt, so bedeute! dies, wie amtlich erklärt wird, nicht, daß sich der Beschäfti­gungsgrad tatsächlich in dem gleichen Umfang« verschlechtert hat. Bei der Gesamtzahl der Arbeitslosen bleibt die Tat­sache zu beachten, daß in der Zahl von 5 150 000 Arbeits­losen auch rund 200 000 junge Menschen mitgezählt sind, die bei dem Freiwilligen Arbeitsdienst vorübergehend außer­halb der freien Wirtschaft Arbeit und Brot gefunden haben. Die Zahl der Notstandsarbeiter, die im Laufe des Monats September 1932 noch um rund 21 000 auf rund 88 000 ge­steigert werden konnte, dürfte auch bis Mitte Oktober eher noch etwas zugenommen haben. In der Zahl von 5,15 Mil­lionen Arbeitslosen für den Stichtag zum 15. Oktober 1932 sind rund 580 000 Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenunterstützung und 1,175 Millionen Hauptunter­stützungsempfänger in der Krisenfürsorge enthalten, ______________.