HersM-er Tageblatt
Anzeigenpreis,: Die einspaltige 45 mm breite Petitzeile f & F < F /. Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post besage»
15 W. dre BeNameze^ (90 mm breit) 50 Pfg. IA^t* 1.35 Reichs.Marü ausschließlich Bestellgeld, %r
lGrundlcytift Corpus) Bei -Wiederholungen wird KL Hersfeld 1.10 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für
enstprechiN5er Preis-Nochiaß gewahrt. Für die y W Abholer 1.00 Reichs-Mark.
»ronstleitung verantwortlich: Ä Funk in ^erSfelb , <p < » p Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdrucker«!
Fernsprecher Br. 608. MMMchtzk MNMkgtt Mt VkN ^VCIS (n ^erSfelb, Mitglied des BDJB.
Montag, den 7. November 1932 .
82. Jahrgang
Der Spruch des Volkes
Ruhiger Verlaus der Wahl — Schwächere Wahlbeteiligung
Vorläufiges amtliches Ergebnis der Wahl
Abgegebene Stimmen
Abgeordnete
6. 11. 32
31. 7. 32
6. 11.
31, 7.
Nationalsozialisten .
. 11 705 256 ‘
13 732 777
195
330
Sozialdemokraten
. 7 231 404
7 951 245
121
133
Kommunisten .
. 5 970 833
5 276 094
100
89
Zentrum .
. 4 228 322
4 586 501
69
75
Deutschnationale
. 3 061 626
2 172 941
54
37
Bayrische Volkspartei
. 1 081 595
1 190 453
19
21
Deutsche Volkspartei
659 703
434 548
11
7
Staatspartei .
337 871
371 378
2
2
Christlich-Soziale .
412 523
364 749
5
2
Hannoversche Partei
63 999
——
1
2
Wirtschaftspartei
110 000
146 061
2
2
Bauernpartei ..
148 982
—
3
1
Sonstige .
345 851
603 448
—
4
Jnsgesaml
: 35 3»- 082
36 845 279
582
608
Keine nennenswerten Zwischenfälle / Wahlbeteiligung etwas schwächer.
Der gestrige Wahlsonntag — der fünfte Großwahltag dieses Jahres — ist im allgemeinen erheblich ruhiger und reibungsloser verlaufen, als seine vier Vorgänger. Obwohl gerade diesmal der Wahlkomvf mit besonderer «Schärse-sefS-hrb ttHrrcerlft'eS-sast nirgends än der vergangenen Nacht und am Wahltage zu beachtlicheren Zwischenfällen gekommen.
In Berlin
war die Wahlbeteiligung in den Vormittagsstunden nicht besonders stark, verstärkte sich jedoch in den Nachmittagsstunden erheblich. In einzelnen Bezirken mußten die Wähler sogar Schlange stehen, um ihrer Wahlpflicht zu genügen. Nicht nur in den Arbeitergegenden, sondern auch in verschiedenen bürgerlichen Wohnvierteln war eine Beteiligung festzustellen, wie man sie nach den vielen Wahlen, die in diesem Jahre bereits stattgefunden haben, kaum erwartete. Bis auf einige Zwischenfälle, die sich in den Straßen am Nachmittag ereigneten und die wohl hauptsächlich mit dem Verkehrsstreik im Zusammenhang standen, ist die Wahlzeit vollkommen ruhig verlaufen. Trotz des regnerischen November-Wetters waren große Menschenmassen unterwegs. Nnd da viele^ den Notverkehr der BVG nicht benutzten, boten die Straßen in den Nach- mittagssiunden ein sehr belebtes Bild.
Aehulich wie in Berlin verlief der Wahltag auch Im Reich.
Nur aus einigen Orten kommen Meldungen über größere Zwischenfälle. So wurde iu B r e m e n bei einem Kommu» nistenüberfall ein 'Nationalsozialist schwer verletzt. 23 bewaffnete Personen wurden festgenommen. In Braun- s ch w e i g wurde ein Nationalsozialist und einige Reichsbannerleute verletzt. In Pinneburg wurde ein Reichsbannerführer von einem Nationalsozialisten niedergeschlagen. In Krefeld entwickelte sich zwischen Reichsbannericuten und Nationalsozialisten eine Schießerei, bei der SA-Leute verletzt wurden, einer von ihnen lebensgefährlich. In Burgstaedt, Sachsen, wurden bei einem Zu- sauamenstoß fünf Kommunisten von drei Nationalsozialisten durch Revolverschüsse verletzt. Die Nationalsozialisten wur-
den festgenommen.
Sehr unterschiedlich ist die Wahlbeteiligung in Süd- ,
westdeutschland. In Baden rechnet man mtt einer Ge- faL-itbeieiligm von 75 Prozent, während in Hessen der Zustrom der Wähler ungefähr ebenso stark sein wird, wie bei der letzten Reichstagswahl. In Frankfurt a. M. betrug die Wahlbeteiligung um 15 Uhr erst etwa 35 Prozent. In Stuttgart schwankt sie zwischen 30 n. 50 Prozent. Für Düsseldorf rechnet man mit einer Wahtbr- - teiligung von gut 80 Prozent. In Königsberg (Ost- , Preußen) trägt der ganze Wahlverkehr, der durch das Regenwetter stark beeinträchtigt wurde, unverkennbar ein Gepräge der Wahlmüdigkeit.
Wahlverlauf in Mitteldeutschland
Der Wahlsonntag ist in Mitteldeutschland so gut wie vollkommen ruhig verlaufen. Im Regierungsbezirk Magdeburg bildete eine Ausnahme Staßfurt, wo bei einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten mehrere Personen zum Teil erheblich verletzt ; wurden. In Magdeburg selbst zeigte das Straßenbild,
mit Ausnahme des besonders lebhaft in Erscheinung tre- I tenden Flaggenstreits, fast keine Veränderung. Auffallend war hier, daß die bekannteren Parteiführer in den letzten Tagen das flache Land für ihre Propaganda be- I vorzngten.
In Halle hatte die Polizei ^umfangreiche Vorbeugungsmaßnahmen getroffen. Am Sonnabend war in der . Nähe des Braunen Hauses ein Polizist von Nationalsozialisten bedrängt worden, er konnte sich seiner Geg- i, ner jedoch mit der Pistole erwehren. In der Nacht zum Wahlsonntag wurde das Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Preußenring mit roter Farbe beschmiert.
Auch in Erfurt und Weimar unterschied sich das Straßenbild nur wenig von dem anderer Sonntage. Nur am Vortage der Wahl war es in Weimar zu wiederholten Reibereien zwischen politischen Gegnern gekommen. Der Streifendienst der Polizei konnte jedoch" die Ordnung aufrechterhalten. Einen Schwerverletzten soll es aber gegeben haben.
Der Wahlkampf hatte in Kassel bereits Donnerstag ' mit der Hitlerversammlung seinen Höhepunkt erreicht. In den beiden letzten Tagen wurde lediglich auf den Straßen und Plätzen in breiter Front eine Flugblattwerbung eröffnet. Die große Ruhe, die in den letzten Tagen vorherrschend war, stand im vollen Gegensatz zu der Lebhaf-
Hgteit des Wahlgeschäfts am Sonntagvormittag, ist doch die Wahlbeteiligung teilweise, wenigstens vormittags, stärker gewesen, als bei der letzten Wahl. In Kassel ist es nirgends zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen. In der Umgebung von Kassel, auf dem Lande, war. die Wahlbeteiligung in den Vormittagsstunden bedeutend schwächer als in Kassel selbst.
Wahlkreis-Ergebnisse:
Vorläufiges Endergebnis:
Wahlkreis 21 (Koblenz-Trier):
Wahlbeteiligung 77 Proz. Gült. St. 636 509, Nz 166116, Soz 60 837, Kom 60 979, Z 291516, Dnt 37 476, DVP 11 418, StP 1449, ChrSoz 2809, WP 1396.
(Abgegebene Stimmen: 697 638. Nz 198 718, Soz 60 889, Kom 59 348, Z 317 970, Dnt 32155, DVP 8032, StP 1497, ChrSoz 2295, Wp 2592, Lv 2210.)
Wahlkreis 23 (Diisseldorf-West):
Abgegebene Stimmen: 1008 624. Nz 244 270, Soz 96 661, Kom 227 620, Z 331 334, Dnt 70 279, DVP 15 518, StP 1867, ChrSoz 8548, WP 1778, Lv 1007, Sonst. 10 733 (Abgegebene Stimmen: 1059 645. Nz 284 206; Soz 106 797; Kom 207 893; Z 357 871; Dnt 61871; DVP 10 307; StP 2233; ChrSoz 8307; WP 3876.)
Wahlkreis 29 (Leipzig): Abgegebene Stimmen: 876 480. Nz 262 710, Soz 272 342, Kom 195 877, Z 8936, Dnt 60 837, DVP 28131, StP 11040, ChrSoz 7332, WP 8249, Lv 632, Sonst. 3612. (Abgegebene Stimmen: 841812. Nz 300 424; Soz 275 900; Kom 156 041; Z 9299; Dnt 37 173; DVP 18 416; ■ StP 14 427; ChrSoz 6114; WP 6438; Lv 830.)
Wahlkreis 19 HeffenNassau:
Vorläufiges Endergebnis:
(Die in Klammern hinzugesetzte» Zahlen sind die Ber- gleichszahlen aus der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932.] Gültige Stimmen: 1447 325. Nz 596 285, So; 291839, Kom 184 216, Z 202 753, Dnt 72 266, DVY 42 385, StP 12 807, ChrSoz 21522, WP 2623, Lv 4109 Sonstige 5520.
(Abgegebene Stimmen: 1491986. Nz 645 394, Soz 330 853, Kom 155 033, Z 222 580, Dnt 59171, DVP 23 573, StP 10 287, ChrSoz 18 489, Wp 4818, Lv 4105.)
Einzelergebnisse:
Regierungsbezirk Kassel:
Gültige Stimmen: 621612. Nz 282 473, Soz 127 277, Kom 78 775, Z 71526, Dnt 36177, DVP 9717, StP 3195, ChrSoz 9387, WP 533, ThLbd 641, Sonstige 1911.
Kassel (Stadt). Gültige Stimmen: 105 369. Nz 42 627, Soz 26 688, Kom 15147, Z 4424, Dnt 9528, DVP 2970, StP 967, ChrSoz 2458, Wp 115, Lb 12. Sonstige 433. (Abgegebene Stimmen: 104 509. Nz 43 982; Soz 30 511; Kom 11 789; Z 4624; Dnt 6691; DVP 1903; StP 1203; ChrSoz 2096; WP 244; Lv 23.)
Fulda (Land). Gültige Stimmen: 36 379. Nz 6759, Soz 2327, Kom 2568, Z 23 837, Dnt 521, DVP 162, StP 51, ChrSoz 90, Wp 27, Ld 34. Sonstige 103.
Künfeld (Stadt). Gültige Stimmen 13 360, Nz 4098, Soz 737 Kom 401, Z 7574, Dnt 246, DVP 69, Stp 9, ChrSoz 131, Wp 1, Lv 64. Sonstige und Ungültige 30.
Schm lUn (Stadt). Gültige Stimmen 28136. Nz 13 368, Soz 6143, Kom 6346, Z 110, Dnt 1031, RadM 22, DVP 54>, S 3 273, ChrSoz 168, DschhanP 4, WP
15, Lbd 6,
1 ), Soz-Rep 1, SozAP 8, Schm 0.
(fr<i ). Gültige Stimmen: 18443. Nz
12 986, Soz 1729, Kom 1003, Z 128, Dur 1995, DVP 226, StP 72, ChrSoz 220, Wp 12, Lb 34. Sonstige 38.
Wildungen (Kreis der Eder). Gültige Stimmen: 11016. Nz 7010, Soz 1719, Kom 583, Z 172, Dnt 1025, DVP 227, StP 60, ChrSoz 169, WP 9, Lb 13. Sonst. 29.
Witzenhausen (Kreis). Gültige Stimmen: 20 282. Nz 9989, Soz 5612, Kom 2628, Z 209, Dnt 1066, DVP 176, StP 48, ChrSoz 492, Wp 9, Lb 11. Sonstige 42.
Worbis (Landkreis). Wahlbeteiligung: 25 579. Gültige Stimmen: 25131. Nz 4525, Soz 3085^ Kom 1877,
Hindenburg an der Wahlurne.
Leere Straßen am Wahlsonntag in Berlin.