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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 264

Mittwoch, den g. November 1932

82. Jahrgang

Kein grundsätzlicher Kurswechsel

Nationale Konzentration" im Innern Gegen die Fesseln von Versailles

Der 9. November

In der Geschichte des Deutschen Volkes und Reiches wird der 9. November stets umstritten sein. Er stellt einen Wende­punkt dar, denn er brächte das Ende der ererbten Monarchie, brächte die Ausrufung der deutschen Republik. Er ist der eigentliche Geburtstag der deutschen Republik, wenn er als solcher auch nicht gefeiert wird. Das hat seinen Grund in der Tatsache, daß mit diesem Tag Erinnerungen verbunden sind, die an die schwersten Tage deutscher Geschichte gemah­nen. Revolution ist ein Wort, das seine geschichtliche Be­deutung erst dann erhält, wenn die Revolution, der Um­sturz, siegreich ist. Revolution ist ungesetzlich, ist ein hoch­verräterisches Verbrechen, wenn der Versuch zum gewalt­samen Umsturz der bestehenden Staatsordnung mißlingt. Der 9. November brächte die Vollendung revolutionären Umsturzes, der mit der Matrosenmeuterei in der Hochsee­flotte am 30. Oktober begann, mit dem Ausbruch der Rerc- lution in Kiel am 3. November und in Bayern am 7. No­vember sich fortsetzte und dann in Berlin mit der Ausrufung der deutschen Republik durch Scheidemann den neuen Ab­schnitt deutscher Geschichte einleitete.

In der ersten Kundgebung des republikanischen Reichs­kanzlers Ebert wurde gesagt, daß die neue Regierung eine Volksregierung sein müsse. Auf dem Grundsatz, daß alle Macht vom Volk" ausgeht, baut sich auch die Verfas­sung auf, die der deutschen Republik in Weimar gebeten wurde. Dieser Grundsatz hat in den letzten Wochen und Monaten im Vordergrund staats- und parteipolitischer Er­örterungen gestanden. Wer ist das Volk, was ist des Vol­kes Wille? Nicht Paragraphen und nicht Programme sind in der Lage, diesen Begriff. sobald ^k,verbunden tvix^ mit der.Frage von Staatsverantwortung und staatlicher Gesin­nung, klarzustellen und sinngemäß zu verwerten. Wenn ein Volk sich in Dutzende von Parteien zersplittert, wenn es sich in großen Haufen zusammenballt und in fanatischer Partei­leidenschaft gegenübertritt, dann ist nicht zu ersehen, wie die­ses Volk die Regierung ausüben und einen einheitlichen Wil­len repräsentieren kann.

Aus dem deutschen Volk ist ein Parteigebild» ge­worden Man wird sich am Tage der Revolution fragen müssen, inwieweit die Ereignisse vor nunmehr vierzehn Jahren dazu beigetragen haben, daß dieses Volk innerlich so zerrissen und so wenig einig wurde. Denn nur e i n einiges Volk vermag zielklar seinen Weg vor- und aufwärts zu gehen, ein politisch zerrissenes und schwanten- des Volk aber wird und muß ohne klares Ziel o m Weg in Zickzacklinien verfolgen.

Mit der Revolution hat die traditionsrelche Geschichte des Deutschen Reiches und Volkes eine jähe Unterbrechung erfahren. Wenn sich heute noch Millionen Deutscher mit die­sen Vorgängen der Novembertage 1918 nicht abs nden kön­nen, dann durch die Tatsache, daß mit dieser Revo-ution der äußere Feind einen Vorteil von unermeßlichem Ausmaß gegen die deutschen Unterhändler in die Hand bekam. Ein Volk, das sich in revolutionären Zuckungen befindet. ist nicht in der Lage, ein vollwertiger Verhandlungspartner mit einem Haßerfüllten Feind zu sein. Jedenfalls bleibt diese Tatsache bestehen, daß, gewollt oder ungewollt, die Revolu­tion ausbrach in dem Augenblick, als Deutschland sich an- schickte, mit seinen Kriegsgegnern über die Beendigung des Krieges zu verhandeln. Es ist so oft und von den' verschie­densten Seiten davon gesprochen worden, daß Die W^ffen- stillstandsverhandlungen anders ausgefallen waren, wenn die Front nicht bereits durch revolutionäre Zerjetzu rgser- scheinungen erschüttert worden wäre. Die deutschen Unter­händler hatten mit dem Ausbruch der Revolution feiner zu­verlässigen Machtfaktor mehr in Händen. Arbeiter- und Soldatenräte machten jeden einheitlichen Befehl, machten jede taktische militärische Anordnung unmöglich. Diese und viele andere Vorgänge jener Novembertage sind es, ote eine Aussöhnung mit der Novemberrevolution für Millionen deutscher Volksgenossen unmöglich machen. Das Verhäng­nisvollste, das damals geschehen konnte, war die Art wie man die von der Front heimkehrenden feldgrauen Kämnfer in der Heimat behandelte, wie man ihnen Massen und Ko­karden abnahm und die Farben des alten Reiches, unter welchen zehn Millionen Deutscher gesümpft haven, besudelte und verhöhnte. Solche Dinge lassen sich nicht einfach mit einer Handbewegung abtun. Das sollten sich alle d-'cjenigen sagen, die mittelbar oder unmittelbar diese Revointion vor- bereitet und durchgeführt haben. Nicht die Staaiquun allein ist es, die ein Volk glücklich macht, sondern wie eine Claats- form angewendet und verwendet wird.

Der 9. November hat das monarchische System beseitigt. Das allein aber macht die Bedeutung des 9. November noch nicht aus. Man wollte die Regierung des Vo ke? unD schuf doch in Wahrheit die Herrschaft der Parteien. Es ist immer nur ein Teil des Volkes, der sich in der Regieiung burchzu- setzen vermag, der seinem Willen Geltung verschafft. Dabei ist es gleichgültig, ob eine Partei Die Macht ausübr oder eine Koalition. Sie wird immer den anderen Teil des Vol­kes in Opposition haben und kann deshalb nti)t eine Regie­rung des Gesamtvolkes sein. Diese Ueberlegungen haben ge­rade in diesen Tagen ihre besondere Gültigkeit. Das deutsche Volk als Ganzes hat soeben wieder «ein politisches

Präsidentenwahl in Amerika

Große Mehrheit für Roosevslt?

Neuhork, 9. November. Nach den bis gegen Mitte», nacht vorliegenden Berichten war der Andrang zu den Wahllokalen stärker als je zuvor. Die Straßen waren von den Mengen der Wähler überfüllt, doch hatten sich bis dahin, abgesehen von einigen kleineren Schlägereien, be­sondere Zwischenfälle nicht ereignet. Die bisher bekannt-- gewordenen Ergebnisse aus den verschiedensten Teilen des Landes scheinen zu bestätigen, daß R o o s e b e l t zum Teil mit großem Vorsprung vor dem bisherigen Präsi-> denten Hoover gewählt worden ist.

Nach den zur Zeit vorliegenden Resultaten aus 13 der 48 Bundesstaaten führt R o o s e b e l t in Alabama, Colo­rado, Florida, Georgia, Kansas, Massachusetts, Michi- gan, Missouri. Newhampshire, Nordkarolina und Okla­homa, Koover in Nebraska und Rhode Island.

Glaubensbekenntnis abgelegt. Niemand wird behaupten können, daß dieses Glaubensbekenntnis ein Faktum wäre, das sich einheitlich charakterisieren ließe. So viele Parteien, so viele Ueberzeugungen. Wer darf mit Recht von sich be­haupten, daß er das ganze Volk hinter sich habe? Deshalb ist es berechtigt, am Tage der Revolution die Frage aufzu- werfen: haben die damaligen Träger dieser revolutionären Bewegung diesen Zwiespalt des deutschen Volkes in ihre Rechnung eingesetzt, und also eine Parteiregieruna im Auge gehabt, über ist Das deutsche Volk durch solche Führung in diesen Zwiespalt hineingeraten?

Lage nur wenig verändert"

Der Reichskanzler über das Wahlergebnis.

Berlin, 9. November.

In einem Interview gab der Reichskanzler seiner unver­minderten Zuversicht hinsichtlich der durch den Wahlausfall geschaffenen Lage Ausdruck, in dem er erklärte:Abgesehen von gewissen parteipolitischen Kräfteverschiebungen, die Wehr oder weniger den Erwartungen entsprechen, ist die Lage nur wenig verändert.

Ich betrachte die Verschiebungen nicht als ausreichenden Grund den Kurs zu ändern, den die Regierung unbeirrbar gesteuert hat, seit ich das Amt übernahm. Das Kabinett wird, gestützt auf das Vertrauen des Reichspräsidenten, vor allem am Grundsatz der Ueberparteilichkeit festhalten und sich weiter vorwiegend der Aufrechterhaltung der Ordnung, der Wiederherstellung des wirtschaftlichen Wohlstandes und der Achtung vor dem Gesetz widmen.

Auf dem Gebiet der Außenpolitik wird es seine Aufgabe in der Verwirklichung der wohlbegründeten Ansprüche Deutschlands auf fair play, sowie in der Förderung des Friedens und der Abrüstung sehen. Ich kann nur die Hoff­nung ausdrücken, daß sich im neuen Reichstag eine genü­gende Anzahl von Männern finden möge, die von dem glei­chen Wunsche beseelt und bereit sind, an diesen Aufgaben wirksam und einmütig mitzuarbeiten."

Das wichtigste Ergebnis der Wahl besteht darin, daß die Mehrheit von Nationalsozialisten und Zentrum unmöglich ist ohne Hilfe der Deutschnationalen Volkspartei. Ziffern­mäßig ist natürlich eine Mehrheit von Kommunisten und Nationalsozialisten vorhanden. Aber eine Koalition zwischen diesen beiden extremen Gruppen erscheint doch undenkbar. Es kann vielleicht gelegentlich bei bestimmten Fragen zu einem Bündnis zwischen den beiden Fraktionen kommen, das jedoch stets nur negativer, nie positiver Natur sein würde.

vielleicht aber dürfte es noch möglich sein, eine Grund­lage zu finden, auf der diejenigen Parteien, die für Gesetz, Ordnung und christliche Weltanschauung eintreten, sich zu ge­meinsamer Arbeit vereinen können. Diese Hoffnung stütz! sich auf die Tatsache, daß die bürgerlichen Mittelparteien bei der Wahl gut abgeschnitten haben. Ich kann in dieser Be­ziehung nur wiederholen, was ich in meiner letzten Rund­funkrede sagte, nämlich, daß die Regierung gern bereit ist, ihre Hand jedem einzelnen und jeder Parteigruppe zu rei­chen, die guten Willens ist loyal mit uns an der Lösung der nationalen Fragen mitzuarbeiten."

AndeKöMS litten

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, daß der Reichspräsident sich zwar im ganzen von dem Wahlergebnis befriedigt ausgesprochen haben dürfte, doch dürste auch von dieser höchsten maßgebenden Stelle aus nachdrückliche Bemü­hungen zu einer Zusammenfassung aller positiven Kräfte hin- wirkt werden.

Erklärung der MIto Bolkspartei

Der Parteiführer der Deutschen Volkspartei Dingelden erläßt eine Erklärung, in der er den Wühlern der Deut­schen Volkspartei seinen Dank ausspricht für die hingebende Arbeit und standhafte Treue, mit denen sie in dieser schweren

d^it geämpft_ hätten Sie konnten mit ihm Das Bewugt- !ein haben, daß die Kraft des nationalen Aji eralisnnis lebem oig ist. Das lege die Verpflichtung auf, fere-i Augenblick zu ruhen, sondern die Bresche zu erweitern die jetzt für Einsicht und Besonnenheit geschlagen worden sei. Der Kampf um die feste Staatsführung dauere an.

Serifitistes Wchirrgednis

> Die NSDAP. erhält noch ein Mandat.

Berlin, 9. November.

Der Kreiswahlleiter des Wahlkreises 26 (Franken) hat Dem Reichswahlleiter ein berichtigtes Ergebnis gemeldet, das um 51 981 gültige Stimmen höher ist als das zuerst aemel- dete. Der Anteil der NSDAP. an dieser Stimmenzahl be­trägt 18 882 0 7

Die Berichtigung wirkt sich dahin aus, daß der NSDAP. e,n weiteres Mandat auf ihrer Reichsliste zufüllk. Die Ge­samtzahl ihrer Abgeordneten beträgt nunmehr 196; der Reichstag umfaßt damit insgesamt 583 Abgeordnete.

Eine Uebersicht über die vorläufigen Wahlziffern er= gibt, daß 618 000 Stimmen nicht zum Zuge gekommen lind.

20 Abgeordnete der Bayrischen Bolkspartei

Nachdem nunmehr die auf die Wirtschaftspartei auch im Reiche entfallenen und in den außerbayerischen Wahlkreisen unverbrauchten Reststimmen dieser Partei genau zu über­sehen sind, die der Reichsliste der Bayerischen Volkspartei in ihrer Gesamtheit zugute kommen, ergibt sich, daß die Vaye- kische Volkspartei mit 2 0 Abgeordneten im Reichs- 1 tag vertreten fein wird. Das^xstM.üUt derNeichsüsie noch erreichte Mandat fällt jedoch auf Professor Bredt-Marburg von der Wirtschaftspartei, der auf der Reichsliste der BVP. an fünfter Stelle steht. Die Wirtschaftspartei wird demnach nur mit einem Abgeordneten im Reichstag vertreten sein.

36 Frauen im Reichstag

Die Frauen sind im neuen Reichstag ungefähr ebenso stark vertreten, wie im letzten. Die sozialdemokratische Frak­tion zählt statt bisher 14 jetzt 13 weibliche Mitglieder, wäh­rend die Kommunisten die Zahl ihrer Frauen von 12 auf 13 erhöht haben. Beim Zentrum sind von bisher 6 Frauen 5 wiedergewählt worden. Bei den Deutschnationalen wer­den wahrscheinlich wieder 3 Frauen sein, Bayerische Volks- partei und Deutsche Volkspartei stellen je eine. Alle übrigen Parteien haben keine Frauen in ihren Reihen. Die Zahl der Frauen im neuen Reichstag dürfte danach 36 betragen, während im alten Reichstag 37 gemühlt waren.

A«ch dem Berlehrrltreit

Insgesamt 2500 Streikende entlassen.

Berlin, 9. November.

Nachdem der Berliner Verkehrsstreik gescheitert ist, kam am Dienstag der Betrieb der Straßenbahn, Unter­grundbahn und der Omnibusse wieder in starkem Umfange in Gang. Die Direktion der BVG. hatte in ihrem Aufruf das Fahr- und Werkstättenpersonal aufgefordert, die Arbeit am Freitag bis 2 Uhr nachmittags wiederaufzunehmen, wi­drigenfalls sich die betreffenden Angestellten als entlassen zu betrachten haben. Praktisch kamen dadurch rund 12 000 Personen in Frage. Die BVG. hatte aber nur 1000 Mann entlassen.

Jetzt hat die BBG. weiteren 1000 Fahrern und Schaff­nern sowie 500 Arbeitern aus den Werkstätten ihre Enk- lassungspapiere zugestellt, so daß insgesamt 2500 Mann zur Entlassung kommen.

S>srresier»as Verbietet SA Auflösung aller entsprechenden Organisationen der NSDAP.

Saarbrücken, 9. November.

Die Regierungskommission des Saargebietes hat be­

schlössen, sämtliche militärähnlichen Organisationen der NSDAP., insbesondere die Sturmabteilung (SA.), die Schutzstaffeln (SS.) und sonstige Einrichtungen einschließ­lich der SA.-Beobachter, SA.-Reserven, Motorstürme des nationalsozialistischen krafifahrkorps, der nationalsozialisti­schen Sanitätskorps, der Führerfchulen, der SA.-Kasernen und der Zeugmeisterei mit sofortiger Wirkung aufzulösen.

-ung (SA.), die

Zur Begründung wird von der Regierungskommission mitgeteilt:In der Nacht zum 2. November wurde in der Stadt Saarbrücken ein Flugblatt verbreitet, das einen Wahlaufruf für die Nationalsozialisten enthielt, zugleich auch die Bevölkerung gegen die Polizeiorgane aufzuwiegeln suchte. Das Flugblatt entsprach auch nicht den Vorschriften des Pressegesetzes. Um den Verfasser zu ermitteln, fand am 3. November in Ausführung eines Beschlusses der Regie­rungskommission des Saargebietes in den Geschäftsräumen der NSDAP. eine Durchsuchung statt. Bei der Durchsuchung wurden unwiderlegliche Beweise dafür gefunden, daß ge­wisse Organisationen der NSDAP. im Saargebiet eine Tätigkeit entfalten, die in flagrantem Widerspruch zuden Bestimmungen der Verordnung vom 12. 9. 1928 stehen."