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tzersftl-er Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Hersfelö

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Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in HerSfelb. Mitglied des VDZV.

Nr. 276

Donnerstag, den 24. November 1932

82. Jahrgang

I Wirkten für Wchim

Die Bestimmungen der Reichsregierung über Reichs- Baudarlehen für Eigenheime sind am 11. November in Kraft gesetzt worden. Diese Bestimmungen besagen, daß in den bei- l den Rechnungsjahren 1933 und 1934 insgesamt bis zu 20 Millionen Reichsmark zur Förderung des Eigenheimbaues durch die Reichsregierung bereitgestellt werden. Als Eigen­heime gelten Einfamilienhäuser in der Form von Einzel- , Häusern, Doppelhäusern oder Reihenhäusern. Der Einbau : einer zweiten Wohnung ist zulässig. Die Häuser müssen den . Anforderungen entsprechen, die an gesunde, zweckmäßig eingeteilte und solide gebaute Dauerwohnungen zu stellen ' sind, so daß sie von privaten und öffentlichen Geldinstituten beliehen sowie von Feuerversicherungsanstalten ohne Erhö­hung der üblichen Prämie versichert werden können. Jedes Haus muß mindestens einen Wohn- und Kochraum, ge­trennt oder als Wohnküche, einen Schlafraum, einen weite­ren Wohn- oder Schlafraum, sowie Keller, Waschküche und Nebenräume enthalten.

Die H e r st e l l u n g s k o st e n des Eigenheims ein­schließlich aller Nebenkosten, jedoch ausschließlich der Kosten des Grunderwerbs und der Geländeerschließung, sollen in der Regel 8000 RM nicht übersteigen. In besonders gela­gerten Fällen dürfen diese Kosten bis zu 10 000 RM betra­gen. Ist eine zweite Wohnung eingebaut, so beträgt die Kostenhöchstgrenze 12 000 RM.

Eigenheime, deren Bau vor Erteilung des Darlehnsbe- scheides begonnen worden ist, dürfen nicht'berücksichtigt wer­den.

In erster Linie sind Bewerber zu berücksichtigen, die über besonders viel Fremd- und Eigenkapital für den Bau verfügen. Dabei sind Schwerkriegsbeschädigte und Kinder­reiche sowie solche Bewerber zu bevorzugen, die Gewähr da­für bieten, daß sie den Lebensunterhalt ihrer Familien durch den Ertrag des Grundstücks im Wege der Selbstversorgung erleichtern werden In jedem Falle muß der Bewerber Eigenkapital in Höhe von mindestens 30 Prozent der Bau- und Nebenkosten zuzüglich des Wertes von Grund und Bo­den nachweisen können.

Das Reichs-Baudaclebew.iL is- ^chrL»> zu Holten, wie die Lage des Einzelfalfes es irgend zuläßt. Es soll in der Regel 1600 RM nicht übersteigen. In besonderen Fällen darf es bis auf 2000 RM erhöht werden. Ist eine zweite Woh­nung eingebaut, so darf das Reichs-Baudarlehen um einen Betrag bis zu 1000 RM erhöht werden. Für Eigenheime, die für Familien mit 4 und mehr im elterlichen Haushalt leben­den Kindern bestimmt sind, darf ein zusätzliches Reichs-Bau- darlehen bis zu 500 RM gewährt werden, falls neben den obengenannten Räumen ein dritter Schlafraum eingebaut wird.

Das Reichs-Baudarlehen ausschließlich eines etwa ge­währten Zusatzdarlehens für Kinderreiche darf in keinem Falle Mehr als" 25 Prozent der Bau- und Nebenkosten zu­sätzlich des Wertes von Grund und Boden betragen.

Das Reichs-Baudarlehen ist von der Auszahlung ab zu verzinsen und vom 1. Januar des auf die Auszahlung fol- zenden Kalenderjahres ab mit 1 Prozent jährlich zuzüglich der ersparten Zinsen zu tilgen. Die Höhe des Zinsfußes be- rrägt 4 Prozent, falls das Reichs-Baudarlehen einschließlich der im Range vorgehenden oder im Range gleichstehenden Rechte mit höchstens 40 Prozent der Bau- und Nebenkosten zuzüglich des Wertes von Grund und Boden ausläuft. Ueber» steigt das Reichs-Baudarlehen diese Wertgrenze, so beträgt der Zinsfuß für den ganzen Kapitalbetrag 5 Prozent. Ne­ben Zins und Tilgung ist eine, laufende jährliche Verwal- iungsgebühr von ^ Prozent des ursprünglichen Kapitals zu entrichten. Bei der Auszahlung des Darlehens darf eine ein­malige Bearbeitungsgebühr von höchstens % Prozent in Ab­zug gebracht werden

Es handelt sich bei den Reichs-Baudarlehen also um eine vom Reich gegebene lB-Hypothek oder 2. Hypothek, an deren Fehlen bisher der Bau der meisten geplanten Eigen­heime gescheitert ist. Der Antrag auf Bewilligung eines Reichs-Vaudarlehens ist von dem Bauherrn vor Baubeginn zu stellen, wo, bestimmen die obersten Landesbehörden. Sind alle Voraussetzungen gegeben, so soll ein Bewilligungsbe- scheid erteilt werden. Die Auszahlung des Darlehens ist von der Einhaltung des Bauplans, von der rechtzeitigen Fer­tigstellung des Baues sowie davon abhängig gemacht wor­den, daß der Bau nicht in Schwarzarbeit ausgeführt wird.

In seinem Begleitschreiben, mit dem der Reichsarbeits- minifter die Bestimmungen über Reichsbaudarlehen für Eigenheime an die Regierungen der Länder weitergibt, weist er darauf hin, daß bei der Planung und Durchführung der Bauvorhaben die freien Architekten tunlichst eingeschaltet werden und der Berücksichtigung des kleinen und mittleren Gewerbes besondere Beachtung geschenkt wird. Auf die Ausschaltung der Schwarzarbeit legt er größ­tes Gewicht. Auf jeden Fall sollen die Länder bemüht sein, daß die erforderlichen Arbeitskräfte bei den Arbeitsämtern ab­gerufen werden. Es ist aber wichtig festzustellen, daß Selbst- bilfeleistungen auf das Eigenkapital angerechnet werden dür­fen. Aus dieser Mitteilung ist zu schließen, daß Selbsthilfe­leistungen nicht unter die an anderer Stelle ausdrücklich verbotene Schwarzarbeit fallen werden.

6m allgemeinen werden für die Reichs-Baudarlehen ; Einzelsiedler in Frage kommen, besonders solche, die bereits ein geeignetes Grundstück besitzen. Gegen die Zulassung meh- i rerer Bauvorhaben bei einem Träger bestehen jedoch keine Bedenken, wenn nicht auf Vorrat gebaut wird, sondern für die einzelnen Objekte feste Abnehmer vorhanden sind.

Erneuter Empfang Hitlers?

Die nationalsozialistischen Vorschläge

Berlin, 24. November.

Die Antwort Adolf Hitlers ist, wie in politischer Kreisen verlautet,nicht an den Reichspräsidenten, son­dern wieder an Staatssekretär Meißner gerichtet.

Der Vorschlag Hitlers läuft, wie man aus eine« Reihe von Umständen sicher schließen kann, auf ein Prä- sidialkabinett unter Hitlers Führung hinaus. Die For­mulierung ist aber offenbar so, daß der Vorschlag nicht als Hitlers letztes Wort aufgefaßt werden kann.

Goering hat nämlich darum gebeten, Hitlers Vor­schlag als solchen vorläufig geheimzuhalten, damit bi< weiteren Verhandlungen nicht gestört werden. In Krei­sen der Reichsregierung werden deshalb auch keinerlei Auskünfte hierüber gegeben, bevor der Reichspräsident über den Vorschlag entschieden hat.

Die Verhandlungen sollen mündlich in der Form fortgesetzt werden, daß entweder der Reichspräsident Hit­ler erneut empfängt oder Staatssekretär Meißner die Ver­bindung aufrechterhält.

Der Reichspräsident hat, trotzdem nach Auf­fassung politischer Kreise das nationalsozialistische Kom­munique eine ungewöhnliche Kritik am Reichsoberhaupt enthalte in der Behauptung, daß die Vorbehalte des Reichspräsidenteninnerlich undurchführbar" seien, das ernste Bestreben, auch die weiteren Verhandlungen in aller Ruhe und Sorgfalt zu führen, um, wenn irgen' ' möglich, eine positive Lösung zu erzielen.

Ado s Hitler hat in seiner Antwort eine Art Ver­fahren für die weiteren Verhandlungen um die Kabinetts- neubirdung vorgeschlagen, ohne übrigens bereits eine Minifterlifie auszustel en. Hitler erklärt weiter, daß, wenn ihm der Auftrag erteilt werde wurde, er in einer genauer bezeichneten Frist in der Lage sei, die Krise zu lösen.

Di: Entscheidung des Reichspräsidenten wird nun wahrscheinlich im Läuse des heutigen Donnerstags jollen.

In politischen Kreisen diskutiert man lebhaft die Mög­lichkeiten, die sich aus der Antwort Hitlers für die weitere Entwicklung ergeben. Der Reichspräsident prüft die Ant­wort Hitlers mit aller Ruhe und Sorgfalt, um sich über feine weiteren Schritte schlüssig zu werden.

Inzwischen ist der Herzog von Koburg eifrig bemüht, seiner Vermittlungsaktion zum Erfolg zu verhelfen. Er hat zunächst mit Hitler gesprochen, der sich einverstanden erklärte, mit Hugenberg zu verhandeln. Auch die Führung des Stahl­helm soll in die von dem Herzog von koburg angestrebte Kombination einbezogen werden. Es handelt sich also um den Versuch, die Harzburger Front wieder herzustellen. Ob ein Präfibialfabinett auf dieser Basis möglich ist, darüber trifft die letzte Entscheidung der Reichspräsident.

Dabei muß aber daraus hingewiesen werden, daß der Reichspräsident mit all diesen Gesprächen, Besprechungen und Verhandlungen nicht das geringste zu tun hat.

ImKaiserhof" herrscht nach wie vor reges Leben. Gegen abend erschien der ehemalige Reichsbankpräsident Dr. Schacht zu einer Besprechung mit Hitler. Kurze Zeit später kamen Staatsminister a. D. Dr. F rick, der Stabs­chef der SA. Hauptmann R ö h m , der Wirtschaftspolitiker der NSDAP. Straffer und General von E p p. In politischen Kreisen wird davon gesprochen, daß es erneut zu einer Fühlungnahme zwischen Staatssekretär Dr. Meißner und Hitler gekommen wäre. Tatsächlich hat sich aber Staats­sekretär Dr. Meißner in keiner Weise in irgendwelche Be­sprechungen eingeschaltet, so daß auch die an das Gerücht geknüpfte Folgerung, daß hieraus ein Meinungsumschwung zu ersehen sei, den Tatsachen nicht entspricht. Im übrigen ist Hitler zur Erledigung seiner Aufgabe eine Frist b i s heute abend gegeben worden.

Die Fraktionen in schwieriger Lage

Die Reichstagsfraktionen bezw. die Fraktionsleitungen und insofern in einer schwierigen Lage. als es ihnen un»

uwglich erscheint, zu Fraktionssitzungen einzuladen, ehe die b'egUrungsoerhanblungen zu irgendeinem Abschluß geführt haben.

Die Nachricht, daß die Zentrumssraktion des Reichstags bereits für Donnerstag, ben 24 November, ein» berufen sei, wird in Zentrumskreisen als falsch bezeichnet mit dem Bemerken, daß zur Stunde ein Termin noch nicht bekanntgegeben werden könne. Dagegen ist die deutsch- u a t i o n a l e R e i ch s t a g s f r a k t i o n für Montag, den R November, zu ihrer konstituierenden Sitzung eingeladen warben. Die Reichstagsmitglieder der Deutschen V o l k s p a r t e i haben zwar bereits einmal dieser Tage eine Besprechung abgehalten, doch ist es auch dabei zu keiner abschließenden Stellungnahme gekommen. Während die S o z i a l b e m o f r a t e n und die Bayerische Volks- partei ihre Reichstagsfraktionen schon zusammenberufen hatten, wird auch bei den Rationaljozialist en dar- auf aufmerksam gemacht, daß die neue Reichstagsfraktion der NSDAP. erst zusammentreten und sich Adolf Hitler vorstellen werde, wenn die Frage der Regierungsbildung spruchreif geworden sei,

Papens Wunsch

In einem Telegramm an den Langnamverein erklärt Reichskanzler von Papen u. a.:Uns alle eint heute mehr denn je die Hoffnung, daß der Zusammenschluß aller derer, die das Vaterland über die Partei stellen, der Nation die Kraft geben möge, Deutschland zu neuem Aufstieg, zu inne­rer und äußerer Freiheit zu führen. Für dieses Ziel habe ich heißen Herzens die letzten sechs Monate gesümpft, tote und ich leben daher nur einem Gedanken: Für Deutsch­land!"

Hossrr gegen ^chuldeustundmrg

Aber Verhandlungen über die künftige Zahlungsfähigkeit.

Washington, 24. November.

Nach der Abfahrt Roosevelts legte Präsident H o o ' e r seine Ansichten zur Schuldenfrage in einem län­geren Expose dar. hoover spricht sich gegen die Strei­chung und auch gegen den Aufschub der am 15. Dezember fälligen Kriegsschuldenrate aus, schlägt jedoch vor, die amerikanischen Delegierten auf der Abrüstungs- und Welt­wirtschaftskonferenz zu bevollmächtigen, diese Verhand­lungen über die künftige Zahlungsfähigkeit zu führen.

In diesem Zusammenhang wird auf eine Vermin­derung der Rüstungsausgaben verwiesen als eines der möglichen Mittel oder, als ein anderes, die Anbahnung eines lebhafteren Warenverkehrs sowie sonstige Metho­den, die jedoch die Lasten des amerikanischen Steuerzah­lers richt erhöhen dürfen.

iHoofeuelt abgerellt

Washington, 24. November. Roosevelt hatte am Mittwoch eine Aussprache über die Schuldenfrage mit Finanzminister Mills, den er im Auftrage Hoovers auf­gesucht hatte. Nach beendeter Unterredung verließ Roose­velt Washington.

Wie verlautet, hat er Mills erklärt, daß er angesichts der überwältigenden Ablehnung in den Reihen der demo­kratischen Parlamentarier als Privatmann jetzt nicht in die Regierungsgeschäfte eingreifen könne und es daher Hoover überlassen müsse, mit dem Kongreß über den nächsten Schritt zu verhandeln.

Daraus folgert man, daß der Kongreß auf die Be­zahlung der Dezember-Raten bestehen werde, Hoover je­doch versuchen dürfte, nach Eingang dieser Noten eine Neuprüfung der Schuld/n rüge zu oeramuif.n.

K öfter im Vlysee

5)?r neue deutsche Gesa> dte in Paris, Dr. Roland Küster, nach der Ueb rreichung seines Beglaubigungsschreibens

beim französischen Staats­präsidenten Lebrun