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Hersfel-er Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger Dr öen Kreis Hersfelö

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Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdrucker«! in Hersfetb, Mitglied des BDJB.

Nr. 305

Donnerstag, den 29. Dezember 1932

82. Jahrgang

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Von Univ.-Prof. Dr. M o l d e n h a u e r, Reichsminister a. D.

Drei schwere Krisenjahre liegen hinter uns. Die Ziffer der Arbeitslosen, die 1929 im Jahresdurchschnitt un­ter zwei Millionen blieb, stieg Anfang 1932 auf 6 Millionen und beträgt auch heute noch über 5% Millionen. Das Volkseinkommen sank von 75 Milliarden auf unter 50 Milliarden, also um mehr als ein Drittel. Der Etat der öffentlichen Hand erfuhr eine Verschlechterung um 9 Milliarden RM. Hinter diesen wenigen aber mar­kanten Ziffern verbergen sich unendlich viel Not und Elend und zusammengebrochene Hoffnung. So ragt sich an der Jahreswende das deutsche Volk, ob der Leidenszug noch tie­fer ins Elend führen wird oder ob eine Hoffnung auf Bes­serung der wirtschaftlichen Not vorhanden ist. Seit wenigen Monaten beginnen die Verhältnisse in Deutschland besser auszusehen. Ueberall regen sich wenn auch vorerst nur be­scheidene Ansätze. Die saisonbedingte Zunahme der Arbeits­losigkeit vollzieht sich langsamer als in den vergangenen Jahren. Wird die Besserung anhalten?

Man wird auf diese Frage nur dann eine einigermaßen befriedigende Antwort finden, wenn man sich der U r s a - ch e n der K r i s e und der Hemmungen, die ihrer Ueberwin­dung noch heute entgegenstehen, bewußt bleibt. Die Ur­sachen waren teils weltwirtschaftlich bedingt, teils stamm­ten sie aus der Reparationsfrage; sie waren aber auch durch die eigene Politik Deutschlands geschaffen. Als im Okto­ber 1929 der große Umschwung in Amerika ein- setzte, mußte er sich auch auf Deutschland auswirken. Das Herabsinken der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt erschüt­terte die Kaufkraft Amerikas und der anderen großen Roh­stoffländer. Der Außenhandel ging zurück. Seit der Mitte des Jahres 1932 ist die Abwärtsbewegung zum Stillstand gekommen. Wenn auch die erste stürmische Erhöhung der Preise und Kurse nicht standhielt, so ist doch der Eindruck vorherrschend, daß die Verhältnisse auf dem Weltmarkt sich, wenn auch langsam, zu bessern beginnen. Die zweite Ur­sache der Not war die internationale Kreditoer- f l e ch t u n g , jenes kunstvolle Gebäude kurzfristiger Kredite, das man nicht zum mindesten deshalb ausgerichtet hatte, weil die von Deutschland zu zahlenden Stepgrationen nicht aus i-ün.n i thü ^Uil., :: -.X. J., _

werden konnten. Diese internationale Verichul- I dung war nicht von einem entsprechenden Aufschwung des Außenhandels begleitet. Im Gegenteil: Einfuhrverbote, Zollmauern, Kontingente suchten immer mehr den Welt­verkehr einzuschränken Das Gebäude mußte bei der ersten Panik zusammenbrechen und zeigen, daß man die Leistungs­fähigkeit der deutschen Wirtschaft ebenso überspannt hatte wie die der öffentlichen Hand. Eine Besserung konnte nur eintreten, wenn man zunächst an das Grundübel dieser gan­zen Entwicklung, an die Reparationsfrage. Heranging. Da- wes-Plau und Asung-Plan waren Etappen auf dem Wege zur Lösung, ohne die die Endlösung nicht zu erreichen war. Lausanne hat sie gebracht Mögen die Vereinbarungen auch noch nicht ratifiziert sein, die Reparationsfrage i st s ü r Deutschland erledigt. Aber noch nicht er­ledigt ist die Frage der internationalen Verschul­dung. Durch Devisenzwangswirtschaft und Stillhalteab­kommen sind die Gefahren, die der deutschen Währung dro­hen abgewandt worden. Aber das Stillhalteabkommen ist kurzfristig und schafft nur einen provisorischen Schutz. Die Aufgabe der Zukunft liegt in der Umwandlung dieser kurz­fristigen Schulden in langfristige, niedrig verzinsliche An­leihen

Unsere Finanz- u n d S o z i a I p o l i t i k ist den Verhältnissen eines verarmten Volkes nicht angepaßt ge­wesen. In den Jahren der Scheinblüte der Wirtschaft hat man nicht die Reserven geschaffen, die notwendig sind, um Krisenjahre zu überstehen. Man hat allzu sehr den populä­ren Wünschen nachgegeben. So mußte uns die Krise beson­ders schwer treffen. Aber wir haben aus der Not gelernt. Sie zwang uns zur Sparsamkeit, zu Maßnahmen, die, weil sie plötzlich getroffen wurden, brutal erschienen. aber nicht zu umgehen waren. Wir sind uns endlich über unsere wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit klargeworden. Aber eine Ge­sundung der Finanzen, eine verständige Wirtschafts- und Sozialpolitik setzen voraus, daß^die Fehler der Weimarer Verfassung vermieden werden. Sie bestanden in einer Ver­wischung der Grenzen der Aufgaben von Regierung und Parlament Indem die Parlamente glaubten, selbst regieren zu müssen wurde die Regierung immer stärker abhängig von den Parteien und den Interessentengruppen. Seit zwei Jahren beginnt der Versuch, die Aufgaben wieder scharf voneinander zu scheiden die Exekutive allein der Regierung zu überlassen, während dem Parlament die Kontrolle und die Gesetzgebung obliegt. Nicht in der völligen Ausschal­tung des Parlaments, nicht in einer Diktatur liegt die zu­künftige politische Entwicklung, sondern in einem verstän­digen Zusammenarbeiten von Regierung und Parlament.

Schwer ist es, eine Prognose auf das Jahr 19 3 3 zu stellen. Noch sehen wir Gefahren, noch sehen wir Hemmungen einer Aufwärtsentwicklung. Aber die Zeit derHoffnungslosigkeiti st überwunden. Die psychologischen Voraussetzungen für den Aufstieg sind ge­schaffen. Es liegt am deutschen Volk ob es durch gegensei­tigen erbitterten Kampf alle Ansätze zur Besserung wieder zunichte machen will oder ob es, sich hinter den Reichspra- . sideuten stellend und seiner Führung sich anvertrauend, ! mutig^iein Schicksal in die Hand nimmt und die Jahres­wende zur Krisenwende umgestaltet.

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Butterdeimischun-szwang bei der Margarmeherstellong Erweiterung des Maismonopols

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Verordnung über Butlerbeimischungszwang. Ausdehnung des Maismonopols.

Berlin, 29. Dezember.

Zur Förderung der Verwendung inländischer tierischer Felle ist die Reichsregierung durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten ermächtigt worden, einen Verwendungs- zwang für Butter bei der Herstellung von Margarine in Ergänzung des schon seit 1. 12. 1930 bestehenden Verwen- dungszwanges für Talg und Schmalz anzuordnen. Die Reichsregierung wird ferner ermächtigt, Vorschriften über den Umfang der Herstellung von Margarine, Kunstspeisefett, Speiseöl, Pflanzenfetten und gehärtetem Tran zu erlassen sowie einen Verwendungszwang von inländischen Oelsaaken in den Oelmühlen anzuordnen.

Schließlich enthält die Verordnung noch Bestimmungen, Die die Reklame für Margarine und Kunstspeisefett betreffen und Mißbrauchen auf diesem Gebiete entgegenwirken sollen. Diese Maßnahmen sollen den bäuerlichen Wirtschaften hel­fen, die auf das schwerste unter der allgemeinen Wirtschafts­krise und Dem Tiefstand der Preise für die Produkte der Vieh- und Milchwirtschaft leiden. Der Erlös aus diesen Betriebszweigen lag bereits, im vergangenen Wirtschafts­jahr mit nur noch 4 3 Milliarden RM um 2,1 Milliarden RM unter dem Erlös im Wirtschaftsjahr 1928-29. Das Schicksal der bäuerlichen AerOelungswirtschäst ist besonders bedeutungsvoll auch deshalb, weil von ihr das Gedeihen Des ae'amtwirtfchaftlich unentbehrlichen Sirdlungswerkes

Die jetzt vorgesehene Regelung der Fettwirtschaft stellt eine Ergänzung-der Kontingentierung der Einfuhr von Butter und Schma^dar. Sie soll den Anteil der auslän­dischen Rohstoffe bei der Margarineherstellung zugunsten der einheimischen tierisches: Fette einschl. Butter zurückdrän- WWWWiMMste EländischM^ zwar vor allem pflanzliche Oele und Tran. Ursprünglich war

Altloe Sandelspolitil

Deutsch-ftanzösisches Zollabkommen

Berlin, 29. Dezember.

Das am 21. November in Berlin paraphierte Zu­satzabkommen zum deutsch-französischen Handelsabkommen vom 17. August 1927 sowie der vom gleichen Tage para- phierte Notenwechsel zu der deutsch-französischen Ver­einbarung über den Warenaustausch zwischen dem Saar- gebiet und dem deutschen Zollgebiet vom 23. Februar 1928 sind nach erfolgtet Genehmigung durch die deutsche und die französische Regierung im Auswärtigen Amt unterzeichnet worden.

Der Wortlaut des Zusatzabkommens und des Noten­wechsels wird in der am heutigen 29. Dezember erscheinen­den Nummer desDeutschen Reichsanzeigers" undPreußi­schen Staatsanzeigers" veröffentlicht.

In Paris ist das Abkommen mit Befriedigung ausge­nommen worden. Man erwartet nach dem Verlauf der letzten Besprechungen eine merkliche Besserung der deutsch­französischen Handelsbeziehungen. Wie imEcho de Pa- i ris" mitgeteilt wird, enthält der neue Vertrag folgende Punkte: 1. Die Lösung der französischen Zollbindungen gegenüber Deutschland. 2. Die Neuregelung der deutschen Devisenreglementierung gegenüber Frankreich. 3. Verbes­serung des Fremdenverkehrs.

Die Verhandlungen mit England

Ueber das Ergebnis der kürzlich in Berlin geführten deutsch-englischen Wirtschaftsverhandlungen wird von zu­ständiger Stelle erklärt, daß zwischen beiden Delegationen vereinbart worden ist. keine Mitteilungen über Einzelheiten herauszugeben, solange die Verhandlungen schweben.

Bei den Verhandlungen sind die Möglichkeiten für ge­genseitige Zugeständnisse geklärt worden. und zwar sowohl hinsichtlich der deutschen Wünsche nach Herabsetzung engli­scher Zölle, die für die deutsche Einfuhr abträglich sind, rote hinsichtlich der englischen Wünsche nach vermehrter Zulas­sung von englischer Kohle zur Einsuhr nach Deutschland. Die Verhandlungen werden Anfang Januar fortgesetzt.

MWegnWgNWZMommLN mit Kanada

Da Verhandlungen mit der kanadischen Regierung im Hinblick auf die Ottawa-Konferenz in der Zwischenzeit noch nicht ausgenommen werden konnten, haben sich beide Re­gierungen entschlossen, vom 1. Januar 1933 ab sich gegen­seitig autonom eine de facto Meistbegünstigung zu gewähren.

Der stellvertretende kanadische Premierminister Sir George P e r l e y wies darauf hin. daß das deutsch-kana­dische Abkommen die Herstellung der Meistbegünstigung Zwi­lchen den beiden Nationen gebracht habe. Man hoffe, Ver- dandlungen über den Abschluß eines endgültigen Vertrages noch vor dem Ablauf der Sattheit des jetzigen zu einem guten Ende zu bringen.

Rindertalg der Grundstoff der Margarine. Noch im Jahre 1913 betrug der Anteil der tierischen Fette (Talg, Schmalz) etwas mehr als die Hälfte.

Der Vuttermarkt soll durch Verarbeitung gewisser Mengen bei der Margarineherstellung entlastet werden. Jm Verhältnis zur Gesamkmargarineerzeugung sind die für die Beimischung in Frage kommenden Bultermengen gering, so daß die Butterbeimischung keinen Einfluß auf den Mar­garinepreis, soweit es sich um Margarine für den verbrauch der breiten Massen handelt, haben wird.

Bei der Reichsregierung besteht der Wunsch, die mit I der Verordnung angestrebten Ziele im Wege freiwilliger : Vereinbarungen mit der Margarine- und Oelmühlen-Jndu- strie zu erreichen, so daß die Ermächtigung zur gesetzlichen Regelung gar nicht Anwendung zu finden braucht.

Durch die gleiche Verordnung des Reichspräsidenten wird das Maismonopol auf andere Getreidearten als die in Nr. 17 des Zolltarifs besonders genannten sowie auf Reis, Reisabfälle, Rückstände von der Stärkeerzeugung aus Reis usw. ausgedehnt.

Der Zweck des Maismonopols war es, eine übermäßige Einfuhr ausländischer Futtermittel im Interesse der Ver­wertung deutscher Futtermittel fernzuhalten. Die Lösung dieser Aufgabe wurde durch eine steigende Einfuhr von Reis und Reisabfällen mehr und mehr gefährdet.

Im Hinblick auf die großen inländischen Ernten an Kartoffeln, Hafer, sonstigem Futtergetreide und Futtermit­teln, die die Futterversorgung der inländischen Viehhaltung zu angemessenen Preisen ermöglichen, und angesichts ihrer Bedeutung für den gesamten Getreidemarkt war deshalb i Zur Sicherung des Absatzes und der Verwertung dieser in« i limbischen Erzeugnisse auf dem Futtermittelmarkt die Ein­beziehung von Reis und Reisabfällen in das Maismonopol unerläßlich.

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Deutschnationales Ansbanprogramm

Für starke Nationalwirtschaft. Gegen den Sozialismus.

Berlin, 29. Dezember.

Die Deutschnationale Volkspartei veröffentlicht ein Auf­bauprogramm zur Behebung der deutschen Not. Es enthält Vorschläge und Forderungen zur Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Einzelheiten des Programms werden in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Grundsätzlich erklärt der Vorstand der Partei dazu zu­nächst unter anderem folgendes:

Die Aufgabe des Wirtschaftsaufbaues ist durch umfassen­des Handeln auf organischem Wege zu lösen, durch Gesun­dung der Wirtschaft aus sich selbst heraus zu einer starken Nationalwirtschaft. Neben dieser privatwirtschaftlichen Hauptaufgabe besteht bei dem augenblicklichen gefährlichen Schwächezustand der Wirtschaft die Notwendigkeit, zur schnel­leren Ingangsetzung des sonst sich nur langsam belebenden Arbeitsprozesses vorübergehend ein Sofortprogramm der Arbeitsbeschaffung einzuschieben; es soll nur produktive und rentable Arbeiten von öffentlichem, allgemeinem Interesse aufnehmen, so zum Beispiel auf dem Gebiete des Ver­kehrswesens.

Als tiefste Ursache des Wirtschaftselends wird dann das sozialistische System bezeichnet, gegen das der Kampf mit aller Schärfe unbeirrt weitergeführt wird. Der Freiheits- kampf der deutschnationalen Bewegung stelle die Aufgaben auf der inneren und äußeren Politik als gleichbedeutsam nebeneinander. Ein unabhängiges freies Reich bleibe Be­dingung für jeden dauernden Aufstieg. Voraussetzung für den freien Machtstaat sei Wehrhoheit.

Die erfolgreiche Durchführung aller gestellten Aufgaben sehe einen von Parteieinflüssen und unverantwortlichen Einwirkungen jeder Art freien Ordnungs-, Rechts- und Machtflaat und eine starke und unabhängige Staatsführung voraus.

Staat, Gesellschaft und Wirtschaft sollen", so heißt es weiter,auf christlicher, sozialer Grundlage ruhen. Für die deutschnationale Bewegung ist bei ihrer christlichen im besten Sinne konservativen Weltanschauung soziale Gesinnung eine Selbstverständlichkeit, wichtige Aufgabe der Stände bleibt schnellste und wirksame Hilfe für unsere darbenden und un­glücklichen arbeits- und stellungslosen Volksgenossen, beson­ders für unsere schwergeprüfte und gefährdete deutsche Ju­gend. der wir eine neue, bessere Heimat, eine lichtere deutsche Zukunft schaffen müssen und wollen."

Schmedifche Sägemühle niedergebrannt

Stockholm, 29. Dezember. Die Sävenäser--Sägemühle bei der Stadt Skelleftea im nördlichsten Schweden, eine der größten Sägemühlen des Landes, ist durch ein Groy- fester völlig vernichtet worden. Der Schaden wird aus etwa eine Million Kronen geschätzt.