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KreisWblatt

für die

Krem Yersfeld/ Hünfeld und Ziegenham.

J^ 48.

HerS^eld, Sonnabend, den 17. Juni.

I8SL.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei Der Expedition 8^ Sgr. pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller berechnet.

Berlin, 15. Juni.

Seine Majestät der Kaiser hat die Session des Deutschen Reichstages heute Nachmittag 3 Uhr im Weißen Saale des Schlosses mit folgender Thronrede geschlossen:

Geehrte Herren!

Als Ich Sie vor drei Monaten an dieser Stelle begrüßte, bezeichnete Ich es als den ehrenvollen Beruf des ersten Deutschen Reichstages die Wunden, welche der Krieg geschlagen hat, nach Möglichkeit zu heilen und den Dank des Vaterlandes Denen zu bethätigen, welche den Sieg mit ihrem Blut? und ihrem Heben he- zahlt haben. Sie haben diesen Beruf nach dem'Herzen des deutschen Volkes erfüllt. Mit freigebiger Hand ha­ben Sie für die an ihrer Gesundheit geschädigten Krie­ger und für die Hinterbliebenen der Gefallenen gewährt, was die Dankbarkeit des Vaterlandes erstatten kann.

Sie haben die verbündeten Regierungen in den Stand gesetzt, die Nachtheile zu mildern, welche der Ruf zur Fahne für die Erwerbsverhältnisse vieler Be- rufenen herbeigeführt hat.

Zum Ersatz der Schäden, welche die Anwohner un­serer bisherigen Grenzen und die für Deutschland rück- erworbenen Gebiete erlitten haben, zur Ausgleichung der Verluste, welche die deutsche Schifffahrt durch den Krieg erfahren hat und zur Erleichterung der Lage, in welche deutsche Mitbürger durch ihre Ausweisung aus Frankreich versetzt worden sind, haben Sie bereitwillig Ihre Mitwirkung gewährt.

Im Vereine mit den verbündeten Regierungen ha­ben Sie es Mir ermöglicht, den Dank des Vaterlandes den Männern darzubriilgen, welche das deutsche Heer zu seinen Thaten erzogen, dasselbe von Sieg zu Sieg geführt und die glorreichen Errungenschaften des Krie­ges sicher gestellt haben. Ich erfülle ein Bedürfniß Meines Herzens, indem Ich Ihnen dafür in Meinem und in des deutschen Heeres Namen Meinen kaiser­lichen Dank ausspreche.

Durch die neue Redaction der Reichsverfassung haben die staatsrechtlichen Verhältnisse Deutschlands die den Vertrügen entsprechende Form gewonnen unb durch den Nachtragsetat für 1871 haben die financielleu Beziehungen der Bundesstaaten zum Reiche ihre Re­

gelung gefunden. Der größte Theil der Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes ist zur Gesetzgebung des Reiches geworden und die letztere hat Hu Beginn ihrer gemeinsamen Thätigkeit die Haftpflicht industrieller lln- teruehmungen in einer Weise geregelt, deren Wohltha­ten an erster Stelle den Invaliden der Arbeit zugute kommen werben.

Für die Einrichtungen, welche in Elsaß und Loth­ringen zu treffen sind, ist die gesetzliche Grundlage ge­wonnen. Die Verhandlungen, welche darüber in Ihrer Mitte stattfanden, werden den Bewohnern dieser Gebiete die Ueberzeugung gewähren, daß den deutschen Regie­rungen und dem deutschen Volke, wie auch über einzelne Fragen die Ansichten abweichen mögen, der eine Ge- banfe nrtb der eine WM'gcmetnsam ist, das rückerwor- bene Land unter Schonung bewährter Einrichtungen, durch eine milde Verwaltung und durch eine freiheitliche Entwickelung seiner Gesetzgebung zu einem auch inner- lm) verbundenen Gliede unseres großen Vaterlandes zu machen. - -

Während der ^auer Ihrer Versammlung ist der Frieden -mit Frankreich endgiltig abgeschlossen worden. Dieser Abschluß und die Wiederherstellung gesetzlicher Gewalten in Frankreich haben es zu Meiner Freude möglich gemacht, einen großen Theil des Heeres in das Vaterland zuruckkehren zu lassen. Der Schluß Ihrer Thätigkeit fällt zusammen mit dem Einzüge der siegrei­chen Truppen aller deutschen Heerestheile in Meine Hauptstadt. Sie werden, geehrte Herren, Zeugen des Einzuges sein und wenn Sie unter dem Eindrücke die­ser nationalen Feier in Ihre Heimath zurückkehren, werden Sie die freudige Gewißheit mit Sich nehmen, daß die patriotische Hingebung Der 'deutschen Volksver­tretung an der großartigen Entwickelung des Vaterlan­des und an dem Glänze der Siegesfeier ihren Lweb: tigten Antheil hat. Möge, wie Jch^ Gott hoffe, und wie Ich nach den neu begründeten Beziehungen des Deutschen Reiches zu allen auswärtigen Machten über­zeugt sein darf, der Friede», besten wir uns erfreuen, ein dauernder sein.