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blatt

Kreis

für die

Kreise Hersfeld/ Hünfeld und Ziegenham.

JV 82. HerSfeld, Sonnabend, den 14. October

1871.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 81 Sgr. pre Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die Garmond-Zeile oder deren Raum mit 9 Heller berechnet.

Amtlicher Theil.

LandratvsamL Hersselv.

Durch Erlaß des Herrn Handels - Ministers vom 28. September d. J. ist der Direction der Cöln-Min- dener- Eisenbahn -Gesellschaft die Erlaubniß zur Vor­nahme der speciellen Vorarbeiten für den Bau einer Bahn von Alsfeld nach Hersfeld ertheilt worden.

Indem ich dieses zur allgemeinen Kenntniß bringe, fordere ich die Herrn Ortsvorstände der betheiligten Gemeinden auf, den mit Vornahme der Arbeiten be­auftragten Beamten jede thunliche Unterstützung zu gewähren.

Hersfeld, am 11. Oktober 1871.

Der Königliche Lanvrath Auffarth.

Die Herrn Bürgermeister, Nebenbürgermeister und OrtsMwatter des Kreises erhalten den Auftrag, bis späteMs den 25. Oktober d. I. dahier zu erscheinen, um bezüglich der auf den 1. Dezember d. I. angeord» neten Volkszählung die nöthigen Jnstructionen zu erhalten. ~ ,

Hersfeld, am 5. October 1871.

Der Königliche Landrath Auffarth.

Um Entlastung aus dem Unterthanenverbande be­hufs Auswanderung nach Amerika haben nachaesucht:

1) Tagelöhner Georg Hermann Hotzfeld für sich und seine Frau und fernen Stiefsohn Georg Engel- Hardt, sowie

2) Tagelöhner Heinrich Holl für sich und seine Fa­milie, sämmtlich von Reilos.

Hersfeld, am 12. October 1871.

Der Königliche Landratb Auffarth.

»atertänbtfcher

Verein zur Rettung Schiffbrüchiger,

«ufruf!

Der Geist der alten Hansa schwebt segnend über unserem Seewesen. Tausende von stolzen Schiffen tragen unsere Flagge hinaus bis an chie fernsten Küsten des Weltmeeres. Zwanzig Tausend unserer Söhne, unserer Brüder, haben sich dem ewigen

Kampfe mit den Elementen geweiht, um für das Heimathland die Segnungen des Weltverkehrs zu erringen. Blühende Städte reiche Häuser, ein großer Theil unseres Wohlstandes und unse­res Wohllebens sind die Früchte ihrer Arbeit, ihrer Mühen. Mit Stolz können wir uns zu den großen seefahrenden Nationen rechnen. Alle Erzeugnisse der Colonien werden uns in reichem Maaße zugeführt. Nie fehlt es in unseren Werkstätten und Fabriken an Rohprodukten, welche von Millionen fleißigen Hän­den zu den feinsten, schönsten Waaren verarbeitet, auf allen Markten der Welt, von Amerika bis China, gesucht und gut bezahlt werden. Ja, unsere Seeleute sind es, welche die Er­zeugnisse unterer Industrie erst recht zur Geltung, zum Absatz bringen! Sie fuhren ein schweres, gefahrvolles Leben, welches oft m Schrecken und Graus ein plötzliches Ende findet. Wir haben eine fast 200 Meilen lange Küste, an der im Herbst und Winter die Brandung wüthet, gepeitscht vom fliegenden Sturm.

mancher unserer Brüder, der nach jahrelanger Fahrt voll Hoffnung, voll Sehnsucht der Heimath zueilt, muß hier kurz vor sichere» Hafen scheitern und zu Grunde gehen; Ja, unsere Küste ist eine gefährliche mit ihren Riffen und Sandbänken, und ivir habeu die heilige Pflicht, für die Rettung der armen Schiff­brüchigen zu sorgen. Nicht allein unsere eigenen Seeleute, son­dern die ganze Welt kann dies von uns erwarten, denn auch Tausende von fremden Schiffen laufen in unsere Häfen ein. England hat an seinen Küsten 500 Rettungsstationen in Händen von Pr»vat-Bereinen. Wir besitzen nur etwa den achten Theil davon.

Es ist dies ein Anfang, den wir vor Allem dem segens­reichen Wirken der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchi­ger, deren Vorort Bremen ist, verdanken. Viel, sehr viel bleibt aber noch übrig zu thun. Viele Meilen unwirthbaren Strandes sind noch unbesetzt. Wir fordern daher alle unsere Landsleute auf, sich mit uns zu vereinigen, um das Fehlende zu ergänzen. Wir beabsichtigen das Rettungswesen im weitesten Sinne des Wortes zu fördern. Es sollen Rettungsboote längs der ganzen Küste aufgestellt und die Strandbewohner zuBootsmannschastcn organisirt werden. Geld- und Ehren-Prämien für jedes gerettete Menschenleben sollen das Interesse wach erhalten.

An Punkten, wo Boote nicht anwendbar sind, werden Ra- keten-Stationen errichtet, um den Schiffbrüchigen Rettungsleinen zuzuschießen. In Noth und Elend, welches durch Unglücksfälle auf See entstanden ist, wollen wir helfen eingreifen. Große Mittel sind hierzu erforderlich, denn schon die Einrichtung einer einzigen Rettungsboot Station kostet etwa 3000 THIr. und 500 Thlr. jährliche Unterhaltungskosten.

Wer ein warmes Herz für unser Seewesen hat, der trage hier nach Kräften bei. Die kleinste Summe ist von Nutzen. Wer sich zu einem jährlichen Beitrag von mindestens 1 Thlr.,' oder einer einmaligen Gabe von mindestens 25 Thaler verpflich­tet, wird Mitglied unseres Vereins [mit Sitz und Stimme in ' der General-Versammlung.