M 62» ^-«A^eLS, Mittwoch Den 5. August L8S4.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 10 Sgr. pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Petü-Zeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben diejenigen Personen, welche für das nächste Jahr Gewerbescheine zum Gewerbetrieb im Umherziehen wünschen, mittelst ortsüblicher Bekanntmachung aufzufor- dern, ihre deshalbigen Gesuche vor dem 1. October d. I. bei dem Unterzeichneten anzubringen, dieselben auch dabei ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß Alle, welche dieses unterlassen würden, sich die nachtheiligen Folgen, welche durch verspätete rechtzeitige Anmeldung etwa für sie entstehen könnten, selbst zuzuschreiben hätten.
Hersfeld, am 3. August 1874.
Der Königliche Landrath AuffL^th.
Die Erledigung der Schulstelle zu Sorga vom 1. Oktober d. I. ab wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß Bewerber um dieselbe ihre Meldungsgesuche unter Beifügung der nöthigen Sitten- und Befühig- uugszeugniffe binnen 3 Wochen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen LokalschulinspectorPfarrer Dr. Vial dahier einzureichen haben.
Hersfeld, am 3. August 1874.
Der Königliche Land rath Auffart H.
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Tagesbegebenheiten.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. August. Die Dispositionen über die Rückreise des Kaisers sind nunmehr, wie die „N. 3" erfahrt, definitiv dahin getroffen, daß die Abfahrt von Gastein am Freitag, den 7., Morgens 8 Uhr, erfolgt; Diner in Werfen Mittags 1 Uhr, in Salzburg Abends 6z Uhr Souper im „Erzherzog Carl", Sonntag, den 8., Vormittags von Salzburg Morgens 8£ Uhr, in Pastau 12z Uhr, daselbst während eines Mündigen Aufenthaltes Dejeuner. Von Passau Nachmittags 1^ Uhr, in Eger Abends 7 Uhr, Diner im Bahnhofshotel Welzel, Sonntag den 9. August, von Eger Morgens 8j Uhr, in Neichenbach 11^ Uhr, in Leipzig Nachmittags 1 Uhr 17 Min, in Witten- berg 2 Uhr 16 Min. und daselbst Diner. Von dort Nachmittags 3 Uhr nach Berlin und Ankunft hierselbst 4 Uhr 50 Min. — Vdm Anhälter Bahnhof begiebt sich der
Kaiser direkt nach dem Potsdamer Bahnhof und setzt von dort um 54 Uhr per Extrazug die Fahrt nach Neuendorf fort.
Kiel, 1. August. Die beiden für die spanischen Gewässer bestimmten Fahrzeuge „Nautilus" und Albatroß" hatten gestern bei der kaiserlichen Werft zuDüstern- brook angelegt, um Kohlen einzunehmen; wie verlautet, werden sie wahrscheinlich am Donnerstag in See gehen. Beide Fahrzeuge sind zur Küstenbewachung vortrefflich geeignet, sie sind bekanntlich mit Rücksicht auf die flachen asiatischen Küstengewässer konstruirt und zu dem Zwecke gebaut, wirksame Mittel zur Verfolgung der chinesischen Seeräuber zu besitzen. Sollte zwischen den Mächten eine Verständigung darüber erzielt werden, den Karlfften die Zufuhr von Waffen und Munition von der Seeseite abzu- schneiden,so würden die beiden leichten, schnell- beweglichen deutschen Dampfer wahrscheinlich bessere... DjLvsie thim, als ein ganzes Geschwader von Panzerschiffen. Es wird selbst nicht leicht einem schnellsegelnden englischen Thee-Klipper gelingen, eine Blockade zu brechen, welche „Nautilus" und „Albatroß" aufrecht zu erhalten haben. Die Wahl dieser beiden Schiffe kann in der That als eine glückliche bezeichnet werden, denn sie ist die zweckmäßigste, die getroffen werden konnte. (Kieler Ztg.)
Magdeburg, 31. Juli. Gestern ha- ben, wie die „M. Z " meldet, bei den Vorstehern des hiesigen katholischen Vincenz- und Norbertusverein polizeiliche Haussuchungen stattgefunden und sind dabei verschiedene Schriftstücke mit Beschlag belegt worden. Allem Anscheine nach hat festgestellt werden sollen, ob die Vereine Mitglieder des Mainzer Katholikenvereins sind. Bei dem Nor- bertusvereine, der in seinen Versammlungen kirchen-politische Themata erörterte und deshalb polizeilich überwacht wurde, war dies, wie uns mitgetheilt wird, nicht der Fall.
England.
London, 3.August. Eine Vereinigung von britischen Geistlichen, welche am 31. Juli in Dublin stattgefunden hat, hat ein Glückwunschschreiben an den Fürsten Bis- marck aus Veranlassung des gegen ihn gerichteten Mordversuchs abgesandt. Das Schreiben erklärt, ein solcher Versuch habe nur von einer Macht ausgehen können, welche sich stets und allenthalben der Zivi- lisation, dem Fortschritt und der Freiheit feindlich erwiesen chabe. Fürst Bismarck habe Frankreich, Roms erstgeborene Tochter, gezüchtigt, Deutschland gestärkt und geeinigt und den Protestantismus zur großen Kontinentalmacht erhoben. Wegen dieser glän
zenden Dienste habe er sich den Haß der durch die Jesuiten vertretenen römischen Kirche zugezogen; es sei daher nicht überraschend, wenn sein Leben einem Angriffe ausgesetzt worden sei. (N. A. Z.)
— Nach Berichten aus Merthys-Tydvil in Wales wird dort ein Strike unter den Grubenarbeitern erwartet, an welchem sich etwa 15 — 20,000 Arbeiter betheiligen dürften.
London,4.August. Der Kronprinz und die Kronprinzessin des Deutschen Reichs und von Preußenbega« den sich gestern von Sandown nach Vent- nor, um von da aus der Kaiserin von Oesterreich in Steephill Castle einen Besuch abzustatten und wohnten darauf in Ryde einer Revue der Truppen und der Freiwilligenregimenter bei.
London, 30. Juli. (Furchtbares S ch i f f e u n g l ü ck.) Allgemeine Aufregung verursachen bU näheren Nachrichten über den bereits telegraphisch gemeldeken Untergang des eisernen Schiffes „British Admiral" aus Liverpool auf den Klippen der Kingsinseln an der australischen Küste. Das verunglückte Schiff wurde v. I. in Liverpool für die Liverpooler Schiffseigner- Gesellschaft gebaut und besaß eine Tragkraft von 1,800 Tonnen. Auf seiner ersten Reise verlor es in der Bucht von Biscaya seine Masten und mußte nach Liverpool zurückkehren um aufs Neue ausgerüstet zu werden. Seine zweite Reise war eine höchst unglückliche, denn eine bewegte See beschädigte seine Chronometer und seinen Kompaß derartig, daß, als es sich dem australischen Festlande näherte, jede Berechnung unmöglich wurde, und während der Nacht befand es sich plötzlich unter den verhängnißvollen Klippen der Kingsinsel (Baß-Straße), ehe deren Nähe wahrgenommen wurde. Das Fahrzeug fiel auf seine Breitseite und dann entstand eine herzzerreißende Szene. Um 3 Uhr Morgens erwachten 49 Passagiere aus ihrem Schlafe und eilten in ihren Nachtgewändern auf das Verdeck, nur um zu sehen, wie das Schiff gegen schwarze schroffe Felsen geschleudert wurde, und jede Woge eine Bresche in dasselbe schlug. Nur ein kleines Boot war übrig geblieben, und in dieses retteten sich der zweite Steuermann, vier Matrosen und drei Passagiere. Fallende Sparren zertrümmerten alle die anderen Boote. Die meisten der Passagiere suchten eine Zuflucht auf dem Besanmast, aber bald darauf wurden sie und der Mast durch eine riesige Woge über Bord geschleudert. Der Hauptmast folgte, das Deck zertrümmernd, und in einer andern Minute versank das Schiff im Tiefwasser. Das