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treue ycrsfcld und Hünfeld.
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&ev6*el&, Sonnabend Den 15. August
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Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 10 Sgr. pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postanfschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Indem ich die Herrn Ortsvorstände des Kreises auf die Verfügung der Königlichen Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domainen und Forsten, vom 29. Juli d. I. in Rr. 29 des Regierungsamtsblattes vom Jahr 1874 aufmerksam mache und deren Beachtung erwarte, bemerke ich , daß nach einer Entscheidung des Herrn Finanz-Ministers die Veranlagung der Klassensteuerbeträge pro 1875 noch in der Thalerwährung dergestalt zu erfolgen hat, daß die Spalten 13 bis 25 der Klassensteuer-Rolle sowie die bezüglichen Spalten der dazu gehörigen Einkommens -Nachweisung für 1875 noch unverändert in Thalern auszufüllen sind, die Gesammtsumme in Spalte 25 der Klassensteuer-Rolle aber nach er- folgter Aufrechnung in Thalern gleichzeitig in Mark auöznvrücke« ist und auch die pro 1875 entstehenden Ab- und Zugänge sowie Ausfälle in Mark zu berechnen sind.
Hersfeld, am 14. August 1874.
Der Königliche Landrath Auffart h.
Montag den 17. d. Mts.
Vormittags 10 Uhr, sollen die dahier in Verwahrung befindlichen Waagen des früheren Staats-Eichamls Hierselbst, im Geschäftslocale des Unterzeichneten öffentlich meistbictend verkauft werden, wozu Kaufliebhaber eingeladen werden. Hersfeld, am 6. August 1874.
Der Königliche Landrath Auffarth.
Kreis Hünfeld.
Hünfeld, am 12. August 1874.
Donnerstag den 20. d. Mts.
Vormittags 10 Uhr sollen im Locale des Landrathsamtes die Waagen des früheren Staats-Eichamtes öffentlich aufs Meistgebot verkauft werden, wozu Kaufliebhaber eingeladen werden.
Der Königliche Landrath Götz.
Hünfeld, am 11. August 1874.
Die hierunter signallsirte Elisabeth Gewalt von Burghaun, ohngefähr 45 Jahre alt, hat sich seit 14 Tagen von ihrem Hei- mathsorte entfernt und treibt sich umher.
Alle resp. Polizeibehörden ersuche ich er- gebenst, die 2C. Gewalt im Betretungsfalle mir zuführen lassen zu wollen.
Der Königliche Landrath Götz.
Signalement der Elisabeth Gewalt.
Statur: klein, Nase: spitz, Aussehen: blaß und ältlich, Sprache: völlig unverständlich. Dieselbe befindet sich im Besitze einer Kötze.
Tagesbegebenheiten.
Deutsches Zleich.
Berlin, 12. August. Die Familie unseres Kronprinzen verweilt noch auf der Insel Wight. Ueber ihren dortigen Aufenthalt liegen folgende Mittheilungen vor:
Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten bewohnen in dem Oertchen Sandown, das, an der südöstlichen Küste der Insel gelegenem, zu den stilleren Plätzen der Insel gehört, drei kleine Landhäuschen (Cottages). Mit Ausnahme der beiden jüngsten Prinzessinnen badet die Kronprinzliche Familie regelmäßig vor dem Frühstück; das letztere, zu dem sich die ganze Familie versammelt, wird in dem Häuschen eingenommen, welches Ihre Kaiserlichen Hoheiten allein bewohnen. Zuweilen finden die Mahlzeiten auch in dem hübschen Garten, der die Cottage umgiebt, statt. Nach dem Frühstück spielen die Kinder am Strande oder fahren in Kähnen auf dem Waffer. Ab und zu werden weitere Ausflüge unternommen, theils aus der Insel selbst nach den verschiedenen Punkten an der Küste, die durch Eisenbahn verbunden sind, theils nach dem Festlande. Ueberall, wo die kronprinzlichen Herrschaften erscheinen, werden dieselben sympathisch und lebhaft begrüßt.
— Aus Kissingen wird gemeldet, daß Fürst Bismarck heute Vormittag um 92 Uhr in Begleitung seiner ganzen Familie nach Berlin abgereist ist. Der Fürst wurde von der zahlreich versammelten Volksmenge mit den lebhaftesten Acclamationen begrüßt. Auf dem Bahnhöfe waren der Regierungspräsident von Unterfranken, Graf von Lux- burg, der Badekommiffar, Graf von iPap- penheim, und der Berliner Polizeipräsident von Madai, anwesend, um sich von dem Fürsten zu verabschieden. — Der behandelnde Arzt des Fürsten Bismarck Dr. Diruff sen. ist vom Könige von Baiern zum Hofrath ernannt worden.
— Wie aus Guben gemeldet wird, beabsichtigt der Kaiser, dem in dortiger Gegend stattfindenden Manöver beizuwohnen und dabei auch in Guben seinen Aufenthalt zu nehmen.
— Die nach Spanien beorderten Kanonenboote „Albatroß" und „Nautilus" sind gestern, wie die „Kieler Zeitung" berichtet, unter dem Befehl des Corvetten-
capitäns Zembsch aus dem Kieler Hasen ausgelaufen. Die genannten Schiffe bilden eine besondere Kanonenbootklaffe und sind doppelt so groß, wie die Kanonenboote erster Klaffe. Sie halten jedes 601 Tons, haben eine Pferdekraft von je 600 und eine Besatzung von je 95 Mann, und führen 4 Geschütze.
— Aus Posen meldet der „Kuryer Poznanski", daß die ausgewiesenen Geistlichen, Dekan Michalek in Droszew und Propst Echaust in Skrzebani ihren Protest gegen die Anordnungen der staatlichen Diözesan- verwaltung zurückgezogen und darauf die Erlaubniß zur Rückkehr in ihre resp. Sprengel erhalten haben.
cfranüreidj.
Paris, Dienstag 11. August, Nachmittags. Oberst Vilette, ehemaliger Adjutant Bazaines, welcher freiwillig befreit Gefangenschaft theilte, ist gestern in Marseille verhaftet worden. Dem Vernehmen nach ist Bazaine in Begleitung seiner Gemahlin und seiner Kinder, die am letzten Sonntage zum Besuch in St. Marguerite eingetroffen waren, entflohen. Die Fahrzeuge, auf welchen die Familie Bazaines die Ueberfahrt nach der Insel gemacht hat, sollen zur Be- werkstelligung der Flucht benutzt sein.
Paris, Dienstag 11. August, Abends. Ueber die Flucht Bazaines sind hier noch folgende Mittheilungen eingegangen. Der Marschall entwich in einem Boot, welches an das Fort Marguerite herangefahren war. Bei dem Hinabgleiten scheint Bazaine sich verletzt zu haben, wenigstens weist das Seil Blutspuren auf. Das Boot fuhr auf einen Dampfer zu, der den Flüchtling noch im Bereiche des Forts aufnahm und ihn später, wahrscheinlich zwischen Ventimiglia und Genua, an das Land gesetzt haben wird. Oberst Billette ist in Marseille im Fort St Nicolas internirt worden.
Paris, Mittwoch den 12. August Abends. Die französische Regierung hat beschlossen, bezüglich der Anerkennung der spanischen Regierung dem Beispiele Englands zu folgen. Beja Armijo, der Vertreter der spanischen Republik in Paris, hat deshalb, wie der „Agence Havas" versichert wird sofort von seiner Regierung das erforderliche Beglaubigungsschreiben verlangt. — Der Marschall Mac Mahon wird voraussichtlich Versailles am 28. d. Mts. verlassen, um sich nach der Bretagne zu begeben. — Daß Bazaine sich bei seiner Flucht einer Strickleiter bedient habe, wird jetzt bezweifelt; man glaubt vielmehr, daß dieselbe angebracht worden sei, um die wahren Mittel zur Flucht zu verbergen. Die